Theodizee

 

 

Ein Versuch über die Theodizee

 

 

Zusammenfassung

 

In der Theodizee geht es um die aus verständlichen Zweifeln entstehende Frage "Wo bleibt Gott angesichts des konkreten und massiven Leidens in der Welt?". Eine Theodizee versucht, diese schwierige Frage zu beantworten, indem sie zeigt, dass und wie der Glaube an das Dasein, die Allmacht und die Allwissenheit Gottes trotz des schrecklichen und unermesslichen Leidens am natürlichen Schlechten und moralisch Bösen in der Welt mit dem Glauben an seine Güte (Liebe, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit) vereinbar sind.

 

Eine Theodizee kann von einem theologischen Standpunkt aus erfolgen und dann handelt es sich um eine Theodizee auf der Grundlage des jüdischen, christlichen, islamischen oder anderen Glaubens. Dies kann jedoch auch von einem philosophischen Standpunkt aus geschehen, der nicht auf die Grundlagen des jüdischen, christlichen, islamischen oder anderen Glaubens zurückgreift. Seine Quellen sind im Wesentlichen eigene Lebenserfahrung und Dialog mit Anderen, philosophische Tradition und metaphysische Reflexion.

 

Im Folgenden geht es primär um den Versuch einer philosophischen Theodizee. Eine solche philosophische Theodizee kann Juden, Christen, Muslimen und anderen Gläubigen aus nur allzu verständlichen Gründen immer noch als unbe-friedigend und unvollständig erscheinen. Das liegt dann an den immanenten Grenzen des philosophischen Denkens und ermöglicht eben dadurch wichtige Einsichten in die Verschiedenheit von Philosophie und Theologie sowie in die kommunale Unverzichtbarkeit einer theologischen Theodizee.

 

Im Folgenden versuche ich im Anschluss an das epikureische Trilemma, den Kern der biblischen Erzählung von Hiob sowie an die spekulative Lehre von Leibniz und an die skeptische Auffassung von Kant zu zeigen, dass und wie auch noch zu Beginn des 21. Jahrhunderts eine philosophische Theodizee auf der Grundlage eines modernen spekulativen Panentheismus der kontinuierlichen und schöpferischen Evolution der kontingenten Weltgeschichte möglich ist.

 

Ich verteidige eine solche philosophische Theodizee gegen den naturalistischen, pragmatischen und skeptischen Zeit-geist und widerspreche damit vor allem moderaten und militanten Atheisten, die bereits das Dasein Gottes leugnen, und deswegen schon gar nicht mehr die nur allzu verständliche Zweifelsfrage des Problems der Theodizee vernehmen und verstehen, geschweige denn im Zwiegespräch mit leidenden Menschen angemessen beantworten können. Dabei kommt es darauf an, den gesunden Menschenverstand zu bewahren und sich weder in unverständlichen Spekulationen noch in esoterischen Verstiegenheiten zu verlieren.

 

Eine philosophische Theodizee hat jedoch unüberwindbare Grenzen und kann deswegen die Menschen nicht immer emotional und kognitiv zufrieden stellen und alle berechtigten Zweifel beseitigen. Die Antwort des modernen Panentheismus besteht vor allem in der schweigenden, mitfühlenden und tätigen Zuwendung zu den leidenden Menschen und im solidarischen Versuch, konkrete Abhilfe zu schaffen, die konkrete Not zu lindern und die tiefe Verzweiflung durch eine realistische Hoffnung auf eine bessere Zukunft zu vertreiben.

 

Ulrich W. Diehl, Heidelberg im Oktober 2019 - Forthcoming