Rassismus

 

 

Attacke, ich bin deutsch!

 

Mo Asumang im CICERO ONLINE am 23. Dezember 2019

 

Fragen sind ihre Waffe, die Angst ihr Motor: Die Dokumentarfilmerin Mo Asumang hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, die sie wegen ihrer Hautfarbe beleidigen. Das ist nicht leicht und manchmal auch gefährlich. Warum sie es trotzdem macht, erzählt sie hier.

 

Angenommen ich wüsste, dass die Nazis kurz vor der Machtübernahme stehen. Und wir hätten nur ein Jahr Zeit, die Brut aufzuhalten, was würde ich tun? Manchmal stelle ich mir deshalb vor, ich bin meine eigene Großmutter. Sie war bei der SS Schreibkraft, hat geheime Dokumente für die Nazis geschrieben. Sie hat damals alles mitgemacht, aber wenn ich jetzt sie bin, mache ich es anders.

 

Ich werde mich wehren. Das muss ich tun, denn sind sie einmal an der Macht, war‘s das. Dann sind plötzlich 3.000 Richter weg, und es könnte noch schlimmer kommen. Ich habe nicht viel Zeit. Meine Strategie, ich werde wo ich kann mit den Feinden der Demokratie ins Gespräch kommen. Meine Geschichte beginnt in Verbindung mit einer Neonazi-band mit dem Namen „White Aryan Rebels“. Die Pseudoarier haben aus einem für mich unsichtbarem Raum ihren Song „Die Kugel ist für Dich, Mo Asumang“ an ihre Mitläufer rausgeschossen, in Erwartung, dass diese mir Angst machen, und das taten sie auch. Aber das ist noch nicht alles.

 

„Schau mal, sie haben Ohren“

 

Die Angst ist nun mein Motor. Sie hilft mir, Dinge zu tun, die ich in der Gemütlichkeit meiner Komfortzone niemals wagen würde. Im Hinterkopf auch immer Oma Charlotte und die Frage, wie ich unsere Familiengeschichte transfor-mieren kann.

 

3.000 Neonazis auf dem Alexanderplatz und ich mitten drin. Oma Charlotte wäre vorbeigegangen. In Gedanken rufe ich sie und sage „schau mal, sie haben Ohren, haben Münder, sag doch mal was, mal sehen, was passiert“. Als ich dann selbst versuche, mit einem Rassisten ins Gespräch zu kommen, merke ich, das ist nicht so leicht. Der Schweiß läuft einem ja den Rücken runter, meine Beine zittern, und mir ist speiübel. Trotzdem, ich gebe nicht auf, mag nicht so ein Jammerlappen sein. Ich versuche es weiter. Sie drehen sich alle weg. Ich sehe nur Rücken. Das ist fies, aber was sagt mir das? Haben sie etwa Angst?

 

Fragen in Extremsituationen

 

In den folgenden Jahren gehe ich auf viele, sehr viele Nazidemonstrationen und treffe mich sogar mit dem KuKluxKlan in den USA, um Mitternacht, irgendwo am Waldesrand. Das Gespräch mit dem Klansman findet statt, aber die beiden Maschinengewehre auf dem Rücksitz seines Pickup Trucks ermahnen mich nicht zu weit zu gehen. Vermutlich ist er ein stinknormaler Jung, wenn er seine Mütze mit den beiden dunklen Augenlöchern abzieht. „Warum verbrennt Ihr ein Kreuz“ frage ich ihn.

 

„Für Jesus Christus, weil der von der Dunkelheit ins Licht ging“ sagt er. „Aber Jesus liebt doch auch die Schwarzen“ fällt mir da zum Glück noch ein. Sein Körper schlängelt sich ins Aus. Ich spüre, dass eine simple Frage bei Rassisten etwas bewegt. Ob Oma das vielleicht sogar versucht hat? Ich stelle fest, ich muss gar nicht diskutieren. Nur Fragen stellen, solche, die in seiner Community sonst keiner stellt, keiner! Sein Versuch, auf etwas zu antworten, mit dem er sich so noch nie beschäftigt hat, bringt ihn ins Wanken, das schenkt mir Zeit und Kraft, weiter zu fragen. Später nenne ich dieses Fragen in Extremsituationen „TalkMo“, ich möchte, dass das auch andere können. Man kann das lernen.

 

Mit der unsichtbaren Oma an der Seite

 

Jetzt bin ich in der Zwickmühle, denn instinktiv weiß ich, ohne mich wird er nicht wachsen, wird da nicht rauskommen. Fragt ja kein Nazi den anderen „sag mal Nazi, warum bist Du denn eigentlich ein Nazi, geh mal nach Hause und denk drüber nach“ Das machen sie nicht, sie wollen ja safe in ihrer Abwehrhaltung, ihrer Negativität, ihrer „der andere ist schuld Haltung“ verharren. Rassisten hassen innere Veränderung. Und gerade deshalb bringe ich sie jetzt zu ihm oder ihr. Jetzt oder nie. Manchmal fühle ich mich trotzdem schwach, auch mit meiner unsichtbaren Oma an meiner Seite.

Dies ist auch ein Hilferuf.

 

Dann, wieder eine dusselige Rassistendemo – und mein Versuch, mit einem Nazi zu flirten, denn er sieht irgendwie nett aus, darf man das sagen? Nach einer halben Stunde plötzlich ein kleines Lächeln seinerseits und von schräg rechts ein Arm, der ihn zur Seite reisst, ein Mund, der sagt „wir dürfen nicht mit der da reden“. Ich frage, warum dürft ihr nicht mit mir reden?

 

Das Fragen ist meine Waffe

 

Es kommt nichts. Zu Hause male ich mir aus, was passieren könnte, wenn „Atze, oder Hans oder Marcel“ mit mir nen Kaffee trinken gehen?. Wir würden uns gegenseitig unsere Geschichte erzählen, er mir und ich ihm. Wir wären raus aus dem Kopf und drin im Gefühl. Käme da der Anruf „Atze, kommst Du mit zur nächsten Nazidemo?“, was würde er nun sagen? Vielleicht ganz einfach: „Nein.“ Jedes Gespräch hat Kraft, aber vor allem das Fragen ist meine Waffe.

 

Als ich früher bei Pro Sieben, ORB/rbb und Viva moderiert habe hätte ich mir niemals vorstellen können, dass ich mal so oft mit Rassisten zu tun haben werde. Ich dachte immer, ich bin ja hier geboren, auch meine Mutter und Oma sind so richtig „echte Deutsche“, ich spreche die Sprache, und das Wort Identität ist mir förmlich auf den Leib gesprayt, Attacke ich bin deutsch. Aber was macht man, wenn einem einer im Vorbeigehen sagt: „geh zurück nach Afrika!“ oder „dein Vater ist ein Genentführer, der hat die Gene Deiner weißen Mutter geraubt, um seine Rasse aufzuwerten“. Und was machen wir, wenn Propaganda im großen Stil übers Netz und TV flimmert?

 

Aufklärung über Hatespeech

 

In einer Zeit, in der der Nationalismus in Deutschland, Europa und sogar weltweit ansteigt, brauchen wir viele neue Wege, damit umzugehen. Wenn ich jetzt in Schulen und Universitäten über Hatespeech, Rassismus und Antisemitismus rede, wenn ich beschreibe, wie ich trotzdem die Begegnungen mit den ewig Gestrigen halte, flüstert mir Oma ins Ohr: „Sprich weiter, stell Fragen, talkmo‘ – und lasst sie nicht mit sich selbst allein“.

 

Von Mo Asumang ist zuletzt das Buch erschienen „Mo und die Arier. Allein unter Rassisten und Neonazis", Fischer, 14,99 Euro.

 

Mo Asumang ist Dokumentarfilmerin („Roots Germania“, „Die Arier“), Autorin, Schauspielerin und Filmproduzentin. Sie kam 1963 als Tochter einer Deutschen und eines Ghanaers zur Welt und ist bei ihrer Großmutter aufgewachsen. Sie zeigt ihre Dokumentarfilme in Schulen und hält Vorträge über Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Dafür wurde sie gerade vom Bundespräsidenten mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.

 

https://www.cicero.de/kultur/mo-asumang-rassismus-nazis-dokumentarfilme-aufklaerung

 


 

Kennen Sie Dr. Anton Wilhelm Amo?

 

20.12.2019 | Aktuelle Stunde AfD - „Das globale Flüchtlingsforum in Genf und ein Grundrechtekatalog für Menschen mit afrikanischer Abstammung“ - 2. Redebeitrag von Dr. Karamba Diaby

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

kennen Sie Dr. Anton Wilhelm Amo? Der ghanaische Philosoph war der erste Mensch afrikanischer Abstammung, der an einer deutschen Universität - zufällig auch noch in meiner Heimatstadt Halle – studiert, promoviert und als Dozent gelehrt hat. In seiner Doktorarbeit untersuchte er die Rechte von Schwarzen Menschen in Europa. Und ich spreche hier über das 18. Jahrhundert.

 

Abgeordnete der AfD,  allein der Titel dieser aktuellen Stunde verrät: Sie sind immer noch nicht in der Realität unseres Landes angekommen. In Deutschland leben mehr als 1 Million Menschen afrikanischer Abstammung. Und das nicht erst seit gestern. Menschen Afrikanischer Abstammung gehören schon seit über 400 Jahren zu Deutschland und sind somit auch Teil der deutschen Einwanderungsgeschichte.

 

Als Bildungspolitiker kann ich Ihnen nur empfehlen, machen Sie Ihre Hausaufgaben und belesen Sie sich: Ungerechtig-keiten gegen Menschen afrikanischer Abstammung – also: Versklavung und der Völkermord während des deutschen Kolonialismus sind nicht nur die Ursache für viele aktuelle Konflikte in Afrika, sondern auch für den Fortbestand rassistischer Ausgrenzung von Menschen afrikanischer Herkunft.

 

Historische Ereignisse bilden immer auch Bezugspunkte, um heutige Auseinandersetzungen zu Ideologien der Un-gleichwertigkeit zu verstehen und dagegen vorzugehen. Deshalb haben wir im Koalitionsvertrag vereinbart, dass wir insbesondere die Aufarbeitung des Kolonialismus verstärken wollen.

 

Dass die Vergangenheit Auswirkungen auf das Hier und Jetzt hat, belegen auch die Zahlen der Grundrechte-Agentur der Europäischen Union und unserer Antidiskriminierungsstelle des Bundes: Menschen afrikanischer Abstammung sind besonders häufig Opfer rassistischer Gewalt. Bei vielen fehlt es an Rechtshilfe und finanzieller Unterstützung.

 

Auch auf staatlicher Ebene berichten Verbände häufig vom Missbrauch von Befugnissen in den Bereichen Strafver-folgung, Verbrechensverhütung und Einwanderungskontrolle. Unter anderem aus diesen Gründen wurde 2013 die internationale Dekade für Menschen Afrikanischer Herkunft von der UN-Generalversammlung unter dem Motto »Menschen Afrikanischer Herkunft: Anerkennung, Gerechtigkeit und Entwicklung« verabschiedet.

 

Ich begrüße ausdrücklich, dass zur Umsetzung der Dekade in Deutschland einiges geschehen ist:  Die Antidiskriminie-rungsstelle des Bundes hat in Kooperation mit der Zivilgesellschaft zum Auftakt der Dekade feierlich ins Familien-ministerium eingeladen. Einige Organisationen wie Each One Teach One (EOTO) e.V. oder der Zentralrat der afrika-nischen Gemeinde in Deutschland werden vom Bund gefördert.

 

Und erst im letzten Monat habe ich im Rahmen der UN Dekade zum Auftakt der People of African descent WEEK in den Bundestag eingeladen. Bei dieser Woche drehte sich alles um Menschen afrikanischer Abstammung. Zum ersten Mal haben über 150 Schwarze Menschen ihren Forderungen hier im Bundestag Gehör verschafft.

 

Meine Damen und Herren,  es ist unerträglich, dass die einzige Antwort der AfD auf globale Herausforderungen immer Ausgrenzung ist. Und diese rassistische Ausgrenzung werden wir niemals zulassen! Wir brauchen in Deutschland eine Gesamtstrategie zur Umsetzung der UN-Dekade Menschen afrikanischer Abstammung. Diese Dekade muss besser in diesem Haus und auf der Regierungsebene platziert werden.

 

Wir müssen Schwarze Menschen in Deutschland als Gruppe anerkennen, die der spezifischen Form des Anti-Schwarzen Rassismus´ ausgesetzt ist. Alle demokratischen Parteien sind aufgefordert, Initiativen zur Förderung der politischen Beteiligung von Menschen afrikanischer Abstammung zu unterstützen und zu entwickeln.

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen, das Europäische Parlament hat im März 2019 die Resolution zu den Grundrechten von Menschen afrikanischer Abstammung in Europa verabschiedet. 300 Jahre nach Anton Wilhelm Amo sollten wir das als Bundestag auch tun.

 




 

Debatte über Migration

 

Die wohlfeile Rede vom „Rassismus“

 

Der inflationär gebrauchte „Rassismus“-Vorwurf ist das Mittel der Wahl, um Kritik an verfehlter Migrations- und Integrationspolitik möglichst zu ersticken. Das zeigt auch die Debatte über die Silvesternacht in Berlin. Doch nicht jede nachteilige Ungleichbehandlung ist gleich eine Diskriminierung.

 

UWE STEINHOFF am 19. Januar 2023 in CICERO ONLINE

 

Soeben erschien der von der Ampelregierung in Auftrag gegebene „Lagebericht Rassismus in Deutschland“, welcher erwartbar Rassismus überall sieht – außer bei Migranten – und zu verstehen gibt, dass bestimmte Migrantengruppen gegenüber anderen vorzuziehen per se rassistisch sei. Solche unsachlichen Einschätzungen sind politisch gewollt.

Der inflationär gebrauchte „Rassismus“-Vorwurf ist das Mittel der Wahl, um Kritik an verfehlter Migrations- und Integrationspolitik möglichst zu ersticken. Dementsprechend wurde natürlich auch jedweder Hinweis auf den offensichtlichen Migrationshintergrund der Randalierer und Gewalttäter der Silvesternacht von linker Seite sogleich als „rassistisch“ bezeichnet.

 

Der Vorstoß der CDU etwa, nach den Vornamen der an den Ausschreitungen Beteiligten deutschen Staatsbürger zu fragen, wurde auf Twitter gar als Gesuch nach einem Ariernachweis interpretiert. Freilich lässt sich ein solcher Spieß

leicht umdrehen. Denn der Ariernachweis hat Ariern gegenüber Nichtariern Privilegien verschafft. Von daher stehen jene, die permanent nach „Diversität“ und Migrantenquoten rufen – was Migranten gegenüber anderen Bewerbern privilegieren würde – dem Geiste des Ariernachweises und der rassebasierten Diskriminierung näher als jene, die durch die Frage nach dem Vornamen lediglich kriminalstatistische Daten ermitteln wollen.

 

Irgendwelche Privilegien werden durch solche Erhebungen nicht vergeben, sondern lediglich die Realität festgestellt. Und in der Tat erweist sich der „Rassismus“-Vorwurf als genau dies: als die Forderung, vor der Realität die Augen zu schließen, da sie nicht ins linke „Narrativ“ – um einen in diesem Milieu beliebten Ausdruck zu benutzen – der Segnungen der Migration passt.

 

Das Mantra vom „Generalverdacht“

 

Auch das Mantra, dass man bestimmte Gruppen von Migranten nicht unter einen „Generalverdacht“ stellen dürfe, ist je nach Interpretation entweder ein Strohmann oder falsch. Es ist ein Strohmann, wenn damit gemeint ist, man dürfe nicht alle Mitglieder einer bestimmten Nationalität oder Religion als Gewalttäter diffamieren. Denn dies tut ohnehin so gut wie niemand. Es ist hingegen falsch, wenn damit gemeint ist, Privatpersonen dürften in ihrem persönlichen Verhalten und der Staat bei seiner Kriminalitätsbekämpfungs- und Einwanderungspolitik keine statistischen Daten über Gruppen berücksichtigen.

 

Dies liefe nämlich darauf hinaus, Irrationalität moralisch verpflichtend zu machen. Eine derartige Verpflichtung gibt es im liberal-demokratischen Rechtsstaat aber nicht. Und da nun einmal in der Kriminalstatistik Afghanen, Iraker und Syrer bei Gewalttaten regelmäßig überproportional in Erscheinung treten, sind Deutsche keineswegs „rassistisch“, wenn sie ihre „Willkommenskultur“ bei diesen Gruppen stärker dämpfen denn bei Ukrainern beispielsweise. Sie sind vielmehr aus Erfahrung klug.

 

Was ist überhaupt Rassismus?

 

Wie haltlos die gegenwärtig besonders von „woker“ Seite inflationär gemachten „Rassismus“-Vorwürfe sind, wird noch deutlicher, wenn man die Frage beantwortet, was Rassismus überhaupt ist. Aktivisten vermeiden die klare Definition eines von ihnen abwertend gebrauchten Begriffes unter anderem deswegen, weil sich dann herausstellen könnte, dass die mit ihm Attackierten gar nicht unter ihn fallen, sie selbst aber womöglich schon, oder – horribile dictu – die mit dem Begriff bezeichnete Sache nicht ganz so schrecklich ist, wie gern getan wird.

 

Analytische Philosophen hingegen diskutieren die Frage, was Rassismus ist und was schlecht an ihm ist, seit längerem. Auf die begriffliche Frage gibt es im Wesentlichen drei relativ plausible Antworten, da an ein intuitives und sprachliches Vorverständnis des Begriffs anknüpfend. Der ersten Definition zufolge ist Rassismus die Überzeugung, dass die Mitgliedschaft in bestimmten Gruppen (sortiert nach relativ äußerlichen Merkmalen wie „Rasse“ oder Hautfarbe) den moralischen Wert einer Person mindert. Der zweiten Definition zufolge ist nicht die Überzeugung entscheidend, sondern die tiefsitzende Aversion oder auch die völlige inhumane Gleichgültigkeit gegenüber besagten Gruppen.

 

Recht auf Meinungsfreiheit

 

Rassismus im Sinne dieser beiden Definitionen ist in Deutschland von der Verfassung geschützt. Es gibt ein Menschen-recht auf Glaubens- und Gewissenfreiheit, kodifiziert in Art. 4 des GG. Man hat ein Recht, zu glauben was und zu hassen wen man will. Auch dann, wenn, wie in diesem Fall, der Glaube nicht der Wahrheit entspricht und der Hass unbegründet ist. Zudem hat man mit dem Recht auf Meinungsfreiheit auch das Recht, seinem Glauben und seinem Hass Ausdruck zu verleihen, selbst in Form von „Hetze“.

 

Solange jedenfalls, wie man unterhalb der Schwelle des in seiner jetzigen Form ohnehin unausgegorenen und illiberalen Straftatbestandes der Volksverhetzung bleibt. Deutsche Minister also, die ständig über „Hass und Hetze“ lamentieren, sollten sich lieber auf ihre wahren Aufgaben besinnen und das Recht auf Hass und Hetze gegen verfassungsfeindliche Infragestellungen oder gar Angriffe verteidigen.

 

Die dritte Definition verlässt die subjektive Innerlichkeit von Gedanken und Gefühlen und bezieht sich auf Taten und „Strukturen“. Oft wird hier auch von „rassistischer Diskriminierung“ gesprochen: Menschen werden also aufgrund einer entsprechenden Gruppenzugehörigkeit diskriminiert. Dazu, so mag man meinen, kann man doch kein Recht haben.

 

Ungleichbehandlung ist nicht gleich Diskriminierung

 

Man muss sich jedoch vergegenwärtigen, dass nicht jede nachteilige Ungleichbehandlung einer Gruppe von Menschen eine Diskriminierung im normativen Sinne darstellt, das heißt, eine ungerechte Ungleichbehandlung. Der soeben vorgelegte „Lagebericht Rassismus in Deutschland“ verkennt dies offenbar absichtlich und erklärt viele Phänomene zu „Rassismus“, die es nicht einmal im Sinne der von dem Dokument offiziell benutzten Definition sind.

 

Der als Beispiel angeführte Wunsch etwa, die Anzahl muslimischer Menschen in Deutschland zu begrenzen, wird keineswegs auf dem Glauben an „nicht veränderbare und angeblich minderwertige Eigenschaften und Verhaltens-weisen“ von Muslimen fußen (religiöse Vorstellungen kann man schließlich aufgeben), sondern vielmehr auf dem

Wissen, dass in dieser Gruppe bestimmte Vorstellungen (von denen einige sehr wohl minderwertig sind) häufiger vorkommen als in anderen, sowie auf dem Wunsch, die eigene Kultur zu bewahren. Und selbstverständlich haben Völker das Recht, zu diesem Zweck Migration zu beschränken.

 

Anders gesagt, Menschen, die aufgrund ihrer Präferenz lieber Christen als Muslime ins Land lassen, verhalten sich nicht rassistischer oder diskriminierender als Frauen, die prinzipiell nur mit europäischen Männern schlafen und den nicht-europäischen Zuzug in ihr Schlafzimmer begrenzen möchten. Menschen haben ein Recht auf sexuelle Selbst-bestimmung und dürfen potentielle Sexualpartner ablehnen, ganz wie es ihnen beliebt. Völker haben ein auf Assoziationsfreiheit beruhendes Recht auf Migrationskontrolle. Natürlich werden beide Rechte von einer Reihe von woken Ideologen bestritten. Dies spricht aber nur abermals gegen die woke Ideologie.

 

Trügerische „Progressivität“

 

Es spricht auch dagegen, Antidiskriminierungsgesetze durchweg als „progressiv“ zu feiern. Antidiskriminierungsgesetze sind Eingriffe in die Vertrags- und Assoziationsfreiheit. Zudem sind sie in der Privatwirtschaft auch zumeist unnötig.

Linksautoritäre geben sich gern der Illusion hin, dass der gute Staat die bösen Kapitalisten dazu zwingen müsse, nur ja nicht zu diskriminieren, insbesondere nicht rassistisch. Ausgerechnet ein prominenter schwarzer amerikanischer Gelehrter weist jedoch darauf hin, dass es im Gegenteil gerade staatliche Institutionen sind, die zur Diskriminierung

neigen.

 

Unternehmer nämlich sind auf die Besten und Produktivsten angewiesen, sonst gehen sie im Konkurrenzkampf leicht unter. Und so können es sich im kapitalistischen System zumeist und auf lange Sicht nur staatlich alimentierte Institutio-nen wirklich leisten zu diskriminieren. Dies erklärt, warum sich die vermeintlich antirassistischen, aber faktisch gegen weiße Männer, zunehmend auch weiße Frauen und ganz allgemein nicht hinreichend Linke diskriminierenden „Diversi-tätspolitiken“ in Deutschland vor allem im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, in Parteien, in durch Steuergelder finanzier-ten NGOs und in Universitäten ausbreiten. Und dies wiederum erklärt den Leistungsabfall bei gleichzeitiger selbst-beweihräuchender Ideologieproduktion.

 

Realitätserkenntnis ist nicht rassistisch

 

Zu eben dieser produzierten Ideologie gehört es, die sachliche Beschreibung sich durch Migration ergebender Probleme und den Hinweis auf kriminalstatistisch signifikante Unterschiede zwischen verschiedenen Migrantengruppen als rassistisch zu diffamieren.

 

Im Lichte der drei plausiblen Definitionen ist dieser Vorwurf abwegig. Natürlich kann man sich „Rassismus“ so zurecht-definieren, dass es sich dann sehr wohl um „Rassismus“ in dem neuen künstlichen Sinne handelt. Dann aber gibt es nicht nur ein Recht auf diesen „Rassismus“. Vielmehr wäre er geboten – als Mittel zur Erkenntnis der Realität. An der

nämlich sollten verantwortungsvolle Politiker ihre Entscheidungen und Maßnahmen orientieren.

 

AUTORENINFO

 

Uwe Steinhoff ist Professor am Department of Politics and Public Administration der Universität Hongkong sowie Senior Research Associate im Oxford University Programme on the Changing Character of War. Zuletzt erschien von ihm das Buch „Freedom, Culture, and the Right to Exclude – On the Permissibility and Necessity of Immigration Restrictions“.