Gendersprache

 

GEGEN DAS GENDERN IN DER VERWALTUNG

 

Sprache soll einen, nicht spalten!

 

Gastbeitrag von Christoph Ploss iN CICERO ONLINE am 2. Juni 2021

 

Hamburgs CDU-Chef Christoph Ploß will das Gendern in staatlichen Verwaltungen verbieten. In einem Gastbeitrag für „Cicero“ schreibt er, warum Behörden nicht auf diesen Zug aufspringen sollten. Die Spitzenkandidatin der Berliner Grünen, Bettina Jarasch, wird ihm später an dieser Stelle Kontra geben.

 

 

Aufmerksamen Beobachtern des politischen Diskurses in unserem Land wird auffallen, dass linke Identitätspolitiker immer häufiger versuchen, diesen zu vereinnahmen. Sie teilen die Menschen vor allem über äußere Merkmale wie das Geschlecht oder die sexuelle Orientierung in einzelne Gruppen ein, deren vermeintliche oder tatsächliche Diskriminierung oder Privilegierung es zu bekämpfen gelte. Im Ergebnis würde die Politik kein Allgemeinwohl mehr kennen, nur noch die Partikularinteressen einer gespaltenen Gesellschaft.

 

Wie so oft, wenn sich ideologisch motivierte Gruppen des öffentlichen Diskurses bemächtigen wollen, wählen die linken Identitätspolitiker zunächst das Feld der Sprache. Denn von der Sprach- zur Gedankenpolizei ist es – wie schon Orwell wusste – nur ein kurzer Weg. Ein scheinliberales Milieu möchte daher beispielsweise aus „Fußgängern“ „Zu-Fuß-Gehende“ machen, um das grammatische Genus vermeintlich verschwinden zu lassen.

Verunfallte Autofahrende

 

Dies treibt so seltsame Blüten wie „verunfallte Autofahrende“ – ein Widerspruch in sich. Anstatt von „Ärzten“ oder „Ärztinnen und Ärzten“ ist wahlweise von „Ärzt*innen“, „Ärzt_innen“ oder „Ärzt:innen“ zu lesen – Formen, die nicht von der amtlichen Regelung der deutschen Rechtschreibung gedeckt sind. In diesem Milieu entstehen Wortungetüme wie „Passivraucher*innenschutzverordnung“. Manche wollen sogar Wörter wie „Migrant“ oder „Einheimische“ in der Berichterstattung abschaffen.

 

Diese Bemühungen lassen unsere Sprache verarmen – von ästhetischen Gesichtspunkten mal ganz abgesehen. Wenn etwa Substantive durch substantivierte Partizipien ersetzt werden, werden Unterschiede wie der zwischen einem Kochenden und einem Koch verwischt. Aber es geht eben nicht nur um die richtige Anwendung der deutschen Grammatik. Hinter der Gender-Sprache verbirgt sich ein identitätspolitisches Weltbild.

Sogar in der Schule wird gegendert

 

Allgemeine Formulierungen sollen nicht mehr ausreichen, möglichst jede einzelne geschlechtliche Identität muss sichtbar gemacht werden, da die jeweilige Gruppe sich sonst angeblich nicht angesprochen fühlt. Weder das Gemeinsame in der Gesellschaft noch das einzelne Individuum stehen bei diesem Ansatz im Mittelpunkt, sondern es geht nur noch um äußere Merkmale und Gruppenidentität.

 

Trotzdem greift die Gender-Sprache auch in Behörden, Universitäten, Schulen oder anderen staatlichen Einrichtungen immer weiter um sich. Studenten schreiben aus Angst vor schlechten Noten widerstrebend in der Gender-Sprache; Forscher, die etwa Anträge bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG stellen, fürchten Schwierigkeiten, wenn sie nicht alle Texte durchgendern; selbst in Schulen kommt es immer häufiger vor, dass Lehrer den Kindern mindestens nahelegen, zu gendern – trotz eines Beschlusses der Kultusministerkonferenz, dass die amtliche Rechtschreibung zu lehren ist.

Die spalterische Gefahr

 

Natürlich entwickelt sich Sprache ständig weiter, und selbstverständlich sollte jeder privat so sprechen und schreiben können, wie er möchte. Wenn aber staatliche Einrichtungen ohne jegliche Grundlage oder Legitimation anderen eine orthografisch und grammatisch fehlerhafte Gender-Sprache aufzwingen möchten, sollten in der bürgerlichen Mitte alle Alarmglocken schrillen.

 

Im benachbarten Ausland hat man bereits erkannt, welches spalterische Potenzial in der Gender-Sprache liegt und dass sie der Bildung jüngerer Menschen schadet: Aus Frankreichs Schulen und Gesetzesblättern soll die Gender-Schreibweise daher verbannt werden. Auch bei uns warnen führende Intellektuelle wie der Historiker Andreas Rödder, der Philosoph Peter Sloterdijk oder der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse vor der spalterischen Gefahr, die von der Gender-Sprache für unsere Gesellschaft ausgeht. Auch eine klare Mehrheit der Deutschen lehnt die Gender-Sprache laut Umfragen ab und möchte sie sich schon gar nicht aufzwingen lassen. Sie alle wissen, dass die Gender-Sprache das wichtige Ziel der Gleichberechtigung in keiner Weise fördert. Wäre das so, müsste in Ländern mit genuslosen Sprachen wie Ungarn oder der Türkei die Diskriminierung von Minderheiten völlig unbekannt sein.

Auf der Seite der bürgerlichen Vernunft

 

CDU und CSU sollten sich in ihrem Regierungsprogramm daher klar auf die Seite der bürgerlichen Vernunft im Land stellen und Repräsentanten für die vielen Wähler im Land sein, denen dieses Anliegen wichtig ist. Ins Regierungsprogramm gehört das Versprechen, dass in allen Behörden, Schulen, Universitäten und anderen staatlichen Einrichtungen die amtliche Rechtschreibung und damit keine grammatisch falsche Gender-Sprache verwendet wird.

 

Gerade die Jüngeren und Modernen in CDU und CSU haben erkannt, dass wir den Zusammenhalt in unserem Land nicht dadurch stärken, indem Menschen immer häufiger in Gruppen einsortiert werden. Wir brauchen stattdessen in unserer Gesellschaft mehr Empathie und die Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinzuversetzen. Sprache sollte einen und zusammenführen, sie darf nicht ausschließen. Die bürgerliche Mitte muss daher auch in Deutschland einer spalterischen Identitätspolitik entschlossen entgegentreten.

 

Dr. Christoph Ploß ist Mitglied des Deutschen Bundestages (CDU/CSU-Fraktion), Landesvorsitzender der Hamburger CDU und promovierter Historiker.

 

Gegen das Gendern in der Verwaltung - Sprache soll einen, nicht spalten! | Cicero Online

 


 

Jede/r nach der eigenen Façon

 

GASTBEITRAG VON JAN BARKMANN am 22. Juli 2021 in CICERO ONLINE

 

Sprache ist für Forschung und Lehre ein zentrales Werkzeug. Das Netzwerk Wissenschaftsfreiheit hat sich daher gegen einen Zwang zum Gendern ausgesprochen, wie ihn Forderungen der Vertretung der Frauen- und Gleich-stellungsbeauftragten an Hochschulen nahelegen. Der Risikoforscher Jan Barkmann erklärt, warum Sprache frei von Ideologien sein muss.

 

Gendern ist der höchste Neueinsteiger in der Hitparade populärer Aufreger 2021. Herausragende Interpretinnen und Interpreten waren Anfang des Jahres Petra Gerster, Claus Kleber und Kolleg*innen, die den Glottisschlag in das Prime Time-Fernsehen einführten. 40 Jahre nach Veröffentlichung der „Richtlinien zur Vermeidung sexistischen Sprach-gebrauchs“ hatte es die erste Single-Auskopplung dieser Langspielplatte zum Nummer-1-Hit gebracht. Unter dem Banner einer feministischen Linguistik taten sich damals Akademikerinnen und Akademiker zusammen, um das generische Maskulinum zu überwinden. Schon zu Beginn der 1980er-Jahre konnte die Gruppe mediale Achtungserfolge verzeichnen. Aber erst im Spätwinter 2021 gelang der Durchbruch – körbeweise erreichten das ZDF empörte Kom-mentare.

 

Schon lange vor dem Erfolg beim breiten Publikum griffen viele Hochschulen weitgehende Vorschläge zum Gendern auf. Teilweise mit bedenklichen Folgen. Im Frühjahr setzte sich ein Lehramtsstudent (und RCDS-Aktivist) an der Universität Kassel gegen einen Punkteabzug für unterlassenes Gendern juristisch zur Wehr. Der Punkteabzug war offiziell gedeckt: „Im Sinne der Lehrfreiheit steht es Lehrenden grundsätzlich frei, die Verwendung geschlechter-gerechter Sprache als ein Kriterium bei der Bewertung von Prüfungsleistungen heranzuziehen.“ Bis zu einer ab-schließenden rechtlichen Prüfung ist dieser Hinweis „offline geschaltet“.

 

„Benennen“ statt „mitmeinen“?

 

Mit Regeln, die es erlauben, einen bestimmten Sprachgebrauch zu erzwingen, vollziehen die Universitäten nach, was etwa die Bundeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten an Hochschulen (bukof) empfiehlt. In einer im Februar verabschiedeten Handreichung wird allen Hochschulen in Deutschland nahelegt, den Genderstern einzuführen. Eine „gendersensible Sprache, die benennt, statt mitmeint“ sei Voraussetzung für den freien Zugang an die Hoch-schulen und für durchlässige Karrierewege. Sollen wir diese Voraussetzungen nicht mit Macht sichern wollen?

 

Auch das Netzwerk Wissenschaftsfreiheit war mit der Frage konfrontiert, wie sich zum Gendern zu positionieren sei. Das im Februar gegründete Netzwerk hat mittlerweile 550 Mitglieder. Die Überführung in einen eingetragenen Verein hat im Juni begonnen. Ich selbst bin Gründungsmitglied des Vereins.

 

Auffällige Stilblüten

 

Intern kursierten Berichte von Netzwerkmitgliedern, die sich durch ihre Hochschulverwaltungen in Sachen Gendern gegängelt fanden. Mehrere Netzwerkmitglieder betonten Nachteile von schlechter Verständlichkeit über grammatische und stilistische Probleme bis hin zum Verlust des kulturellen Substrats unserer Gesellschaft. Es stellte sich jedoch heraus, dass andere Mitglieder in ihrer eigenen Forschung und Lehre selbstverständlich Studierende statt Studentinnen und Studenten sagten und schrieben. Diese Mitglieder halten das generische Maskulinum mindestens für unhöflich. Sie sehen darin die Perpetuierung eines unglücklichen Zustands der deutschen Sprache.

 

Vor 35 Jahren begann ich, beim Eintippen der Texte für ein grünes Kommunalwahlprogramm das Gendern zu üben. Wir waren möglichst konsequent, amüsierten uns aber reinen Herzens über auffällige Stilblüten (Stell‘ bitte die Laut-sprecherInnen neben die Stellwand!). Es gab hingegen keine Stimme bei der Gründung des Netzwerks Wissenschafts-freiheit, die an Bezeichnungen wie „Vorsitzender“ oder „Kassenführer“ in der Satzung Anstoß genommen hätte. Ich habe meine persönlichen Präferenzen, aber mit beidem lässt sich leben. Zur Vorsitzenden des Netzwerks wurde übrigens Anfang Juli die Migrationsforscherin Sandra Kostner gewählt.

 

Zurückhaltung ist gefordert

 

Die schlichte Wahrheit ist: Es gibt keinen Konsens, wie auf gemischtgeschlechtliche Personengruppen Bezug genom-men werden soll. Nicht nur gibt es keinen gesellschaftlichen Konsens. Auch in Sprachwissenschaft, Psychologie oder Ethik hat sich kein überzeugender Fachkonsens gebildet. Viele der vorgeschlagenen Neuerungen sind stilistisch un-befriedigend. Für Menschen, die Texte nur schwer verstehen, sind sie oft eine echte Herausforderung. Natürlich gibt es gute Gründe, die alleinige Herrschaft des generischen Maskulinums kritisch zu sehen. Aber es gibt auch viele gute Gründe gegen alle bisher vorgeschlagenen Alternativen einschließlich des Gendersterns.

 

Sprache ist für Forschung und Lehre ein zentrales Werkzeug. Wer in die Freiheit der Sprachverwendung eingreift, greift in die Freiheit von Forschung und Lehre ein. Es darf weder einen Zwang zu – noch ein Verbot von – „gendersensiblen“ Sprachformen geben. In dieser Situation ist von Hochschulleitungen und Ministerien Zurückhaltung gefordert. Auch das Vordringen von offiziösen Leitlinien und Handreichungen bereitet Unbehagen. Es kann nicht Sache wissenschaftlicher oder hochschulpolitischer Institutionen sein, in einer offenen Frage Vorschriften zu erlassen.

 

Gegen jeden Zwang

 

Interessanterweise hatten die „Hinweise“ der Universität Kassel die Möglichkeit, Punkte für unterlassenes Gendern abzuziehen, mit der Lehrfreiheit der Dozent/innen begründet. Diese Lehrfreiheit findet aber eine Begrenzung im all-gemeinen Persönlichkeitsrecht und in der Meinungsfreiheit der Studierenden. Ich darf als Professorin oder als Dozent erwarten, dass die Studierenden meine Lehrmeinung rezipieren und wiedergeben können. Ich darf sie aber nicht bei Strafe einer schlechteren Note zwingen, meine Lehrmeinung „performativ“ zu übernehmen.

 

Im Netzwerk Wissenschaftsfreiheit kommen sehr unterschiedliche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter-schiedlicher Erfahrungen, Generationen und politischer Einstellungen zusammen. Wir haben uns entschieden, dass gegen jeden Zwang in Sachen Gendern ein jeder und eine jede nach eigener Façon selig werden möge. Angesichts der aktuellen Erfolgswelle von Genderstern und Co. sollten wir nicht schon bald sprichwörtlich an die Herrscher der Hoch-schulverwaltungen appellieren müssen „Geben Sie Gender(n)freiheit, Sire!“.

 

Gendern in der Wissenschaft - Jede/r nach der eigenen Façon | Cicero Online

 


 

Weg mit dem Gender-Unfug!

 

Ein Gastbeitrag von Walter Krämer in CICERO ONLINE am 21. September 2020

 

Immer häufiger wird im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gegendert. Dagegen protestiert der Verein Deutsche Sprache. In einem Gastbeitrag schreibt dessen Vorsitzender, Walter Krämer, warum die von der Gender-Lobby geforderte Sexualisierung auf dem Weg zur Gleichberechtigung nur hinderlich ist.

 

Damit hier keine Missverständnisse entstehen: Die Gleichberechtigung der Geschlechter ist ein höchst erstrebenswertes und immer noch nicht ganz erreichtes Ziel. Aber der aktuelle – man muss schon sagen: Sprachterror –, mit dem eine verbohrte Ideologenclique ganze Stadtverwaltungen und Universitäten überzieht, ist der falsche Weg dahin.

 

Keine Frage: Das frühere „Fräulein“ ist zu Recht verschwunden, und wenn ich auf der Weihnachtsfeier der Bäckerinnung Heidelberg den Festvortrag halte, dann begrüße ich die Anwesenden natürlich mit „Meine lieben Bäcker und Bäcke-rinnen“. Aber eher würde ich mir meine Hand abschneiden, als vom Bäcker- und Bäckerinnenhandwerk zu schreiben. Einmal spreche ich konkrete Personen an, und einmal rede ich abstrakt über einen Beruf. Generell spricht nichts da-gegen, beim Schreiben oder Reden über konkrete Menschen wenn nötig auch sprachlich festzuhalten, dass darunter Männer wie Frauen vertreten sind: Beim letzten Seifenkistenrennen des Bäckerhandwerks belegten die Bäcker und Bäckerinnen aus Heidelberg den zweiten Platz.

 

Unglückliche Übersetzung des deutschen Barock

 

Im Prinzip aber umfasst „Bäcker“ die diesem Handwerk obliegenden Männer und Frauen gleichermaßen. Der Bäcker ist das altbekannte generische Maskulinum, das allerdings wie das „grammatische Geschlecht“ allein schon durch seinen Namen für Verwirrung sorgt. Rein sprachwissenschaftlich gesehen handelt es sich hier um verschiedene Schubladen, in welche fast alle indogermanischen Sprachen die Welt einsortieren, etwa belebte Dinge in die eine und unbelebte in die andere. Warum nennen wir die Schubladen nicht X und Y?

 

Und einige Sprachen kennen für Abstrakta wie das Denken oder das Vergessen auch noch eine dritte Schublade Z. Der Begriff des grammatischen Geschlechts für diese Sortierfächer ist eine unglückliche Übersetzung des deutschen Barock, da kreierten deutsche Grammatiker für den Fachausdruck „Genus“, wie man diese Schubladen in der Sprachwissen-schaft benennt, das „grammatische Geschlecht“ und nannten die Artikel der, die, das „Geschlechtswörter.“ Eine genauso irreführende Falschbenennung. Dass sogar große Gelehrte wie Jacob Grimm hier eine tiefere Bedeutung hineingeheimnissen wollten, macht die Sache auch nicht besser. Auf jeden Fall steckt seitdem die Verbindung zwischen grammatischem und biologischem Geschlecht in den Köpfen fest.

 

Verantwortung liegt nicht in der Sprache

 

Natürlich weichen diese Grenzen nach tausenden Jahren Sprachgeschichte auf, auch in der Schublade Y finden sich seit langem belebte Dinge wie die Frohnatur, die Dumpfbacke oder die Betriebsnudel (das heißt im Fachjargon auch Metaphorisierung), aber der zentrale Sachverhalt, dass diese Benennungen, wie die Sprachwissenschaftler sagen, „generisch“ sind und nichts mit dem biologischen Geschlecht der so bezeichneten Personen zu tun haben, bleibt weiterhin bestehen (und ist nebenbei gesagt auch ein bisher viel zu wenig beachteter Vorteil in der Paralleldebatte über dritte, vierte und fünfte biologische wie über soziale Geschlechter sowie sämtliche sexuelle Orientierungen: das Gene-rikum bezeichnet alle). Dieses generische Femininum ist zwar weniger verbreitet als das maskuline Gegenstück, aber man frage doch mal zehn zufällig ausgewählte Bundesbürger, ob sie bei dem Wort „die Schnapsdrossel“ eher an Männer oder an Frauen denken, und es wird klar, dass das „Geschlechtswort“ der oder die vor einer Personen-benennung keinen sicheren Rückschluss auf deren biologisches Geschlecht erlaubt.

 

Der Held ist und bleibt eine Person, die sich durch heldenhaftes Verhalten auszeichnet, egal ob Mann oder Frau. Das beliebte Standardargument, Frauen wären hier nur „mitgemeint“, wird auch durch 1000-maliges Wiederholen nicht richtiger. Sprache meint nie etwas, Menschen meinen. Und wenn Menschen meinen, der Held wäre ein Mann, dann muss man eben diese Meinung ändern. Einfach indem mehr Frauen Helden sind. Viele Kinder in Deutschland meinen, der Bundeskanzler wäre immer eine Frau.

 

Ausdrückliche Nennung in gewissen Kontexten vorteilhaft

 

Dass in den bekannten Trivialstudien die Befragten mehr Männer nennen, wenn man sie nach ihren Lieblingsautoren fragt, ist doch klar: Im bisherigen Verlauf der Menschheitsgeschichte waren Autoren überwiegend Männer. Zumindest diejenigen, über die geredet wurde. Also denkt man beim Wort „Autor“ erstmal an Männer. Genauso denken wir, ob-wohl es inzwischen in Deutschland mehrere Dutzend Männer gibt, die diesen Beruf ausüben, bei dem Wort „Hebamme“ zuerst einmal an Frauen.

 

Die Frage nach „Autoren und Autorinnen“ ist eine Kurzfassung der Info: „Nicht vergessen: auch Frauen schreiben Bücher“. In diesem Sinn spricht sicher nichts dagegen, in Kontexten, wo der weibliche Anteil wichtig ist, von „Patienten und Patientinnen“ oder „Mördern und Mörderinnen“ zu sprechen. Aber eine Patienten- und Patientinnenverfügung? Niemals. Nero und die Christen- und Christinnenverfolgung? Eher esse ich meine Bibel. Oder „Proletarier und Proleta-rierinnen, vereinigt euch?“ So hätte es die Oktoberrevolution in Russland nie gegeben.

 

Ein komplexes Uhrwerk

 

Eine hochkomplexe Sprache wie das Deutsche funktioniert wie eine Rolexuhr, in der man an keiner Schraube drehen kann, ohne dass die ganze Mechanik alias die Grammatik ins Stocken gerät. Es reicht ja nicht, bei Hauptwörtern zu gendern, auch die Pronomen, Präpositionen und Adjektive und alles was damit grammatikalisch zusammenhängt, sind mitzubedenken („Wer hat seinen Lippenstift im Bad vergessen?“). Mir kommen diese sprachhandwerklich oft unbe-darften Eingriffe von Menschen, die es ansonsten gerne sehe genau nehmen, wie Versuche vor, eine solche Rolex mit Hammer und Meißel (oder besser: Hammer und Sichel) auf Vordermann zu bringen.

 

Bessere Rahmenbedingungen statt Genderlobby

 

Wer wirklich den Frauen etwas Gutes tun will, sollte das auf andere Weise tun. Wenn in einigen Jahren bei dem Spruch „Für Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“ fast alle Menschen bei den Wörtern Arzt und Apotheker vor allem an Frauen denken, ist das kein Erfolg der Genderlobby, sondern eine Konsequenz der Tatsache, dass Frauen ohne alle Hilfe von Sprachverhunzern, allein aufgrund veränderter gesellschaftlicher Rahmenbedingungen in diesen Berufen sehr erfolgreich sind. Also gilt es, diese Rahmenbedingungen zu verbessern: Gleiches Geld für gleiche Arbeit, bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

 

Auf diesem Weg zur vollen Gleichberechtigung kommen wir keinen Zentimeter weiter, wenn die Sparkasse Saarbrücken ihre Klienten mit „Kunden und Kundinnen“ anspricht. Zum Glück wurde dieses Ansinnen vor kurzem höchstrichterlich verworfen. Diese durch die Gendersprache dem Deutschen aufgezwungene Sexualisierung, der bislang nicht vorhan-dene Zwang, bei Personen immer auch das das Geschlecht zu denken, ist vielleicht sogar für Frauen eher schädlich, von den sonstigen desaströsen Konsequenzen für eine kultivierte, nuancenreiche und melodische Sprache völlig abgesehen.

 

Das Sein bestimmt das Bewusstsein, sagte schon Karl Marx, und nicht umgekehrt. Nicht die Etiketten sind wichtig, sondern das, was darunter steckt. Und so denken unsere Urenkel als Folge einer auch im Haushalt bis dann hoffentlich etablierten Gleichberechtigung beim Wort „der Putzteufel“ dann vielleicht auch an Männer.

 

https://www.cicero.de/kultur/gendergerechte-sprache-gendern-argumente-genderstern-sprachwissenschaft

 


 

Für eine gerechte Sprache

 

Ein Gasbeitrag von Luise F. Pusch in CICERO ONLINE am 23. September 2020

 

Ist es ein Schritt auf dem Weg zur Gleichberechtigung, wenn Frauen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk als Hörer*Innen mit erwähnt werden? Walter Krämer hatte diese Regel in einem Gastbeitrag als „Sprachterror“ bezeichnet. Luise Pusch, Mutter der feministischen Linguistik, sieht das naturgemäß anders.

 

Dieser Gastbeitrag von Luise F. Pusch ist eine Antwort auf den Gastbeitrag von Walter Krämer.

 

Das Wort Gendern gibt es im Deutschen erst seit etwa zehn Jahren. Es bedeutet: Eine Sache, ein Problem nach den Regeln des Gender-Mainstreaming behandeln, also nach Geschlechtergerechtigkeit zu streben. So könnten etwa die DAX-Vorstände gerne mal gegendert werden, die Priesterschaft der katholischen Kirche und die Parlamente. Hier geht es nun um das Gendern der Sprache, speziell der deutschen Sprache.

 

Das Wort Gendern gibt es im Deutschen erst seit etwa zehn Jahren. Es bedeutet: Eine Sache, ein Problem nach den Regeln des Gender-Mainstreaming behandeln, also nach Geschlechtergerechtigkeit zu streben. So könnten etwa die DAX-Vorstände gerne mal gegendert werden, die Priesterschaft der katholischen Kirche und die Parlamente. Hier geht es nun um das Gendern der Sprache, speziell der deutschen Sprache.

 

„Männer und Frauen sind gleichberechtigt“, heißt es im Grundgesetz. In der Sprache sind wir Frauen allerdings noch immer benachteiligt, und Herr Krämer und der Verein Deutsche Sprache hätten gerne, dass das auch so bleibt.

 

99 Sängerinnen und ein Sänger sind zusammen 100 Sänger

 

Worin besteht nun die sprachliche Benachteiligung der Frau? Mit Ausnahme des Englischen sind fast alle europäischen Sprachen Genussprachen, mit einer für Frauen sehr nachteiligen Eigenschaft: Männer, hypothetische Personen („Fragen Sie ihren Arzt oder Apotheker”, „Wer wird Millionär?“) und gemischtgeschlechtliche Gruppen werden alle mit demsel-ben Genus bezeichnet, nämlich dem Maskulinum. Das Maskulinum erlaubt einen „generischen, geschlechtsüber-greifenden” Gebrauch, das Femininum nicht. Überdies sind die meisten Bezeichnungen für Frauen aus denen für Männer abgeleitet. Sie symbolisieren damit eine Abhängigkeit vom Mann: Der Sänger, die Sängerin.

 

Verkürzt gesagt, macht ein männliches Wesen (im Französischen kann das auch ein Hund sein) jede noch so große weibliche Gruppe symbolisch zu einer Männergruppe: 99 Sängerinnen und ein Sänger sind auf Deutsch zusammen 100 Sänger. Die 99 Frauen können selbst zusehen, wo sie geblieben sind.

 

Die Frau erscheint als Abweichung von der Norm

 

Der Mann als Norm und Standardversion des Menschen wird uns von den Sprachen aufgezwungen, die Frau erscheint entsprechend als Abweichung von dieser Norm. Dieses Sprachprinzip ist bekannt unter dem Namen MAN = Mann als Norm. Die Gegner der feministischen Sprachkritik behaupten, das Maskulinum sei ökonomisch und stünde für beide Geschlechter. „Held ist und bleibt eine Person, die sich durch heldenhaftes Verhalten auszeichnet, egal ob Mann oder Frau“ behauptet Walter Krämer. Wenn dem so ist, wozu braucht es dann überhaupt das Wort „Heldin“?

 

Zahllose empirische Untersuchungen – Krämer nennt sie „Trivialstudien – haben den Beweis erbracht, dass das Maskulinum keineswegs neutral ist, sondern in den Köpfen der Menschen überwiegend männliche Bilder erzeugt und Gedanken an Frauen gar nicht erst aufkommen lässt. Dadurch haben Männer in unserer herrschenden Aufmerksamkeits-Ökonomie einen enormen Wettbewerbsvorteil. Die Firma Mann muss kein Geld für Werbung ausgeben, das Trommeln erledigt bereits die deutsche Grammatik für sie, und zugleich bleibt die weibliche Konkurrenz außen vor. Mit der männerzentrierten Sprache verfügt der Mann über ein gewaltiges symbolisches Kapital (Bourdieu), die Frau hat das Nachsehen.

 

Kampferklärung an eine „verbohrte Ideologenclique“

 

Krämer nennt uns „verbohrte Ideologenclique“ und „Sprachverhunzer“; oft wird uns auch vorgeworfen, wir „täten der Sprache Gewalt an“. Wir Befürworterinnen einer gerechten Sprache möchten erreichen, dass die Sprache uns Frauen keine Gewalt antut, indem sie uns den Männern symbolisch unterordnet oder uns gar zum Verschwinden bringt nach dem Motto: Die Frau ist nicht der Rede wert. Die deutsche Männersprache versteckt die Frau besser als jede Burka.

 

Mit der Frage, wie aus unseren Männersprachen humane Sprachen werden können, beschäftigen sich frauenbewegte Frauen, die meisten Frauenbeauftragten, die Queer Community und einige Sprachwissenschaftlerinnen seit Jahr-zehnten. Die Arbeit hat endlich Früchte getragen, und zwar ganz erstaunliche. Große Rundfunkanstalten wie der Deutschlandfunk und der WDR vermeiden das generische Maskulinum und benutzen stattdessen die geschlecht-sneutralen Partizipien wie „die Forschenden“ (früher „die Forscher“), „die Geflüchteten“ (früher „ Flüchtlinge“).

 

Knacklaut zur Verlautbarung des Femininums

 

Und sie benutzen routinemäßig den Knacklaut zur „Verlautbarung“ des Femininums mit Genderstern für gemischt-geschlechtliche Gruppen: Expert*innen, Bürger*innenversammlung. Krämer schreibt, er würde sich lieber die Hand abhacken als solche Wörter zu benutzen. Das sehen viele Frauen und einige Männer weniger blutrünstig. Am 20. September 2020 konnten wir bei Anne Will erleben, wie die drei anwesenden Frauen und einer der Männer – Malu Dreyer, Marina Weisband, Anne Will und Ranga Yogeshwar – vollendet geschlechtergerecht sprachen; zwei Herren – Frank Montgomery und Hendrik Streeck – taten sich dagegen noch schwer.

 

Krämer ist kein Sprachwissenschaftler, und so unterlaufen ihm denn auch einige Fehler – oder sollte es gar bewusste Irreführung sein? Er bedauert zum Beispiel, dass „die Verbindung zwischen grammatischem und biologischem Ge-schlecht in den Köpfen feststecke“. Diese Verbindung besteht zu Recht, denn sie ist real und regelt circa 98 Prozent der Personenbezeichnungen im Deutschen. Nur um diesen Teil des Wortschatzes dreht sich die Debatte. Das Maskulinum bezeichnet Männer (der Angestellte usw.), das Femininum Frauen (die Angestellte usw.). Dass das Genus in anderen Bereichen des Wortschatzes nichts mit Geschlecht zu tun hat (die Nase, der Mund, das Auge, usw.) ist für die Debatte irrelevant.

 

Wer ist hier die Sprachpolizei?

 

Abschließend möchte ich noch ein Wort zu dem Vorwurf „feministische Sprachpolizei“ sagen; Krämer spricht gar von „Sprachterror“. Die feministische Sprachkritik ist eine Basisbewegung, die versucht, die Sprachgemeinschaft über sprachliche Gerechtigkeit aufzuklären. Der Vergleich mit der Polizei, die auf Befolgung der Gesetze zu achten hat, ist insofern völlig abwegig. Eher versuchen wir, die bestehenden Gesetze – also die Grammatikregeln – auf basisdemokra-tischem Wege zu ändern, sie gerecht, also frauenfreundlich zu machen. Als Sprachpolizei führen sich eher diejenigen auf, die auf der Befolgung der althergebrachten frauenfeindlichen Sprachregeln bestehen.

 

Luise Pusch ist Sprachwissenschaftlerin und engagiert sich seit 1979 für eine geschlechtergerechte Sprache. Ihre 1984 veröffentlichte Textesammlung „Das Deutsche als Männersprache: Diagnose und Therapievorschläge“ gilt als Klassiker der feministischen Linguistik.

 

https://www.cicero.de/kultur/sprache-geschlecht-gendern-gerechtigkeit-maenner-oeffentlich-rechtlicher-rundfunk-luise-pusch

 


 

Contra und Pro

 

Beide Autoren (der Plural steht hier wie üblich für "Autoren und die Autorinnnen" und garantiert Neutralität) haben einige Argumente vorgetragen, die ins Gewicht fallen. Das Meiste ich jedoch theatralische Rhetorik und nicht weiter der Rede wert. Aber wer von beiden ist überzeugender?

 

Walter Krämer ist zwar kein professioneller Sprachwissenschaftler wie Luise Pusch. Aber wenn ihr Buch der "feminis-tischen Linguistik" zugerechnet wird, dann halte ich das für keine Auszeichnung, sondern eher für eine Infragestellung ihrer wissenschaftlichen Autorität und Qualität. Denn der Feminismus ist eine politische Bewegung und eigentlich kein Teilgebiet einer wissenschaftlichen Linguistik, wie die Phonetik, die Ethymologie, die Grammatikforschung oder die kognitive Psycholinguistik. Alle Wissenschaften können jedoch nur methodisch zuverlässig vorgehen, wenn sie von allen politischen Ideologien (Liberalismus, Sozialismus, Nationalismus, etc.) frei gehalten werden und sich nur mit korrekten Methoden um Objektivität bemühen.

 

Es gibt weder eine feministische Logik, Mathematik oder Informatik noch eine feministische Physik, Chemie oder Biologie. Es gibt ja auch keine "Deutsche Physik" oder "Jüdische Physik", wie manche Nazis meinten. Und keine "bürgerliche" Logik im Gegensatz zur dialektischen Logik des Historischen Materialismus, wie manche Marxisten meinten. Entsprechend kann es auch keine feministische Soziologie, Psychologie oder Linguistik geben. Natürlich kann z.B. die aktuelle Situation der Frauen in Europa soziologisch erforscht werden, können die psychische Entwicklung der Persönlichkeit von Mädchen und jungen Frauen untersucht und die spezifischen Sprachverhaltensmuster von berufs-tätigen Frauen zwischen 40 und 60 Jahren zum Gegenstand einer linguistischen Studie werden. Solche Studien können sowohl männliche als auch weibliche Linguisten durchführen, insofern sie methodisch einwandfrei und ideologiefrei sind und keine politischen Ziele verfolgen. Daher werden Vornamen bei der Publikation von wissenschaftlichen Studien in wissenschaftlichen Zeitschriften durch Initialen ersetzt, um geschlechtsspezifische Konnotationen auszuschließen.

 

Wissenschaftliche Linguisten müssen sich wie alle anderen Wissenschaftler um Objektivität bemühen, indem sie von sich und ihren persönlichen Interessen, Neigungen und Vorurteilen abstrahieren (lernen) um möglichst wahre, haltbare und erklärungsstarke Thesen und Theorien entwickeln zu können. Dabei sollten sie aber so weit wie möglich von ihren kontingenten Eigenschaften wie Alter, Herkunft, Geschlecht, politischen Neigungen, nationalen Zugehörigkeit oder religiösen Überzeugungen einer bestimmten Religion oder Konfession absehen. Das können sie jedoch gerade nicht, wenn sie sich in und mit ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit ethisch oder politisch engagieren wollen.

 

Ein feministisches Engagement ist jedoch Privatsache und politisches Engagement und gehört eben so wenig in die wissenschaftliche Forschung wie ein politisches Engagement für nationalistische, sozialistische oder rassistische Anliegen. Daher gibt es auch keine chauvinistische oder maskulinistische oder sexistische Linguistik. Eine politisch intendierte Sprachreingigung von Fremdwörtern, die aus dem Lateinischen stammen, haben die Nationalsozialisten betrieben ('Gesichtserker' statt 'Nase') und auch in der DDR gabe es gewisse Maßnahmen zur politischen Korrektur

der Sprache zwecks Abgrenzung vom kapitalistischen Westen.

 

Jedes politische Engagement in und mit einer Wissenschaft zerstört die politische Unabhängikeit und Freiheit der Wissenschaften und damit das Streben nach Objektivität als notwendiger Bedingung für die methodische Integrität aller Wissenschaften in Forschung und Lehre. Sie führt zu einer Blockwartmentalität der Mittelmäßigen, zum Denunzianten-tum der Neidischen, zur spießigen Gesinnungsschnüffelei unter Kollegen, zur opportunistischen Anpassung der Kar-rieristen an die Mehrheit und zur duckmäuserischen Unterwerfung unter die Vorgesetzten. Aber die Tatsache, dass sich Akademiker seit ca. 50 Jahren aus Oppportunismus an die zunehmende Ideologisierung und Politisierung der Universi-täten gewöhnt haben, ist ebensowenig hinzunehmen wie vor ca. 30 Jahren die deutsche Teilung und die trennende Mauer zwischen der BRD und der DDR.

 

Jedenfalls kann es nicht die berufliche Aufgabe von Linguisten sein -- auch nicht von weiblichen Sprachwissenschaftler-innen -- die Sprachen, die sich wissenschaftlich erforschen, aus ideologischen und / oder politischen Gründen, nach ihrem jeweiligen Geschmack und Gutdünken verändern zu wollen. Insofern möchte ich nur noch Folgendes feststellen:

 

1. Sprache ist weder gerecht noch ungerecht. Nur die Leute, die sie verwenden können es sein.

 

2. Klugheit ist nicht ans Geschlecht gebunden. Es gibt dumme Männer und dumme Frauen.

 

3. Klugheit erweist sich wie der gute Geschmack, das Taktgefühl und die Urteilskraft in konkreten Situationen. Es ist

sehr unwahrscheinlich, dass jemand angesichts von 99 Sängerinnen und einem Sänger noch von den Sängern" sprechen würde geschweigen denn sie so ansprechen würde. Das Beispiel von Frau Pusch ist konstruiert und an den Haaren herbeigezogen.

 

4. "Die deutsche Sprache" ist ein recht abstrakte Größe, denn Sprechweisen sind in allen regionalen Dialekten und nationalen Landessprachen immer abhängig von den vielen charakteristischen Sprechweisen und vielen modischen Redeweisen. Sie kommen und gehen, denn Sprachen sind immer im Fluss. Toleranz hat mit dem Geltenlassen von sprachlicher Vielfalt zu tun.

 

5. Klagen über eine angebliche Vorherrschaft der Männer, die Unverschämtheit mancher Kerle und das ach so böse Patriarchat gibt es seit Jahrzehnten und kluge Frauen haben immer schon ihre Mittel und Wege gehabt, damit humorvoll und geschickt umzugehen. Aber eine  ideologisch motivierte und politisch erzwungene Sprachkorrektur erzeugt nur schlimme Ressentiments, weil sich natürlich gescheite Leute (Männer wie Frauen) nicht vorschreiben lassen wollen, wie sie zu denken, zu reden und zu schreiben haben. Es ist einfach nicht besonders gescheit, so etwas zu forcieren und erzwingen zu wollen!

 

Freie Geister verwenden keine vorgestanzten Sprechweisen irgendeiner ideologischen politischen Bewegung.Sie lassen sich auch nicht durch Sprachregeln konditionieren. Sie formulieren nach gusto und ad hoc, wie es gerade passt. Es lebe die Freiheit der schöpferischen Selbstbestimmung in den Künsten, die einfache, klare und verständliche Schönheit der Sprache, die Freiheit von Schablonen und der Mut zur Objektivität in den Wissenschaften!

 

"Genies denken über Ideen nach. Kluge Köpfe über Sachen und Probleme. Und Mittelmäßige über andere Leute."

 

So lautet ein englischer Slogan. Leider denken Mittelmäßige auch gerne darüber nach, wie Andere reden und schreiben, und ob sie sich an die ideologischen Schablonen derer halten, die gerade das Sagen haben. Anstatt darauf zu achten, was sie sagen und schreiben oder auch wie gut sie reden und schreiben können.