Aufklärung über die Aufklärung

Mendelssohn und Lavater bei den Lessings
Mendelssohn und Lavater bei den Lessings

 

 

Aufklärung über Aufklärung

 

In jüngster Zeit hört man von Politikern und Journalisten immer wieder gut gemeinte Appelle an den "Geist der Aufklärung" oder an die "Werte der Aufklärung". Angesichts eines alten, wieder aufkeimenden Nationalismus in Europa und in den USA und angesichts autoritärer und totalitärer politischer Bewegungen, die die parlamentarische Demokratie und den freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat infrage stellen, entsteht offenbar das nur allzu verständ-liche Bedürfnis, sich nicht nur ideologisch positionieren, sondern auch historisch verankern zu können.

 

Leider wird dabei jedoch selten klar, was man eigentlich mit dem "Geist der Aufklärung" oder mit den "Werten der Aufklärung" meint. Denn das Meiste, was im 18. Jahrhundert auch von vielen berühmten Philosophen und Theologen, öffentlichen Intellektuellen und Ideologen für selbstverständlich genommen wurde, wird doch im heutigen Europa nur noch von wenigen Reaktionären zurück gefordert, aber auch von Konservativen nicht mehr verlangt, wie z.B. die Todesstrafe und die Leibeigenschaft, bestimmte Begriffe von Rasse und Volksgeist, ein religiös fundiertes Naturrecht und die absolute Monarchie von Gottes Gnaden, Kriege zwischen Völkern und Fürstentümern oder vormoderne Formen der Republik ohne säkulare Rechtsstaatlichkeit.

 

Aufklärung ist immer dann notwendig, wenn in der Öffentlichkeit dumpfe Vorurteile dominieren, wenn mutmaßliche Wahrheiten verschleiert und wahrscheinliche Verbesserungen der Verhältnisse verhindert werden. Zu solchen dumpfen Vorurteilen gehören zu Beginn des 21. Jahrhunderts vor allem rassistische Vorurteile und abwertende Stereotype über bestimmte Ethnien, wie z.B. über Araber und Farbige, Latinos und Asiaten oder Sinti und Roma sowie sexistische Vor-urteile über Alte und Behinderte, Männer und Frauen, Schwule und Lesben und schließlich auch religiöse Vorurteile gegenüber Juden, Christen und Muslime. Solche Vorurteile muss man auch dann nicht billigen oder billigend in Kauf nehmen, wenn man nicht mehr dem Fortschrittsglauben anhängt, dass sie eines schönen Tages verschwinden werden.

 

1. Vorurteile über die Aufklärung

 

Nun gibt es jedoch auch Vorurteile über die Aufklärung selbst, und zwar sowohl über die Epoche der Aufklärung im 18. Jahrhundert als auch über das wie Projekt der Aufklärung durch Philosophie und Wissenschaft. Aufklärung als intellektuelles Handeln ist aber immer auch dann notwendig, wenn in der Öffentlichkeit modische Schlagworte und leere Wort-hülsen verwendet werden, die ideologisch aufgeladen sind und kaum noch hinterfragt werden. Das gilt auch für die modische Verschlagwortung der Aufklärung selbst.

 

Für die kultur- und geistesgeschichtliche Epoche der Aufklärung sind seit einigen Jahrzehnten jene Historiker zuständig, die sich unter dem gemeinsamen Dach der International Society for Eighteenth-Century Studies (ISECS / SIEDS) in den nationalen Gesellschaften zur Erforschung der Epoche der Aufklärung zusammengeschlossen haben. Der Philosoph und Wissenschaftstheoretiker Jürgen Mittelstraß hat vorgeschlagen, dass es in der europäischen Kultur- und Geistes-geschichte eigentlich drei Epochen der Aufklärung gegeben habe:

 

Eine erste Epoche der Aufklärung stellt bereits die frühe klassische Periode der griechischen Philosophie dar, die Sokrates, Platon und Aristoteles eingeleitet haben. Durch sie wurden die frühe griechische Mythologie, der griechische Polytheis-mus und die vorsokratische Naturspekulation infrage gestellt und überwunden. Dazu haben später auch christliche Denker wie Augustinus oder Boethius beigetragen.

 

Eine zweite Epoche der Aufklärung fand dann in der Renaissance statt, wo Wissenschaft und Technik, Individualisierung und Historisierung einen ungeheuren Aufschwung erlebten, der dann erst wieder durch die Reformation und Gegen-reformation in die Schranken gewiesen wurde. Diese zweite Epoche der Aufklärung war zwar keine glanzvolle Epoche der Philosophie, jedoch ein Höhepunkt der technischen und praktischen Anwendung des bis dahin erlangten Wissens in den Künsten und Technologien sowie in Ökonomie und Politik.

 

Eine dritte Epoche einer Aufklärung war dann die heute auch so genannte Epoche der "Aufklärung" (Enlightenment / Les Lumieres) nach der Reformation, die kulturhistorisch zwischen der Frühen Neuzeit des 17. Jahrhunderts und der Romantik des 19. Jahrhunderts zu verorten ist. Wissenschafts-historisch liegt diese Epoche der Aufklärung nach dem Aufschwung der Newtonschen Mechanik (Principiae, 1687) und vor Laplace' Exposition du système du monde (1796).

 

Mittelstraß' Vorschlag ist hilfreich, sobald man sich einen allgemeinen Begriff davon machen will, was 'Aufklären' heißen kann, ohne sich mit diesem Namen nur auf die so genannte Epoche der Aufklärung im 18. Jahrhundert zu beziehen. Für die reflektierte Konstruktion eines solchen allgemeinen Begriffes vom überzeitlichen Projekt der Aufklärung sind nun aber nicht die Historiker des 18. Jahrhunderts zuständig, sondern Philosophen, die sich nicht alleine mit der Aufklärung im 18. Jahrhundert befasst haben. Manche von ihnen waren Juden und Christen, andere empiris-tische oder rationalistische Freidenker, die sich von den Philosophien von Platon und Aristoteles oder von den Konzeptionen der Epikuräer und Stoiker inspirieren ließen.

 

2. Vier philosophische Studien zum Verständnis der Aufklärung

 

Im Wesentlichen gibt es vier elaborierte Versuche, die in der philosophischen Forschung zum Begriff der Aufklärung einige Bedeutung erlangt haben:

 

Ernst Cassirer: Der deutsch-jüdische Philosoph stammte aus der Marburger Schule des jüdisch geprägten Neukantia-nismus und knüpfte in seinen philosophischen Schriften an Leibniz, Goethe und Kant an. Er war einer der ersten Neu-kantianer, der die Auseinandersetzung mit den modernen Entwicklungen in der Mathematik, in den Natur- und Geistes-wissenschaften suchte und deren Resultate integrierte. Cassirers philosophiehistorischen Diagnosen über Erkenntnis und die "Philosophie der Aufklärung" (1932) vermuten noch ganz optimistisch, dass "der Mensch" seit der Epoche der Renaissance gelernt habe, sich an verschiedenen "Werten" zu orientieren, die ihm nicht mehr durch tradierte Autori-täten oder durch einen objektiven Geist vorgegeben sind, sondern die er aus freien Stücken selbst zu verantworten hat. Wieder sollen es einmal selbst ernannte aufgeklärte Intellektuelle sein, die die Massen der Menschen beeinflussen, sich sittlich richtig zu orientieren, um sie zum erhofften "Licht der Vernunft" zu führen. Was ist dann jedoch aus der beharr-lichen Kritik der Aufklärer an der Schwärmerei geworden? Gilt das dann aber auch für die politischen Massenbewe-gungen der totalitären Ideologien von Faschismus, Nationalsozialismus und Marxismus-Leninismus? Nach den beiden Weltkriegen, nach dem Holocaust und dem Archipel Gulag, nach Hiroshima und Nagasaki klingt dieser ungebrochene Aufklärungsoptimismus jedoch irgendwie naiv, schal und schwärmerisch.

 

Theodor W. Adorno und Max Horkheimer: Nach den beiden Weltkriegen und nach der Aufklärung über den Holocaust sahen sich die beiden deutsch-jüdischen Intellektuellen gezwungen, in ihrer berühmten "Dialektik der Aufklärung" (1944) die radikale Frage zu stellen, inwiefern die europäische Aufklärung und Säkularisierung auch zu den ideologischen Massenbewegungen des Nationalsozialismus und des totalitären Marxismus-Leninismus geführt haben. Nicht nur der weltanschauliche Naturalismus mit seinem biologistischen Darwinismus und praktischen Instrumentalismus standen auf dem Prüfstand, sondern auch der "Aufstand der Massen" gegen den lebendigen Geist der Intellektuellen. Denn die klassischen philosophischen Fragen nach dem guten Leben und nach dem guten Staat wurden von ihnen ebenso attackiert hat wie die kritische Vernunft-philosophie Kants und die spekulative Geistmetaphysik Hegels. Deren kulturkritischen Analysen der kapitalistischen Kulturindustrie, die auch aufklärerisch anmutende Gedanken und Kunstwerke in käufliche Fetische und Waren verwandelt, hat bis heute nicht an Aktualität verloren. Das gilt auch für den wohlfeilen Ruf nach einer "neuen Aufklärung", die nicht mehr die harte "Arbeit an den Begriffen" (Hegel) auf sich nimmt und nur manisch und panisch politische Forderungen stellt, aber das mühsame "Bohren dicker Bretter" (Max Weber) zu umgehen versucht.

 

Panajotis Kondylis: Der griechische Ideenhistoriker und Gelehrte, der ähnlich wie Foucault eher an Nietzsche und Marx anknüpfte, versuchte in seiner umfangreichen Studie "Die Aufklärung im Rahmen des neuzeitlichen Rationalismus" (1981) den gesamten Diskurs der Epoche der europä-ischen Aufklärung etwas verkürzend auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Danach soll es sich bei den Diskussionen der Aufklärungsphilosophen insgesamt um einen Streit zwischen empiristischen Verteidigern der Sinnlichkeit und rationalistischen Verteidigern des Verstandes und der Vernunft gehandelt haben. Damit fällt Kondylis jedoch hinter Kant und Hegel zurück, da Kants kritische Philosophie ganz zurecht immer als eine fruchtbare Synthese aus empiristischen und rationalistischen Überzeugungen interpretiert wurde und da Hegel weder Kants philosophische Beiträge noch die theoretischen und praktischen Ziele der Aufklärung ganz verworfen hatte. Doch Kondylis' naturalistische Reduktion des begrifflichen Geisteslebens auf den instrumentellen Verstand im Dienste eines "Willens zur Macht" (Nietzsche) kann allen beliebigen Händen und Köpfen dienen, nicht nur Adolf Hitlers "Arbeitern der Stirn und Arbeitern der Faust", sondern auch Stalins mörderischen Schergen der russischen Revolution und Maos barbarischen Kämpfern der chinesischen Kulturrevolution.

 

Rainer Enskat: Anders als die bisherigen ideengeschichtlichen Studien zur Epoche und zum Diskurs der Aufklärung geht Enskat in seiner sehr dichten, scharfsinnigen und schwierigen Untersuchung (Bedingungen der Aufklärung, 2008) zuerst einmal von einer Analyse des Begriffes der Aufklärung aus. Zu einem befriedigenden Begriff der Aufklärung gehört es demnach, dass jemand Auskunft erteilen kann, wer (Aufklärende) [Erg. UWD], wen (Aufzuklärende) worüber (Sachen und Probleme), wodurch (Methoden und Ressourcen) und wozu (Ziele und Zwecke) aufklären will. Anhand dieser neuen Fragestellung rekonstruiert und diskutiert Enskat ausführlich, wie bereits Rousseau in seiner genialen Auseinandersetzung mit der Chemie und den führenden Aufklärern seiner Zeit auf das Kernproblem der Urteilskraft und die notorischen Schwierigkeiten einer „Aufklärung durch Wissenschaft“ gestoßen ist. Damit gewinnt diese Studie eine bleibende Relevanz für alle zeitgenössischen Intellektuellen, die nur allzu gerne an die neuzeitliche Epoche der europäischen „Aufklärung durch Wissenschaft“ anknüpfen würden. Denn daran scheitern immer noch alle begrifflich nicht hinreichend aufgeklärten Versuche einer vermeintlichen "Aufklärung durch Wissenschaft". Das gilt nicht nur, aber auch dann, wenn sie sich im Sinne eines positivistischen "Aufkläricht" (Kant) gegen Glaube und Vernunft, Religion und Theologie richten. Denn die modernen Wissenschaften, Künste und Techniken stellen uns Menschen immer wieder vor neue schwierige Herausforderungen, die jedenfalls nicht alleine mit Hilfe der Wissenschaften, Künste und Techniken selbst bewältigt werden können. Denn keine noch so gut bestätigte wissenschaftliche Theorie und keine noch so raffinierte technische Erfindung können uns sagen, wie man von ihnen „einen guten Gebrauch“ machen kann, um trotz aller erhofften Erfolge unerwünschte Nebenwirkungen und langfristige Schäden für Mensch und Natur zu vermeiden.

 

3. Aufklärung über Aufklärung

 

Sollte zeitgenössische Philosophen und Theologen, Wissenschaftler und Politiker trotz der zahlreichen Missverständ-nisse über den Begriff, die Epoche und das intellektuelle Projekt der Aufklärung weiter das modische Schlagwort der Aufklärung ins Feld der öffentlichen und politischen Debatten einführen? Können sie das tun, ohne wieder bloß ins Schwärmen zu geraten? Dürfen sie das tun, ohne über das uneingelöste Versprechen einer neuen Aufklärung selbst aufzuklären? Sollten sie das tun, ohne den ernsten Sachen und komplexen Problemen der ökomomisch-politischen und der ökonomisch-ökologischen Realitäten auszuweichen? Dazu brauchen wir vor allem nüchterne Diagnosen und dialektische Analysen über die Licht- und Schattenseiten der Epoche, des Begriffs und des Projektes einer Aufklärung der angeblich unaufgeklärten Bürger und Menschen. Denn die meisten klassischen Aufklärer zweifelten selbst zurecht an den hitzköpfigen Schwärmereien einer allzu seichten Aufklärerei.

 

Wer jedoch Aufklärung propagiert und damit eigentlich nur Atheismus, Szientismus und Historismus meint, der handelt weder historisch informiert noch philosophisch gebildet. Wer zu Beginn des 21. Jahrhunderts immer noch „Aufklärung“ propagiert, der muss redlicherweise auch sagen, was er damit wirklich meint. Denn Aufklärung als das ideologische und politische Projekt einer grenzenlosen Naturalisierung und Historisierung der öffentlichen Lebens-welten von Bildung und Wissenschaften, von Recht und Staat, von Wirtschaft und Politik ist bereits in dem blutigen, gewalttätigen und technokratischen 20. Jahrhundert krachend gescheitert. Dieses ideologische und politische Projekt basierte auf naturalistischen und historistischen Weltanschauungen des 18. und 19. Jahrhunderts, die nicht mehr für

das 21. Jahrhundert tauglich sind. Von daher bedarf es heute vor allem einer philosophischen und ideengeschichtlichen Aufklärung über Aufklärung, d.h. einer Aufklärung über die Epoche der Aufklärung, das Projekt der Aufklärung und über den Begriff der Aufklärung.

 

Eine gekürzte Version erscheint Anfang September 2019 im christlichen Medienmagazin PRO.

 


 

Rainer Enskat, Bedingungen der Aufklärung. Philosophische Untersuchungen zu einer Aufgabe der Urteilskraft

Velbrück: Wissenschaft 2008

 

Die Untersuchungen dieses Buches knüpfen an die traditionelle Vielstimmigkeit der Bemühungen um eine Klärung der Bedingungen der Aufklärung an. Sie reduzieren deren Komplexität, indem sie fragen: Aufklärung – wodurch, für wen, worüber, wozu?


Ohne moralische, rechtliche, politische und utilitäre Aufklärung weiß die Urteilskraft weder von den fundiertesten wissenschaftlichen Informationen ihrer jeweiligen Zeit noch von den zuverlässigsten wissenschaftsbasierten Handlungs-techniken ihrer jeweiligen Zeit in ihrer jeweils konkreten geschichtlichen Situation einen guten Gebrauch zu machen. Wissenschaftliche Informationen bleiben ohne die Obhut einer moralisch, rechtlich, politisch und utilitär aufgeklärten Urteilskraft praktisch stumm. Handlungstechniken, auch wissenschaftsbasierte Handlungstechniken, bleiben ohne eine solche Urteilskraft blind. Auch die beste Aufklärung durch Wissenschaft bleibt praktisch blind und stumm. Es bedarf daher der praktischen Aufklärung der Urteilskraft.

 

Rainer Enskat, geb. 1943, ist Professor für Philosophie an der Universität Halle. Von 2005 bis 2007 war er Mitglied und Geschäftsführender Direktor des Interdisziplinären Zentrums für die Erforschung der Europäischen Aufklärung.

 


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Rainer Enskat gibt der Urteilskraft ihre Bedeutung zurück – mit Rückgriff auf Rousseau

 

Die Sokratischen Anfänge der Aufklärung haben es trotz ihrer Fortsetzung durch Platon nicht vermocht, zugunsten dieser Bemühungen eine stabile und fruchtbare Tradition ins Leben zu rufen. Die Aufklärungsbedürftigkeit der Menschen sucht immer wieder von neuem nach Nahrung für die Berechtigung der Hoffnung, dass die Bemühungen um Aufklärung einer fruchtbaren und methodisch kontrollierten Disziplinierung zugänglich gemacht werden können – eine Hoffnung, wie sie wirkungsvoll vom Wissenschaftsenthusiasmus beflügelt wurde. „Der Mensch ist darum unglücklich, weil er die Natur verkennt“, schrieb d’Holbach. Dieses Unglück suchte man seit den initiativen szientis-tischen Impulsen durch Diderots und d’Alemberts Encyclopédie mit Hilfe der naturwissenschaftlichen Forschung zu reduzieren. Diese Bemühungen haben durch einen tiefgreifenden Gestaltwandel im Rahmen der Industriellen Revolution zu einer technischen Dauerrevolutionierung unserer praktischen Lebenswelt geführt sowie zu einer institutionellen, ökonomischen und personellen Begünstigung ingenieurswissenschaftlicher Transformationen von Forschungsresultaten aus Physik, Chemie und Biologie. Das szientistische Aufklärungsmodell wird indessen durch nichts in so spürbarer Weise in Frage gestellt wie durch die praktischen Ambivalenzen, die sich die Menschen einhandeln, wenn sie dieses Modell so energisch, einseitig und zielstrebig zu verwirklichen suchen, wie es ein ihm innewohnendes Aufklärungspotential rechtfertigen würde.

 

Der Hallenser Philosoph Rainer Enskat zeigt in seinem Buch

 

Enskat, Rainer: Bedingungen der Aufklärung. Philosophische Untersuchungen zu einer Aufgabe der Urteilskraft. 687 S., Ln., € 69.—, 2008, Velbrück, Weilerswist

 

die Geburtsfehler dieses szientistischen Aufklärungsmodells auf. Sie haben ihren Ursprung in der Blindheit, mit der dieses Modell in seinen Grundlagen geschlagen ist. Die szientistischen Aufklärungsmodelle leiden an einem gemein-samen Geburtsfehler: Sie trauen wissenschaftlichen Forschungsmethoden, -hypothesen und -resultaten Erkenntnisse zu, wie sie in diesem Rahmen aus prinzipiellen Gründen weder zuwege gebracht noch intendiert werden können – praktische Einsichten in das, was in einer konkreten geschichtlichen Situation aus rechtlichen, aus utilitären, aus politischen oder aus moralischen Gründen zu tun oder zu unterlassen richtig und wichtig ist und was nicht.

 

Wer eine Interventionstechnik in die praktische Lebenswelt einführt und hier einsetzt, um nützliche oder gar wohltätige Zustandsänderungen herbeizuführen, muss bereits ein gerütteltes Maß an praktischer Umsicht, Vorsicht und Rücksicht im Blick auf die praktische Gewichtung der konditionalen Umstände walten lassen, von denen die kausale und damit auch die praktische Tragweite der jeweiligen Interventionstechnik abhängt. Umsicht, Vorsicht und Rücksicht sind für Enskat die drei kognitiven Kardinaltugenden einer Kompetenz, die auf den alten Namen der Urteilskraft hört.

 

Kann man den Sozialwissenschaften unter diesen Voraussetzungen eine Kompetenz für die Aufklärung zutrauen? Immerhin ist kaum eine Generation vergangen, seit man anfangen hat, den Sozialwissenschaften die Leitfunktion der Aufklärung zuzutrauen, weil man bestimmten Methoden und Resultaten ihrer Arbeit eine emanzipatorische Funktion meinte zutrauen zu können. Für Enskat ist es kein Zufall, dass sich die wichtigsten soziologischen Beiträge zu diesem Thema inzwischen am Muster der ärztlichen Diagnose orientieren. Aber die sozialwissenschaftlichen Aussagen, die überhaupt für Diagnosen in Frage kommen, müssen auf das wichtigste Funktionselement verzichten, das sie in Analogie zu ärztlichen Diagnosen ebenfalls zu praktischen Diagnosen stempeln würde: auf normativ-praktische Begriffe. Es wirft deshalb ein aufschlussreiches Licht auf das emanzipatorische Aufklärungsmodell der Sozialwissenschaften, dass die Urteilskraft nur gelegentlich und in einer flüchtigen und randständigen Rolle auftaucht – die praktische Urteilskraft indessen überhaupt nicht. Für Enskat erweist sich das Fehlen einer entsprechenden Konzeption der praktischen Urteils-kraft als das entscheidende Handicap auf dem Weg zu einer wohlfundierten Konzeption der Aufklärung. Denn der kognitive Probierstein aller Aufklärung bildet die Trefflichkeit und die Tragfähigkeit von praktischen Beurteilungen bzw. Diagnosen. Nur durch sie durchschaut und erfasst eine individuelle Person im Jetzt und Hier ihrer individuellen Situation alle praktisch relevanten Umstände und den durch sie provozierten Handlungsbedarf so, dass sie dieser Situation sowohl unter Gesichtspunkten der Utilität wie der Rechtlichkeit, der Moralität oder der Politik auch praktisch gerecht werden kann. In der klassischen Sprache des 18. Jahrhunderts heißt dieses Ziel der Aufklärung Mündigkeit.

 

Es sind wechselnde Wissenschaftsgruppen, denen man bislang eine Tauglichkeit für eine Leitfunktion in der Aufklärung zugetraut hat.

 

Gegenwärtig wächst in immer größer werdenden Kreisen eine Neigung, den Biowissenschaften diese Leitfunktion anzu-sinnen. Zwar reagiert jedes Aufklärungsmodell auf eine konkrete geschichtliche Situation. Es macht darauf aufmerksam, dass die geschichtliche Situation, auf die es reagiert, unter zwei Aspekten eine Revision von Beurteilungen nötig macht: eine Revision dessen, was wissenswert ist, und eine Revision dessen, was praktisch wichtig ist. Unter diesen Voraus-setzungen scheint zwar jede Wissenschaft eine potentielle Aufklärungswissenschaft zu sein. Denn jede Wissenschaft kann in eine geschichtliche Situation geraten, in der die Menschen aus praktischen Gründen darauf angewiesen sind, über ein Wissen zu verfügen, wie es nur von dieser ganz bestimmten Wissenschaft erarbeitet werden kann. Doch auch in einer solchen Situation kommt eine Wissenschaft sogar im günstig­sten Fall nicht über eine Erfüllungsgehilfenschaft hinaus, wie sie ihr vor allem durch die Beratungsfunktion eröffnet wird. Doch ob einer Wissenschaft die Erarbeitung von etwas Wissenswertem zugetraut wird, hängt von den Urteilen der Menschen darüber ab, was in einer konkreten geschichtlichen Einzelsituation ihres Lebens praktisch wichtig, nötig oder nützlich ist und damit auch, was wissenswert ist und was nicht. Diese praktischen Beurteilungen können ihnen auch von der ausgereiftesten Wissenschaft nicht abgenommen werden. Im Gegenteil: Gerade sie haben das ausgeprägteste Bewusstsein davon, dass sie selbst gemein-sam mit den ratsuchenden Instanzen auf Kriterien des Wissenswerten angewiesen sind. Für Enskat gehört zur Auf-klärung das unablässige Bemühen, die Kriterien zu klären, mit deren Hilfe man in kontrollierbarer Weise beurteilen kann, was aus praktischen Gründen wissenswert und was nicht. Aufklärung ist daher jederzeit trotz Wissenschaft nötig.

 

Der am tiefsten blickende Zeuge und Diagnostiker der schleichenden Revolution, die ein szientistisches Aufklärungs-modell von Anfang an durchmacht, war Rousseau. Am Ende desselben Jahrzehnts, an dessen Anfang die Encyclopédie zu erscheinen beginnt, teilt er seine ironische Diagnose mit: Mitten in so viel Licht, wie es die Aufklärung durch Wissen-schaft verbreitet, sind wir mit Blindheit geschlagen. In Rousseaus Überlegungen ist die praktische Relevanz von wissen-schaftlichen Informationen, die in der Öffentlichkeit kursieren, ausschließlich an deren praktische Brauchbarkeit gebunden. Die Aufklärungsrelevanz von Informationen hängt daher nicht davon ab, ob sie von der Wissenschaft erarbeitet worden sind, sondern davon, ob sie praktisch relevant sind. Enskat ist mit Rousseau einig, dass sich jedes Aufklärungsmodell, das die chronische praktische Aufklärungsbedürftigkeit des Menschen vernachlässigt, seine eigene Unzulänglichkeit eingestehen muss. Das Modell einer Aufklärung durch Wissenschaft ist geradezu der Prototyp eines solchen Aufklärungsmodells. Rousseau sorgt sich im Schatten dieses Modells daher wegen einer drohenden Verküm-merung der praktischen und politischen Urteilskraft. Er entwirft daher nach und nach ein Modell einer reifen Urteils-kraft, die genau einschätzen kann, was die Wissenschaft im ganzen wert ist, was nützlich zu wissen ist, was wichtig zu wissen ist und was würdig ist, erforscht zu werden, sowie eine am Erwerb einer solchen Urteilskraft orientierte Didaktik. Die politische Urteilskraft reift z. B. nur in dem Maß, in dem sie lernt, die normativen Aspekte, Kriterien und Regeln, die der Struktur eines republikanischen Gemeinwesens angemessen sind, in höchst differenzierter Weise auf die unter-schiedlichen und sich wandelnden Situationen der Bürger abzustimmen. Rousseau arbeitet drei verschiedenartige Risiken heraus, auf die man sich im Schatten eines rigoros praktizierten szientistischen Aufklärungsmodells gefasst machen muss:

 

1. Die Beurteilungskompetenz der allermeisten Bürger bleibt chronisch hilflos hinter dem Niveau der Beurteilungs-probleme zurück, die wissenschaftliche und technische Informationen aufgeben.

 

2. Mit der Komplexität der wissenschaftlichen Arbeit wächst nicht nur die Komplexität ihrer Wahrheitsfindigkeit, sondern auch die ihrer Irrtumsträchtigkeit. Eine politisch institutionalisierte Aufklärung durch Wissenschaft verbreitet durch die uneingeschränkte gesellschaftliche Proliferation von Informationen über Forschungsresultate unvermeidlich auch immer mehr Irrtumsrisiken in einer Gesellschaft, die diesen Irrtumsrisiken nicht weniger hilflos ausgeliefert ist als den Erkenntnissen der wissenschaftlichen Arbeit.

 

3. Die praktische und die politische Urteilskraft aller Bürger wird um den Preis ihrer Regression in dem Maß vernach-lässigt, in dem sie ihre Aufklärung durch Aneignung wissenschaftlicher und technischer Informationen zu erwerben suchen.

 

Der kognitiven Kompetenz des Laien fehlt per definitionem gerade der methodisch-technisch-theoretische Authen-tizitätskern der Experten-Kompetenz. Alleine deswegen bleibt auch der informierteste Laie chronisch durch einen undurchdringlichen „Schleier des Nichtwissens“ vom Know-how des Experten getrennt. Er versteht sich weder auf die Methoden und die Techniken, mit deren Hilfe man die Entdeckungen und die anderen Erkenntnisse zuwege bringen kann, über die er aufgeklärt werden soll, noch versteht er sich auf die Methoden und die Techniken der Begründung,

mit deren Hilfe die solche Entdeckungen und Erkenntnisse dokumentierenden Sätze in das System der schon bewährten wissenschaftlichen Sätze eingearbeitet werden sollen. Sogar der informierteste Laie ist im Schatten des enzyklopädi-schen Aufklärungsmodells in chronischer Weise auf einen tüchtigen Lotsen angewiesen, der ihm die Wege, Techniken und Methoden zeigen kann, mit deren Hilfe man eine schon entdeckte Wahrheit jederzeit wiederfinden kann.

 

Kant hat die Diagnosen und Mahnungen Rousseaus unter anderen Aspekten verarbeitet. Er macht in überzeugender Weise darauf aufmerksam, dass eine wissenschaftliche Untersuchungsmethode, die zum Irrtum führt, dies auch in der Praxis tut. Je vielseitiger, sorgfältiger und gründlicher die Erprobungen solcher Methoden ausfallen, umso legitimer kann man sich auf ihre Erfolgsträchtigkeit auch in der Praxis verlassen. Solche Erprobungen sind daher umso wichtiger je dringender es darauf ankommt, das Risiko von praktischen Misserfolgen zu verringern. Kant ergänzt Enskat zufolge Rousseaus rigideren, eher gleichsam produktorientierten Utilitarismus wissenschaftlicher Forschungsresultate zugunsten eines weitsichtigeren Utilitarismus der Risikoprophylaxe durch kontinuierliche Bewährungsproben für wahrheiterschließende Techniken und Methoden wissenschaftlicher Forschung. Gleichwohl ist Kants vergleichsweise liberaler methodologischer Wissenschaftsutilitarismus immer noch eine Frucht seiner Auseinandersetzung mit den Belehrungen – vielleicht besser: Bekehrungen –, die er durch sein Studium von Rousseaus Emile erfahren hat: Rousseau hat Kant aus seinem szientistischen Schlummer geweckt.

 

Für Enskat hat Rousseau durch die Wiederentdeckung der Urteilskraft in der Auseinandersetzung mit dem enzyklopä-dischen Aufklärungsmodell eine Einsicht gewonnen, deren Tragweite man schwerlich überschätzen kann. Und niemand sonst hat so eindringlich wie Rousseau vor den Risiken einer kognitiven Überforderung der Bürger durch die kommuni-kative Konfrontation mit Informationen über wissenschaftliche Arbeit gewarnt. Rousseau hat darauf aufmerksam gemacht, dass eine wahrhaft enzyklopädische Aufklärung durch Wissenschaft schon an der statistischen Begabungs-verteilung in einer Gesellschaft scheitert und daß eine wahrhaft wissenschaftliche Aufklärung von Laien an der Unmöglichkeit scheitert, das persönliche, methodisch-technisch-theoretische Know-how eines wissenschaftlichen Experten durch Informationsmedien auf andere Personen zu übertragen.

 

Ohnehin geht das Publikum auf seine eigene Weise mit der praktischen Blindheit des szientistischen Aufklärungs-modells um: sie wird von ihm einfach kompensiert. Jeder Adressat einer wissenschaftlichen Information fragt zwar ganz spontan im Licht des eigenen Bildungsgrades und im Licht der eigenen Wünsche, Sorgen, Hoffnungen und Ängste, kurz: im Licht der eigenen Lebenssituation und der eigenen Erfahrung nach der technischen Fruchtbarkeit und nach den praktischen Relevanzen und Tragweiten, die die von ihm rezipierten wissenschaftlichen Informationen für ihn mit sich bringen. Doch gleichzeitig überfordern sie die epistemische Urteilskraft jedes Laien schon auf einem vergleichsweise bescheidenen Komplikationsniveau maßlos.

 

Rousseau hat gezeigt, dass die Urteilskraft die einzige kognitive Instanz ist, die die scheinbar so trennscharfe, katego-riale Kluft zwischen authentisch Wissenden und Wissenden-aus-zweiter-Hand, zwischen aufklärungsbedürftigen und aufgeklärten Menschen restlos zum Verschwinden bringen könnte, wenn alle Menschen sie sowohl in ihrer epistemi-schen wie in ihrer praktischen Gestalt mit demselben Reifeniveau entwickeln könnten. Will sich das szientistische Aufklärungsmodell angesichts dieser Kognitions-Utopie nicht selbst preisgeben, dann steht ihm nur der Weg offen, den ihm mit einem pointierten Wink schon früh Diderot gewiesen hat: Es muss die Not seiner praktischen Blindheit durch die Tugend der „aufgeklärten Kunst“ des tüchtigen Forschers, Gelehrten und Wissenschaftlers kompensieren, mit der es möglich ist, auf den immer anspruchsvoller werdenden Forschungsfeldern mit aufgeklärter epistemischer Urteilskraft zwischen Wahrheit und Falschheit, Wahrheit und Wahrscheinlichkeit, Wahrscheinlichkeit und Unglaublichkeit sowie Gewissheit und Zweifelhaftigkeit zu unterscheiden. Im Gegenzug ist es die Sorge um die gefährdete Tüchtigkeit der praktischen und politischen Urteilskraft, wodurch Rousseau in seiner geschichtlichen Situation beunruhigt wird.

 

Das Programm einer Aufklärung der Urteilskraft personalisiert die Möglichkeiten und die Aufgaben der Aufklärung in einem unüberbietbaren Mass. Denn es soll nicht nur die Trefflichkeit optimiert werden, mit der die individuelle Person über das urteilt, was in individuellen Situationen, nützlich oder unnütz, gut oder schlecht und wissenswert oder nicht ist. In demselben Rahmen soll die Trefflichkeit der Urteilskraft sogar noch mit Blick auf die Aufgabe optimiert werden, in solchen Situationen das Format des eigenen Aufklärungsbedarfs einzuschätzen. Die Urteilskraft der individuellen Person erweist sich damit sowohl als das wichtigste Medium wie auch als die wichtigste Instanz der Aufklärung. Bei alledem kann die Urteilskraft auf keine andere Weise ertüchtigt werden als durch ihre unablässige und unmittelbare Aus-einandersetzung mit den kognitiven und praktischen Herausforderungen, die die ständig wechselnden Situationen des menschlichen Lebens mit sich bringen.

 

Kant hat sich Rousseaus Wiederentdeckung der Urteilskraft ein für allemal zu eigen gemacht und in zwei Richtungen fruchtbar gemacht. Zum einen ist die Urteilskraft für ihn „ein besonderes Talent…: eine Naturgabe, vorläufig zu urteilen…. wo die Wahrheit wohl möchte zu finden sein“. „Worauf kommt's an? (frägt die Urteilskraft)“, und Kant erläutert diese Charakteristik, indem er die Urteilskraft mit dem „Talent der Auswahl des in einem gewissen Fall gerade Zutreffenden“ identifiziert: Wer mit diesem Talent begabt ist, „weiss…. den springenden Punkt zu treffen (denn er ist nur ein einziger), worauf es ankommt“. Zum anderen bemüht sich Kant unablässig um eine systematische Ausarbeitung der Tragweite von Rousseaus Wiederentdeckung der Urteilskraft. Er nimmt insbesondere das von Rousseau formulierte Grenz-Problem ernst, bis zu welchem Punkt ich mich auf die Urteilskraft verlassen kann – das Ursprungsproblem des „critischen Geschäfts“, das ausgerechnet mit der Publikation einer Kritik der Urteilskraft seinen inneren und äußeren Abschluss findet: Nur in dem Maß, wie die Urteilskraft von einer verborgenen kriteriellen „Kunst in den Tiefen der menschlichen Seele“ profitiert, steigt ihre Chance, dass sie zu aufgeklärten epistemischen, praktischen und ästhetischen Beurteilungen dessen gelangt, worauf es im Jetzt und Hier einer Situation jeweils ankommt.

 

Quelle: http://www.information-philosophie.de/?a=1&t=7322&n=2

 


 

Für wie aufgeklärt halten Sie unsere Gesellschaft?

 

Der Populismus scheint allerorten im Aufwind, damit verbunden ist von einer "Krise der Demokratie" die Rede. Ist das auch eine Krise der Aufklärung?

 

"Aufklärung" ist einerseits eine Epochenbezeichnung, sagt der Philosoph Michael Hampe, und andererseits das Ideal einer bestimmten Lebensform: Ein Leben möglichst ohne Illusionen und ohne Grausamkeiten. Wie bedroht ist dieses Ideal angesichts von Fake News, Hysterie in den (sozialen) Medien und Angriffen auf die Werte eben der Aufklärung? Michael Hampe sagt dazu: "Es gibt keine Gesetzmäßigkeit der Geschichte, die die Aufklärung an ihr Ende gebracht hätte. Es steht bei uns, ob wir das Ziel einer aufgeklärten Lebensform weiter verfolgen wollen oder nicht." Es brauche aber neue Energie für die Idee der Aufklärung, einen Schub gewissermaßen – es brauche eine dritte Aufklärung nach der sokratischen Aufklärung in der Antike und der zweiten Aufklärung im 17. und 18. Jahrhundert.

 

Es gehe dabei darum, dass wir uns von der Vorstellung befreien, dass Geschichte nach Mustern verläuft, denen wir nur zuschauen können, sagt Hampe. Diese dritte Aufklärung muss, so argumentiert der Philosoph, eine Bildungsbewegung sein, die Bildungsprozesse nicht mehr nur als Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt ansieht – sondern als "Befähigung von Personen, kreativ gemeinschaftlich kulturelle Ziele hervorzubringen, jenseits der bestehenden Arbeits- und Wissens-gesellschaften".

 

Brauchen wir eine neue, eine dritte Aufklärung? Wie beeinflussbar sind die Entwicklungen, die im Moment vielen so große Sorge bereiten?

 

https://nicolai-publishing.com/products/die-dritte-aufklarung