Naturphilosophie (im Aufbau)

 

 

 

Rousseau, Negre attaque par un jaguar (1910)
Rousseau, Negre attaque par un jaguar (1910)

 

 

 

Alles, alles ist vergänglich.

Nur der Kuhschwanz,

der bleibt länglich.

 

Volksmund

 

 

Ein organisiertes Produkt der Natur ist das, in welchem alles Zweck und wechselseitig auch Mittel ist. Nichts in ihm ist umsonst, zwecklos oder einem blinden Naturmechanismus zuzuschreiben.

 

Immanuel Kant, Kritik der Urteilskraft, § 66, 296

 

 

... dass „eben erst durch die Kunst der Sinn für die Natur wahrhaft aufgeschlossen wird“.

 

Carl Gustav Carus, Neun Briefe über die Landschaftsmalerei

 

 


 

 

Naturphilosophie ist gerade im Zeitalter der ökologischen Problematik der Naturzerstörung durch die wissenschaftlich-technisch geprägten Industriegesellschaften immer noch ein dringendes Anliegen der Philosophie, das sowohl von den Hegelianern als auch von den Marxisten sträflich vernachlässigt wurde. Die Naturwissenschaften können ihren eigenen methodischen Anforderungen und topologischen Denkansätzen nach keine einheitliche Philosophie der Natur bieten und müssen dies der Philosophie überlassen. Die Philosophie hat dieses Gebiet jedoch seit dem 18. Jahrhundert weitgehend aufgegeben. Man kann das Desiderat einer Naturphilosophie jedoch nicht einfach an die Naturwissenschaften delegieren. Die Ursachen und Gründe für das vorübergehende Ende der Naturphilosophie liegen vor allem im Positivismus des 19. Jahrhunderts und im Szientismus des 20. Jahrhunderts, die die in den modernen Industriegesellschaften voranschreitende Entfremdung der Menschen und der Kultur von der Natur widerspiegeln. Sie liegen jedoch auch in der Entwicklung der christlichen Traditionen selbst, die sich aufgrund gnostischer, manichäischer und neuplatonischer Einflüsse aus der für Jesus von Nazareth und die Urgemeinde selbstverständlichen Nähe zu einer naturnahen Lebenswelt zurückgezogen hat. Zuverlässige philosophische Anknüpfungspunkte finden wir vor allem in Kants Kritik der Urteilskraft und Nicolai Hartmanns Naturphilosophie, die an philosophischem Problem-bewusstsein und theoretischer Komplexität unübertroffen zu sein scheinen.

 

 


 

 

Ausgewählte Literatur zur Naturphilosophie

 

 

Immanuel Kant, Kritik der Urteilskraft, Hamburg: Meiner 1974

 

Charles Darwin, Die Abstammung des Menschen, Stuttgart: Kröner 1966

 

Nicolai Hartmann, Teleologisches Denken, Berlin: de Gruyter 1951.

 

Ernst Mayr, Evolution und die Vielfalt des Lebens, Berlin / Heidelberg: Springer 1979

 

ders., Eine neue Philosophie der Biologie, München: Piper 1991

 

ders., Das ist Biologie. Die Wissenschaft des Lebens, Heidelberg: Spektrum 1997

 

ders., Konzepte der Biologie, Stuttgart: Hirzel 2005

 

ders., Das ist Evolution, München: Goldmann  2005

 

McLaughlin, Peter, Kants Kritik der teleologischen Urteilskraft, Bonn: Bouvier 1989

 

Robert Spaemann / Reinhard Löw, Natürliche Ziele. Geschichte und Wiederentdeckung des teleologischen Denkens, Stuttgart: Klett-Cotta 2005