Neuer Realismus

 

Der Idealist, der Realist und der Elefant

 

Ein Realist und ein Idealist überqueren eine etwas abschüssige Straße. Als plötzlich von oben ein Elefant angerannt kommt, warnt der Realist: "Vorsicht, da kommt eine Elefant!" Daraufhin meint der Idealist mit einer etwas hochmütigen Geste der geistigen Überlegenheit: "Ach was, der Elefant ist auch nur eine Erscheinung in meinem Bewußtsein." Etwas skeptisch fragt ihn der Realist: "Aber weiß das auch der Elefant?"

 


 

Was ist das eigentlich, der Neue Realismus?

 

 

Pragmatism doesn't work for me.

 

Raymond Smullyan

 

 

Wenn in der Philosophie eine Position unter dem Etikett "Neuer Ismus" angekündigt wird, dann ist Vorsicht geboten, denn die Geschichte der (europäischen) Philosophie lehrt diejenigen, die auch nur ein wenig von ihr verstehen, dass neue Positionen eher selten sind. Das heißt nicht, dass sie nicht doch manchmal vorkommen. Kants Kritizismus und Hegels spekulativer Idealismus waren zu ihrer Zeit tatsächlich neue und innovative Positionen, obwohl sie auf ganz verschiedene Weisen an frühere Positionen der Antike, der Scholastik und der Neuzeit angeknüpft haben und sich mit ihnen auseinandergesetzt haben. Sie waren nicht vollständig neu, aber in ihrer Kombination von überlieferten Begriffen, Thesen und Methoden neuartig.

 

Freges Begriffschrift, Wittgensteins Tractatus und die Principia Mathematica von Russell und Whitehead haben ein relativ neues Verständnis von Formaler Logik initiiert, das für lange Zeit etwas unkritisch von den sog. Analytischen Philo-sophen als ein angeblich unhintergehbarer Fortschritt eingeschätzt und behandelt wurde. Die bis dahin geltenden überlieferten Logiken der aristotelischen Syllogistik, der scholastischen Begriffslogik, die Urteilslogik der kantischen Transzendentalphilosophie, die spekulative Begriffslogik der hegelschen Metaphysik galten als veraltet und überholt, obwohl die neuere Formale Logik aus aristotelischer, kantischer und hegelscher Perspektive philosophische Impli-kationen hatte, die in den Kreisen der sog. Analytischen Philosophie kaum bemerkt oder aber stillschweigend in Kauf genommen wurden, aber für lange Zeit einfach ignoriert und nicht ernsthaft diskutiert wurden. 

 

Der Name eines "Neuen Realismus" signalisiert, dass es einen alten oder älteren Realismus gibt, von dem er geradezu werbewirksam abgesetzt werden soll. Aber was ist das Neue am Neuen Realismus?

 

1. Realisten und Anti-Realisten

 

Es ist ein Gemeinplatz, dass Realistische Philosophien irgendwelchen Idealistischen entgegengesetzt werden. Und es ist zumindest in philosophisch interessierten Kreisen gemeinhin bekannt, dass idealistische Philosophen auf die eine oder andere Weise behaupten, dass es keine von meinem bzw. unserem menschlichen Bewusstsein und Geist unabhängige und strukturierte Wirklichkeit gibt. Denn mein bzw. unser menschliches Bewusstsein und mein bzw. unser kontingenter oder universaler Geist präfigurieren oder struktutieren zumindest, was und wie ich die Dinge in der raum-zeitlichen Lebenswelt sinnlich wahrnehmen, begrifflich denken, kognitiv beurteilen, sprachlich beschreiben, methodisch erfor-schen, erklären und verstehen kann. 

 

Wenn von idealistischen Philosophien die Rede ist, tut man gut daran, zwischen starken und schwachen Varianten des Idealismus zu unterscheiden. Die starken Varianten, wie z.B. von Platon Berkeley oder Fichte gelten gegenwärtig in der Philosophie als nur noch historisch relevante Positionen und nur wenige Philosophen nach Kant und Brentano, Nicolai Hartmann und Karl Jaspers vertreten und verteidigen noch idealistische Positionen mit allen ihren Konsequenzen.

 

Neuere anti-realistische Philosophien werden eher als "konstruktivistisch" bezeichnet, da sie nicht mehr idealistisch im überlieferten Sinne sind. Konstruktivisten gehen zwar wie Realisten davon aus, dass es die Menschen mit ihren sinnlichen Erfahrungen, kognitiven Prozessen und sprachlichen Äußerungen wirklich gibt, dass sie jedoch gewisse Aspekte oder Bereiche der Wirklichkeit nicht einfach nur wirklichkeitsgemäß erfassen oder kognitiv abbilden können, sondern durch das sensorische Spektrum ihrer Sinnesorgane und sensorischen Leistungen ihres menschlichen Gehirnes filtern oder selektieren und durch die logischen Strukturen und semantischen Muster ihrer sprachlichen Begriffe und Gedanken, Vorurteile und Urteile zumindest selektieren und teilweise sogar konstruieren.


Realistische Philosophen behaupten auf die eine oder andere Weise, dass es eine vom eigenen individuellen sowie kollektiven menschlichen Bewusstsein und Geist kausal unabhängige Wirklichkeit gibt, die bestimmte eigenständige Strukturen des Seienden (Ereignisse und Prozesse, Sachverhalte und Situationen, Substanzen, Attribute und Relationen, Pflanzen und Tiere, Gegenstände und Personen, etc.) aufweist, die man teilweise sinnlich wahrnehmen kann, wie sind sind und sich verhalten, teilweise jedoch aus sinnlichen Eindrücken oder empirischen Daten erschließen muss, um sie zu erforschen und zu entdecken. Dabei muss man jedoch zwischen bestimmten Varianten des Realismus unterscheiden, die sich in erkenntnistheoretischer und ontologischer Hinsicht unterscheiden.

 

Gemeinsames Kennzeichen realistischer Positionen in Abgrenzung von starken skeptischen. agnostischen und kon-struktivistischen Positionen ist die Unterscheidung zwischen Logik, Semantik, Epistemologie und Ontologie und das Beharren auf der Möglichkeit und Irreduzibilität ontologischer Begriffe und Argumente, Behauptungen und Theorien gegenüber bloß logischen, semantischen und epistemologischen. Die philosophiegeschichtliche Auffassung, vor allem Heideggers aber auch Hegels, dass mit Descartes die Philosophie der Neuzeit begonnen habe und er ihr insgesamt ein subjektivistisches Gepräge gegeben habe ist jedoch fragwürdig. Dafür war Descartes noch zu sehr der Scholastik verbunden und dafür war er viel zu sehr ein erfolgreicher Mathematiker und Naturforscher mit einem philosophischen Interesse an der ontologischen Differenz zwischen physischen und psychischen Substanzen.

 

Außerdem gab es auch schon in der griechischen Antike radikale und moderate Skeptiker und im Neuplatonismus idealistische Spekulationen. Auch die cartesische Intuition und Argumentation, dass es gewisse Wahrheiten der Logik und Mathematik sowie der sinnnlichen Gewissheit der inneren und äußeren Wahrnehmung gibt, die ich nicht mehr sinnvoll bezweifeln kann und die daher evident sind, sodass sie dem skeptischen Zweifel ein Ende setzen, das als epistemologischer Anfang oder als Fundament gelten kann, geht auf Augustinus zurück.

 

Der naive, direkte oder empirische Realismus geht davon aus, dass ich die Realität so wahrnehmen kann, wie sie ist. Ich sehe einen Baum in unserem Garten, also steht dort ein Baum. Das Beispiel scheint trivial zu sein, denn meine sinnliche Wahrnehmung ist im Alltag gewöhnlich zuverlässig genug, um von meiner sinnlichen Wahrnehmung von einem äußeren Gegenstand auf das Vorhandensein dieses Gegenstandes zu schließen. Da ich mich daran erinnern kann, dass der Baum seit Jahren an ein und derselben Stelle steht und dort gewachsen ist, habe ich auch keinen Grund an der von mir unabhängigen Existenz dieses Baumes zu zweifeln. Unhabhängig ist sie nämlich von meiner aktuellen Wahrnehmung, von meinem momentanen Bewusstseinszustand und von meinem sprachlichen Gedanken und Reflexionen. Bäume existieren auch dann, wenn ich sie nicht gerade wahrnehme oder betrachte. Bäume existieren auch dann, wenn sie von keinen Menschen und von keinem Tier wahrgenommen werden. In den weiten Wäldern Kanadas gibt es vermutlich eine große Menge von Bäumen, die noch kein Mensch (bewusst) wahrgenommen hat. Und in der schier unendlichen Weite des Universums gibt es vermutlich unzählige Sonnensysteme und Planeten, die noch niemals irgend ein Mensch wahrgenommen, beobachtet oder entdeckt hat.

 

Der kritische Realismus ist eine bestimmte philosophische und wissenschaftstheoretische Position und als solche eine besondere Form von Realismus. Alle Formen oder Varianten von Realismus widersprechen allen Formen oder Varianten des Idealismus oder des Konstruktivismus. Der kritische Realismus geht nun zwar auch davon aus, ich die Realität gewöhnlich so wahrnehmen kann, wie sie ist. Aber er verweist dennoch darauf, dass das nicht immer der Fall ist, (a.) weil es nun einmal Sinnestäuschungen gibt, wie z.B. wenn eine ins Wasser getauchte Angelschnur von der Seite gekrümmt zu sein scheint, (b.) weil der aktuelle Zustand meiner leiblichen Sinne den subjektiven Gehalt meiner Wahrnehmung verändern kann, wie z.B. wenn ich am Strand von der Sonne erhitzt ins Wasser gehe, das mir wegen des Temperatur-unterschiedes besonders kalt zu sein scheint, (c.) weil es aktuelle Trübungen meines Bewusstseins durch Alkohol, Drogen oder Medikamente, etc. geben kann, wie z.B. wenn ich deswegen einen alten Bekannten nicht mehr klar wahrnehmen und erkennen kann, (d.) weil es Fehlinterpretationen dessen gibt, was ich wahrnehme, wie z.B. wenn ich in meinem Garten versehentlich auf einen Schlauch trete und ihn im ersten Schreck kurz für eine Schlange halte, (e.) weil es Lichtverhältnisse gibt, in denen ein farbiger Gegenstand anders aussieht, als er unter Normalbedingungen bei Tageslicht, wie z.B. wenn eine gelbe Krawatte bei rotem Licht, orange zu sein scheint, (f.) weil es Vorurteile gibt, die meine Wahrnehmungsurteile beeinflussen, wie z.B. wenn jemand einen farbigen Radfahrer spontan für einen Asylanten hält, obwohl es sich auch um einen Studenten oder einen schon länger eingebürgerten Einwohner mit dunkler Haut-farbe handeln könnte, (g.) weil es Lichtstrahlen gibt, die ich mit meinen Augen nicht direkt wahrnehmen kann, wie z.B. ultraviolettes Licht, und schließlich (h.) weil es physikalische Realitäten gibt, die ich mit keinem meiner menschlichen Sinne direkt wahrnehmen kann, wie z.B. radioaktive Strahlung. 

 

Der kritische Realismus folgert aus solchen seit Platon (Dialog Protagoras) bekannten Beispielen, dass es eine natür-liche (evolutionäre) Ausrichtung und bio-physiologische Einstellung unserer menschlichen Sinne auf bestimmte Aspekte der physikalisch-chemischen Wirklichkeit gibt, die den naiven oder direkten Realismus widerlegt. Aber daraus folgt keine generelle Unerkennbarkeit oder Verborgenheit der Wirklichkeit, wie starke Skeptiker oder Subjektivisten meinen, da wir diese evolutionär entstandene Anpassung der menschlichen Wahrnehmungsfähigkeit an die Lebenswelt bzw. Umwelt selbst wiederum objektiv erforschen und erkennen können.

 

Kants transzendentaler Idealismus ist trotz der irreführenden Terminologie - nicht nur nach Kant selbst - zugleich ein empirischer Realismus und damit zumindest ein Vorläufer des kritischen Realismus. Außer der bio-physiologischen Präfiguration der empirischen Gehalte der menschlichen Wahrnehmungen von Gegenständen, Ereignissen und Prozessen durch die menschliche Sinnlichkeit, gibt es nach Kant auch noch zwei erworbene und intersubjektive apriorische Formen der sinnlichen Anschauung von Gegenständen in Raum und Zeit: (1.) die Dreidimensionalität des realen lebensweltlichen Erfahrungsraumes und des idealen bzw. fiktiven Raumes der euklidischen Geometrie; (2.) die eindimensionale Linearität und Unumkehrbarkeit der realen lebensweltlichen Zeiterfahrung und der idealen bzw, fiktiven Zeit des Zählens in der Algebra. Kant glaubte jedoch auch, dass im Unterschied zu bloß subjektiven Wahrneh-mungsurteilen ("Dieser Stein ist warm.") objektive Erfahrungsurteile ("Die Sonne erwärmt den Stein.") über die konkret erfahrbaren Eigenschaften und kausal bedingten Veränderungen von raum-zeitlichen Gegenständen durch bestimmte apriorisch-logische und empirisch-rationale Kategorien des Denkens, Schließens und Urteilens geformt werden. Daher können wir gar nicht kontrafaktisch sagen, wie sich die Dinge an sich und unabhängig von diesen allgemeinen und intersubjektiven apriorischen Formen der sinnlichen Anschauung, des empirischen Verstandes und der logischen Vernunft verhielten. Menschen sind immer schon auf diese apriorischen Formen der sinnlichen Anschauung und apriorischen Formen des logisch korrekten Denkens und Urteilens angewiesen. Kants Position unterscheidet sich jedoch deutlich vom empiristischen Skeptizismus (Hume), vom dogmatischen Idealismus (Berkeley), vom problematischen Idealismus (Descartes), vom egozentrischen Solipsismus (Fichte) und von einem transzendental-phänomenologischen Subjektivismus (Husserl). Insofern ist Kants transzendentaler Idealismus zugleich ein empirischer Realismus und damit ein Vorläufer des kritischen Realismus von Nicolai Hartmann ähnlich wie auch schon die logischen, semantischen, epistemologischen und ontologischen Auffassungen des Aristoteles ein antiker Vorläufer des modernen kritischen Realismus waren.

 

Der metaphysische Realismus (Augustinus, Anselm von Canterbury, D. von Hildebrand, Josef M. Seifert, u.a. ) hingegen geht anders als der empirische Realismus Kants davon aus, dass die Dinge an sich trotz der transzendental gültigen apriorischen Voraussetzung einer klassischen zweiwertigen Logik (unter dem impliziten Axiom des Ausschlusses von Widersprüchen) und trotz der raumzeitlichen Bedingtheit der menschlichen Wahrnehmung, Erfahrung, Begriffe und Urteilsbildung zweifelsfrei und restlos objektiv so erkannt werden können, wie sie an sich selbst sind. Dabei wird (1.) die unaufhebbare Differenz zwischen Denken (Urteil) und Sein (Sachverhalt) bzw. Subjekt und Objekt aufgehoben, (2.) die Fallibilität aller kontingenten und bivalenten Urteile geleugnet, (3.) die bio-soziale und psycho-mentale Bedingtheit aller authentisch forschenden, erkennenden und Wissenden Menschen durch Sprache und Kultur, Religion und Konfession außer Acht gelassen und schließlich (4.) der prozessuale und kommunale Charakter von Erkenntnis und Wissen miss-achtet. Damit maßen sich metaphysische Realisten jedoch an, als zeitliche und sterbliche Menschen die Dinge voll-ständig so erkennen zu können, wie sie an sich sind und wie sie nur ein ewiger und unsterblicher, allmächtiger und allwissender Gott jenseits aller menschlichen Bedingtheiten (A View From Nowhere) erkennen könnte. Kants philo-sophische Bescheidenheit ("Kantian Humility") hingegen weist - wie der kritische Realismus - diese übermenschliche Anmaßung (Hybris des "Wie-Gott-sein-wollens") zurück und geht bescheidener davon aus, dass sterbliche Menschen nun einmal nur "Geschöpfe Gottes" sind, die zwar gewisse Aspekte der Gegenstände, Ereignisse und Prozesse per-spektivisch wahrnehmen und zeitlich erfahren können, die sie jedoch auch annäherungsweise methodisch erforschen, rational erschließen, objektiv rekonstruieren und hypothetisch erkennen können. Die menschliche Bedingtheit der Subjekte schließt nicht die Erreichbarkeit von objektivem Erkennen und Wissen aus, sie schließt nur die übermenschliche Unfehlbarkeit aus.

 

Deswegen kommt der kritische Realismus zu der insgesamt zutreffenderen Auffassung: Objektives Erkennen und Wissen im Alltag, in Arbeit und Berufsleben sowie in den vielfältigen formalen, empirischen und historischen Wissen-schaften ist zwar grundsätzlich möglich und immer wieder wirklich realisiert, aber immer nur unter individuellem und gemeinschaftlichem menschlichen Bemühen um ein objektives Erkennen mit Hilfe methodischer Skepsis und unter günstigen natürlichen, kulturellen, sozialen, psychologischen und mentalen Bedingungen.

 

Der Critical Realism von Roy Bhaskar ist wie der kritische Rationalismus von Karl Popper und Hans Albert eine Anwendung des kritischen Realismus auf die methodischen Natur- und Sozialwissenschaften. Der kritische Rationa-lismus hat dabei an den umfassenden kritischen Realismus von Nicolai Hartmann und Oswald Külpe angeknüpft. Der kanadische Jesuit Bernard Lonergan hat den kritischen Realismus auf die Ethik und christliche Theologie, die Wissen-schaftstheorie und die Makroökonomie angewandt. Der britische Historiker und anglikanische Theologe N.T. Wright schließlich vertritt einen kritischen Realismus in der biblischen Hermeneutik und christlichen Theologie.

 

2. Realismus aus pragmatischen Gründen?

 

Differenzierte realistische Positionen vertreten in der Analytischen Philosophie auch Hilary Putnam und John Searle.

Damit haben beide analytische Philosophen vor allem der antirealistischen bzw. pragmatistischen Wende von Richard Rorty widersprochen, der in seinem Bestseller Philosophy and the Mirror of Nature das korrespondenztheoretische Verständnis von Wahrheit verworfen und die realistische Idee von anti-skeptischer Philosophie und methodischer Wissenschaft als Entdeckung (Heidegger) und schrittweiser Annäherung an die Wirklichkeit (Peirce) verabschieden wollte. Rorty wollte die geistige Narrenfreiheit eines Literaten, die an die postmodernen Dekonstruktivisten Derrida, Lacan u.a. erinnerte, denen zufolge es angeblich keine angemessene Interpretation von Texten, sondern nur beliebig viele verschiedene Interpretationen von Texten gibt. Der Tendenz nach gibt es dann auch angeblich kar keine Fakten

und Realitäten, sondern nur subjektive Interpretationen von sinnlichen Eindrücken.

 

Hilary Putnam hielt in Reason, Truth and History das cartesische Problem der Existenz einer von Bewußtsein und Geist in ihrem Dasein, Sosein und Wassein unabhängigen, raum-zeitlich verfassten, zumindest kausal strukturierten Außenwelt ähnlich wie Descartes' für eine Methode der rationalen Selbstvergewisserung. Daher erfand er in Analogie zu Hans Reichenbachs "Cube-Problem" das raffinierte Science-fiction-Gedankenesperiment des Problems der menschlichen Gehirne in einer Schüssel (brains-in-a-vat), die eine lebenserhaltende Nährstofflösung enthält, während ihre gehirn-physiologischen und neuronalen Funktionen durch eine angemessene Blutzirkulation aufrecht erhalten wird und während ihnen von einem omnipotenten Riesencomputer täuschend echt ein ganzes Leben in ihrer gewohnten Lebenwelt vorgespielt wird. Könnten wir wissen, ob es da draußen außerhalb der Schüssel eine wirkliche Welt gibt, wenn unser eigenes Gehirn sich in einrer solchen mißlichen Lage gefinden würde? In Putnams Gedankenexperiment geht es um ein echtes philosophisches Problem für ein realistisches Verständnis der menschlichen Fähigkeit zu Erkenntnis und Wissen.

 

Putnams Lösung für sein selbst erfundenes Problem war damals zuerst sein interner Realismus im Gegensatz zu einem externen Realismus. Anders als Descartes beruft sich Putnam nicht mehr auf seinen festen und mit seinem ontologischen Argument beweisbaren Glauben an einen allmächtigen, aber barmherzigen Gott, der es einfach nicht zulassen würde, dass er dauerhaft und täuschend echt von einem bösen Dämon oder von einem genialen, raffinierten, aber fiesen Neurowissenschaftler getäuscht würde, die ihm ein ganzes Leben in seiner gewohnten Lebenswelt vor-gaukeln. Anders als Kant versucht Putnam aber auch nicht mehr, die Existenz der Außenwelt durch eine "Widerlegung des Idealismus" aus dem Selbstbewusstsein von einer kohärenten Erfahrung raum-zeitlich strukturierter, relativ beharrlicher Gegenstände und ihren kontinuierlichen Veränderungen in der Erfahrungswelt zu beweisen.

 

Putnams interner Realismus ist kein cartesischer metaphysischer Realismus und kein kantischer empirischer mehr, sondern nur noch ein praktischer Realismus im Sinne von Peirce Praktizismus, aber nicht im Sinne des Pragmatismus von William James oder John Dewey. Die scientific community darf auf eine wahrheitsgemäße Annäherung an die Wirk-lichkeit vertrauen, wie sie "an sich" ist und ihren Begriffen, Hypothesen und Theorien weitgehend entspricht. Ihre je-weiligen besten Begriffe, Hypothesen und Theorien mögen auch kognitive Instrumente ihrer besten Forschungen und Theoriebildungen sein. Aber ihre praktischen Erfolge in den Vorhersagen und Erklärungen der Phänomene beweisen ihre hinreichend gute Anpassung an die alltägliche Lebenswelt und an die wissenschaftlich konzipierte Welt der Mikro- und Makrophysik. Ob es mikrophysikalische Teilchen wie Quarks, Strings und Botons und ob es makrophysikalische Objekte wie Rote Riese, Weiße Zwerge und Schwarze Löcher, als abgrenzbare und diskrete Einzeldinge wirklich gibt, bleibt jedoch eine Frage der angemessenen Interpretation der jeweils besten Theorien und Experimente. 

 

Putnam denkt bei der "scientific community" zuerst ähnlich wie Kant und Peirce an die exakten Wissenschaften der Logik, Mathematik und Physik, in denen er sich auch am besten auskennt. Dennoch ist er weder ein reduktionistischer Physikalist wie W.V.O. Quine, der logische, mathematische und physikalische Grundbegriffe für den einzigen harten Kern der holistisch verstandenen Wissenschaften hält,  noch ist er ein wissenschaftlicher Realist wie Wilfrid Sellars, der glaubt, dass diese Wissenschaften letzten Endes bestimmen, was es wirklich gibt und was nicht oder wie die Dinge in der Welt im weitesten Sinne zusammenhängen, noch ist er ein eliminativer Materialist wie Richard Rorty, der glaubt, dass alle umgangssprachlichen Ausdrücke für unsere eigenen und fremde psychische und mentale Phänomene im Prinzip durch neurowissenschaftliche Ausdrücke für neuronale Vorgänge im menschlichen Gehirn und Nervensystem ersetzt werden könnten.

 

Putnam bekennt sich ähnlich wie Searle zur Position eines nicht-reduktionistischen Naturalismus. Beide Naturalisten denken, dass die Begriffe, Thesen und Theorien der Naturwissenschaften Physik, Chemie und Biologie in einem engen und strengen Sinne uns am besten verstehen und erklären lassen, wie die Welt an sich beschaffen ist. Aber sie glauben beide ähnlich wie Thomas Nagel oder Jaegwon Kim nicht, dass die intentionalen Begriffe, Thesen und Theorien der Neurowissenschaften, der Psychiatrie, der Humanpsychologie und der Sozialwissenschaften sich auf nicht-intentionale Begriffe, Thesen und Theorien der exakten Naturwissenschaften reduzieren lassen. Diese Irredzibilität gilt ihnen beiden zufolge erst recht für ästhetische und ethische, moralische und rechtliche Begriffe und Urteile, Ideale und Prinzipien, Werte und Normen. Daraus folgt, dass es ihrer Auffassung nach biologische, soziale, psychische und mentale Phäno-mene, ästhetische und ethische Werte, moralische und rechtliche Ideale und Prinzipien, ökonomische und politische Begriffe und Urteile, Ideale und Prinzipien, Werte und Normen sowie historisch gewachsene politische Konventionen, Traditionen und Institutionen gibt und dass ein radikaler und strenger Naturalismus im Sinne eines reduktionistischen Naturalismus (Armstrong, Churchland, Lewis, u.a.) oder gar eines eliminativen Materialismus (Rorty) falsch sind.

 

John Searle hält Putnams Gedankenexperiment vom Gehirn in der Schüssel jedoch nur noch für ein interessantes philosophisches Rätsel (puzzle) oder Gedankenspiel. Searles Gründe sind jedoch nur pragmatisch und weltanschaulich, aber nicht mehr prinzipiell und philosophisch wie die Gründe von Putnam. Denn Searles Plädoyer verweist darauf, dass wir in einem Zeitalter des enormen Zuwachses an wissenschaftlichem Wissen und der fraglosen Erfolge der modernen Naturwissenschaften und der durch sie ermöglichten Technik, nicht mehr sinnvoll daran zweifeln könnten, dass unser bestes naturwissenschaftliches Wissen die Welt so erfasst, wie sie wirklich unabhängig von unseren wissenschaftlichen Mutmaßungen und Theorien verfasst ist. Wer eine erfolgreiche Mondlandung planen und realisieren kann, so Searle, der kann kaum noch ernsthaft an der epistemischen Zuverlässigkeit seiner induktiv begründeten Vermutungen und Vorhersagen zweifeln.

 

Aber Searle hat ein ganz pragmatisches Problem: Denn auch Richard Rorty hat sich ganz auf einen weltanschaulichen Pragmatismus berufen. Aber anders als Searle verwirft Rorty die überlieferte Adäquationstheorie der Wahrheit und das realistische Verständnis von Erkenntnis und Wissen unter Berufung auf den Pragmatismus, an dem Searle festhält. Der Pragmatismus dient also jedem zu seinen Zwecken, dem Realisten ebenso gut wie dem Anti-Realisten. Die ganze Ein-stellung des Pragmatisten mag für Geschäftsleute, Händler und Rechtsanwälte eine brauchbare Einstellung sein, die zumindest kurzfristig berufliche Erfolge ermöglicht. Aber für Philosophen und Wissenschaftler ist es kaum möglich, Wahrheit nur noch als das zu verstehen, was für sie bisher irgendwie funktioniert hat oder zumindest kurzfristig zu funktionieren scheint. Das pragmatische Verständnis von Wahrheit als praktischer Nützlichkeit, das zumindest William James explizit empfohlen, John Dewey zumindest implizit gut geheißen hat, das Charles Sanders Peirce und Bertrand Russell jedoch verworfen haben, ist nicht nur reduktionistisch, sondern auch intuitiv falsch.

 

Denn im Alltag, im Beruf und in den Wissenschaften unterscheiden die meisten Menschen gewöhnlich zwischen dem, was zwar wahr, aber für einen nicht nützlich ist, und dem, was zwar für einen nützlich ist, aber nicht wahr ist. Beides, Wahres und Nützliches, nicht zu unterscheiden räumt der Selbsttäuschung, der Lüge und dem Betrug Tür und Tor. Geschäftstüchtige Heilpraktiker mögen zwar den Slogan "Wer heilt, hat recht." Clevere Advokaten motivieren sich mit ihrer professionellen Überzeugung, dass es für sie nur darauf ankommt, ihre Mandanten erfolgreich zu verteidigen, aber nicht darauf, ob sie wirklich schuldig sind oder nicht. Gebrauchtwagenhändler glauben "Wer viel verkauft, hat recht, auch wenn er dabei die Tachos manipuliert und andere wirksame Tricks anwendet." Aber seriöse Ärzte und Richter, seriöse Ökonomen und Politiker wissen, dass sich kurzfristige Erfolge auch mit zwar nützlichen, aber dennoch täuschenden Methoden und Phrasen erzielen und "verkaufen" lassen. Wahrhaftig ist jedoch nur, wer sich so gut wie es möglich ist, an gut begründete Evidenzen und Fakten hält und das, was wahr und gut ist, gewohnheitsmäßig sorgfältig von dem unterscheidet, was nur nützlich und lukrativ ist.

 

3. Realismus aus politischen Gründen?

 

Der Weg von Richard Rortys Pragmatismus zu dem politischen Opportunismus von Donald Rumsfeld und von Donald Trump war jedoch nur kurz. Denn wenn es angeblich keine Fakten gibt, dann können Politiker und ihre offiziellen Re-gierungssprecher auch beliebig viele "alternative Fakten" erfinden, wenn es ihnen für ihre eigenen Zwecke, für die Ziele ihrer Partei oder für die mutmaßlichen Interessen ihres Landes nützlich erscheint. Angebliche Gefahren, die von einem Feind ausgehen, um vor dem eigenen Volk einen Krieg zu rechtfertigen oder angebliche Zuschauermengen bei einer Amtseinführung, die die eigene Beliebtheit beweisen sollen, können dann frei erfunden werden und als Tatsachen ausgegeben werden.

 

Diese Laxheit im Umgang mit der Wahrheit gab es jedoch auch in Europa, namentlich vor allem in Italien in der Person des reichen Medienmoguls und populistischen Politikers Silvio Berlusconi. Daraufhin reagierten der ältere Maurizio Ferraris und der junge Markus Gabriel mit einem programmatischen Manifest zum Neuen Realismus, weil sie

in dem nun auch politisch fragwürdigen postmodernen Zeitgeist, nicht mehr nur eine akademische Mode erblicken wollten. Die Absicht war ehrenwert, das Engagement war wohl auch gut gemeint, aber die ganze Aufregung wegen ihrer politischen Intentionen und wegen ihrer ehrgeizigen Sehnsucht nach Wirkung im Sinne einer philosophischen Therapie des Zeitgeistes dennoch fragwürdig.

 

Denn beide meinten nun nicht nur in den philosophischen Schriften von Descartes und Hume, sondern auch in Kants kritischer Philosophie selbst den Anfang und Ursprung für die antirealistischen Einstellungen der Postmodernisten ausmachen zu können. Daher mussten sie sich nicht nur mit den nur in Fachkreisen bekannten Postmodernisten auseinander setzen, sondern gleich einen großen Philosophen der Neuzeit vom Sockel holen. Aber wenn man Bücher schreibt, die ein solches politisches Ziel verfolgen, dann werden sie schnell zu Reißern, zu Zweckschriften und zu bloßen Instrumenten des eigenen Willens zur Macht. Wenn man sich dabei an ein großes, philosophisch wenig bewandertes Publikum wendet, aber nicht an Kollegen, dann beginnt man unweigerlich selbst bloß rhetorisch allzu sehr auf Wirkung abzuzielen, wie öffentliche Aufmerksamkeit, mediale Bestsellerlisten und außerakademische Einladungen zu Vorträgen. Darunter leidet dann die intellektuelle Qualität, was Wahrheit, Klarheit und begriffliche Differenzierung angeht. Man beginnt sich selbst dem postmodernen Zeitgeist anzunähern, den man doch eigentlich bekämpfen möchte.

 

4. Neuer Realismus aufgrund der semantischen Annahme einer Pluralität von Redebereichen?

 

Markus Gabriel vertrat in dem ersten Band seiner popularphilosophischen Trilogie Warum es die Welt nicht gibt die angeblich gegen Kants kritische Transzendentalphilosophie und empirischen Realismus gerichtete These seines an-geblich neuen Realismus: "Die Welt gibt es nicht." Aber diese These stammt von Kant selbst, für den der Begriff der Welt auch nur eine "regulative Idee" ist, da die Welt als Ganzes auch für Kant kein Gegenstand einer für Menschen möglichen Erfahrung und damit einer Erfahrungsserkenntnis sein kann. Kein Mensch als intelligentes, aber endliches Lebewesen kann die ganze Welt sinnlich wahrnehmen. Die Welt ist ebenso wenig ein möglicher  Gegenstand konkreter mensch-licher Erfahrung, ein "Phänomenon", wie Gott oder die angeblich unsterbliche Seele oder wie das angebliche "Jenseits" von Emmanuel Swedenborg oder auch wie die vermeintlichen "höheren Welten" von Rudolf Steiner. Es handelt sich zunächst nur um fiktive Gedankendinge oder "Noumena".

 

1. Gabriels These, dass es die Welt nicht gibt, stammt eigentlich von Kant selbst, wird aber von ihm gegen Kants em-pirischen Realismus und transzendentalen Idealismus gewendet. Denn Kant war bereits davon überzeugt, dass der Begriff der Welt nur ein notwendiges regulatives Ideal des metaphysischen und philosophischen Denkens ist, aber kein Erfahrungsbegriff von raum-zeitlichen Gegenständen. Insofern gibt es “die Welt” auch schon nach Kant nicht so, wie es bestimmte Phänomene in der Wahrnehmung oder raum-zeitliche Gegenstände der Erfahrung gibt, wie z.B. Menschen, Tiere und Pflanzen oder Berge, Täler und Landschaften in der Natur. Allerdings verwendet Gabriel ausgerechnet diese anti-realistisch klingende These, dass es die Welt nicht gibt, als rhetorischen Kernsatz seines popularphilosophisch propagierten "Neuen Realismus". Das klingt paradox und sophistisch und bedarf daher einer genaueren Erklärung.

 

2. Gabriels “Neuer Realismus” soll kein gemeinhin vertrauter weltanschaulicher oder philosophischer Realismus im herkömmlichen Sinne des naiven, kritischen oder metaphysischen Realismus sondern ein neuer, an Gottlob Freges Semantik anknüpfender Realismus einer Pluralität der semantischen Sinnfelder. Denn ein herkömmlicher weltan-schaulicher oder philosopischer Realismus geht der von der leiblichen Erfahrung der Widerständigkeit des Konkreten aus (Max Scheler), bevor er den in der sinnlichen Wahrnehmung gegebenen Phänomenen oder Substanzen mit John Locke primäre und sekundäre Eigenschaften zuschreibt. Gabriels Verständnis des Wirklichen als potentiell unendliche Vielfalt von menschlichen Redebereichen (universes of discourse) oder von semantischen Sinnfeldern gleicht jedoch einem semantischen Konstruktivismus und damit einer lingualistischen Form von Kulturrelativismus. Denn semantische Sinnfelder sind durch die konventionellen Sprachen konstituierte Gedankendinge und keine mit den fünf Sinnen wahrnehmbare konkrete Gegenstände der Lebenswelt. Semantische Sinnfelder sind abstrakte Gebilde, die überhaupt erst durch die konventionellen Verwendungsweisen sprachlicher Ausdrücke konstituiert werden und existieren insofern nicht unabhängig vom menschlichen Bewußtsein und Geist. Säugetiere und Vögel können sie nicht mit ihren Sinnen wahrnehmen und mit ihren kognitiven Instinkten erkennen. Vielmehr sind sie nicht nur von den konventionellen Sprachen einer bestimmten Sprachgemeinschaft in der raum-zeitlichen Welt abhängig, sondern auch von den jeweiligen Menschen, die diese Sprache aktiv sprechen und passiv verstehen. Semantische Sinnfelder sind zwar sprach- und kulturabhängige Tatsachen, aber sie sind nur parochiale Kulturgebilde, aber nicht interkulturell und universal anerkannte Tatsachen, wie die wissenschaftlichen Fakten, von denen Putnam und Searle ausgehen. Das verstehen wir jedoch gewöhnlich gerade nicht unter einem Realismus im Alltag, in den Sozial- und Kulturwissenschaften oder in der Philosophie. Gabriel ist daher kein Realist im überlieferten Sinne, sondern vielmehr ein lingualistischer und kultur-relativistischer Konstruktivist.

 

3. Gabriels “Neuer Realismus” kennt keine psycho-dynamische Autonomie menschlicher Personen oder Subjekte in ihren sozialen Rollen der ersten und zweiten Person, als leiblichen Zentren sinnlicher Empfindungen und eigener Wahrnehmungen, innerlich erlebter und äußerlich ausdrückbarer Emotionen, spontaner Motivationen und Kognitionen sowie als Teilhaber an konventionellen oder unkonventionellen Sprachspielen der Kommunikation und Routinen der Interaktion. Personen und Subjekte verschwinden in Gabriels faktischer "Welt der semantischen Sinnfelder". Subjekti-vität geht bei Gabriel vollständig in Objektivität auf, Personalität in Faktizität. Seine Auflösung personaler Subjektivität erinnert eher an Schellings Identitätsphilosophie und seine letzten Endes individuelle Konstruktion eigener semanti-scher Sinnfelder an Fichtes subjektiven Idealismus der Setzungen der Dinge durch das Ich. (Daher scheint es auch ganz konsequent, dass er sowohl in der Fichte-Gesellschaft als auch in der Schelling-Gesellschaft Miglied ist, aber weder in der Kant-Gesellschaft noch in der Hegel-Gesellschaft.)

 

4. Gabriels “moralischer Realismus” kennt anscheinend keine ambivalenten Gewissensfragen und keine ambivalen-ten Ermessensfragen, die von der persönlichen Urteilskraft der menschlichen Subjekte oder Personen abhängen, die verschiedene Handlungssituationen mit eventuellen Interessenkonflikten unterschiedlich einschätzen können, worauf es aktuell ankommt. Auch die Phänomene der subjektiven und objektiven Interessen verschwinden in seinem “morali-schen Realismus” hinter seiner emphatischen Beurteilung von Adiaphora auf einer mittleren Ebene der Verallgemeine-rung zwischen zeitlichen und unwiederholbaren konkreten Gegebenheiten und wiederholbaren Typen von moralischen Idealen, Prinzipien, Normen und Werten. UWD

 

 


 

"Gegen die Verabschiedung von Tatsachen, Wahrheit und Objektivität auf der Basis einer vermeintlichen Einsicht in die soziale Konstruktion der Wirklichkeit wandte sich eine internationale Tagung an der Universität Bonn. Es wurde unter dem Titel ‚Neuer Realismus‘ gefragt, ob überzeugendere Modelle für die postmoderne Diagnose einer Pluralität von Wahrheiten, Sprachspielen oder Perspektiven erkennbar sind."

 

uni-bonn.tv gibt hier Vorträge der Bonner Tagung vom 26.-28. März 2012 wider. © Universität Bonn / uni-bonn.tv