Aktuelles zum Zeitgeschehen

 

 

Das eine steht in unserer Macht, das andere nicht.

In unserer Macht stehen:

Annehmen und Auffassen, Handeln und Wollen, Begehren und Ablehnen

– alles, was wir selbst in Gang setzen und zu verantworten haben.

Nicht in unserer Macht stehen:

unser Körper, unser Besitz, unser gesellschaftliches Ansehen, unsere Stellung

– kurz: alles, was wir selbst nicht in Gang setzen und zu verantworten haben.

 

Epiktet

 

Das ganze Unglück der Menschen rührt allein daher,

daß sie nicht ruhig in einem Zimmer zu bleiben vermögen.

 

Blaise Pascal

 

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen,

die ich nicht ändern kann,

den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,

und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

 

Oetinger

 

Wenn Freiheit überhaupt einen Sinn haben soll,

dann ist es die, den Leuten zu sagen, was sie nicht hören wollen.

 

George Orwell

 


 

Delta-Variante: Es droht die vierte Corona-Welle auch in Deutschland

 

Alexander Seipp - Frankfurter Rundschau - 24.06.2021

 

Die Corona-Infektionen in Deutschland sinken. Doch die Delta-Variante breitet sich auch rasch aus. Insbesondere die Urlaubssaison bereitet Fachleuten Sorge.

 

Berlin – Die Bundesärztekammer warnt vor Urlaubsreisen in Gebiete, in denen die Delta-Variante* des Coronavirus* grassiert. „Auf Reisen in Regionen, die von der Delta-Variante besonders betroffen sind, sollte verzichtet werden“, sagte der Präsident der Bundesärztekammer Klaus Reinhardt den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Urlaub sei in diesem Sommer nur mit Vorsicht und Verantwortung vorstellbar, sagte Reinhardt. Dann sei auch nicht gegen Urlaubsreisen einzuwenden.

 

Er stellte klar, dass er sehr gut verstehen könne, dass der Urlaub nach den Belastungen der vergangenen Monate für das seelische Gleichgewicht vieler Menschen wichtig sei. „Notwendig ist aber die Einhaltung der Hygieneregeln auch im Urlaubsort“ mahnte Reinhardt.

 

Delta-Variante: Ärztekammer geht Anstieg am Ende des Sommers aus

 

Die Ärztekammer gehe davon aus, dass sich die ansteckendere Delta-Variante des Coronavirus mittelfristig auch in Deutschland durchsetzen werde. Derzeit dominiert vor allem die Alpha-Variante hierzulande das Infektionsgeschehen. Man könne davon ausgehen, so Ärztepräsident Reinhardt gegenüber der Funke-Mediengruppe, dass die Inzidenz zum Ende des Sommers saisonbedingt wieder ansteigen werde.

 

Ärzte und Immunologen mahnen zur Vorsicht beim Urlaub.

 

 Ob es allerdings zu einer vierten Welle kommen werde, ließ Reinhardt offen. Dies hänge wesentlich vom Fortschritt der Impfkampagne in Deutschland ab und wie viel Impfstoff es gebe, sagte er. Eine Überlastung der Krankenhäuser sei jedoch eher unwahrscheinlich. Denn es sei zu erwarten, dass die Zahl der schweren Verläufe* auch bei einem Wiederanstieg der Infektionszahlen geringer ausfallen werde, weil insbesondere die vulnerablen Gruppen durch Impfungen besser geschützt seien.

 

Coronavirus: 85 Prozent Geimpfte für Herdenimmunität nötig

 

Dennoch sei die Gefahr nicht gebannt. Gerade unter dem Gesichtspunkt des geregelten Schulbetriebes nach dem Sommerferien müsse alles getan werden, um einen „starken Wiederanstieg der Infektionszahlen, wie derzeit in Großbritannien, zu verhindern“, sagte Reinhardt. Impfangebote sollten daher wahrgenommen und die Zweitimpfungen auch fristgerecht durchgeführt werden, um das Risiko zu senken.

 

Auch der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl, warnte im Gespräch mit der dpa vor der Ausbreitung der Delta-Variante. „Delta ist noch ein Stück ansteckender als die derzeit vorherrschende Virusvariante Alpha. Anhand der bisherigen, noch unsicheren Daten bräuchte man wohl rund 85 Prozent immune Menschen in der Bevölkerung, um die Ungeimpften indirekt mit zu schützen“, schätzte Watzl.

 

Herdenimmunität aufgrund von Delta-Variante nur schwer erreichbar

 

So hohe Abdeckung sei jedoch nur sehr schwer zu erreichen, insbesondere da es für Kinder unter 12 Jahren noch keinen zugelassenen Impfstoff* gibt. Für unter 18-Jährige gebe es auch noch keine allgemeine Impfempfehlung. „Es kann sein, dass Herdenimmunität* nur für einzelne Einrichtungen wie Pflegeheime erreicht werden kann, aber nicht für das Gros der Bevölkerung“, sagte Watzl der dpa. Vor allem die Schulen könnten so zu Orten der Ansteckung werden.

 

Das Robert-Koch-Institut (RKI) spricht seit längerem von einem Ziel von mehr als 80 Prozent immunen Menschen – nach vollständiger Impfung oder Infektion plus Impfung –, um weitgehend auf Maßnahmen und Regeln verzichten zu können. Anfangs wurde noch zwei Drittel der Bevölkerung als Ziel genannt, doch aufgrund der aggressiveren Varianten musste dieses Ziel nach oben hin korrigiert werden.

 

Hoffung: Nur kleine Ausbrüche durch Delta-Variante

 

Watzl nennt jedoch schon das Erreichen einer Impfquote von 60 bis 70 Prozent eine große Hilfe. „Die Hoffnung ist, dass es dann nur noch zu kleineren Ausbrüchen kommt, die keine Lockdown-Maßnahmen mehr erfordern“, sagte er der dpa. Infizieren würden sich dann Personen, die nicht geimpft werden können, es nicht wollen oder bei denen die Impfung, etwa aus Altersgründen, nicht so gut anspreche. „Die gute Nachricht ist: Jeder, der vollständig geimpft ist, ist auch vor Delta geschützt.“

 

Wachsamkeit sei jedoch nun das Maß der Stunde, damit keine vierte Welle entstehe. Kontakte müssten nachverfolgt werden. Seit Anfang Juni wächst der Anteil von Delta an den gesamten Infektionen in Deutschland, von 3,7 auf nun etwa 6,2 Prozent. In absoluten Zahlen entwickelten sich die Delta-Fälle jedoch rückläufig, ebenso wie die Corona-Fälle insgesamt, betonte Watzl. „Das ist ein Unterschied im Vergleich zur Ausbreitung der in Großbritannien entdeckten Variante Alpha zu Jahresbeginn. Diese Variante hatte immer mehr zugelegt, was aber zunächst durch den insgesamt sinkenden Trend der Fallzahlen verdeckt blieb.“

 

https://www.fr.de/politik/delta-variante-aerzte-und-immunologen-warnen-gefahr-einer-vierten-welle-coronavirus-corona-covid-19-news-zr-90815923.html

 


 

MASSNAHMEN GEGEN DIE PANDEMIE

 

Kann es Deutschland nicht besser?

 

Gastbeitrag von Michael Rogowski am 16. Februar 2021 im CICERO ONLINE

 

Bittere Ernüchterung in Deutschland: verlängerter Lockdown, holprige Einführung der Maskenpflicht und ein stagnierender Impfprozess. Die Bundesregierung ist stets überfordert mit der derzeitigen Lage. Es bedarf einer besseren Planung im Umgang mit der Pandemie.

 

Die einen sagen, der Verlauf der Covid-19-Pandemie lasse sich nicht planen und der Umgang mit ihr dementsprechend auch nicht. Die anderen vermissen eben dies, nämlich mehr und vor allem eine bessere Planung.

 

Wir alle kennen das Bonmot, wonach Planung schwierig ist – insbesondere dann, wenn sie sich mit der Zukunft beschäftigt. Tatsächlich stellt sich die Frage: Wie kann man einigermaßen sinnvoll nach vorne blicken, wenn so wenige Erfahrungswerte aus der Vergangenheit existieren? Wenn es kaum etwas gibt, auf das man sich beziehen kann und woraus man hoffentlich gelernt hat? Wenn wir wollen, was wir eigentlich wollen müssten, nämlich begreifen, dann sollten wir akzeptieren, dass es in dieser Situation die viel beschworene „Planungssicherheit“ nicht wirklich geben kann. Und damit auch keine „verbindlichen Versprechen“.

 

Ein Maximum an Sicherheit

 

Planung, das ist in Sachen Corona ein Iterationsprozess – also ein Prozess, der sich schrittweise, den besten Weg suchend, vortastet. Der beste Weg ist gemäß unserem Menschenbild derjenige, der ein Maximum an Sicherheit für unsere Bürgerinnen und Bürger verspricht, ohne andererseits unser Leben – das wirtschaftliche, das soziale, das kulturelle und das sportliche Leben – durch totale Absperrung und Isolation zu zerstören. Es geht also um Abwägung und um Kompromisse. Diese zu finden, ist letztlich Aufgabe unserer Regierung(en), und zwar unter Einbindung der Parlamente. Insbesondere zu letzterem Punkt gäbe es einiges Kritische anzumerken, dies ist jedoch ein anderes Thema.

Was nützt Planung?

 

Unser Thema heißt Planung, um möglichst gut und schnell aus der Pandemie und den diversen Lockdowns herauszu-finden. Die berechtigte Frage ist, ob trotz aller Unwägbarkeiten und Unsicherheiten wenigstens das tatsächlich Planbare ordentlich erledigt wurde. Meine Antwort heißt: in vieler Hinsicht nein! Die Vorgabe von Maskenpflicht, die Bereit-stellung von Masken in geeigneter Qualität und ausreichender Menge sind an sich kein Hexenwerk. Erstens darf man Demokratie nicht überstrapazieren. Zweitens kann man sich in Asien seit geraumer Zeit anschauen, wie sie wirken. Und drittens muss man kontrollieren, wenn man sicherstellen will, dass die wirken.

 

Unser Weg zur Maskenpflicht und der Weg vom nicht selten selbstgebastelten Alltagsmodell zur FFP2-Maske war ziemlich holprig und die Kontrolle mangelhaft. Ein Beispiel: In meiner Nachbarschaft befindet sich eine Kirche der „Christengemeinschaft“. Und jedes Wochenende staune ich, wie viele Menschen dort beieinander stehen, ohne eine Maske zu tragen. Überzeugung hin oder her, ich empfinde das als unsolidarisch. Anders gesagt: Was nützt Planung, wenn Menschen sich verweigern und gleichzeitig die Kontrollen versagen?

 

Fehlende Testkapazitäten und Engpässe im Bestellprozess

 

Dass schnelles und wiederholtes Testen möglichst vieler Menschen wichtig ist, um die Verbreitung der Viren einzu-dämmen, wurde uns von anderen Ländern beigebracht. Wir hätten lernen und auf dieser Grundlage planen können, doch es fehlten uns die Testkapazitäten. Die angebotenen Schnelltests entpuppten sich als Marterwerkzeug, und bezüglich der Schnelltests im „Do it Yourself“-Verfahren wird uns von Experten wieder einmal ein Engpass im Bestell-prozess vorhergesagt.

 

Es war sehr früh klar, dass ein Bändigen des Virus nur durch ein umfassendes Impfen möglich sein wird. Ob der Impf-stoff auf nationaler oder auf europäischer Ebene bestellt wird, ist letztlich sekundär. Dass die Europäer sich für ein gemeinsames Vorgehen entschieden haben, ist soweit in Ordnung. Planerisch vorausschauend wäre es allerdings gewesen, frühzeitig von allen potentiellen Produzenten genügend zu bestellen, das Risiko in Kauf nehmend, dass nicht alle Produzenten liefern werden können. Genau das geschah aber nicht, jedenfalls nicht in Europa. Hier hat nach mei-nem Eindruck die Angst vor der eigenen Courage obsiegt. Beides, Planung und Umsetzung, waren völlig unbefriedi-gend.

 

Weder bedienerfreundlich noch hilfreich

 

Hinzu kommt: Deutschland ist eine Wüste bei der Digitalisierung in den Verwaltungen oder auch an den Schulen. So verwundert es deswegen kaum, dass die viel gepriesene „Corona-App“ nichts taugt. Auf meinem eigenen Mobiltelefon und auf denen der meisten Bürgerinnen und Bürger, die sie geladen haben, belegt sie zwar Speicherplatz (und dies nicht zu knapp). Ansonsten aber schlummert sie nutzlos vor sich hin. An Ausreden dafür mangelt es nicht. Ausreden sind jedoch keine Erkenntnisse. Und solange die Erkenntnisse fehlen, wird sich auch nichts fundamental ändern.

 

Ähnliches gilt für die Organisation des Impfprozesses. Es ist beschämend zu erleben, wie unser Staat im 21. Jahrhundert mit seinen Bürgerinnen und Bürgern umgeht. Auch das Impfen war planbar. Dass das Angebot einer zentralen Tele-fonnummer je Bundesland für die Anmeldung zum Impftermin enorme Warteschleifen nach sich ziehen würde, musste den Planern von vornherein klar sein. Die Alternative per Internet wiederum war weder bedienerfreundlich noch hilf-reich, weil zunächst nur sehr wenige Impfzentren verfügbar waren. Als diese dann in ausreichend großer Zahl eröffne-ten, fehlte der Impfstoff.

 

Das Begreifbare auch begreifen können

 

Und nun noch zu den Lockdowns. Über die Sinnhaftigkeit der festgelegten Inzidenzen lässt sich streiten. Da aber die meisten von uns, wie auch ich, keine Experten sind, neige ich dazu, den politischen Verantwortungsträgern zu folgen – obwohl es schwer fällt, sich mit immer neuen Kennziffern konfrontiert zu sehen. Allerdings sollte man das an sich Begreifbare auch begreifen können. Für mich ist begreifbar, dass Friseure demnächst endlich wieder öffnen dürfen. Nicht begreifbar ist für mich dagegen, dass Restaurants weiterhin auf unbestimmte Zeit geschlossen bleiben sollen. Und zwar trotz sorgfältiger Planung, teurer Vorbereitung und trotz des Einsatzes vielfältiger Schutzvorkehrungen seitens der Gastronomen. Das lässt sich zwar erklären, nachvollziehbar ist es kaum.

 

Bittere Ernüchterung

 

Was schließlich den Einzelhandel angeht, habe ich den Verdacht, dass diesem ohne Not der Garaus gemacht werden soll. Daran ändern auch Hilfszusagen nichts. Ähnliches gilt für die diversen Kulturbetriebe, die viel unternommen haben, um Ansteckungen zu vermeiden. Nach dem Abklingen der Pandemie werden wir mit bitterer Ernüchterung durch unsere Städte gehen und vergeblich nach den früheren, mit Zuwendung und guter Beratung geführten Geschäften und gemütlichen Restaurants suchen. Aber auch nach den bewährten Alternativen zum Internet, nämlich den Kinos.

 

Erich Kästner hat übrigens einmal sehr treffend geschrieben: „Je üppiger die Pläne blühen, umso verzwickter wird die Tat. Man nimmt sich vor, sich zu bemühen, und schließlich hat man den Salat.“ Nichts gegen Salat, aber Deutschland kann es besser. Viele kleine und große Unternehmen beweisen es jeden Tag auf‘s neue.

 

 

Michael Rogowski, Jahrgang 1939, ist Wirtschaftsingenieur und ehemaliger deutscher Manager. Er war von 2001 bis 2004 Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie.

 

Maßnahmen gegen die Pandemie - Kann es Deutschland nicht besser? | Cicero Online

 


 

New: N.T. Wright: What Is the Good Life in Uncertain Times? https://www.youtube.com/watch?v=KGiSDdIdygo

 

New: John Anderson, Australia: https://www.youtube.com/channel/UCtnYSEGViOnb7k8ezUaWUww

 

Aktuell: Risikomanagement in Medizin, Wirtschaft und Politik: Risiko-Management

 


 

Aktuell: Covid-19: Evidenzbasierte Daten: Covid-19: Evidenzbasierte Daten

 

Aktuell: Ursprung des COVID-19 und politische Verantwortung für die Epidemie: Covid-19 im Kontext

 

Aktuell: Statistiken, Interpretationen und Bewertungen -- Praktische Konsequenzen: Coronavirus-Epidemie

 


 

Aktuell: Zeit für ein Praktisches Christentum: Praktisches Christentum

 

Aktuell: Die Johanniter - Aus Liebe zum Leben:  https://www.johanniter.de/

 

Aktuell: Ärzte ohne Grenzen: https://www.aerzte-ohne-grenzen.de/

 


 

Aktuell: „Bubble Trouble“ – Russlands strategische Gegnerschaft zum Westen

 

Moskaus neue Abschreckung durch „Hybriden Krieg“ | The European

 

Aktuell: Indiens Weg zur Weltmacht - Die Welt des Narendra Modi (ARTE Doku)

 

https://www.youtube.com/watch?v=QD57ne2F_8E

 

Aktuell: Mit offenen Karten. Indien: Zeitenwende unter Modi (ARTE Doku)

 

https://www.arte.tv/de/videos/098814-005-A/mit-offenen-karten/

 


 

Aktuell: Zensur: Christenverfolgung in China: https://www.youtube.com/watch?v=b7aH0SFWWWE

 

Aktuell: Digitale Diktatur - So überwacht China seine Bürger: https://www.youtube.com/watch?v=bKgYHbP4FVc
 

Aktuell: Neue Seidenstraße - Chinas liebstes Vorzeigeprojekt: https://www.youtube.com/watch?v=7i-QNuLwWbU

 

Aktuell: China: Die Uiguren – ein Volk in Gefahr: https://www.youtube.com/watch?v=6OTvyejwJXc

 

Aktuell: Sarah Kirchberger,  Die Chinesen wollen die Welt regieren | The European

 


 

 Aktuell: Grenzsituationen als existenzielle Herausforderung: Grenzsituationen

 


 

Ulrike Ackermann, Das Schweigen der Mitte.

Wege aus der Polarisierungsfalle

Darmstadt: WBG 2020

 

Reinhard Mohr, Deutschland zwischen Größenwahn und Selbstverleugnung.

Warum es keine Mitte mehr gibt.

Europa Verlag, München 2021