Positionen im Vergleich

 

 

 

 

Raffael, Schule von Athen
Raffael, Schule von Athen

 

 

 

Idealistische und realistische Positionen der Philosophie.

 

Metaphysik im Licht der Erkenntnistheorie

 

 

 

A. Idealistische Philosophien

 

Idealistische Philosophen behaupten auf die eine oder andere Weise, dass es keine von meinem bzw. unserem menschlichen Bewusstsein und Geist unabhängige Wirklichkeit gibt. Dabei muss man jedoch zwischen verschiedenen starken und schwachen Varianten des Idealismus unterscheiden. Die starken Varianten, wie z.B. von Platon, Berkeley oder Descartes, gelten in der gegenwärtigen (europäischen) Philosophie als nur noch historisch relevante Positionen und nur noch ganz wenige Philosophen nach Kant und Hegel, Brentano und Wittgenstein verteidigen noch diese Art von idealistischen Positionen mit allen ihren Konsequenzen. Dies hat vor allem mit der Tatsache zu tun, dass auch der Deutsche Idealismus als gescheitert gilt. Im Folgenden werden sechs überlieferte Varianten eines stärkeren oder schwächeren Idealismus unterscheiden und deren Auffassungen skizziert. Dass dazu gewisse Vereinfachungen nötig sind, versteht sich von selbst.

 

 

1. Objektiver Idealismus (Platon)

 

Es gibt eigentlich nur gewisse zeitlose Ideen (Klugheit, Gerechtigkeit, Besonnenheit, Tapferkeit, Frömmigkeit, etc.) und universale und zeitlose Formen von Dingen (Menschen, Tiere, Pflanzen, Mineralien, etc.) sowie abtrakte Entitäten (Zahlen und geometrische Figuren). Ihnen alleine kommt volle und eigentliche Realität zu, weil sie beständig und unvergänglich sind, während die konkreten zeitlichen und vergänglichen Einzeldinge, Ereignisse und Prozesse in der Welt nicht eigentlich und wirklich existieren. Der Mensch besteht aus einem vergänglichen Körper, einer lebendigen Seele und einem unsterblichen Geist, mit dem er an der Realität dieser Ideen und Formen und damit an etwas Ewigen und Göttlichen teilhaben kann. Dadurch unterscheidet er sich wesentlich von allen anderen Lebewesen, wie den Tieren und Pflanzen, die über keinen solchen (angeblich) unsterblichen Geist verfügen. Dieser Geist verlässt nach dem leiblichen und seelischen Tod den Körper, der nur eine Art von Hülle oder Gefäß für ihn ist. Die verschiedenen Götter der Menschen sind zwar nur von den Menschen geschaffene Bilder von sittlichen Ideen, aber das Weltall wurde von einer schöpferischen Gottheit, dem Demiurgen geschaffen. Gleichwohl ist die Materie, aus der diese Welt besteht und geschaffen wurde, nicht nur etwas, das keine eigenständige und wirkliche Realität, sondern auch der Ursprung des Bösen. (Mythologischer Theismus)

 

 

2. Problematischer Idealismus (Descartes)

 

Es gibt zwei grundsätzlich verschiedene Arten von Substanzen in der Welt: (1.) Materielle Substanzen (res extensa), die ausgedehnt, beweglich und veränderbar sind, zu denen sowohl mein eigener Körper (corpus) als auch die wahrnehmbaren Körper der anderen Menschen gehören; und (2.) denkende Substanzen (res cogitans), wie z.B. meine eigene Seele (anima) mit ihren verschiedenen Bewusstseinsphänomenen (cogitationes), in der sich auch angeborene Ideen befinden, wie z.B. die Idee Gottes (idea dei). Ich selbst bin als Mensch eine denkende Substanz im Gegensatz zu meinem Körper, der eine ausgedehnte Substanz ist. Ich habe zwar bestimmte Vorstellungen (repraesentationes) von solchen ausgedehnten Substanzen in meinem Bewusstsein. Aber ich kann weder die Existenz dieser materiellen Dinge noch die Existenz anderer Menschen und deren Seelen beweisen, denn es könnte sein, dass ich das alles nur träume, sondern nur das Dasein Gottes als des höchsten und vollkommensten Wesens. Denn die evidente Idee von Gott als dem höchsten und vollkommensten Wesen finde ich unmittelbar in meinem Bewusstsein und die Notwendigkeit der Existenz Gottes ist bereits im Begriff von Gott als dem höchsten und vollkommensten Wesen enthalten. Aber meine gewohnte Überzeugung von der Existenz der Außenwelt mit ihren von meinem eigenen Bewusstsein unabhängigen Substanzen ist nur eine Annahme, die nicht die gleiche Evidenz der klaren und deutlichen Vorstellungen in meinem Bewusstsein besitzt. Dennoch kann und darf ich mich auf die Existenz der Außenwelt verlassen, denn in meinem Bewusstsein finde ich die angeborene Idee von Gott als einem höchst gütigen Wesen, das mich nicht dauerhaft über die Existenz dieser Außenwelt täuschen würde so wie es ein mächtiger böser Dämon tun könnte. (Rationaler Theismus)

 

 

3. Dogmatischer Idealismus (Berkeley)

 

Es gibt keine von den wechselhaften Wahrnehmungen und Vorstellungen im Bewusstsein unabhängigen materiellen Dinge, d.h. Gegenstände mit ihren sich verändernden Eigenschaften in der Welt, sondern nur das jeweils eigene Bewusstsein, das Bewusstsein anderer Personen und den einen Geist Gottes, in dem sich die Gesamtheit des Bewusstsein aller Menschen befindet. Sein ist deswegen gar nichts anderes als Wahrgenommenwerden (Esse est percipi.). Unabhängig davon gibt es kein wirklich Seiendes, auch wenn uns die menschlichen Sinne im Alltag den Anschein selbstständiger materieller Dinge vermitteln. Gott ist das eine, zeitlose und allumfassende Bewusstsein, indem sich alle wechselnden Erscheinungen befinden. (Mystischer Theismus)

 

 

4. Subjektiver Idealismus (Fichte)

 

Es gibt gar keine von meinem eigenen Bewusstsein unabhängige Welt der Dinge, d.h. Gegenstände mit ihren sich ändernden Eigenschaften, sondern es gibt nur mich selbst, mein absolutes Ich, und meine Bewusstseinsakte und -phänomene. Welche Gegenstände mir im Alltag und in den Wissenschaften als eigenständige und beharrliche Dinge in der Welt erscheinen mögen und welche ich demzufolge auch für unabhängige Dinge in der Welt halte, handelt es sich bei ihnen nur um etwas, was ich mit meinem eigenen Bewusstsein und Geist gesetzt bzw. erzeugt habe. Auch jedes andere Ich (Subjekt) mit seinen jeweiligen Bewusstseinsakten und -phänomenen ist nur eine Erscheinung in meinem eigenen Bewusstsein und Geist (Solipsismus) und selbst Gott ist auch nur eine Vorstellung im meinem Bewusstsein und eine Setzung bzw. ein Erzeugnis meines Geistes. Der subjektive Idealismus führt deswegen in objektiver Hinsicht zu einem dogmatischen Atheismus und in subjektiver Hinsicht zu einem Mystizismus, demzufolge Gott eine Erscheinung in meinem eigenen Bewusstsein bzw. eine Setzung meines absoluten Geistes darstellt. Eine solche von mir gesetzter bzw. erzeugter Gott ist dann jedoch nur eine Fiktion meines eigenen Geistes. Objektiv betrachtet gibt es dann jedoch gar keinen Gott, der von den Setzungen meines eigenen Geistes unabhängig ist, sodass es sich dann aber um eine Leugnung Gottes im Sinne der monotheistischen Religionen handelt. Denn in den Glaubensweisen dieser Religionen (Judentum, Christentum, Islam, etc.) bin ich als Subjekt, Person oder Mensch nur ein Geschöpf Gottes und Gott ist nicht bloß eine Schöpfung meines Geistes. (solipsistischer Atheismus)

 

 

5. Monistischer Idealismus (Schelling)

 

Es gibt keine vom menschlichen Bewusstsein unabhängige Welt der Objekte, d.h. der Menschen, Tiere, Pflanzen und Mineralien. Was den Menschen aufgrund ihrer leiblichen Natur jeweils als ein einzelnes Objekt in der Welt erscheint und was sie jeweils für ein einzelnes Objekt in der Welt halten, ist ein anschauliches Produkt ihres eigenen leiblichen Bewusstseins. Das Subjekt bzw. das Ich ist zwar nichts Absolutes, das die Objekte und Personen in der Welt durch einen Urteilsakt des Geistes setzt und dadurch erzeugt (wie bei Fichte), aber sie sind gleichwohl nicht unabhängig von der Sinnlichkeit und dem Verstand der Menschen. Subjekte und Objekte bilden vielmehr einen wechselseitigen Zusammenhang und eine Einheit, sodass das einzelne Subjekt bzw. das Ich sozusagen identisch ist mit seiner jeweiligen Welt der Objekte. Der Mensch hat anders als die anderen Lebewesen (Pflanzen und Tiere) einen freien Willen und dieser freie Wille besteht in der menschlichen Fähigkeit zwischen dem Guten und dem Bösen zu wählen. Aber der Vorrang des Guten vor dem Bösen ist kein apriorisches Faktum der praktischen Vernunft (wie bei Kant), sondern eine Sache der freien Willkür in der Selbstbestimmung des Menschen. Auch Gott ist eine Vorstellung im menschlichen Bewusstsein, die uns von unserer leiblichen Natur eingegeben wird, insofern wir Gott als Schöpfer aller Wesen in der Natur denken und als verborgene Kraft in allen Dingen in der Natur vermuten. Gott befindet sich demzufolge sowohl in uns als auch in allen Dingen in der Welt. (Mystischer Panentheismus)

 

 

6. Historischer Idealismus (Hegel)

 

Es gibt keine vom menschlichen Bewusstsein unabhängige Welt der Einzeldinge und Subjekte, wie es der Common Sense und die Wissenschaften voraussetzen, sondern, was die Menschen jeweils zu ihrer Zeit für die Dinge in der Welt halten, hängt jeweils von ihrem geschichtlich gewachsenen und kulturell geformten Bewusstsein ab. Der naive oder direkte Realismus (Aristoteles), der sich noch nicht der Imprägnierung der subjektiven Erfahrung durch die eigenen Begriffe, Konzeptionen und Theorien bewusst ist, muss nach Descartes’ Entdeckung des Selbstbewusstseins und nach Kants Entdeckung der apriorischen Kategorien des Verstandes und Formen der Anschauung als überwunden gelten. Die neuere Philosophie hat nun die Aufgabe, die impliziten Begriffe, Konzeptionen und Theorien des Common Sense und der Wissenschaften, der Wissenschaften und Künste, der Moral und des Rechtes, der Ökonomien und Politien sowie der Religionen und Philosophien zu reflektieren. Insofern gibt es ein Primat des Geistes im Sinne eines historisch reflektierten Bewusstseins über die bloße Faktizität der Dinge in der Welt. Das reflektierte Bewusstsein von den kulturellen und sozialen Konstruktionen des menschlichen Geistes ist jedoch selbst wiederum ein historisch und kulturell gewachsene Form des menschlichen Geistes und keine naturwüchsige Gegebenheit. Dies zeigt sich zwar in der Geschichte aller Konstruktionen des menschlichen Geistes, aber insbesondere in denjenigen Formen des absoluten Geistes, die da sind: Philosophie, Kunst und Religion. Die in den positiven Religionen erscheinende Idee von Gott ist zwar auch eine Vorstellung in menschlichen Bewusstsein und welche bestimmten Vorstellungen die Menschen von Gott haben, aber sie hängt ebenfalls von der jeweiligen Kultur, Religion, Philosophie und Bildung ab. Die Religionen der Menschheit haben zwar eine eigene Entwicklungsgeschichte, ähnlich wie der einzelne Mensch sich von Kindheit und Jugend an hin zum Erwachsenen und schließlich zum Alter hin entwickelt. Die Religionen der Menschheit stehen jedoch nicht auf der gleichen Stufe in der geschichtlichen Entwicklung des menschlichen Bewusstseins und sind deswegen auch nicht als gleichwertig aufzufassen. Das Christentum steht auf der höchsten Stufe unter den positiven Religionen, weil es alle wesentlichen Merkmale einer idealen Religion in sich vereinigt (wie z.B. Schöpfungslehre, Ethos der Liebe, Erlösungslehre, Lehre von der Vergemeinschaftung, etc.). Aber auch das Christentum hat sich in verschiedenen Stufen von der Antike über das Mittelalter hin zur Neuzeit mit ihrer Dialektik von Aufklärung und Romantik weiter entwickelt. Das protestantische Christentum ist die höchste Stufe des positiven Christentums und in ihre vollendet sich damit das religiöse Bewusstsein der Menschheit. Gleichwohl ist auch das positive Christentum immer noch nicht die höchste Stufe in der Entwicklung des religiösen Bewusstseins. Die höchste Stufe des absoluten Geistes bleibt nämlich den Philosophen vorbehalten, in denen das religiöse Bewusstsein zu sich selbst kommt und in dem auch das positive Christentum im (historisch) reflektierenden Selbstbewusstsein des Philosophen aufgehoben wird. Der historische Idealismus führt dialektisch von der These des Pantheismus (Spinoza), demzufolge Gott mit der ganzen Natur identisch ist, und in der Konfrontation mit der Anti-These des Atheismus (Fichte), demzufolge es objektiv gesehen gar keinen Gott gibt, weil er nur eine Setzung des Menschen darstellt, zur Synthese eines historischen Theismus (Hegel), demzufolge Gott mit dem Weltgeist identisch ist, der in seinem Lauf durch die Weltgeschichte erst zu sich selbst kommt. (Historischer Theismus).

 

 

 

B. Realistische Philosophien

 

Realistische Philosophen behaupten auf die eine oder andere Weise, dass es eine vom eigenen individuellen sowie kollektiven menschlichen Bewusstsein und Geist unabhängige Wirklichkeit gibt, die bestimmte eigenständige Strukturen aufweist, die man teilweise wahrnehmen, teilweise erschließen und damit erforschen und entdecken kann. Dabei muss man jedoch auch zwischen starken und schwachen Varianten des Realismus unterscheiden. Die schwachen Varianten eines naiven, direkten oder empirischen Realismus, die jede implizite Präfiguration der empirischen Gehalte der menschlichen Wahrnehmungen von Gegenständen, Ereignissen und Prozessen durch die menschliche Sinnlichkeit (Reid), durch apriorische Formen der sinnlichen Wahrnehmung (Kant) oder durch bestimmte logische Strukturen des Denkens, Schließens und Urteilens (Kant) oder der Sprache (Herder, Humboldt, Wittgenstein, u.a.) ablehnen, werden nur noch selten vertreten und gelten in der zeitgenössischen Philosophie als nur noch historisch relevant. Nur noch wenige Philosophen nach Kant verteidigen noch diese Positionen mit allen ihren Konsequenzen. Kant hat damit auch den direkten Realismus des Aristoteles überwunden, der auf einer mangelnden Unterscheidung zwischen den Denkgesetzen der Logik und Semantik und den Seinsgesetzen der Sachverhalte in der Welt basierte und die Kategorien der menschlichen Orientierung in der Lebenswelt fälschlich als Strukturen der Welt ontologisierte. An der Differenz zwischen Denk- und Seinskategorien hat nach Kant jedoch auch der Neoaristoteliker Nicolai Hartmann festgehalten, aber nicht ohne den bewahrenswerten Kern von Kants Entdeckung der impliziten Präfiguration der menschlichen Urteile über die objektiven Gegenstände der Erfahrungswelt durch intersubjektive Denkkategorien festzuhalten. Da Kants kritische Philosophie nolens volens auch zur Initialzündung für die Entstehung des Deutschen Idealismus wurde, herrscht immer noch das (vor allem bei naiven bzw. direkten Realisten) weit verbreitete Missverständnis vor, dass Kant ein subjektiver Idealist gewesen sei. Das war er aber sicher nicht, da er sich aus guten Gründen sowohl vom problematischen Idealismus von Descartes als auch vom dogmatischen Idealismus von Berkeley distanziert hatte (Prolegomena). Den objektiven Idealisten Platon aber hielt er sogar wegen dessen bereits von Aristoteles kritisierten Ideenlehre für den “Erzvater aller Schwärmerei” (Logik-Vorlesung). Der junge Hegel hingegen hat in Glauben und Wissen in polemischer Absicht die entgegengesetzte, aber ebenfalls falsche These propagiert, das Kant immer noch ein bloßer Verstandesphilosoph in der Nähe der Empiristen Hume und Locke gewesen sei, so als ob sich Kants Philosophie auf die Analyse des empirischen Verstandes reduzieren ließe und so als ob es bei ihm keine Dialektik der denknotwendigen Ideen der menschlichen Vernunft (Gott, Seele, Welt, Freiheit, Determination, etc.) geben würde.

 

 

1. Objektiver Realismus (Aristoteles)

 

In der Welt gibt es sowohl Individuen wie Universalien, nämlich die verschiedenen Arten oder Sorten von Substanzen, nämlich (a.) Portionen von Materie als unbelebte materielle Körper , (b.) Pflanzen als belebte materielle Körper oder organische Lebewesen mit Wachstum und Fortpflanzung, aber ohne Bewusstsein und Empfindungen, sowie (c.) Tiere als belebte materielle Körper oder organische Lebewesen mit physischem Wachstum und Fortpflanzung, motorischer Selbstbewegung im Raum, instinktiver Intelligenz, Bewusstseinsfunktionen wie Wahrnehmungen und Empfindungen, aber ohne gemeinsame Sprache und logisches Denken, sowie (d.) Menschen als belebte materielle Körper oder organische Lebewesen  mit physischem Wachstum und Fortpflanzung, mit psychischer Entwicklung, motorischer Selbstbewegung, Bewusstseinfunktionen in Form von Wahrnehmungen und Emotionen (Affekte, Stimmungen, Empfindungen, Gefühle und Leidenschaften), Sprache und Denken, Urteilen und Handeln, Überlegungen und Argumentationsfähigkeit. Abstrakte Begriffe und allgemeine Ideen existieren jedoch (anders als bei Platon) nur im menschlichen Bewusstsein und Universalien existieren nur in den Dingen (universalia in rebus), aber nicht unabhängig von ihnen (wie bei Platon). Sowohl Allgemeinbegriffe als auch Ideen werden durch Abstraktionen bzw. Konstruktionen des Verstandes aus den empirischen Begriffen von den in der Erfahrung gegebenen Dingen mit ähnlichen oder gleichen Merkmalen gewonnen. Die Kategorien des Verstandes bezeichnen nach Aristoteles die allgemeinsten Hinsichten, nach denen man alles Seiende auf seine Eigenart hin befragen kann: Was ist etwas? Wie ist etwas beschaffen? Woraus ist etwas beschaffen? Wo befindet sich etwas? Wann findet etwas statt? Was tut jemand? Was erleidet jemand? Was verursacht etwas? Was bewirkt etwas? Wozu dient etwas? etc. Gott ist kein raum-zeitliches Ding in der Welt und kann deswegen auch nicht mit den Sinnen wahrgenommen werden. Das Dasein Gottes kann jedoch als absolute Ursache bzw. als erster Beweger des Universums mit logischer Stringenz erschlossen werden (Physikotheologie). Gott ist jedoch keine anthropomorphe Person und er greift nicht in die natürliche Welt ein, wie z.B. durch Wunder (Deismus), und sein Dasein kann rational nur aus der teleologischen Struktur der geordneten Vielfalt der Formen von Lebewesen in der Natur erkannt werden. (Physikotheologie)

 

 

2. Subjektiver Realismus (Locke)

 

Alle Erkenntnis und alles Wissen stammt ausschließlich aus der unmittelbaren Erfahrung von sinnlichen Eindrücken (impressions) in unserem Bewusstsein (Empirismus). Dies gilt auch für die Ideen (ideas) und die allgemeinen Begriffe (concepts), die durch Abstraktion aus den sinnlichen Eindrücken gewonnen werden. Sie sind demzufolge nicht dem menschlichen Intellekt angeboren, sondern aus der Erfahrung erworben. Im menschlichen Verstand gibt es demzufolge nichts, was nicht zuvor in den menschlichen Sinnen gewesen ist. Es gibt materielle Dinge, Pflanzen, Tiere und Menschen, deren unabhängige Existenz aus der menschlichen Erfahrung zuverlässig erschlossen werden kann, obwohl es keinen unmittelbaren Kontakt mit ihnen gibt, sondern nur mit sinnlichen Vorstellungen (presentations) von ihnen als Bündeln von Eigenschaften. Alle diese Dinge, Pflanzen, Tiere und Menschen haben primäre Eigenschaften (primary qualities), wie Ausdehnung, Masse, Gewicht, Bewegung, Stoßkraft, etc., während ihnen die sekundären Eigenschaften (secondary qualities), wie Farbe, Geruch, Geschmack, etc. nicht wirklich an sich zukommen, sondern nur den sinnlichen Präsentationen von ihnen im Bewusstsein. (Repräsentationalismus) Sekundäre Eigenschaften werden gewöhnlich, aber fälschlich für Eigenschaften der Dinge selbst gehalten, während sie eigentlich nur in psychischen Relationen zu solchen Dingen bestehen. Gott ist weder ein raum-zeitliches Ding in der Welt mit primären Eigenschaften, das an sich existiert, noch bloß eine sinnliche Präsentation in unserem Bewusstsein mit sekundären Eigenschaften. Die meisten Menschen haben jedoch eine aus der Erfahrung gewonnene Idee von einem solchen höchsten Wesen, und sie erklären damit den mutmaßlichen Ursprung der Welt. (Erfahrungstheologie)

 

 

3. Skeptischer Realismus (Hume)

 

Menschen glauben zwar gewöhnlich im Alltag und in den Wissenschaften, dass es Dinge in der Welt gibt, die vom menschlichen Bewusstsein unabhängig sind und die sie durch Erfahrung kennen (Empirismus). Dabei handelt es sich jedoch nur um eine natürliche Denkgewohnheit, die sie zwar aus praktischen Gründen für zutreffend halten, die sie jedoch weder rational begründen noch beweisen können. Die Welt ist nichts anderes als die Summe aller Felder der Erfahrung, die Menschen machen können. Die Welt an sich gibt es nicht und es gibt auch keinen objektiven Grund der Einheit der verschiedenen Felder der menschlichen Erfahrungen. Die Einheit der Erfahrungswelt liegt nur im intersubjektiven Grund der menschlichen Erfahrungen, also in dem sich wandelnden Bewusstseinsstrom der Menschen. Der Glaube an die Existenz eines Gottes, einer unsterblichen Seele, eines substanziellen Ichs angesichts des Stromes der Phänomene des Bewusstseins und eines freien Willens sind keine notwendigen oder auch nur natürlichen Denkgewohnheiten, sondern es handelt sich nur um kulturelle und historisch bedingte Überzeugungen, die von den individuellen oder kollektiven Denkgewohnheiten der Menschen abhängen. Alle Versuche eines rationalen Beweises der Existenz eines Gottes, einer unsterblichen Seele und eines freien Willens sind zum Scheitern verurteilt und der Glaube an das Dasein Gottes ist jedenfalls unvernünftig und wahrscheinlich falsch. Das Dasein Gottes lässt sich weder rational beweisen noch rational widerlegen. (Agnostizismus)

 

 

4. Kritischer Realismus (Kant)

 

Es gibt unzählig viele Dinge in der raum-zeitlichen Natur, d.h. dem Kosmos und der irdischen Natur, die zwar vom menschlichen Bewusstsein, Denken und Urteilen unabhängig sind, aber die wir nur durch sinnliche Erfahrung und mit empirischen Begriffen kennen und erkennen können. Solche raum-zeitlichen Dinge sind im logischen und sprachlichen Denken des Menschen Substanzen oder Einzeldinge mit ihren mannigfaltigen Eigenschaften, mit zeitlichen Veränderungen an diesen Substanzen und ihren Eigenschaften, in räumlichen Relationen zwischen diesen Substanzen sowie mit Kausalitäten und Wechselwirkungen zwischen ihnen, etc. Alle diese Dinge nennen wir Menschen "Gegenstände der Erfahrung" und auf diese bezieht sich unsere menschliche Erfahrungserkenntnis von den konkreten Einzeldingen in der Welt (mundus sensibilis). Daneben gibt es aber auch unzählige andere Dinge, die zwar keine Gegenstände der Erfahrung und Erfahrungserkenntnis sind, die jedoch für intelligente Lebewesen wie für die Menschen mit sprachlichem Denken, Selbstbewusstseins und Reflexion sowie Verstand und Vernunft intelligibel sind, d.h. gedacht und verstanden werden können, die jedoch keine solchen konkreten Substanzen oder raum-zeitliche Einzeldinge in der Natur sind (mundus intelligibilis). Solche Dinge sind die Vorstellungen im menschlichen Bewusstsein, d.h. Anschauungen und Empfindungen der Sinnlichkeit und Begriffe des Verstandes, Urteile der Urteilskraft und Entscheidungen des Willens, Ideen und Ideale der Vernunft, sämtliche Produkte der menschlichen Einbildungskraft und des intuitiven Ahnungsvermögens, etc. Alle allgemeinen Begriffe des Verstandes von konkreten Substanzen und Gegenständen in der Welt (Mineralien, Pflanzen, Tiere, und Menschen) stammen aus der Erfahrung und sind nicht angeboren. Diese empirische Erkenntnis von den erscheinenden Dingen an sich setzt jedoch von Anfang an apriorische Strukturen der raum-zeitlichen Erfahrung, apriorische Kategorien des logischen Denken und apriorische Prinzipien des rationalen Urteilens sowie regulative Ideen voraus, die selbst nicht allesamt aus der Erfahrung stammen (gegen den Empirismus). Diese apriorischen Strukturen sind jedoch auch nicht angeboren, sondern sie entstehen erst in der Entwicklung des menschlichen Bewusstsein, der Sprache und des Denkens. Mit Hilfe dieser apriorischen Vorgaben in den Erkenntnisvermögen von Sinnlichkeit und Verstand, Urteilskraft und Vernunft können Menschen als endliche intelligente Lebewesen die raum-zeitlichen Gegenstände in einer naturgesetzlich geordneten Welt objektiv erkennen. Dazu brauchen sie jedoch Anschauungen von diesen Gegenständen (Erfahrung) und Reflexion auf die angemessenen Urteile über die variierenden Anschauungen von diesem Gegenständen (Reflexion). Ohne die apriorischen (d.h. nicht-empirischen) Formen des menschlichen Erkenntnisvermögens wäre jedoch keine objektive Erkenntnis von den Gegenständen der Erfahrung möglich, weil uns dann nur wechselnde Erscheinungen im zeitlichen Nacheinander des Bewusstseins gegeben wären, aber keine beharrlichen Substanzen mit bestimmten Eigenschaften und Veränderungen in räumlichen Verhältnissen unter konkreten kausalen Bedingungen (Ursachen, Wirklungen und Wechselwirkungen) und allgemeinen Naturgesetzen. Diese transzendentalphilosophische Einsicht basiert jedoch nur auf einer kontrafaktischen Überlegung über die konkreten Bedingungen der Möglichkeit der realmöglichen Erfahrungserkenntnis im Alltag und in den Wissenschaften. Deswegen hat diese kontrafaktische Überlegung auch keine skeptischen oder idealistischen Konsequenzen, sondern erklärt nur die komplexen apriorischen Ermöglichungsbedingungen objektiver Erfahrungserkenntnis. Jenseits der inneren und äußeren Erfahrung des Menschen, die auf diese Weise objektive Erkenntnis von Gegenständen mit wechselnden Eigenschaften in der raum-zeitlichen Welt ermöglicht, gibt es zwar (a.) apriorische Erkenntnisse (Begriffe, Urteile, Schlüsse, Denkoperationen, Prinzipien, etc.) in Logik und Mathematik (Prolegomena) sowie (b.) apriorische Erkenntnisse (Imperative, Syllogismen, Denkoperationen, Prinzipien, etc.) in Moral und Recht (Metaphysik der Sitten) sowie (c.) apriorische Erkenntnisse (Begriffe, Urteile, Schlüsse, Denkoperationen, Prinzipien, etc.) in den empirischen Naturwissenschaften (Metaphysische Anfangsgründe der Naturwissenschaften), aber (d.) keine objektiven Erkenntnisse über das Intelligible (mundus intelligibilis) der Ideen und Postulate der theoretischen und praktischen Vernunft jenseits möglicher Erfahrung (mundus sensibilis), wie z.B. vom Sein, von Gott, von der Idee des höchsten Guten, von einer unsterblichen Seele oder von der Freiheit des Willens. Denn alle diese Inhalte von Ideen und Ideale kennen wir nur als etwas Intelligibles, d.h. aus verstehbaren Begriffen der Reflexion bzw. der Vernunft, aber nicht aus der sinnlichen Erfahrung von konkreten Gegenständen der sinnlichen Anschauung. Deswegen wäre es auch irreführend, diese Inhalte von Reflexionsbegriffen mit sinnlich erfahrbaren Gegenständen zu verwechseln und sie von daher für konkrete Substanzen in der raum-zeitlichen Welt zu halten (Amphibolie der Reflexionsbegriffe). Aus diesem Grunde gibt es anders als bei den erfahrbaren Gegenständen in Raum und Zeit von ihnen auch keine objektiven Erkenntnisse, sondern nur rationalen Glauben und philosophische Einsichten des Verstehens im dialektisch reflektierenden Denken. Da es sich bei ihnen zwar um für den Menschen denknotwendige Orientierungsbegriffe der Metaphysik, aber damit auch nur um intelligible Inhalte von Reflexionsbegriffen handelt und nicht um konkrete Realitäten, können weder das reale Dasein Gottes noch die reale Existenz eines freien Willens noch die reale Existenz einer unsterblichen Seele bewiesen werden. Objektive Realität bedeutet nämlich so viel wie erfahrbares Dasein von konkreten Gegenständen in Raum und Zeit. Alle rationalen Beweisversuche scheitern und sie erzeugen nur einen illusionären Schein von rationaler Stringenz und Plausibilität im Denken, denn sie beziehen sich nur auf Orientierung stiftende metaphysische Gedankendinge bzw. auf denknotwendige Inhalte von Reflexionsbegriffen. Aufgrund der Struktur der menschlichen Vernunft sind wir jedoch geneigt und darauf angewiesen, solche metaphysischen Fragen nach Gott, Seele, Welt, Natur, Freiheit und dem Guten nicht nur zu stellen, sondern auch an diese intelligiblen Dinge jenseits aller menschlichen Erfahrung und Beweisbarkeit zu glauben, weil die praktische Notwendigkeit dieses Glaubens für das moralische Bewusstsein in der Struktur unserer Vernunft selbst angelegt ist. Aber die objektive Realität der Gegenstände dieses metaphysischen Glaubens und Denkens lässt sich selbst nicht theoretisch stringent beweisen. (Ethikotheologie).

 

 

5. Direkter Realismus (Brentano)

 

In der Welt gibt es nur Individuen in Raum und Zeit. Aber diese Individuen teilen bestimmte Eigenschaften, aufgrund deren sie als Individuen ein und desselben Typs bzw. ein und derselben Art oder Sorte bestimmt und klassifiziert werden können. Auf diese Weise haben Menschen anhand ihrer Erfahrungen von Individuen in der Welt in allen Sprachen, Gesellschaften und Kulturen gewisse Allgemeinbegriffe gebildet, für die es in den verschiedenen Sprachen entsprechende Ausdrücke gibt. Aufgrund dieser Allgemeinbegriffe und Ausdrücke sind dann auch allgemeine Urteile als Urteile über bestimmte Mengen von Individuen möglich. Dadurch werden dann auch allgemeine ontologische Urteile möglich, wie z.B. (1.) dass es leblose materielle Körper gibt, (2.) dass es Pflanzen als organische Lebewesen mit Wachstum und Fortpflanzung, aber ohne Bewusstsein, Wahrnehmungen und Empfindungen, (3.) dass es Tiere gibt mit Wachstum und Fortpflanzung, motorischer Selbstbewegung, instinktiver Intelligenz, Bewusstsein, Wahrnehmungen und Empfindungen, aber ohne eine gemeinsame Sprache und logisches Denken sowie, (4.) dass es Menschen gibt mit physischem Wachstum und psychischer Entwicklung, motorischer Selbstbewegung und sinnlichen Wahrnehmungen, Bewusstsein und Selbstbewusstsein, Emotionen (Affekte, Stimmungen, Empfindungen, Gefühle und Leidenschaften), Sprache und Kommunikation, Denken und Urteilen, Reflexion und Argumentation (mit Hilfe von Ostension, Indexikalität, Prädikation, Proposition, etc.). Ideen, Universalien und abstrakte Gegenstände (Zahlen, Mengen, Funktionen, Figuren, etc.) sind nützliche Produkte bzw. Fiktionen der menschlichen Einbildungskraft und der Vernunft. Sie existieren jedoch nicht unabhängig vom menschlichen Bewusstsein und deswegen auch nicht in den Dingen selbst (universalia in rebus). Sie entspringen vielmehr nur den allgemeinen Begriffen, die durch Abstraktionen des Verstandes aus der Erfahrung von Individuen mit ähnlichen oder gleichen Merkmalen gewonnen werden. Gott ist weder ein Individuum in der Welt noch ist er mit der Welt bzw. der Natur identisch (wie im Pantheismus). Er kann auch nicht sinnlich wahrgenommen werden, sondern nur aus der Schönheit und Ordnung der Natur als ihr Schöpfer erschlossen werden. Gott ist jedoch nicht nur intelligente Schöpfer der Welt, sondern auch das höchste und vollkommenste Wesen, das als Ideal aller Ideale alle Vollkommenheiten in sich vereinigt. (Kosmotheologie)

 

 

6. Naturalistischer Realismus (LaMettrie, Feuerbach, Haeckel, u. a.)

 

In der Welt gibt es nur natürliche Gegenstände, Ereignisse und Prozesse in Raum und Zeit, auf der Erde und im Universum, nämlich anorganische materielle Körper und organische Lebewesen, wie Pflanzen mit Wachstum, aber ohne Bewusstsein, Wahrnehmungen und Empfindungen und wie Tiere mit physischem Wachstum und Fortpflanzung, motorischer Selbstbewegung im Raum, Instinktiver Intelligenz, Bewusstsein, Wahrnehmungen und Empfindungen, aber ohne gemeinsame Sprache und logisches Denken sowie Menschen mit physischem Wachstum und psychischer Entwicklung, motorischer Selbstbewegung, Bewusstsein und Selbstbewusstsein, Emotionen (Affekte, Stimmungen, Empfindungen, Gefühle und Leidenschaften), Sprache und Kommunikation, Denken und Urteilen, Reflexion und Argumentation. Die Bewusstseinsprozesse der Tiere und Menschen, wie z.B. Emotionen, Motivationen und Kognitionen, sind jedoch nichts anderes als physiologische bzw. biochemische Prozesse im Gehirn und Nervensystem menschlicher Organismen. Logische und semantische Strukturen und Funktionen des menschlichen Denkens, wie z.B. Ostension, Indexikalität, Prädikation, Proposition, Universalien, etc., aber auch ethische und ästhetische Ideen und die Prinzipien der Logik und Mathematik existieren weder unabhängig vom menschlichen Bewusstsein noch in den Dingen (universalia in rebus), sondern werden durch Abstraktionen des Verstandes aus der Erfahrung von Individuen gewonnen bzw. erfunden, um Erfahrungen zu strukturieren. Aber auch diese Abstraktionen des Verstandes lassen sich auf bestimmte Gehirnprozesse reduzieren. Eigentlich gibt es nur das kulturell bedingte und konventionelle Sprachverhalten und dann die linguistische Beobachtung von solchem Sprachverhalten, das durch biologisch erforschbare Gehirnprozesse gesteuert wird. Es gibt weder eine Seele noch einen Geist und das denkende Subjekt ist nichts anderes als das physiologisch erforschbare Gehirn und Nervensystem eines Menschen. Es gibt keinen Gott und das Wort ‘Gott’ entspringt bloß einer menschlichen Wunschvorstellung von einem höheren Wesen und dient einerseits der vorwissenschaftlichen Erklärung des Unerklärbaren der Entstehung der Welt, des Lebendigen und der menschlichen Intelligenz, und andererseits der Bewältigung der Angst der Menschen vor dem Tod, Leiden und unabwendbaren Schicksalsschlägen. (Naturalistischer Atheismus)

 

 

7. Materialistischer Realismus (Demokrit, Marx, Freud, u. a.)

 

In der Welt gibt es eigentlich nur mikroskopische und makroskopische materielle Gegenstände, Ereignisse und Prozesse in Raum und Zeit, auf der Erde und im Universum. Organische Lebewesen, wie Pflanzen mit Wachstum, aber ohne Bewusstsein, Wahrnehmungen und Empfindungen, sowie Tiere mit physischem Wachstum, motorischer Selbstbewegung im Raum, instinktiver Intelligenz, Bewusstsein, Wahrnehmungen und Empfindungen, aber ohne gemeinsame Sprache und logisches Denken bestehen letzten Endes aus nichts Anderen als aus großen Portionen von Materie, die aus kleinsten materiellen Partikeln zusammengesetzt sind, die miteinander interagieren. Selbst Menschen mit physischem Wachstum und psychischer Entwicklung, motorischer Selbstbewegung, Bewusstsein und Selbstbewusstsein, Emotionen (Affekte, Stimmungen, Empfindungen, Gefühle und Leidenschaften), Sprache und Kommunikation, Denken und Urteilen, Reflexion und Argumentation bestehen aus nichts Anderen als aus solchen Portionen von Materie und kleinsten materiellen Partikeln. Selbst Bewusstseinsprozesse der Menschen, wie Emotionen, Motivationen, Volitionen und Kognitionen sind nichts anderes als natürliche physiologische bzw. biochemische Prozesse im Gehirn und Nervensystem, die letzten Endes auch aus nichts Anderem als aus chemischen und physikalischen Partikeln bestehen. Logische und semantische Funktionen und Strukturen des menschlichen Denkens, wie z.B. Ostension, Indexikalität, Prädikation, Proposition, Universalien, etc., aber auch ethische und ästhetische Ideen und die Prinzipien der Logik und Mathematik existieren weder unabhängig vom menschlichen Bewusstsein noch in den Dingen (universalia in rebus), sondern werden durch die Abstraktionen des Verstandes aus der Erfahrung von Individuen gewonnen bzw. erfunden, um Erfahrungen zu ordnen und zu strukturieren. Eigentlich gibt es nur das kulturell bedingte und konventionelle Sprachverhalten von Menschen und dann die linguistische Beobachtung von solchem Sprachverhalten, das durch biologisch erforschbare Gehirnprozesse gesteuert wird. Es gibt weder eine Seele noch einen Geist und das denkende Subjekt bzw. die Person ist nichts anderes als das physiologisch erforschbare Gehirn und Nervensystem eines menschlichen Organismus, der in seiner Umwelt im Laufe seiner Lebenszeit bestimmte aktualisierbare Dispositionen des verbalen und nonverbalen Verhaltens erworben hat. Es gibt keinen Gott und das Wort ‘Gott’ ist nur Ausdruck einer menschlichen Wunschvorstellung von einem höheren Wesen und dient einerseits der vorwissenschaftlichen und mythologischen Erklärung der Entstehung der Welt, des Lebendigen und der menschlichen Intelligenz, und andererseits der Bewältigung der Angst der Menschen vor dem Tod, dem Leiden, der Schuld und anderer Schicksalsschläge. (Materialistischer Atheismus)

 

 

8. Szientistischer Realismus (Comte, Quine, Dennett, u. a.)

 

Was es eigentlich und unabhängig vom Denken und Sprechen der Menschen in der Welt gibt, das sagen unsere jeweils besten naturwissenschaftlichen Theorien über die Welt und weder die Geistes- noch die Kultur- und Sozialwissenschaften. Nach der modernen Physik gibt es auf der untersten Ebene der Realität nur bestimmte hypothetische Teilchen, die nicht einmal mikroskopisch wahrnehmbar sind, und auf der obersten Ebene der Realität riesige makroskopische Gegenstände, Ereignisse und Prozesse in der sich ausdehnenden Raum-Zeit des Universums sowie das Licht, die Gravitationskraft, elektromagnetische Felder, eventuell auch noch Antimaterie, schwarze Löcher, rote Riesen und andere umstrittene Gestalten im Universum. Organische Lebewesen, wie Pflanzen mit Wachstum, aber ohne Bewusstsein, Wahrnehmungen und Empfindungen, und Tiere mit physischem Wachstum, motorischer Selbstbewegung im Raum, instinktiver Intelligenz, Bewusstsein, Wahrnehmungen und Empfindungen, aber ohne gemeinsame Sprache und logisches Denken sind zwar reale Entitäten der Biologie als Wissenschaft des Lebendigen in der irdischen Umwelt, aber sie bestehen den besten verfügbaren Theorien der modernen Naturwissenschaften zufolge letzten Endes auch aus nichts Anderen als aus den Portionen von Materie, den Zellen und Molekülen der organischen Chemie und den kleinsten Partikeln der Teilchenphysik. Selbst Menschen mit physischem Wachstum und psychischer Entwicklung, motorischer Selbstbewegung, Bewusstsein und Selbstbewusstsein, Emotionen (Affekte, Stimmungen, Empfindungen, Gefühle und Leidenschaften), Sprache und Kommunikation, Denken und Urteilen, Reflexion und Argumentation bestehen einer wissenschaftlichen Psychologie zufolge letzten Endes auch aus nichts Anderen als aus Portionen von Materie und den kleinsten Partikeln der Teilchenphysik. Menschliche Bewusstseinsprozesse wie Emotionen, Motivationen, Volitionen und Kognitionen sind nur elektrochemische Produkte non natürlichen physiologischen bzw. biochemischen Prozessen im Gehirn und Nervensystem, die letzten Endes aus nichts Anderem als aus Interaktionen zwischen Neuronen in neuronalen Netzwerken des Gehirns und Reitleitern des Nervensystems bestehen. Logische und semantische Funktionen und Strukturen des menschlichen Denkens, wie z.B. Ostension, Indexikalität, Prädikation, Proposition, Universalien, etc., aber auch ethische und ästhetische Ideen und die Prinzipien der Logik und Mathematik existieren weder unabhängig vom menschlichen Bewusstsein noch in den Dingen (universalia in rebus), sondern werden durch Emotionen, Volitionen und Abstraktionsleistungen des Verstandes aus der Erfahrung von Individuen gewonnen bzw. erfunden, um Erfahrungen zu ordnen und zu strukturieren. Eigentlich gibt es nur das kulturell bedingte und konventionelle Sprachverhalten und dann die linguistische Beobachtung von solchem Sprachverhalten, das durch biologisch erforschbare Gehirnprozesse gesteuert wird. Es gibt weder eine Seele noch einen Geist und das denkende Subjekt bzw. die Person ist nichts anderes als das erforschbare Gehirn und Nervensystem eines Menschen, dessen komplizierte Funktionsweisen von den modernen Neurowissenschaften erforscht werden. Es gibt keinen Gott und das Wort ‘Gott’ (und seine analogen Ausdrücke in anderen Sprachen) entspringt bloß einer menschlichen Wunschvorstellung von einem höheren intelligenten Wesen und dient einerseits der vorwissenschaftlichen Erklärung der Entstehung der Welt, des Lebendigen und der menschlichen Intelligenz, und andererseits der Bewältigung der Angst der Menschen vor dem Tod, dem Leiden, der Schuld und der Schicksalsschläge. (Szientistischer Atheismus)

 

 

 


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Kanon der philosophischen Texte
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