Tagungen


 

Internationale Tagung zum 200. Todestag Friedrich Heinrich Jacobis

in Kooperation mit der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig

28. - 30. November 2019, Bochum

 

 

Fichte nennt Jacobi den „mit Kant gleichzeitigen Reformator in der Philosophie“. Er unterstreicht damit, dass Kant und Jacobi die beiden maßgeblichen philosophischen Schlüsselfiguren sind, die das Denken in der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert von Grund auf neu bestimmen. Dabei folgt diese Neubestimmung keineswegs einem gemeinsam verab-redeten Projekt. In beinahe jeder Hinsicht verfolgen Kant und Jacobi fundamental entgegengesetzte Konzepte und äußern dies auch in explizit kritischer Distanz zueinander.

 

Exemplarisch steht dafür bei Jacobi seine bis heute diskutierte Kritik an Kants Lehre von den Dingen an sich oder umgekehrt bei Kant seine Sorge um die „Selbsterhaltung der Vernunft“.

 

Sieht man jedoch genauer hin, wird die Konstellation zwischen den beiden „Reformatoren in der Philosophie“ erst richtig interessant: In beinahe jeder Hinsicht, seien es Fragen der Epistemologie, der Metaphysik oder der Natur-philosophie und der Philosophie des Geistes einschließlich der Bestimmung moralischen Handelns, zeigt sich dann,

dass man im Verhältnis zwischen Jacobi und Kant nicht einfach nur auf substantielle Differenzen, sondern auf eine ganz eigentümliche Verbindung von Ferne und Nähe stößt. Beide teilen eine ganze Reihe von Überzeugungen, die sie allerdings ganz unterschiedlich begründen und sich darüber wiederum voneinander entfernen. Allein schon der Briefwechsel zwischen Kant und Jacobi bietet für diese Beschreibung der Lage eine vorzügliche Quelle. Und nicht

zufällig hat sich Jacobi zeitlebens, abgesehen von Spinoza, am intensivsten mit Kant auseinandergesetzt.

 

Die Aufarbeitung der eigentümlichen Konstellation zwischen Jacobi und Kant ist ein Desiderat der Forschung, dem die internationale Tagung anlässlich des 200. Todestages Jacobis entsprechen soll. Ziel ist es, das Bild des philosophischen Umbruchs der Moderne um 1800 historisch und systematisch zu schärfen, das sowohl bei Kant als auch bei Jacobi von der Einsicht in die Grenzen der Vernunft geprägt ist.

 

Die Tagung ist Teil des Akademieprojekts „Friedrich Heinrich Jacobi: Briefwechsel. Text – Kommentar – Wörterbuch Online“ an der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig und wird im Akademienprogramm der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert.

 

https://www.saw-leipzig.de/de/projekte/friedrich-heinrich-jacobi_briefwechsel_text_kommentar_woerterbuch_online

 

https://www.ruhr-uni-bochum.de/philosophy/forschung_kdp/jacobi_kant_tagung_plakat.pdf

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Heinrich_Jacobi

 


 

XXV. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Philosophie

 

6. – 9. September 2020 - Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

 

Der Kongress beschäftigt sich mit dem Wahren, Guten und Schönen in zweifacher Weise: zum einen mit den Überschneidungen und zum anderen mit deren Einheit.

 

Das Wahre, Gute und Schöne – Überschneidungen

 

Die Philosophie wird heute zumeist in einen „theoretischen“ und einen „praktischen“ Bereich eingeteilt. Während es der theoretischen Philosophie um das Sein, den Geist, Erkenntnis, Sprache, Logik etc. geht, beschäftigt sich die praktische Philosophie mit dem guten Leben, der Moral, der Gerechtigkeit von Institutionen u.a. So jedenfalls wird es in den Einführungsveranstaltungen vielfach gelehrt. Tatsächlich verstellt diese Einteilung der Philosophie jedoch den Blick auf philosophische Fragen, die in den letzten Jahren immer größeres Interesse finden, Fragen nach der Natur von – theoretischen und praktischen – Überzeugungen, Tatsachen, Erkenntnissen, Aussagen, Gründen, Werten, Normen etc. Ist beispielsweise die Frage, was wir glauben sollen, eine Frage der theoretischen Philosophie (weil es um das Glauben geht) oder der praktischen Philosophie (weil es um ein Sollen geht)? Ist die Frage nach der Objektivität von Werten eine Frage der theoretischen Philosophie (weil es um Objektivität geht) oder der praktischen Philosophie (weil es um Werte) geht? Der Kongress „Das Wahre, Gute und Schöne“ möchte die philosophischen Fragen in den Mittelpunkt stellen, welche an der Schnittstelle zwischen theoretischer und praktischer Philosophie – und damit vielleicht im Zentrum der Philosophie überhaupt – liegen.

 

Es wird folglich insbesondere darum gehen, die vielfältigen Beziehungen zwischen dem Wahren, Guten und Schönen zu beleuchten: Wie verhalten sich Wahrheit und das Gute beispielsweise zueinander, wenn es darum geht, Überzeugungen zu bilden? Sollen wir möglichst glauben, was der Fall (also wahr) ist? Oder sollen wir glauben, was uns gut tut – egal, ob es der Fall ist oder nicht? Und gibt es Wahrheit in Bezug auf das Gute (und Gesollte)? Gibt es also beispielsweise (objektiv) wahre Werturteile (sowie objektiv gültige moralische Ver- und Gebote)? Wenn ja, was heißt in Bezug auf das Gute hier „Wahrheit“? Ebenso: Wie verhalten sich das Gute und Schöne zueinander? Ist das gute Leben etwa an ästhetischen Idealen auszurichten? Und zielt künstlerische Tätigkeit auf Schönheit? Oder auf moralische Erziehung? Wie hängt beides miteinander zusammen? Schließlich: Wie verhält sich Wahrheit zu Schönheit? Gibt es Wahrheit in Bezug auf Schönheit? Und, wenn ja: was für eine Wahrheit? Ist das vielleicht eine „relative Wahrheit“? Geht es der Kunst um Wahrheit? Und spielt Schönheit vielleicht eine zentrale Rolle in der Wissenschaft?

 

Das Wahre, Gute und Schöne – Einheit

 

Die Fragen nach dem Wahren, Guten und Schönen liegen im Zentrum der Philosophie. Sie sind zugleich von großer Bedeutung außerhalb der Philosophie: im wissenschaftlichen Kontext, aber vor allem auch für all diejenigen, die sich von der Philosophie eine Orientierung im Leben erwarten. Im wissenschaftlichen Kontext ist die Klärung der Ziele – Wahrheit, Verstehen, Nutzen, Moral, Schönheit – ganz zentral. Woran sollen sich WissenschaftlerInnen orientieren? Sollen sie wahre Theorien finden? Oder vielleicht schöne? Gibt es moralische Beschränkungen ihrer Forschung, wird also die Wahrheitssuche durch andere Werte beschränkt? Was ist der Wert der Wahrheit und wie muss er zu anderen Werten in Beziehung gesetzt werden? Für die Gesellschaft – sowohl für Institutionen als auch für Individuen – ist es andererseits ganz entscheidend, ein umfassendes und integriertes Bild der Welt zu bekommen. Letztlich sollte die Philosophie auf oberster Ebene Orientierung für ein gutes Leben bieten. Die drei Kernbegriffe des Kongresses bezeichnen gerade die Ziele des Menschen als vernünftiges Lebewesen: Als denkende Wesen sind wir auf Wahrheit hin orientiert, als fühlende Wesen auf Schönheit (beziehungsweise generell auf das Angenehme) und als handelnde Wesen auf das Gute. Die Beantwortung der Fragen nach dem Wahren, Guten und Schönen, ist entscheidend, wenn es darum geht, generelle Orientierung im Leben zu geben.

 

Mit seiner Themenstellung zielt der Kongress also einerseits auf aktuelle Themen im Zentrum der Philosophie. Zugleich widmet er sich den größeren Aufgaben der Philosophie für Wissenschaft und Gesellschaft. Diese doppelte Zielsetzung spiegelt sich in den verschiedenen Bestandteilen des Programms wieder. In 15 Kolloquien werden ca. 50 international prominente FachvertreterInnen eingeladene Vorträge, insbesondere zu Themen an der Schnittstelle zwischen dem Wahren, Guten und Schönen, halten; in 4 Foren werden mit ausgewiesenen ExpertenInnen fachpolitische Themen zur Sprache kommen; in 40 Sektionen werden ca. 250 (über einen Call for Papers eingeworbene) Fachvorträge zu allen Bereichen und Epochen der Philosophie zu hören sein; abgerundet wird das Programm durch Veranstaltungen, die sich auch an eine größere Öffentlichkeit richten: zwei Podiumsdiskussionen, eine Fotoausstellung, einen Eröffnungsund einen Schlussvortrag sowie ein philosophisches Kabarett.

 

https://dgphil2020.fau.de/