Wahrnehmung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Menschliche Wahrnehmung

 

Die folgenden Videos demonstrieren den aktiven Anteil der menschlichen Wahrnehmungsprozesse an der Konstruktion und Interpretation der visuellen Präsentationen der Wahrnehmung. Die menschliche Wahrnehmung ist im wörtlichen Sinn wirklich ein Akt des Wahr-nehmens, sodass die ältere Rede von einer bloßen Gegebenheit der Objekte der Wahrnehmung hinfällig wurde. Auf die bei den Prozessen der menschlichen Wahrnehmung entstehenden Illusionen hat erstmals der Gestaltpsychologe Christian von Ehrenfels (1859-1932) hingewiesen. Allerdings waren einige dieser Phänomene der Wahrnehmung auch schon vielen Künstlern spätestens seit der Neuzeit bekannt gewesen ist. Das zeigen die von vielen Malern in ihre Gemälde und Fresken einfügten Täuschungen.

 

Seitdem sich auch einige Philosophen dieser Phänomene der menschlichen Wahrnehmung bewusst geworden sind, lassen sich eigentlich drei ältere Auffassungen nicht mehr aufrecht erhalten. Trotzdem werden sie immer noch von ihren Anhängern aufrecht erhalten und tradiert: 

 

(1.) die empiristische Auffassung, dass die menschliche Wahrnehmung in einer rein passiven Rezeptivität der Sinne fundiert ist, wie sie vor allem von Locke, Hume und Berkeley vertreten wurde, sowie

 

 (2.) die atomistische Auffassung, dass die menschliche Wahrnehmung sich ausschließlich aus einzelnen Sinnesdaten zusammensetze, die auch noch von Bertrand Russell und den meisten Positivisten des Wiener Kreises vertreten wurde und schließlich

 

(3.) die behavioristische Auffassung, dass die menschliche Fähigkeit der Wahrnehmung als ein bloß physiologischer Reiz-Reaktions-Mechanismus des Organismus verstanden werden könne, wie sie von B.F.Skinner und W.V.O.Quine vertreten wurde.

 

Die psychologische Erforschung der Phänomene der menschlichen Wahrnehmung ist ein gutes Beispiel für die Abhängigkeit der Konzeptionen der philosophischen Erkenntnistheorie von den Theorien der empirischen Humanpsychologie. Trotz der berechtigten Kritik am reduktionistischen Psychologismus in der Philosophie der Logik und Mathematik, die wir vor allem Kant und Husserl verdanken, gibt es auch eine berechtigte Kooperation der Philosophie mit der Humanpsychologie. Wer diese Kooperation vermeidet oder, wie z.B. Russell und Quine, zu lange an überholten Modellen und Theorien der empirischen Psychologie festhält, wird irgendwann von der wissenschaftlichen Entwicklung eingeholt.

 

Aber auch umgekehrt gibt es bestimmte Philosophen, wie z.B. Franz Brentano, Christian von Ehrenfels, Carl Stumpf und Oswald Külpe, die sich mit schon in der Enstehungsphase einer autonomen empirischen Humanpsychologie mit deren begrifflichen und methodischen Grundlagen auseinandergesetzt haben. So haben sowohl die Würzburger Schule der Denkpsychologie als auch die Berliner Schule der Gestaltpsychologie von der philosophischen Grundlagenforschung dieser Pioniere profitiert. Dies gilt nicht nur für die Überwindung der Sinnesdatentheorie durch die Gestalttheorie in der Psychologie der Wahrnehmung, sondern auch für die Wende vom methodischen Behaviorismus zur zeitgenössischen Kognitionspsychologie und Psycholinguistik. Wissenschaftgeschichtlich hat Kants Konzeption der Schemata der (bestimmenden) Urteilskraft ebenfalls zur Entstehung der Gestaltpsychologie und insbesondere zu Oswald Külpes Konzeption der Antizipationen der Wahrnehmung beigetragen.