Phänomene des Bewußtseins

 

 

 

Thomas Nagel, Wie ist es, eine Fledermaus zu sein?

 

Nachwort

 

Bei Nagels kleinem Text handelt es sich um einen der am häufigsten zitierten philosophischen Essays des 20. Jahr-hunderts. 1 Er regte eine immer noch anhaltende Debatte über die eigenartige und nicht-reduzierbare Natur der subjektiven Bewusstseinsphänomene von Menschen und Tieren an. Es kommt vergleichsweise selten vor, dass ein einzelner philosophischer Essay ein solches Aufsehen erregt und eine so große Leserschaft findet. Unterstützend wirkte dabei Nagels unprätentiöser Stil. 2

 

Der Essay beginnt mit einem Paukenschlag: »Bewusstsein macht das Leib-Seele-Problem praktisch unlösbar.« Das Leib-Seele-Problem ist wegen der Realität und Eigenart des Bewusstseins und seiner psychischen Phänomene kaum zu bewältigen. Jedenfalls kann man es kaum so einfach behandeln wie andere bekannte Probleme der naturwissenschaft-lichen Erklärung durch Reduktion von sinnlich wahrnehmbaren Phänomenen auf die ihnen zugrundeliegenden und physikalische Substanzen und chemische Elemente. Die Sinnesqualitäten der Empfindungen und der Wahrnehmung bei Menschen und Tieren sowie die Erlebnisse von sprachlichen Gedanken und komplexen Emotionen bei Menschen haben einen sinnlich wahrnehmbaren Gehalt jenseits der logisch-semantischen Strukturen des sprachlichen Denkens und Schließens. Allerdings bleibt auch bei solchen objektiven Reduktionen in der Physik, Chemie und Biologie jenseits von menschlichen und tierischen Bewusstseinsphänomenen das Problem der reduktiven Ausschaltung der sog. Qualia oder phänomenalen Qualitäten, die wir Menschen mit unseren fünf Sinnen wahrnehmen können, bestehen. Die physika-lische Optik, die Physiologie der Farbwahrnehmung und die Neurobiologie können weder einer von Geburt an Blinden oder jemandem, der immer nur in einem schwarzen Raum gelebt hat, vermitteln, wie Farben wirklich aussehen. 3

 

Doch hat Nagel seine philosophische These und Argumentation geschickt vorbereitet. Zuerst erinnert er an einige scheinbare Selbstverständlichkeiten, die fast jedem Leser einleuchten werden. Dann aber präsentiert er seine Argu-mente für die anfängliche Behauptung, dass Bewusstseinsphänomene für die zeitgenössischen Wissenschaften der Verhaltensbiologie und der Humanpsychologie ein ernstes philosophisches Problem darstellen. Was aber ist das philosophische Problem, das Nagel darstellt? Das philosophische Problem besteht ihm zufolge darin, dass wir offen-sichtlich mit dem Bewusstsein der Menschen und Tiere nicht auf die gleiche Art und Weise reduktiv verfahren können, indem wir ihr Bewusstsein auf irgendwelche gleichzeitig ablaufenden verborgenen Prozesse in Gehirn und Nerven-system reduzieren können. Unabhängig davon, ob es sich beim Menschen nun um die je eigenen Kognitionen (wie z. B. um Gedanken und Urteile, Fragen und Antworten, Zusagen und Versprechen), die je eigenen Emotionen (d. h. um Affekte, Empfindungen, Gefühle, Stimmungen und Leidenschaften) oder um die je eigenen Motivationen (also etwa um Bedürfnisse, Interessen, Motive, Wünsche und Absichten) geht: Immer erleben Menschen sie als die Phänomene ihrer selbst- und weltbezogenen Psyche.

 

Ich muss zuerst wissen, wer ich bin, was ich denke, wie ich fühle und was ich will, um dann herauszufinden, wo, wie und weshalb ich vielleicht durch unbewusste Motive und Tendenzen in meinem wirklichen Verhalten und Handeln beeinflusst, eingeschränkt bin oder behindert werde. Um nun überhaupt irgendwelche Korrelationen zwischen dem wirklichen Denken und Urteilen, Fühlen und Wollen eines bestimmten Menschen und den jeweiligen gleichzeitigen Zuständen und Vorgängen in seinem eigenen Gehirn und Nervensystem feststellen zu können, müsste man ihm beim aktuellen Denken und Urteilen, Fühlen und Wollen, Verhalten und Handeln in wirklichen Situationen in der alltäglichen Lebenswelt direkt ohne den Umweg über Apparaturen beobachten können. Eine solche realitätsbezogene Erforschung des menschlichen Bewusstseins scheint technisch gesehen unmöglich zu sein.

 

Wieso schlägt Nagel aber in seiner Argumentation dann den Umweg über den Vergleich mit Fledermäusen ein? Denn schließlich fehlen allen Fledermäusen sowie allen Beuteltieren ein Kognitionsvermögen, ein passendes Gehirn und ein entsprechender Sprachapparat. Doch gerade diese evidente Fremdartigkeit der Fledermäuse nutzt Nagel aus, um seine Leser aus den verschiedensten Disziplinen daran zu erinnern, dass es einen engen sachlichen Zusammenhang zwischen dem philosophischen Problem des Fremdpsychischen (Other-MindsProblem) und dem sog. Leib-Seele-Problem (Mind-Body-Problem) gibt. 4

 

Dass es ein methodisches Problem für uns Menschen und unser begrenztes Vorstellungsvermögen darstellt, uns vorzu-stellen, wie es für uns Menschen wäre, eine Fledermaus zu sein, sagt nicht nur etwas über unser recht begrenztes gemeinsames Vorstellungsvermögen, sondern auch etwas über die organische Natur und die bewussten Erlebnisse von Fledermäusen aus. Es ist wohl noch schwieriger, sich vorzustellen, wie es für die Fledermäuse selbst ist, eine Fledermaus zu sein. Nagel verwendet dieses originelle Gedankenexperiment, um darauf hinzuweisen, dass mehr oder weniger bewusstes Erleben und Selbsterleben von Tieren jedenfalls zur reichhaltigen ontologischen Fülle der Wirklichkeit gehört, die uns viel ähnlicher sind. Natürlich geht es ihm dabei vor allem um das Bewusstsein der Menschen, d.h. um die mehr oder weniger bewussten Empfindungen und Wahrnehmungen von Aspekten der raum-zeitlichen Welt, also von anderen Menschen, Tieren und Pflanzen sowie von uns selbst, also um alle Versionen des philosophischen Materialis-mus bzw. Naturalismus, die meinen, man könnte die Inhalte von solchen Wahrnehmungen und Erlebnissen auf eine ähnliche Weise auf hinter diesen liegende neurobiologische Vorgänge in den Gehirnen und Nervensystemen von menschlichen oder tierischen Organismen reduzieren, wie man Wasser auf H2O oder Blitze auf elektrische Entladungen in Wolken oder Eichenholz auf eine Sorte von Hydrokarbon zurückzuführen gewohnt ist.

 

Sicherlich kann man diese Reduktionen als Belege für den Erkenntnisfortschritt in den Naturwissenschaften anführen. Wasser ist kein ätherisches Fluidum und kein himmlischer Göttertrank; Blitze sind keine Strafe eines zornigen Gottes, sondern starke elektrische Entladungen; Eichenholz stammt weder von einem druidischen Wunderbaum, sondern ist eine bestimmte Sorte von Hydrokarbonstrukturen.

 

Was Nagel dabei vehement bestreitet, ist die unter Materialisten und Naturalisten verbreitete Auffassung, dass man mit dem Bewusstsein von Menschen und Tieren immer genau auf die gleiche Weise reduktiv verfahren könne. Denn schließlich hat man es hier nicht mit Reduktionen von anorganischen oder organischen Stoffen in der Welt zu tun, sondern mit den mehr oder weniger bewussten Erlebnissen von höheren organischen Lebewesen. Nagel streitet damit gegen eine Tendenz zur Verdinglichung von Lebewesen, die von den reduktionistischen Materialisten und Naturalisten mit ihren reduktiven Erklärungsversuchen wie bloße Sachen behandelt werden. Er behauptet jedoch nicht etwa, dass eine solche Verdinglichung immer auch unethisch sei. Seine Argumentation ist weder tierethisch noch moralisch noch rechtsphilosophisch.

 

Jede Version eines reduktionistischen Materialismus oder Naturalismus behauptet jedoch, dass es keine Veränderung in der Psyche von Menschen und Tieren geben kann, die nicht auf bestimmte Veränderungen in den physischen Organis-men von Menschen und Tieren zurückgeführt werden kann, auch wenn es sich dabei primär um Veränderungen im Gehirn und Nervensystem handelt, die sich erst sekundär auf andere Organe und Gliedmaßen eines Organismus auswirken: Nichts geschieht von ungefähr (nihil ex nihilo fit). Alles hat irgendeinen Grund, d. h. alles, was es gibt, hat irgendwelche mehr oder weniger komplexe notwendige und hinreichende Bedingungen, die wir im Alltag gewöhnlich vereinfachend als ›Ursachen‹ bezeichnen. In der wissenschaftlichen Erforschung von Menschen und Tieren kann, darf und muss aus prinzipiellen methodischen Gründen annehmen, dass es bestimmte Bedingungen gibt, die notwendig und hinreichend sind, um z. B. den Wechsel vom Schlafzustand zum Wachzustand zu bewirken.

 

Diese methodische Annahme ist der eigentlich Grund dafür, dass man nicht nur in der Verhaltenspsychologie bei Tieren, sondern auch in den Wissenschaften von der menschlichen Psyche (Humanpsychologie, Psychosomatik, Psychiatrie und Psychopathologie) derartig forscht, dass man diese varianten Bedingungen auch auf der neurobiologischen Ebene untersucht. Diese Prinzipien der wissenschaftlichen Methodologie werden von Nagel nicht bestritten. Es ist jedoch eine Sache, solche Bedingungen empirisch und objektiv zu erforschen, und eine andere Sache solche Zustande phänomenal und subjektiv zu erleben. 5

 

Welche qualitativen Phänomene des psychischen Vermögens der Empfindungen und Wahrnehmungen es bei Men-schen und Tieren gibt, hängt nicht nur von den physischen Organen der Lebewesen und von der Gesundheit oder Krankheit in der Funktionsweise dieser Organe ab, sondern auch von dem Zustand und den entsprechenden Vorgängen im Zentralorgan des Gehirns und im Nervensystem. Kausale Abhängigkeit (Dependenz) ist aber etwas anderes als eine Seinsweise (Eigenart oder Wesen). Mehr fachphilosophisch gesprochen: Dependenz ist nicht Identität.

 

Die furchtbaren Zahnschmerzen, unter denen ich leide, sind nicht identisch mit ihren physischen Ursachen. Denn wenn ich den Schmerz betäuben lasse, dann verschwindet zwar der Schmerz, obwohl damit etwa die Ursache der Zersetzung der Nerven an der Zahnwurzel noch lange nicht beseitigt ist. Diese wesentliche Differenz zwischen der kausalanaly-tischen Untersuchung der spezifischen Abhängigkeit der psychischen Phänomene von ihren physischen Ursachen einerseits und der phänomenologischen Untersuchung der Eigenart oder des Wesens des Psychischen selbst anderer-seits bleibt auf jeden Fall bestehen und muss auf angemessene Weise berücksichtigt werden. Auf diesen wichtigen ontologischen Unterschied zwischen kausaler Dependenz (warum hat jemand hier und da jetzt Schmerzen?) und Identität (was sind Schmerzen und wie fühlen sie sich an?) weist Nagel mit Nachdruck hin, mit dem Ergebnis, dass sich viele Materialisten bzw. Naturalisten seither darum bemühen, nicht-reduktionistische Positionen der sog. Supervenienz des psychischen gegenüber dem Physischen zu formulieren. 6

 

Phänomenologen und Hermeneutiker haben sich vermutlich von Anfang an eher darüber gewundert, dass die Irredu-zibilität der Bewusstseinsphänomene und ihrer spezifischen Qualitäten eine neue Erkenntnis darstellen soll. Hatte nicht schon Franz Brentano zwischen genealogischer und deskriptiver Psychologie und Dilthey zwischen Erklären und Verstehen unterschieden, Jaspers beide Unterscheidungen in die Methodologie seiner Allgemeinen Psychopathologie aufgenommen oder Hartmann ein ontologisches Schichtenmodell der Persönlichkeit und des Seienden insgesamt entwickelt? Diese philosophische Bewegung der Phänomenologie und der Hermeneutik wurde auch provoziert durch das zunehmende Unbehagen gegenüber modernen, wissenschaftlich-technisch geprägten Kulturen. 7

 

Unbehagen bereiten die wissenschaftlichen Reduktionen, die nicht nur auf immer mehr Phänomene der natürlichen und kulturellen Lebenswelt, sondern auch auf den Menschen selbst angewendet werden. Von den wissenschaftlichen Reduktionen betroffen sind nämlich nicht nur die natürlichen und kulturellen Lebenswelten, die Natur-, Sozial- und Kulturwissenschaften erforschen, sondern die Humanwissenschaften von der Psyche der Menschen, wie insbesondere die Disziplinen der Psychologie, der Psychosomatik, der Psychiatrie und der Psychopathologie.

 

Auf die Spitze getrieben zeigt sich dieses Unbehagen gegenüber dem sog. Eliminativen Materialismus von etwa Richard Rorty und seinen Anhängern. Der Eliminative Materialismus behauptet nämlich, dass das gewöhnliche psychologische Vokabular der Alltagspsychologie, das Menschen in allen Sprachen und Kulturen verwenden, ohne Verlust durch neuro-wissenschaftliches Vokabular ersetzt werden könnte. An die Stelle des persönlichen Glaubens an Gott würde dann, überspitzt formuliert, eine bestimmte neuronale Erregung im Bereich der Schläfenlappen treten. Ist also der Eliminative Materialismus Nagels eigentlicher Gegner?

 

Die Tatsache, dass Naturwissenschaftler die Phänomene ihrer begrenzten Forschungen anhand von bestimmten Reduktionen erklären und verstehen wollen, ist zwar weder anstößig noch unvernünftig. Problematisch sind aber die Übergriffe von Naturwissenschaftlern, die über ihre Forschungen hinaus einen allgemeinen Naturalismus (»Alles ist Natur und nichts anderes als Natur«) einen allgemeinen Determinismus (»Menschen haben keinen freien Willen. Willensfreiheit ist nur eine Illusion«) oder einen wissenschaftlich nachweisbaren Atheismus (»Es gibt keinen Gott. Die Vorstellung von Gott ist nur eine menschliche Wahnvorstellung«) vertreten.

 

Angeregt von Nagels Argumenten für die Irreduzibilität der Phänomene des Bewusstseins haben sich Philosophen-kollegen die Frage gestellt, wie man auf eine andere plausible Art und Weise diese Phänomene mit einer naturwissen-schaftlich erforschbaren Welt und mit einem neurowissenschaftlich erforschbaren menschlichen Gehirn, Nervensystem und Organismus in Verbindung bringen kann. Direkt oder indirekt haben diese Autoren auf Nagels antireduktionis-tischen Essay reagiert, die das aufgeworfene Grundproblem mit einer nicht-reduktionistischen Konzeptionen der Emergenz oder Supervenienz von psychischen Phänomenen gegenüber neurobiologischen Vorgängen in Gehirn und Nervensystemen zu lösen versuchen.

 

Die meisten von ihnen schließen dabei schöpfungsmythologische und theologische Konzeptionen von einem intelligent design aus und knüpfen lieber an naturwissenschaftliche Theorien und Konzeptionen der Evolution des Lebens auf der Erde und der Entstehung und Entwicklung der Arten einschließlich des natur- und kulturgeschichtlichen Menschen (homo sapiens). Ihnen geht es um das genealogische (was kommt woher?) und ontologische (was gibt es überhaupt?) Verständnis der Dependenz der psychischen Phänomene im Bewusstsein von Tieren und Menschen von den dazu gehörigen physischen Phänomenen in den Organismen, Gehirnen und Nervensystemen. 8

 

In der Analytischen Philosophie hat man sich auch dabei auf die logisch-semantischen Analysen von psychologischen Ausdrücken (Denken, Meinen, Empfinden, Fühlen, Beabsichtigen, Wollen, Handeln, etc.) und von Modalbegriffen (es ist möglich, wirklich, notwendig, dass p) in den Thesen und Argumenten über das allgemeine Verhältnis von Psychischem und Physischem konzentriert.

 

Eine Auffassung von psycho-physischer Emergenz bzw. Supervenienz behauptet in etwa: »Es kann keine psychischen Phänomene von zwei existierenden Organismen A und B mit Gehirn und Nervensystem geben, die sich in allen physischen Hinsichten, aber nicht in allen psychischen Hinsichten gleichen.« Genauer: Zwei numerisch verschiedene Organismen mit qualitativ exakt gleichen physischen Zuständen und Vorgängen in Gehirn und Nervensystem müssten auch die gleichen psychischen Phänomene aufweisen.

 

Das ist jedoch nur ein abstrakter philosophischer Gedanke, der in der Realität letztlich nicht erfüllt werden kann: Nur zwei tote Organismen von Menschen oder Tieren könnten psychisch ganz gleich sein, denn sie hätten beide überhaupt keine psychischen Phänomene mehr. Zwei lebendige tierische oder menschliche Organismen in der wirklichen Welt hingegen nehmen immer schon verschiedene Raum- und Zeit-Stellen ein, sodass sie von vornherein nicht mehr dieselben Wahrnehmungen von den aktuellen raum-zeitlichen Verhältnissen und wahrnehmbaren Gegenständen in ihrer Umwelt haben können.

 

Dann aber müssen wir uns fragen, in welchem Sinne die Formulierung »Es kann keine psychischen Phänomene von zwei existierenden Organismen A und B mit Gehirn und Nervensystem geben« in der Behauptung von Emergenz bzw. Supervenienz des Psychischen gegenüber dem Physischen zu verstehen ist. Welche Art von Unmöglichkeit ist dabei gemeint? Es kann nicht um den Ausschluss einer logischen Unmöglichkeit (gleichzeitig p und non-p) gehen, sondern um den Ausschluss einer naturwissenschaftlich entdeckten Unmöglichkeit aus den irgendwie zusammenhängenden Bereichen des Biologischen und des Psychischen. Das ist insofern plausibel, als wir psychische Phänomene und Fähigkeiten eben nur an lebendigen Organismen von Tieren und Menschen beobachten können.

 

Es geht bei der realen Emergenz bzw. Supervenienz des Psychischen gegenüber dem Physischen ja nicht nur um logisch-semantische Zusammenhänge auf der sprachlichen Ebene, sondern um faktische und potentielle Abhängig-keiten bzw. Dependenzen in der wirklichen Welt der menschlichen und tierischen Organismen mit ihren spezifischen psychischen Erlebnissen und Fähigkeiten.

 

Das sollte man nicht vergessen, wenn man die philosophische Pointe von Nagels Essay verstehen will. Er ist ein Philosoph, der die zeitgenössischen Entwicklungen in den Naturwissenschaften verfolgt, gelegentlich kommentiert und auch kritisiert. Das hat er damals mit seinem Aufsatz über das Wie-Sein der Fledermaus auf brillante Weise getan und tut es auch heute noch. 9 

 

------------------------------------

 

1 »[…] one of the most cited papers in all philosophy«: so Galen Strawson in The Times Literary Supplement vom 25. Februar 2015. 2 Vgl. beispielhaft etwa sein: Was bedeutet das alles? Eine kurze Einführung in die Philosophie, Stuttgart 1990 [u. ö.].

 

2 Vgl. beispielhaft etwa sein: Was bedeutet das alles? Eine kurze Einführung in die Philosophie, Stuttgart 1990 [u. ö.].

 

3 Frank Jackson hatte vorher in einem anderen philosophischen Gedankenexperiment zu zeigen versucht, das hier bereits ein Problem für den reduktionistischen Materialismus vorliegt, das als »Das Wissens-Argument« (The Knowledge Argument) bekannt wurde; vgl. seinen Aufsatz »Epiphenomenal Qualia«, Philosophical Quarterly 32: 127–136.

 

4 Vgl. etwa Kapitel 3 »Das Fremdpsychische« und Kapitel 4 »Das psychophysische Problem«, in: Nagel, Was bedeutet das alles? (s. Anm. 2), S. 23–41.

 

5 Vgl. dazu z. B.: »Der außergewöhnliche Entwicklungsweg Helen Kellers«, in: Merlin Donald, Triumph des Bewusstseins. Die Evolution des menschlichen Geistes, übers. von Christoph Trunk, Stuttgart 2008. S. 250–263.

 

6 Seit dem einflussreichen Buch von David Chalmers spricht man in der Analytischen Philosophie hier auch gerne vom »harten Problem« des Bewusstseins (the hard problem). Vgl. dazu: David J. Chalmers, The Conscious Mind, Oxford 1996 und Jonathan Shear (Hrsg.), Explaining Consciousness. The Hard Problem, Cambridge (Mass.) 1997.

 

7 Husserl scheint Nagels philosophischen Bedenken den Weg bereitet zu haben; vgl. Edmund Husserl, Die Krisis der europäischen Wissenschaften und die transzendentale Phänomenologie, Hamburg 1996 u. ö.].

 

8 Vgl. Donald, Triumph des Bewusstseins (s. Anm. 5). 

 

9 Vgl. etwa jüngst Thomas Nagel, Geist und Kosmos. Warum die materialistische neodarwinistische Konzeption der Natur so gut wie sicher falsch ist, Frankfurt a. M. 201

 








 

Ohne Leben kein Bewusstsein. Im Gespräch mit Thomas Fuchs

 

Bewusstsein im Computer ist eine Simulation, sagt Prof. Dr. Dr. Thomas Fuchs, Inhaber der Karl-Jaspers-Professur für Philosophische Grundlagen der Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Heidelberg, in der ersten Folge unseres Podcasts Selbstbewusste KI. - Interview von Karsten Wendland

 

https://publikationen.bibliothek.kit.edu/1000123619