Tagungen


 

Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft (FEST)

 

Online-Ringvorlesung

 

Wirkliche Freiheit. Verletzlichkeit, Gefährdung, Kontingenz.

 

Montags, 20. Oktober bis 15. Dezember 2025, 14:30 Uhr und Freitag, 16. Januar 2025, 14:30 Uhr

 

Die Würde des Menschen wird in einer langen begriffsgeschichtlichen Tradition mit dem Vermögen der

menschlichen Person identifiziert, in den Worten Günter Dürigs, eines frühen Kommentators des Grund-

gesetzes, sich seiner selbst bewußt zu werden, sich selbst zu bestimmen und sich selbst zu gestalten.

Die Freiheit der Selbstbestimmung ist dieser Tradition zufolge nicht nur ein hohes Gut, sondern auch

ein wesentliches Merkmal menschlicher Personalität. Allerdings ist die Selbstbestimmung und -gestal-

tung aus eigener Entscheidung ein sehr anspruchsvolles Freiheitskonzept, eher ein Ideal als eine kor-

rekte Beschreibung der menschlichen Lebenswirklichkeit. Denn die Lebensführung folgt keineswegs

immer der Logik von Entscheidungen und deren Umsetzung, sondern oftmals lassen sich Menschen in

ihrer Lebensführung von den situativen Umständen leiten, ohne dass es unmittelbar einleuchten würde,

darin einen Ausdruck von Entscheidungsunfähigkeit zu erkennen; außerdem treffen Selbstbestimmung

und -gestaltung oft auf Widerstände, weshalb sie nur schwer zu trennen sind von dem Bestimmtwerden

der Person durch die wechselnden Bedingungen ihres Handelns.

 

Vor allem aber werden durch die Engführung der Freiheit auf Selbstbestimmung und -gestaltung vul-

nerable Personengruppen aus dem Kreis derjenigen Menschen ausgeschlossen, denen der Status der

Person zuerkannt wird. Wer den normativen Verhaltenserwartungen des genannten Freiheitskonzepts

nicht zu entsprechen vermag, läuft Gefahr stigmatisiert zu werden. Das gilt insbesondere für Menschen

mit geistigen Behinderungen, Menschen mit schwerwiegenden psychischen Erkrankungen und Men-

schen im vierten Lebensalter. Die Ringvorlesung erkundet daher Möglichkeiten, das Verständnis von

personaler Freiheit nicht auf – eine zumal dezisionistische Variante von – Selbstbestimmung und Selbst-

gestaltung engzuführen, sondern es stattdessen so offen zu halten, dass menschliche Freiheit in einer

Vielzahl unterschiedlicher Ausdrucksformen erkannt werden kann. Eine wichtige Rolle spielt dabei die

Qualität des menschlichen Beziehungsgeschehens sowie der sozialen Praktiken, in denen es sich ver-

wirklicht. Denn von ihr hängt ab, welche Spielräume an Freiheit sich Menschen unter Bedingungen der

Verletzlichkeit ihres Lebens eröffnen.

 

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Heidelberger Universität erkunden das Thema aus der

Perspektive unterschiedlicher Disziplinen – von der Rechtswissenschaft über die Philosophie und The-

ologie bis zur Medizinethik, Psychiatrie, Gerontologie und Diakoniewissenschaft. Sie wird von der For-

schungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft (FEST) in Kooperation mit der Theologischen

Fakultät und der Philosophischen Fakultät der Universität Heidelberg organisiert.

 

Ansprechpartner istProf. Dr. Magnus Schlette ([email protected]).

 


 

Europa Aeterna

 

Im Februar 2026 wird Europa Aeterna eine Konferenz zum Thema „Platon und Europa“ veranstalten.

 

Inhaltliche Beschreibung der Konferenz:

 

Warum Platon? Warum könnte es heute ein Interesse an Platon geben? Was hätte er uns heute zu sagen? Einiges.

Hegel sagte: „Platons Werke sind ohne Zweifel eines der schönsten Geschenke, welche uns das Schicksal aus dem Altertum aufbewahrt hat.“ Man denke an die platonische Trias des Wahren, Schönen und Guten, den klassischen und schon sehr vergessenen Leitideen unserer Kultur. Platon, der Lehrer Aristoteles, ist schlicht und einfach der bedeu-tendste, einflussreichste, weil auch der stärkste Denker des Abendlandes – alle abendländische Philosophie besteht in Fußnoten zu Platon, wie der englische Philosoph Whitehead sagte. Platons Rede vom gekreuzigten Gerechten zeigt Prophetisches, auch im Hinblick auf das Christentum, weshalb die platonische Philosophie auch als der Advent des Christentums bezeichnet wird. Der kolumbianische Philosoph Nicolás Gómez Dávila äußerte den Gedanken: „Die antike Philosophie ist das andere Alte Testament des Christentums.“ Und doch ist Platon, der eigentlich Aristokles hieß, ein unbekannter Bekannter bzw. ein bekannter Unbekannter. Platon ist eine mythische Figur – was lehrte er eigentlich? Bedauerlichweise ist er oft missverstanden, falsch interpretiert oder verdrängt worden, weshalb es gilt, sein Wissen zu bergen und für die Gegenwart freizulegen und fruchtbar zu machen.

 

Platon ist nicht weniger als ein Ahnherr und ein kulturstiftender Lehrer Europas. Ist jenes „Europa“, für das das links-progressive Europa im Sinne der EU einsteht, eines, das das auf Platon zurückgehende Ideal einer Polis bzw. eines Staatenbundes der Hellenen verwirklicht? An welchen Punkten geht es fehl oder hat seine Ideale im Sinne seiner christlichen Gründungsväter Adenauer, Schuman und Gaspari verraten? In welchem Ausmaß gibt es die „real exis-tierende Europäische Union“ tatsächlich überhaupt noch? Verfallserscheinung angesichts ideologischen Vorgaben, der Mißachtung des Subsidiaritätsgedankens, einer maßlosen Planwirtschaft oder einer kriegstreiberischen Politik, die Europa in die geopolitische Bedeutungslosigkeit führte, sind kaum mehr zu übersehen. Welche (demokratische) Legitimität hat diese Union noch?

 

Es gab verschiedene Konzepte einer Neuausrichtung Europas in seiner politischen Dimension. Man denke historisch an die Neuordnung des Kontinents nach dem Wiener Kongress 1815, nach Versailles nach dem Ersten Weltkrieg oder Jalta nach dem Zweiten. Der Fall der Berliner Mauer markierte eine Zeitenwende – jedoch nicht zu einem „Ende der Geschichte“ (Francis Fukujama) hin. Gegenwärtig zeichnet sich ein Bruch von Teilen Mittel- und Osteuropas von Westeuropa ab – durch die Politik des US-amerikanischen Präsidenten wird Europa in Zukunft auf sich selbst zurückgeworfen sein. Es bedarf einer Bestandsaufnahme und neuen Zukunftsorientierung.

 

Prof. David Engels etwa hat Vorstellungen eines abendländischen „Hesperialismus“,

Frau Professor Ulrike Guérot denkt an eine Republik Europa.

Europa war eine Frau, die vom Göttervater Zeus entführt wurde –

wohin soll die Reise heute gehen?

 


 

KONFERENZPROGRAMM


Tag 1


10.00 - 11.30 Uhr Kulturprogramm: Besuch der Kaiserkrone in der Schatzkammer (optional)


13.15 Uhr Begrüßung - Welcome Address


13.25 - 15.10 Uhr Panel I: Platon und seine Bedeutung


Prof. Josef Seifert (Liechtenstein): Platons Höhlengleichnis


Prof. David Engels (Brüssel): Platon und Europa: Die Priorität der Transzendenz vor dem Politischen


Prof. Michael Wladika (Wien/Trumau): Das Eine, der Logos, die Verwirrung: Platonische Prinzipientheorie


Dozent Jan Bentz (Oxford): Platon und seine Bedeutung für das Geisteserbe Europas


15.15 - 15.55 Uhr Pause


16.00 - 17.55 Uhr Panel II: Aspects of Platon’s Work (English)


Dr. Laura Byron (Oxford): Beauty and Arts in Platon Works


Prof. Iraj Azarfaza (Isfahan/Budapest): The Apology of Socrates


Prof. András Lánczi (Budapest): Plato's Reality in a Virtual World


Prof. Balázs Mezei (Eszagom/Budapest): Platon und Europa


18.00 - 19.00 Uhr Abendessen mit Buffet


ab 19.05 Uhr Kamingespräch:


Dr. Felix Wachter (Ingolstadt): Platons politische Philosophie –

Die Nomoi: Philosophie der Einheit und des rechten Maßes


Tag 2


10.00 - 10.55 Uhr Panel III: Platonische Wirkgeschichte I


Prof. Thomas Stark (Eichstätt): Platon, sein Schüler Aristoteles und das christliche Denken


Alexander Nitzberg (Moskau/Wien): Neuplatonismus und Plotin


11.00 - 11.15 Uhr Pause


11.20 - 12.10 Uhr Panel IV: Platonische Wirkgeschichte II


Dr. Christian Moser-Sollmann (Lienz/Wien): Exoterisches und esoterisches Schreiben und die Tübinger Schule


Dr. Christian Machek (Wien): Platon und die „Vogel-Strauss-Politik”


12.15 - 13.25 Uhr Mittagessen mit Buffet


13.30 - 14.40 Uhr Panel V: Europa – Konzepte und Visionen


Wolfgang Vasicek (Wien/Moskau): Auf den Spuren des Alten Europa in Russland: Von Dichtern, Denkern und ihren Visionen


Dr. Felix Dirsch (München): Europa: Konzepte und Visionen


14.45 - 15.15 Uhr Pause


15.20 - 16.25 Uhr Panel VI: Die mögliche politische Zukunft Europas


Prof. Petr Drulák (Prag): Die politische Zukunft Europas


Prof. Heinz Theisen (Bonn): Die Selbstbehauptung Europas


16.30 - 17.00 Uhr Pause


17.05 - 18.00 Uhr Panel VII: Abschlussdiskussion


18.00 Uhr Segenspendung und Ausklang


19.00 Uhr Optional: Abendessen im Restaurant Sokrates (Tischreservierung)