Judenfeindlichkeit

 

 

 

 

 

 

Ihr Judenhaß ist im Grunde Christenhaß, und man braucht sich nicht zu wundern, daß in der deutschen

nationalsozialistischen Revolution diese innige Beziehung der zwei monotheistischen Religionen in der

feindseligen Behandlung beider so deutlichen Ausdruck findet.

Sigmund Freud

 

 

In Zeiten, in denen es besonders viel Antisemitismus gibt, in just jenen Zeiten gab es immer auch eine Erosion der

Menschenrechte und eine Ächtung anderer Minderheiten.

 

Samantha Power, Botschafterin der USA bei der UNO

 

 

Von allen Staaten der OSZE, und das sind immerhin 57, berichten nur 12 regelmäßig so - wie sie es eigentlich müssten -

über Zwischenfälle und Straftaten mit antisemitischem Hintergrund.

 

Georg Link, Chefaufklärer bei der OSZE

 

 



 

 

Judenfeindlichkeit ist gesellschaftsfähig geworden

 

Antisemitismus ist in allen Bevölkerungsgruppen präsent und wird offen gezeigt, warnen Experten. Judenfeindliche Klischees gehörten mittlerweile zum Alltag.

 

Von Martina Powell

 

DIE ZEIT; 9. November 2013

 

Genau vor 75 Jahren brannten die Synagogen. Organisierte nationalsozialistische Schlägertrupps zerstörten im gesamten Deutschen Reich jüdische Geschäfte, plünderten und misshandelten, verhafteten oder töteten Tausende Juden. Die "Reichspogromnacht" vom 9. November 1938 steht bis heute für den Antisemitismus in Deutschland. Sie markiert den Übergang von der Diskriminierung und Ausgrenzung der deutschen Juden seit 1933 zu ihrer systematischen Verfolgung.

 

Doch Antisemitismus gehört in Deutschland nicht der Vergangenheit an, sagt die Vorsitzende der Amadeu-Antonio-Stiftung, Anetta Kahane. "Wir erleben derzeit einen starken Anstieg beim Antisemitismus, und niemanden scheint das richtig zu stören." Auch in einer aktuellen EU-weiten Studie gibt eine deutliche Mehrheit der in der EU lebenden Juden an, mit zunehmendem Antisemitismus konfrontiert zu sein, auch in Deutschland. Hat sich der Antisemitismus in Deutschland tatsächlich verschärft?

 

Laut Innenministerium hat sich die Zahl "antisemitischer Straftaten" von 2011 auf 2012 tatsächlich um 10,9 Prozent erhöht, darunter fallen Delikte wie Pöbeleien gegen Jüdinnen und Juden, Brandanschläge auf Synagogen, Schändungen jüdischer Friedhöfe oder die Zerstörung von Stolpersteinen. Die Zahl der "antisemitischen Gewalttaten" hat sich demnach sogar um 41,3 Prozent erhöht.

 

Langfristig betrachtet lässt sich jedoch kein Aufwärtstrend feststellen, die Zahlen schwanken von Jahr zu Jahr: Seit Einführung der Statistik vor zwölf Jahren wurden 2006 mit über 1.800 Fällen die meisten antisemitischen Straftaten registriert, 2011 wiederum erreichten die Zahlen mit 1.239 Fällen ihren bislang niedrigsten Stand. In den meisten Fällen handelt es sich um Propagandadelikte, Sachbeschädigungen, Volksverhetzungen sowie Verstöße gegen das Versammlungsgesetz. Nur die wenigsten Fälle seien laut Innenministerium Gewaltdelikte und tatsächlich auch systematisch geplant, wie beispielsweise im Fall von Brand- und Sprengstoffanschlägen gegen Gedenkstätten oder Synagogen. Und die Kriminalstatistik zeigt auch: Nur ein Bruchteil der politisch motivierten Kriminalität in Deutschland ist gegen Juden oder jüdische Institutionen gerichtet: 2012 meldete das Innenministerium 2.464 Gewaltdelikte dieser Art, davon wurden 41 Fälle als "antisemitische Gewalttat" deklariert.

 

Antisemitismus zeigt sich nicht allein in der Kriminalstatistik

 

Dennoch sagt Ralf Melzer von der Friedrich-Ebert-Stiftung: Deutschland hat ein Antisemitismus-Problem. "Judenfeindliche Einstellungen werden immer offener, dreister und weniger versteckt gezeigt." Auch Jan Riebe von der Amadeu-Antonio-Stiftung warnt davor, Antisemitismus in Deutschland zu bagatellisieren. Die Gefahr, die von judenfeindlichen Handlungen ausgehe, könne aus mehreren Gründen nicht allein mit der Kriminalstatistik aufgezeigt werden: Man müsse von einer hohen Dunkelziffer ausgehen, da es immer von der Polizeibehörde abhänge, ob ein Delikt als judenfeindlich eingestuft wird. Außerdem sei Antisemitismus vor allem eine Welterklärungsstrategie, die sich nicht nur in physischen Gewalttaten äußere, sagt Riebe. "Große Sorge bereitet uns deshalb vor allem jener Antisemitismus, der in der Mitte der Gesellschaft stattfindet."

 

Tatsächlich stellt ein Expertenbericht im Auftrag des Bundestages bei etwa einem Fünftel der Bevölkerung einen latenten Antisemitismus fest. Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern nimmt Deutschland damit einen Platz im Mittelfeld ein, hinter westeuropäischen Ländern wie Italien, Großbritannien, Niederlande und Frankreich.

 

Laut einer Studie der Ebert-Stiftung von 2012 ist der sogenannte "sekundäre Antisemitismus", also die Relativierung des Holocausts und Judenfeindlichkeit in Reaktion auf den Holocaust, bei knapp 24 Prozent der Deutschen verbreitet. Und auch die Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft geht davon aus, dass judenfeindliche Argumentationen und Stereotype mittlerweile in Gesellschaftskreisen als akzeptabel gelten, in denen sie noch vor einigen Jahren abgelehnt wurden.

 

Judenfeindlichkeit in allen Bevölkerungsgruppen präsent

 

Neben den "klassischen" antisemitischen Vorwürfen – Juden besäßen zu viel Einfluss oder seien wegen ihres eigenen Verhaltens selbst "schuld" an ihrer Verfolgung – spielen laut Experten mittlerweile andere Mutmaßungen und Vorwürfe eine viel stärkere Rolle: beispielsweise der Vorwurf, Juden zögen Vorteile aus dem Holocaust oder nutzten ihn für ihre Zwecke zulasten deutscher Belange aus. Viel offener werde auch eine mit Antisemitismus aufgeladene Kritik an Israel artikuliert. Dabei sei Judenfeindlichkeit zwar besonders unter älteren und weniger gut qualifizierten Menschen verbreitet. Doch mittlerweile seien auch über alle Bevölkerungsgruppen hinweg antisemitische Einstellungen präsent, stellt die Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft fest.

 

Dieser Einschätzung schließt sich Riebe von der Antonio-Stiftung an: "Wer versucht, Antisemitismus nur den bildungsfernen Schichten oder politisch linken, rechten oder migrantischen Milieus zuzuordnen, verschließt die Augen davor, dass judenfeindliche Einstellungen in allen Gesellschaftsschichten immer weniger zurückhaltend gezeigt werden."

 

Warum das so ist, darüber lässt sich nur spekulieren. Vor allem in Debatten über den Nahost-Konflikt würden antisemitische Klischees oft unkritisch verbreitet, sagt Melzer von der Ebert-Stiftung. Mit zunehmendem zeitlichen Abstand zum Holocaust hätten zudem manche Menschen auch das Gefühl, judenfeindliche Einstellungen offener ausdrücken zu können.

 

Grass und Beschneidungsdebatte haben Ressentiments verstärkt

 

Bei der Amadeu-Antonio-Stiftung geht man davon aus, dass in den vergangenen Jahren politische Ereignisse oder öffentliche Diskurse wie über das Israel-Gedicht von Günther Grass antisemitische Ressentiments in der Gesellschaft immer mehr gestärkt hätten. Vor allem die Beschneidungsdebatte sei ein Wendepunkt gewesen, sagt Riebe. "Sie hat gezeigt, dass anders als bisher, nicht nur das Thema Israel als in breiten Teilen der Gesellschaft akzeptierte Projektionsfläche für antisemitische Äußerungen dienen kann."

 

Obwohl besonders in Deutschland ein Bewusstsein für dieses Thema herrschen sollte, vermisst man bei der Amadeu-Antonio-Stiftung eine öffentliche Auseinandersetzung mit Antisemitismus. "Viele halten Judenfeindlichkeit für ein Problem der Anderen. Dabei verwenden sie – häufig unbewusst – selbst antisemitische Stereotype im Alltag." Er plädiert dafür, mit Workshops und Veranstaltungen die Selbstreflexion der Bevölkerung anzuregen. "Aber ohne Eigeninitiative ist es schwierig, den Schalter umzukippen."

 

https://www.zeit.de/politik/2013-11/Antisemitismus-Deutschland-Gedenktag/komplettansicht?print

 


 

»Wir brauchen mutige Demokraten«

 

Auszüge aus der Rede von Zentralratspräsident Josef Schuster am 9. November in Berlin

 

JÜDISCHE ALLGEMEINE vom 12.11.2018

 

Es war mitten in der Nacht, als der Gullydeckel durch das Fenster der Synagoge flog. Glas zersplitterte. Am nächsten Morgen zeigte sich die Gemeindevorsitzende erschüttert. »Wut und Hass, die eine solche Kraft entwickeln, erschrecken mich«, sagte sie. Der Gullydeckel, der auf die Synagoge in Gelsenkirchen geworfen wurde – das war nicht im Jahr 1938. Das war im Jahr 2014. Eine Gleichsetzung verbietet sich.

 

Doch wenn wir heute an die staatlich organisierten Ausschreitungen gegen Juden im November 1938, also vor 80 Jahren, erinnern, dann tun wir dies nicht nur in dem Wissen um das größte Menschheitsverbrechen in der Geschichte und mit Blick auf die Lehren, die wir daraus gezogen haben. Sondern wir tun es auch in dem Wissen, dass immer noch Unrecht geschieht. (…)

 

Diese sogenannte Reichspogromnacht passierte nicht aus dem Nichts. Die Ausgrenzung der Juden aus der deutschen und seit dem 12. März 1938 auch aus der österreichischen Gesellschaft hatte längst eine gesetzliche Basis bekommen. (…) Am späten Abend des 9. November 1938 entlud sich dann die Gewalt: SA‐ und SS‐Leute griffen Synagogen und jüdische Geschäfte an. Sie überfielen Tausende ahnungslose jüdische Bürger in ihren Wohnhäusern. Insgesamt wurden rund 1400 Synagogen beschädigt oder zerstört, das entsprach der Hälfte.

 

Brände Auch diese Synagoge hier in Berlin, in der Rykestraße, wurde in der Nacht zum 10. November in Brand gesteckt. Nur um die benachbarten Häuser nicht zu gefährden, wurde der Brand relativ rasch wieder gelöscht. Rund 30.000 Juden wurden ins Konzentrationslager verschleppt. Etwa 1300 jüdische Bürger wurden ermordet oder in den Suizid getrieben. (…)

 

Viele Bürger reagierten offenbar damals mit Distanz, wenn nicht Abscheu. So wird es mehrheitlich berichtet. Dennoch lieferte ihre Reaktion den Nazis einen wertvollen Hinweis: Kaum jemand protestierte. SA und SS stießen nicht auf Gegenwehr. (…) Die Staatsführung konnte sich seit dem 9. November 1938 gewiss sein: Auch bei noch größerer Gewalt gegen Juden werden unsere Bürger sich nicht in den Weg stellen.Sie sollten recht behalten. Es gab nur sehr wenige Menschen, die Anstand und Mut bewiesen.

 

Zu ihnen gehört Wilhelm Krützfeld. Der Berliner Polizeibeamte stellte sich mit weiteren Beamten seines Reviers in der Nacht zum 10. November der SA vor der Neuen Synagoge in der Oranienburger Straße in den Weg. Er verhinderte, dass sie das Gebäude auch von außen anzündeten, und erzwang, dass das im Inneren bereits gelegte Feuer gelöscht wurde. (…)

 

Viele werden sich fragen, ob sie den gleichen Mut besessen hätten. Wir können uns diese Frage durchaus auch heute stellen. Denn wir haben es wieder mit Brandstiftern zu tun. Mit geistigen Brandstiftern, aber auch mit wirklichen.

 

Übergriffe

 

Ich will Ihnen das anhand von (…) Zahlen vor Augen führen: 2016 gab es fast 1000 Übergriffe auf Flüchtlings-unterkünfte, darunter waren mehr als 60 Brandstiftungen. Mehr als 60 Brandstiftungen. Das sind im Schnitt fünf Brandanschläge im Monat auf Häuser, in denen Menschen leben, die bei uns Zuflucht gesucht haben. 2017 waren es nur noch 16 Brandstiftungen. Ich sage das bewusst so. Denn manchmal scheint es mir, als hörte ich ein erleichtertes Aufatmen, dass die Anzahl der Übergriffe auf Flüchtlinge und Flüchtlingsheime deutlich zurückgegangen ist. Ja, sie sind zurückgegangen.

 

Aber das ist doch kein Grund zur Beruhigung! Dass in unserem Land allein 2017 rund 300 Flüchtlinge bei Angriffen verletzt wurden, dass Unterkünfte von Asylbewerbern regelmäßig Ziele von Anschlägen sind – das ist ein Skandal! Und ebenso ist es ein Skandal, dass immer häufiger Moscheen mit Hassparolen versehen oder noch massiver angegriffen werden. Und es ist ein Skandal, dass etwa jede zweite Woche in Deutschland das Gleiche mit Synagogen passiert, obwohl sie in der Regel unter Polizeischutz stehen.

 

Und Sie werden sich alle erinnern an den jüdischen Restaurant‐Besitzer in Chemnitz, der kürzlich und zum wiederholten Male von Neo‐Nazis angegriffen wurde. Wenig später, im Oktober, haben Neo‐Nazis ein persisches Restaurant in Chemnitz aufgesucht und den iranischen Betreiber schwer verletzt. Dass solche Dinge in Deutschland 2018 geschehen, das ist eine Schande für unser Land!

 

Geschichtsklitterung

 

Hinter diesen Menschen, die Flüchtlinge, Muslime oder Juden angreifen, stehen die geistigen Brandstifter. Mein Eindruck ist: Ihre Zahl wächst in Deutschland. Sie schüren Ängste vor Flüchtlingen. Sie stacheln mit ihrer Wortwahl und überproportionaler Aufmerksamkeit für einzelne Vorfälle die Bürger an. Sie hetzen gegen Asylbewerber und insbesondere gegen Muslime.

 

Eine Partei, die im Bundestag am ganz äußeren rechten Rand sitzt, hat diese Hetze perfektioniert. Sie sind geistige Brandstifter. Vor nichts haben sie Respekt. Sie instrumentalisieren die mutigen Widerstandkämpfer der Weißen Rose für ihre Zwecke. Sie verhöhnen die Opfer und Überlebenden der Schoa, indem sie die NS‐Verbrechen relativieren. Sie betreiben Geschichtsklitterung und wollen unsere Gedenkkultur zerstören.

 

Es wäre für die jüdische Gemeinschaft unerträglich gewesen, heute, 80 Jahre nach der Pogromnacht, Vertreter dieser Partei unter uns zu wissen. Daher haben wir diese Fraktion als einzige des Deutschen Bundestags nicht eingeladen. (Beifall) Diese Kräfte dürfen nicht noch mehr an Boden gewinnen. Im Gegenteil. Sie müssen so weit zurückgedrängt werden, bis sie ganz in der Versenkung verschwinden. (…)

 

Schwulenwitze

 

Was wir jetzt brauchen, sind mutige und überzeugte Demokraten. Wir brauchen Menschen, die Zivilcourage zeigen. Menschen, die den Mund aufmachen. Zivilcourage fängt im Alltag an. Jede und jeder unter uns mag sich fragen: Schreite ich ein, wenn in meiner Kneipenrunde Schwulenwitze erzählt werden? Oder abfällig über Frauen gesprochen wird? Oder wenn vom angeblichen Einfluss der Juden von der amerikanischen Ostküste die Rede ist? Oder ist mir das Risiko zu hoch, als Spaßbremse oder Spielverderber zu gelten? Passe ich mich lieber an? Schweige ich lieber oder lache mit, um nicht aufzufallen? Höre ich lieber weg, wenn ein dunkelhäutiger Mann in der Bahn beleidigt wird? (…)

 

»Die Weimarer Republik ist letztlich nicht daran gescheitert, dass zu früh zu viele Nazis, sondern, dass zu lange zu wenige Demokraten vorhanden waren.« Das sagte Richard von Weizsäcker in seiner berühmten Rede zum 40. Jahrestag des Kriegsendes. Diese Analyse ist zutreffend und markiert auch sehr genau den Unterschied zwischen damals und heute.

 

Heute sind wir genügend Demokraten. Man riskiert nichts, wenn man sich für die Grundrechte einsetzt. Mit unserem Verhalten, das müssen wir bedenken, sind wir schließlich auch Vorbilder. Kein Kind wird als Rassist geboren! Kein Kind wird als Antisemit geboren! Und doch wird »Jude« auf den Schulhöfen als Schimpfwort benutzt. Deshalb müssen vor allem auch Lehrerinnen und Lehrer mutige und überzeugte Demokraten sein. Ob im Sport‐, im Chemie‐ oder im Religionsunterricht – Antisemitismus und Rassismus sind nie akzeptabel. (…) Hier muss eine klare Grenze gesetzt werden.

 

Die Kulturwissenschaftler Aleida und Jan Assmann, die gerade den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels bekommen haben, haben das in ihrer Dankesrede ganz wunderbar formuliert: »Es muss unstrittige Überzeugungen und einen Grundkonsens geben wie die Verfassung, die Gewaltenteilung, die Unabhängigkeit des Rechts und die Menschenrechte. Nicht jede Gegenstimme verdient Respekt.«

 

Diese Überzeugungen, diesen Grundkonsens – den gibt es in Deutschland. Er wird allerdings von rechtsaußen infrage gestellt wie lange nicht. Deshalb gilt es, ihn zu verteidigen. Wir haben in den vergangenen Jahren die Demokratie und den Rechtsstaat als etwas Selbstverständliches hingenommen. Vielleicht als etwas zu Selbstverständliches. Doch mittlerweile spüren wir: Ein Selbstläufer ist die Demokratie nicht. Wir müssen etwas dafür tun. Wir müssen mutig sein. Und sowohl die nachwachsenden Generationen als auch die Menschen aus anderen Kulturen und politischen Systemen müssen wir zu überzeugten Demokraten machen. Das ist doch eigentlich eine wunderbare Aufgabe!

 

Hashtags

 

Und wenn ich auf die Demonstrationen der vergangenen Monate schaue, ob unter dem Hashtag »Wir sind mehr«, »Welcome United«, »Unteilbar« oder »Herz statt Hetze«, dann spüre ich: Da bewegt sich etwas. Die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland stehen auf. (…) Es sind Hunderttausende. Hunderttausende mutige und überzeugte Demokraten. Sie lassen Deutschland nicht einfach nach rechts abdriften. Sie kämpfen für den Grundkonsens. Sie machen mir Mut. Es ist der Aufbruch in ein Deutschland, das Respekt zu seinem Markenkern macht.

 

Verehrte Damen und Herren, aus dem Jahr 1938 sind aus Wien folgende Sätze eines zwölfjährigen jüdischen Jungen überliefert: »Mutti, wenn wir wirklich so schlecht sind und kein anderes Land uns aufnehmen will, ist es doch besser, gleich Schluss zu machen und den Gashahn aufzudrehen.« Nie wieder darf es so weit kommen, dass ein Mensch, und erst recht ein Kind, nur wegen seiner Herkunft Anlass zu so viel Verzweiflung hat.

 

 





 

Exodus? - Eine Geschichte der Juden in Europa

 

Der Historiker Christopher Clark begibt sich auf der Suche nach den Spuren jüdischer Geschichte auf eine Reise von Jerusalem zu den Zentren jüdischen Lebens in Europa.

 

http://www.3sat.de/page/?source=/dokumentationen/198418/index.html

 


 

Michael Wolffsohn | Die Hydra hebt ihr Haupt - der neue Judenhass (NZZ Standpunkte 2018)

 

In den Medien häufen sich Meldungen von antisemitischen Ausfällen und Übergriffen in Europa. Dabei schien der Judenhass weitgehend besiegt zu sein. Echoraum der neuen Aggression ist das Internet: Auf Social Media wird plötzlich sagbar, was lange gesellschaftlich geächtet war. Als enthemmte Akteure in Szene treten Neonazis und Rechtsextremi-sten, aber auch muslimische Einwanderer, bei denen sich der Hass auf Israel mit einer tradierten Verachtung des Judentums mischt.

 

Mit dem deutsch-jüdischen Historiker Michael Wolffsohn unterhalten sich NZZ Chefredaktor Eric Gujer und die Politikphilosophin Katja Gentinetta über Ursachen und Träger des neuen Antisemitismus, über die destruktiven Wirkungen des Internets sowie die Unentschlossenheit und Ratlosigkeit der Politik.

 

https://www.youtube.com/watch?v=27sKX5wVURM