Homosexualität


 

Secundum naturam vivere.


Cicero, De finibus V, 9, 26

 


 

Geschlecht, Sexualität und Menschenrechte

 

Biologisch und evolutionär betrachtet gibt es in der menschlichen Gattung wie bei Säugetieren zwei Geschlechter.

Die Rede von einem ‘Dritten Geschlecht’ ergibt auf der biologischen Ebene keinen Sinn. Die bipolare geschlechtliche Zuordnung von Männern und Frauen ist eine biologische und evolutionäre Tatsache.

 

Heterosexualität ergibt sich aus der der bipolaren geschlechtlichen Zuordnung von Männern und Frauen als biologischer Normalität. Die biologische Normalität der Heterosexualität hat die Funktion der generativen Erhaltung der menschlichen Gattung, ohne die die Menschheit nicht hätte in der Evolution entstehen und sich entwickeln können. Da sie in allen Kulturen der Menschheit eine kulturelle Normalität darstellt, handelt es sich dabei um eine anthropologische Konstante. Die sozialen Konventionen der Paarung und die kulturellen Normen der Heirat und Familiengründung variieren jedoch teilweise von Kultur zu Kultur.

 

Auch kann die biologisch bedingte und normale Heterosexualität sozial beeinflusst und kulturell geformt werden. Deswegen kann es aus kulturellen und psychologischen Ursachen und Gründen zu einer fehlenden Übereinstimmung zwischen individueller Veranlagung und gelebter Sexualität kommen, die zu schweren psychischen Konflikten führen kann. Aus verschiedenen Ursachen und Gründen kann es auch zu Formen der sexuellen Veranlagung und Neigung kommen, die von der hetero-sexuellen Normalität abweichen.

 

Intersexualität ist eine biologische Anomalie, die von Humanmedizinern anhand von anatomischen Merkmalen festgestellt werden kann, und damit auch ein psychologisches Problem für Betroffene und Angehörige werden kann. Intersexuelle brauchen dann medizinische und psychologische Betreuung.

 

Homosexualität, Bisexualität und Transsexualität hingegen sind weder biologische Gattungen noch anatomische Befunde, sondern abweichende sexuelle Präferenzen aufgrund psychischer Veranlagungen oder lebensgeschichtlich entwickelter Neigungen. Die genetischen und genealogischen Ursachen und die psychologischen Gründe für diese Veranlagungen und Neigungen sind in den relevanten Humanwissenschaften immer noch umstritten.

 

Menschen mit einer solchen Veranlagung und Neigung verdienen jedoch den Respekt ihrer menschlichen Würde

und ihnen stehen deswegen auch alle Bürger- und Menschenrechte zu. Aus der Anerkennung von abweichenden sexuellen Veranlagungen und Neigungen kann jedoch keine Notwendigkeit auf eine politische Abschaffung des besonderen rechtsstaatlichen Schutzes von Ehe und Familie durch das Grundgesetz hergeleitet werden.

 

Politische Bewegungen und Interessenverbände, die sich für die Bürger- und Menschenrechte der Homosexuellen, Bisexuellen und Transsexuellen einsetzen, verdienen zwar eine Anerkennung für diese begrenzten politischen Ziele. Aber sie haben keine ethische oder politische Legitimation zu einer pädagogischen, rechtlichen oder politischen Umgestaltung der Gesellschaft durch eine gezielte Auflösung des tradierten Verständnisses von Ehe und Familie noch durch die bewusste Störung der geschlechtlichen Entwicklung von Kindern und der sexuellen Präferenzen von Jugendlichen aufgrund der natürlichen Normalität der Heterosexualität.

 

Aufklärung über und Kritik an den fragwürdigen und überzogenen politischen Ambitionen dieser Bewegungen ist berechtigt. Sie stellt an und für sich keine Diskriminierung dieser Minderheiten dar noch stammt sie notwendigerweise einer Intoleranz oder Homophobie, wie von den Anhängern dieser Bewegungen häufig unterstellt wird.

 

Die Mehrheit der heterosexuellen Menschen muss in einer modernen Demokratie zwar lernen, die von Rechts wegen geschützte Minderheit der Menschen mit abweichenden sexuellen Veranlagungen und Neigungen zu tolerieren und zu respektieren. Freiheit, Gleichheit vor dem Gesetz und Gerechtigkeit für möglichst viele Bürger und Menschen kann es jedoch nur in einer rechtsstaatlichen Ordnung geben, die Grund- und Menschenrechte garantiert. Eine Gleichheit vor dem Gesetz für Menschen mit abweichenden sexuellen Veranlagungen und Neigungen ergibt sich bereits aus den allgemeinen Grund- und Menschenrechten.

 

Eine rechtliche Gleichstellung kann es jedoch immer nur unter Gleichen geben, aber nicht unter Ungleichen. Die rechtsethischen Probleme einer angemessenen Gleichstellung sind nach dem juridischen Grundsatz zu behandeln,

dass Gleiches gleich und Ungleiches ungleich zu behandeln ist. Daraus folgt zwar die grundrechtliche Zustimmung zu einer weitgehend rechtlichen Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften, aber keine verfassungsrechtlich bedenkliche Abschaffung des nahezu universalen Verständnisses von der Ehe als einer Partnerschaft zwischen Mann und Frau. Männer und Frauen sind aufgrund unserer bundesdeutschen Verfassung als gleichwertig und als gleich-berechtigt aufzufassen, aber nicht als von Natur aus gleich. Es steht auch keinem modernen Rechtstaat zu, zu versuchen, von Natur aus verschiedene Menschen gleich-zu-machen. 

 

Ulrich Diehl, Geschlecht, Sexualität und Menschenrechte. Zum Problem der Gleichstellung von Menschen mit abweichenden sexuellen Präferenzen.

 


 

Homosexualität und internationaler Menschenrechtsschutz

 

Hans Joachim Mengel, Bundeszentrale für politische Bildung (bpb)

 

17.05.2010

 

In zahlreichen Ländern der Welt wird die erotische und sexuelle Liebe zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern hart bestraft. Das freie Ausleben der sexuellen Orientierung ist noch lange kein Menschenrecht - aber ein Thema auf der internationalen Tagesordnung.

 

http://www.bpb.de/gesellschaft/gender/homosexualitaet/38883/menschenrechte?p=all

 


 

Homosexualität und Religion

 

Bundesstiftung Magnus Hirschfeld (Hg.), Göttingen: Wallstein 2013

 

 

Wie stehen die monotheistischen Weltreligionen zu Homosexualität? Vier Perspektiven auf gleichgeschlechtliche Liebe in Katholizismus, Protestantismus, Judentum und Islam.

 

In den monotheistischen Hauptreligionen der Welt ist die sexuelle Lust am eigenen Geschlecht mindestens umstritten, meistens wird sie abgelehnt und unter Strafe gestellt. Bis auf ausdrücklich liberale Lesarten wird dabei Sexualität immer auf einen einzigen Aspekt beschränkt: die Fortpflanzung.

 

In den verschiedenen Theologien, den Auslegungen der jeweiligen Heiligen Schriften, gibt es jedoch Deutungsmaterial, das die Liebe zwischen Menschen gleichen Geschlechts aufgreift und von ihr erzählt – aber in den volksfrommen Lebensweisen bleibt man konservativen, traditionellen Verständnissen verhaftet: Homosexuelles gilt wahlweise als Sünde, Krankheit, gar Perversion. Wer schwul oder lesbisch lebt, hat es schwer, gleichwertiger Teil eines dieser Glaubenssysteme zu sein. Allein liberale Gruppen von Judentum und Protestantismus integrieren die nicht-heterosexuellen Beziehungen aktiv in ihr Gemeindeleben.

 

Wenigstens in den europäischen, nordamerikanischen oder ozeanisch-industriellen Ländern werden mehr und mehr theologische Leseweisen kultiviert, die die strikt hetero-normative Interpretation unterlaufen, und sie damit historisierend revidieren.

 

Der Band versammelt vier Lesarten religiöser Schriften und Überlieferungen, die den aktuellen Diskurs der Debatten um Homosexualität und Religion widerspiegeln.

 

http://mh-stiftung.de/veroeffentlichungen/hirschfeld-lectures/religion-und-homosexualitat/