Georg Friedrich Wilhelm Hegel

 

 

 

Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Wer denkt abstrakt?

 

Denken? Abstrakt? – Sauve qui peut! Rette sich, wer kann! So höre ich schon einen vom Feinde erkauften Verräter ausrufen, der diesen Aufsatz dafür ausschreit, daß hier von Metaphysik die Rede sein werde. Denn Metaphysik ist das Wort, wie abstrakt und beinahe auch Denken, ist das Wort, vor dem jeder mehr oder minder wie vor einem mit der Pest Behafteten davonläuft.

 

Es ist aber nicht so bös gemeint, daß, was denken und was abstrakt sei, hier erklärt werden sollte. Der schönen Welt ist nichts so unerträglich als das Erklären. Mir selbst ist es schrecklich genug, wenn einer zu erklären anfängt, denn zur Not verstehe ich alles selbst. Hier zeigte sich die Erklärung des Denkens und des Abstrakten ohnehin schon als völlig überflüssig; denn gerade nur, weil die schöne Welt schon weiß, was das Abstrakte ist, flieht sie davor. Wie man das nicht begehrt, was man nicht kennt, so kann man es auch nicht hassen.

 

Auch wird es nicht darauf angelegt, hinterlistigerweise die schöne Welt mit dem Denken oder dem Abstrakten versöhnen zu wollen; etwa daß unter dem Scheine einer leichten Konversation das Denken und das Abstrakte eingeschwärzt werden sollte, so daß es unbekannterweise, und ohne eben einen Abscheu erweckt zu haben, sich in die Gesellschaft eingeschlichen [hätte] und gar von der Gesellschaft selbst unmerklich hereingezogen oder, wie die Schwaben sich ausdrücken, hereingezäunselt worden wäre und nun der Autor dieser Verwicklung diesen sonst fremden Gast, nämlich das [575] Abstrakte, aufdeckte, den die ganze Gesellschaft unter einem anderen Titel als einen guten Bekannten behandelt und anerkannt hätte. Solche Erkennungsszenen, wodurch die Welt wider Willen belehrt werden soll, haben den nicht zu entschuldigenden Fehler an sich, daß sie zugleich beschämen und der Machinist sich einen kleinen Ruhm erkünsteln wollte, so daß jene Beschämung und diese Eitelkeit die Wirkung aufheben, denn sie stoßen eine um diesen Preis erkaufte Belehrung vielmehr wieder hinweg.

 

Ohnehin wäre die Anlegung eines solchen Planes schon verdorben; denn zu seiner Ausführung wird erfordert, daß das Wort des Rätsels nicht zum voraus ausgesprochen sei. Dies ist aber durch die Aufschrift schon geschehen; in dieser, wenn dieser Aufsatz mit solcher Hinterlist umginge, hätten die Worte nicht gleich von Anfang auftreten dürfen, sondern, wie der Minister in der Komödie, das ganze Spiel hindurch im Überrocke herumgehen und erst in der letzten Szene ihn aufknöpfen und den Stern der Weisheit herausblitzen lassen müssen. Die Aufknöpfung eines metaphysischen Ober-rocks nähme sich hier nicht einmal so gut aus wie die Aufknöpfung des ministeriellen, denn was jene an den Tag brächte, wäre weiter nichts als ein paar Worte; denn das Beste vom Spaße sollte ja eigentlich darin liegen, daß es sich zeigte, daß die Gesellschaft längst im Besitze der Sache selbst war; sie gewönne also am Ende nur den Namen, dahin-gegen der Stern des Ministers etwas Reelleres, einen Beutel mit Geld, bedeutet.

 

Was Denken, was abstrakt ist – daß dies jeder Anwesende wisse, wird in guter Gesellschaft vorausgesetzt, und in solcher befinden wir uns. Die Frage ist allein danach, wer es sei, der abstrakt denke. Die Absicht ist, wie schon erinnert, nicht die, sie mit diesen Dingen zu versöhnen, ihr zuzumuten, sich mit etwas Schwerem abzugeben, ihr ins Gewissen darüber zu reden, daß sie leichtsinnigerweise so etwas vernachlässige, [576] was für ein mit der Vernunft begabtes Wesen rang- und standesgemäß sei. Vielmehr ist die Absicht, die schöne Welt mit sich selbst darüber zu versöhnen, wenn sie sich anders eben nicht ein Gewissen über diese Vernachlässigung macht, aber doch vor dem abstrakten Denken als vor etwas Hohem einen gewissen Respekt wenigstens innerlich hat und davon wegsieht, nicht weil es ihr zu gering, sondern weil es ihr zu hoch, nicht weil es zu gemein, sondern zu vornehm, oder umgekehrt, weil es ihr eine Espèce, etwas Besonderes zu sein scheint, etwas, wodurch man nicht in der allgemeinen Gesellschaft sich auszeichnet, wie durch einen neuen Putz, sondern wodurch man sich vielmehr, wie durch ärmliche Kleidung oder auch durch reiche, wenn sie auch aus alt gefaßten Edelsteinen oder einer noch so reichen Stickerei besteht, die aber längst chinesisch geworden ist, von der Gesellschaft ausschließt oder sich darin lächerlich macht.

 

Wer denkt abstrakt? Der ungebildete Mensch, nicht der gebildete. Die gute Gesellschaft denkt darum nicht abstrakt,

weil es zu leicht ist, weil es zu niedrig ist, niedrig nicht dem äußeren Stande nach, nicht aus einem leeren Vornehmtun, das sich über das wegzusetzen stellt, was es nicht vermag, sondern wegen der inneren Geringheit der Sache.

 

Das Vorurteil und die Achtung für das abstrakte Denken ist so groß, daß feine Nasen hier eine Satire oder Ironie zum vorauswittern werden; allein, da sie Leser des Morgenblattes sind, wissen sie, daß auf eine Satire ein Preis gesetzt ist und daß ich also ihn lieber zu verdienen glauben und darum konkurrieren als hier schon ohne weiteres meine Sachen hergeben würde.

 

Ich brauche für meinen Satz nur Beispiele anzuführen, von denen Jedermann zugestehen wird, daß sie ihn enthalten. Es wird also ein Mörder zur Richtstätte geführt. Dem gemeinen Volke ist er nichts weiter als ein Mörder. Damen machen [577] vielleicht die Bemerkung, daß er ein kräftiger, schöner, interessanter Mann ist. Jenes Volk findet die Bemerkung entsetzlich: was, ein Mörder schön? wie kann [man] so schlechtdenkend sein und einen Mörder schön nennen; ihr seid auch wohl etwas nicht viel Besseres! Dies ist die Sittenverderbnis, die unter den vornehmen Leuten herrscht, setzt vielleicht der Priester hinzu, der den Grund der Dinge und die Herzen kennt.

 

Ein Menschenkenner sucht den Gang auf, den die Bildung des Verbrechers genommen, findet in seiner Geschichte schlechte Erziehung, schlechte Familienverhältnisse des Vaters und der Mutter, irgendeine ungeheure Härte bei einem leichteren Vergehen dieses Menschen, die ihn gegen die bürgerliche Ordnung erbitterte, eine erste Rückwirkung dagegen, die ihn daraus vertrieb und es ihm jetzt nur durch Verbrechen sich noch zu erhalten möglich machte. – Es kann wohl Leute geben, die, wenn sie solches hören, sagen werden: der will diesen Mörder entschuldigen! Erinnere ich mich doch, in meiner Jugend einen Bürgermeister klagen gehört [zu haben], daß es die Bücherschreiber zu weit treiben und Christentum und Rechtschaffenheit ganz auszurotten suchen; es habe einer eine Verteidigung des Selbstmordes geschrieben; schrecklich, gar zu schrecklich! – Es ergab sich aus weiterer Nachfrage, daß Werthers Leiden verstanden waren.

 

Dies heißt abstrakt gedacht, in dem Mörder nichts als dies Abstrakte, daß er ein Mörder ist, zu sehen und durch diese einfache Qualität alles übrige menschliche Wesen an ihm [zu] vertilgen. Ganz anders eine feine, empfindsame Leipziger Welt. Sie bestreute und beband das Rad und den Verbrecher, der darauf geflochten war, mit Blumenkränzen. – Dies ist aber wieder die entgegengesetzte Abstraktion. Die Christen mögen wohl Rosenkreuzerei oder vielmehr Kreuzroserei [578] treiben, das Kreuz mit Rosen umwinden. Das Kreuz ist der längst geheiligte Galgen und Rad. Es hat seine einseitige Bedeutung, das Werkzeug entehrender Strafe zu sein, verloren und kennt im Gegenteil die Vorstellung des höchsten Schmerzes und der tiefsten Verwerfung, zusammen mit der freudigsten Wonne und göttlicher Ehre. Hingegen das Leipziger [Kreuz], mit Veilchen und Klatschrosen eingebunden, ist eine Kotzebuesche Versöhnung, eine Art liederlicher Verträglichkeit der Empfindsamkeit mit dem Schlechten.

 

Ganz anders hörte ich einst eine gemeine alte Frau, ein Spitalweib, die Abstraktion des Mörders töten und ihn zur Ehre lebendig machen. Das abgeschlagene Haupt war aufs Schaffot gelegt, und es war Sonnenschein; wie doch so schön, sagte sie, Gottes Gnadensonne Binders Haupt beglänzt! – Du bist nicht wert, daß dich die Sonne bescheint, sagt man zu einem Wicht, über den man sich erzürnt. Jene Frau sah, daß der Mörderkopf von der Sonne beschienen wurde und es also auch noch wert war. Sie erhob ihn von der Strafe des Schaffots in die Sonnengnade Gottes, brachte nicht durch ihre Veilchen und ihre empfindsame Eitelkeit die Versöhnung zustande, sondern sah in der höheren Sonne ihn zu Gnaden aufgenommen.

 

Alte, ihre Eier sind faul, sagt die Einkäuferin zur Hökersfrau. Was, entgegnet diese, meine Eier faul? Sie mag mir faul sein! Sie soll mir das von meinen Eiern sagen? Sie? Haben ihren Vater nicht die Läuse an der Landstraße aufgefressen, ist nicht ihre Mutter mit den Franzosen fortgelaufen und ihre Großmutter im Spital gestorben, – schaff sie sich für ihr Flitterhalstuch ein ganzes Hemd an; man weiß wohl, wo sie dies Halstuch und ihre Mützen her hat; wenn die Offiziere nicht wären, war jetzt manche nicht so geputzt, und wenn die gnädigen Frauen mehr auf ihre Haushaltung sähen, säße manche im Stockhause, – flick sie sich nur die Löcher in den Strümpfen! – Kurz, sie läßt keinen guten Faden an ihr. Sie denkt abstrakt und subsumiert sie nach Halstuch, [579] Mütze, Hemd usf. wie nach den Fingern und anderen Partien, auch nach [dem] Vater und der ganzen Sippschaft, ganz allein unter das Verbrechen, daß sie die Eier faul gefunden hat; alles an ihr ist durch und durch mit diesen faulen Eiern gefärbt, dahingegen jene Offiziere, von denen die Hökersfrau sprach – wenn anders, wie sehr zu zweifeln, etwas daran ist –, ganz andere Dinge an ihr zu sehen bekommen mögen.

 

Um von der Magd auf den Bedienten zu kommen, so ist kein Bedienter schlechter daran als bei einem Manne von wenigem Stande und wenigem Einkommen, und um so besser daran, je vornehmer sein Herr ist. Der gemeine Mensch denkt wieder abstrakter, er tut vornehm gegen den Bedienten und verhält sich zu diesem nur als zu einem Bedienten; an diesem einen Prädikate hält er fest. Am besten befindet sich der Bediente bei den Franzosen. Der vornehme Mann ist familiär mit dem Bedienten, der Franzose sogar gut Freund mit ihm; dieser führt, wenn sie allein sind, das große Wort, man sehe Diderots Jacques et son maître, der Herr tut nichts als Prisen-Tabak nehmen und nach der Uhr sehen und läßt den Bedienten in allem Übrigen gewähren. Der vornehme Mann weiß, daß der Bediente nicht nur Bedienter ist, sondern auch die Stadtneuigkeiten weiß, die Mädchen kennt, gute Anschläge im Kopfe hat; er fragt ihn darüber, und der Bediente darf sagen, was er über das weiß, worüber der Prinzipal frug. Beim französischen Herrn darf der Bediente nicht nur dies, sondern auch die Materie aufs Tapet bringen, seine Meinung haben und behaupten, und wenn der Herr etwas will, so geht es nicht mit Befehl, sondern er muß dem Bedienten zuerst seine Meinung einräsonieren und ihm ein gutes Wort darum geben, daß seine Meinung die Oberhand behält.

 

Im Militär kommt derselbe Unterschied vor; beim preußischen kann der Soldat geprügelt werden, er ist also eine [580] Kanaille; denn was geprügelt zu werden das passive Recht hat, ist eine Kanaille. So gilt der gemeine Soldat dem Offizier für dies Abstraktum eines prügelbaren Subjekts, mit dem ein Herr, der Uniform und Porte d'épée hat, sich abgeben muß, und das ist, um sich dem Teufel zu ergeben. [581]

 


 

 

Hegels Dialektik und seine undialektischen Einsichten

 

 

Hegel war neben Marx der Hauptgegner einiger einflussreicher Strömungen in der Philosophie des 20. Jahrhunderts. Die meisten Philosophen dieser Strömungen haben jeweils auf ihre Weise Hegels dialektische Denkweise und philo-sophischen Werke an verschiedenen Stellen kritisiert. Das geschah nicht zuletzt deswegen, weil Marx ausgerechnet diese dialektische Denkweise Hegels übernommen hatte und nur Hegels metaphysischen Idealismus aufgegeben und durch seinen sog. dialektischen Materialismus ersetzt hatte. Damit hatte Marx jedoch gerade die problematischen Grundstrukturen von Hegels philosophischem Denken übernommen. Das war aber genau das Schlechteste und nicht das Beste an Hegel. Was aber bleibt von Hegel, wenn man seine Dialektik aufgibt und verwirft und seine haltbaren Einsichten bewahrt und verteidigt?

 

 

Sowohl Hegels außergewöhnliche Neigung zu dialektischen Widersprüchen und zum spekulativen Denken, aber auch seine wertvollen undialektischen Einsichten stammen von so gegensätzlichen antiken Philosophen wie vom schwärme-rischen Parmenides, vom dunklen Heraklit und vom systematischen Aristoteles. Im Folgenden werde ich dafür plädieren, dass wir mit Hegel Heraklits realistischen Grundgedanken der Zeitlichkeit der physischen Welt ebenso bewahren sollten wie Aristoteles' ontologische Grundfrage, was es in der Welt gibt, das “an und für sich” existiert und nicht nur subjektiv “für mich” oder intersubjektiv für alle Subjekte mit menschlichem Bewußtsein und sprachlichem Verstand oder für den jeweiligen objektiven Geist der Epoche.

 

 

Hegel scheint manchmal seinen empirischen Verstand zu opfern, um zu einer höheren spekulativen Vernunft zu gelangen. Er ist manchmal ein Prometheus des spekulativen philosophischen Denkens wie in seiner Wissenschaft der Logik (1812-16) oder in seiner Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften (1817) und kein nachdenklicher Epime-theus wie Kant oder Brentano. Und doch identifiziert er in seinen Grundlinien der Philosophie des Rechts (1820/21) die Philosophie mit der “Eule der Minerva”, die erst in der Dämmerung des Abends ihren Flug beginnt.

 

 

Mit seinem dialektischen Denken wollte er anscheinend dem abendländisch-europäischen Denken der Philosophen seiner Zeit die letzten Reste einer eleatischen Bevorzugung des Statischen und einer platonischen Liebe zu zeitlosen Idealen, Prinzipien, Normen und Werten austreiben. Das Geschichtliche und Zeitliche dringt daher in seiner Denkweise in alle Bereiche des Subjektiven und Objektiven vor. Davon bleiben weder das lebensgeschichtliche empirische Selbst verschont noch der geschichtlich gewachsene objektive Geist von positivem Recht und nationalem Staat. Selbst der von ihm erdachte absolute Geist des menschlichen Selbstbewusstseins, in seinen drei Formen von sinnlicher Kunst, vorstellender Religion und reflektierender Philosophie ist nach Hegel nicht der Geschichtlichkeit und Zeitlichkeit enthoben. Davon sind höchstens seine eigene spekulativen Entwürfe zur Wissenschaft der Logik und Enzyklopädie ausgenommen, die wie die aristotelischen Schriften zur Metaphysik jedoch eher als philosophische Entwürfe für den heuristischen Gebrauch und nicht als dogmatische Lehren interpretiert werden sollten.

 

 

Aber was ist mit Kants transzendentalem "Ich denke" und mit Husserls "Transzendentalen Ich". Was ist mit den zeitlos gültigen Prinzipien der Logik und Mathematik, die wirklich entdeckt und nicht nur erfunden wurden? Der logische Satz vom Widerspruch des Aristoteles und der Satz des Pythagoras über die Größenverhältnisse der Seiten eines recht-winkeligen Dreiecks aus der euklidischen Geometrie sind doch unbestreitbare Beispiele für solche zeitlos gültigen universalen Prinzipien in der Logik und Mathematik. Daher können sie zu jeder Zeit von erwachsenen Menschen mit einem gesundem Menschenverstand reproduziert und eingesehen werden. Sogar außerirdische intelligente Wesen könnten sie prinzipiell verstehen, wenn sie über eine angemessene sprachliche Intelligenz verfügten. Was ist dann weiterhin mit Kants Urteilsformen und Kategorien des Verstandes? Selbst wenn Kants Urteilstafel nicht vollständig sein sollte, können doch nicht alle universalen Ideale und Prinzipien, Werte und Normen der Logik und Mathematik sowie von Moral und Recht durch den zeitlichen Strom der irdischen Geistesgeschichte als bloß geschichtlich gültig relativiert werden. Hier stößt Hegels titanischer Wille zur radikalen Historisierung der menschlichen Geistesgeschichte als Teilstrom der Weltgeschichte an unüberwindbare Grenzen.

 

 

Dass es zeitlos gültige rationale Ideale, Prinzipien, Normen und Werte gibt, kann man aber nicht leugnen, ohne die menschliche Fähigkeit zur kognitiven Teilhabe an einer potentiell universalen Vernunft zu leugnen. Damit würde man den rationalen Kern der theoretischen, praktischen und poietischen Wissenschaften zerstören und damit auch die zivilisatorische Errungenschaft des modernen säkularen Rechtsstaates. Die Folgen dieser “Zerstörung der Vernunft” (Georg Lukacz) durch den irrationalen Nationalismus, den rechtlichen Historismus, den biologistischen Naturalismus und den dialektischen Materialismus waren verheerend. Sie haben nicht nur in Europa zu ideologisch motivierten Massenbewegungen, Völkermorden und Weltkriegen geführt.

 

 

Wer das übersieht, wird durch die Hinwendung zum Empirismus, Naturalismus und Historismus nicht nur die potentiell universale Vernunft, sondern am Ende auch den gemeinsamen menschlichen Verstand zerstören. Dann gibt es aber auch keinen allgemeinen Begriff von einer gemeinsamen Natur des Menschen mehr, den die modernen Menschen-rechtskonventionen voraussetzen. Der zeitgenössische Postmodernismus mit seinen irrationalen, individualistischen und emotivistischen Tendenzen ist eine Konsequenz aus diesen drei Ideologien, obwohl er auch nur eine neue Spielart des seit der Antike bekannten Skeptizismus ist. Er veführt gegenwärtig Menschen verschiedener sozialer Gruppen dazu, ihr gemeinsames Gruppenmerkmal (ihre Hautfarbe oder Ethnie, ihr Geschlecht oder Gender, Ernährungsweise, etc.) als Ersatzreligion zu ihrer persönlichen Identität zu machen, einen angeblich besonderen Opferstatus zu reklamieren und ihre kontingente persönliche Identität zu einer politischen Ideologie zu erheben.

 

 

Der zeitgenössische Postmodernismus führt jedoch zu einem archaischen Tribalismus und zu fanatischen Kultur-kämpfen, spaltet vormals geeinte Nationen in unversöhnliche politische Lager und mehrere Ethnien, politisierte Religionen und neue Gendergemeinden. Was verloren geht, ist die Überzeugung, dass es eine gemeinsame menschliche Natur, einen gemeinsamen Verstand und eine potentiell universale Vernunft gibt. Was ebenfalls verloren geht, sind die langfristigen Ziele eines guten Lebens, einer anständigen Gesellschaft und eines legitimen Rechtsstaates. Statt dessen konkurrieren die meisten Menschen nur noch um kurzfristige Vorteile und Erfolge, Reichtum und Ruhm, streben nur noch nach Gesundheit, Fitness und einem langen Leben im sozialdarwinistischen Überlebenskampf des neoliberalen Spätkapitalismus.

 

 

Die weltanschaulichen Neigungen zum Empirismus, Naturalismus und Historismus konnten nach Kant erst wieder Gottlob Frege und Edmund Husserl mit ihrer rationalen Kritik des Psychologismus in der Logik und Mathematik argumentativ überwinden. Karl Poppers Konzeption dreier “Welten” als eigengesetzlicher, aber interagierender ontologischer Schichten der einen Welt geht auf diese erhellende Psychologismuskritik zurück und hat ihm das logische Rüstzeug für seine grundsätzliche rationale Kritik am dialektischen und historistischen Denken von Hegel und Marx geliefert.

 

 

Manchmal scheint es, dass der ehrgeizige und überschwängliche Hegel seit seiner Jugend als schwärmerischer Tübinger Theologiestudent und aufmüpfiger Verehrer der Französischen Revolution geradezu Unvereinbares wie Glauben und Wissen, trinitarische Theologie und kritische Philosophie in einem einzigen philosophischen "System" vereinbaren will. Dabei läuft er immer wieder Gefahr, Kants beste Beiträge und erhellenden Unterscheidungen zum philosophischen Denken zu verschlimmbessern und die historischen Ursprünge und die biblischen Quellen der christlichen Theologie aus den Augen zu verlieren. Glaube (faith) ist jedoch nicht Wissen (knowledge) und der genuin und spezifisch christliche Glaube an einen trinitarischen Gott ist keine philosophische Spekulation des menschlichen Geistes und lässt sich nicht durch philosophische Spekulationen ausdrücken, verstehen oder vermitteln.

 

 

Das Opfer des Verstandes in Form seiner Vorliebe für dialektische Widersprüche ist weder für den Glauben (faith) nötig noch führt er zu einer erhellenden Philosophie, denn Verstand zu haben schulden wir nicht nur uns selbst, sondern auch unseren Mitmenschen, mit denen wir zusammen leben und arbeiten. Juden, Christen und Muslime glauben außerdem, dass die Menschen ihren Verstand von ihrem gemeinsamen Schöpfer bekommen haben.

 

Die sinnvolle Rede eines Menschen mit einem gesunden menschlichem Verstand ist kein paradoxes Oui-non, das mit achselzuckender und selbstgefälliger Gleichgültigkeit gesprochen wird, um die eigene Gelassenheit eitel zur Schau zu stellen. Vielmehr geht es um ein leidenschaftliches und verbindliches Ja, wenn jemand Ja meint und ein deutliches Nein, wenn jemand Nein meint. Und das nicht nur vor dem Altar bei der Trauung fürs ganze Leben, sondern auch in seinen alltäglichen Geschäften oder beim wissenschaftlichen Forschen, beim medizinischen Behandeln, beim rechtsstaatlichen Urteilen oder eben auch beim philosophischen Nachdenken. 

 



 

A. Hegels Dialektik

 

 

Die Neukantianer, logischen Positivisten und frühen Analytischen Philosophen konnten sich alle nicht mit Hegels dialektischem Denken von These, Antithese und Synthese anfreunden, weil es drei Verstöße gegen die vernünftige Logik des gesunden Menschenverstandes enthielt, die jedes Gespräch mit einem Ziel und einer Aufgabe sinnlos und jede sachliche Diskussion unmöglich machen, geschweige denn sich vor Gericht, in einer ärztlichen Praxis, in einem Unternehmen oder in einer Regierung bewähren könnten.

 

 

1. Eine Aufhebung des von Aristoteles entdeckten logischen Prinzips vom auszuschließenden Widerspruch.

 

 

Zwischen einer These (Aussage, Urteil oder Satz) mit einem propositionalen Gehalt, dass p und seiner kontradiktori-schen Anti-These (Aussage, Urteil oder Satz) mit dem propositionalen Gehalt, dass nicht p, kann es logischerweise keine Synthese geben, weil sich widersprüchliche Aussagen der Form, dass p und zugleich nicht p (p & ~ p) aufheben, sodass nur ein unhaltbarer Widerspruch bzw. gar nichts Sinnvolles bzw. bloßer Unsinn behauptet wurde.

 

 

2. Eine Verwechslung des logischen Widerspruches mit realen Interessekonflikten in der lebendigen Natur sowie in der menschlichen Gesellschaft.

 

 

Logische Widersprüche gibt es nur zwischen Thesen (Aussagen, Urteilen oder Sätzen) mit einem propositionalen Gehalt, aber nicht zwischen realen und nicht-propositionalen Interessekonflikten in der lebendigen Natur sowie in der mensch-lichen Gesellschaft. Die stummen und sprachlosen Tiere und Pflanzen tragen ihre vitalen Interessekonflikte meistens im instinktiven Kampf ums Dasein aus. Menschen leider manchmal auch, können jedoch Interessekonflikte mit Hilfe von gemeinsamer Sprache und vernünftigem Denken durch Kompromisse oder Verträge oder Institutionen schlichten.

 

 

3. Eine unzulässige Identifikation des Denkens mit dem Sein bzw. des Gedachten oder Gesagten mit dem Seienden bzw. dem Wirklichen.

 

 

Wenn jemand etwas behauptet, kann das entweder wahr sein, weil es den wirklichen Sachverhalten entspricht oder aber falsch sein, weil es den wirklichen Sachverhalten nicht entspricht. Ein Zusammenfallen bzw. eine Identität zwischen Denken und Sein bzw. zwischen etwas Gedachtem bzw. Gesagtem mit etwas Seienden bzw. dem Wirklichen gibt es jedoch nicht. Das ist nur eine phantastische Illusion enthusiasmierter Philosophen, wie Parmenides. Daher ist sein berühmtes Lehrgedicht auch eine enthusiastisch gesungene Hymne und kein nüchterner philosophischer Traktat (Georg Picht), für den er von vielen Zeitgenossen immer noch fälschlich gehalten wird.

 

 

 

B. Hegels undialektische Einsichten

 

 

Existenzialisten im Anschluss an Sören Kierkegaard (Heidegger, Camus, Sartre u.a.), Phänomeno-logen im Anschluss an Franz Brentano (Stumpf, Husserl, Scheler u.a.), Lebensphilosophen im Anschluss an Friedrich Nietzsche (Simmel, Bergson, Dilthey u.a.) konnten sich jedoch alle nicht mit Hegels Berücksichtigung und Wertschätzung von sozialen und kulturellen Konventionen, Institutionen und Traditionen anfreunden. Aber genau hier liegt Hegels größtes Verdienst der nach-kantischen Wiederbelebung bewahrenswerter aristotelischer Einsichten.

 

 

Hier hat er tatsächlich einen blinden Fleck in Kants Denken ausgeglichen, wenn auch mit ambi-valenten Folgen sowohl bei den naturalistischen Linkshegelianern und Marxisten als auch bei den platonisierenden Rechtshegelianern und Nationalisten. Einen ganz unschuldigen Hegel gibt es daher so wenig wie einen ganz unschuldigen Marx. Insofern war die Totalitarismuskritik von Karl Popper an Platon, Hegel und Marx (trotz aller Verkennungen in den Details) grundsätzlich berechtigt. Das Gleiche gilt für die Kritik von Hannah Arendt am Nationalsozialismus und Stalinismus als zwei in gleicher Weise gefährlichen Formen des Totalitarismus.

 

 

Die meisten Phänomenologen haben jedoch aufgrund ihres egozentrischen Rückzuges auf bloße Phänomene entweder ontologisch die bewußtseinsunabhängige Wirklichkeit von sozialen und kulturellen Konventionen, Institutionen und Traditionen geleugnet und konnten sie weder erkenntnistheoretisch erfassen noch hermeneutisch verstehen. Die Existenzialisten hielten sie für schädlich für ihr egozentrisches Ideal der Individuation und Selbstverwirklichung und die trotzigen Lebensphilosophen hielten sie für eine schädliche und unzulässige Behinderung ihres romantischen Ideals der ungehemmten Entfaltung des eigenen unmittelbaren Lebensdranges und der eigenen persönlichen Willkür.

 

 

Alle drei pauschalen Einwände gegen Hegels aristotelische Berücksichtigung und Wertschätzung von sozialen und kulturellen Konventionen, Institutionen und Traditionen waren jedoch keineswegs berechtigt. Insbesondere die neuen Sozial- und Kulturwissenschaften, wie z.B. die Anthropologie und Ethnologie, mussten Hegel seit dem 20. Jahrhundert beipflichten.

 

 

1. Es gibt soziale und kulturelle Konventionen, Institutionen und Traditionen und alle Menschen mit einem gesundem Menschenverstand und gesundem Gemüt können sie erkennen und verstehen. Selbst so unmittelbare und intime Verhaltensweisen wie Essen und Küssen, Lachen und Weinen, Dichten und Denken folgen unbewusst sozialen Codierungen und kulturellen Konventionen. Auch Freundschaft, Ehe und Familie basieren auf sozialen und kulturellen Konventionen und Institutionen. Auch die Existenzialisten und die Lebensphilosophen knüpften mit ihrem Denken, Fühlen und Handeln und mit ihren trotzigen und eigensinnigen Lebensweisen immer an bestimmte Konventionen, Institutionen und Traditionen an. Aber sie sind gewissermaßen nur egoistische Nutznießer und bequeme Trittbrett-fahrer, die sie nach Gebrauch wie eine benutzte Leiter wegwerfen und sie nicht selbst an die nächste Generation weitergeben wollen. Sie wollen die Leiter der Kultur und Tradition zwar zu ihrer eigenen Selbstverwirklichung nutzen, aber nicht mehr für die Gemeinschaft und kommende Generationen hegen und pflegen. Das ist eine immer noch zu wenig kritisierte Konsequenz ihres egozentrischen Ethos.

 

 

2. Soziale und kulturelle Konventionen, Institutionen und Traditionen sind für die Individuation und Selbstverwirklichung aller Menschen mit einem gesundem Menschenverstand und Gemüt weder willkürlich abweisbar noch schädlich, sondern vielmehr notwendig und nützlich. Denn schon jeder Spracherwerb, das frühe Lernen des aufrechten Ganges und das gesunde Aufwachsen eines Kindes in einer Familie basiert auf gesellschaftlichen Konventionen, Institutionen und Traditionen, die sogar epigenetische Spuren in der DNA hinterlassen.

 

 

Eine von kulturellen Einflüssen unberührte Natur des Menschen ist eine Illusion. Der geschichtliche Mensch ist seit einigen Millionen Jahren immer schon ein Kulturwesen. Denn es gibt nicht nur ein spezifisch menschliches Sprachgen und einen einzigartigen menschlichen Sprachinstinkt (Steven Pinker), sondern auch eine spezifisch auf Spracherwerb und elementare Versorgung angelegte Instinktschwäche der Kleinkinder (Arnold Gehlen). Beim Menschen sind Natur und Kultur miteinander verwoben und nur künstlich im abstrakten Denken zu trennen.

 

 

Kein Mensch kann seiner kulturellen Wiege entkommen und regressiv in den Schoß von "Mutter Natur" zurückkehren, ohne sich selbst zu verleugnen, denn er müsste seine Muttersprache ablegen und verstummen oder gleich Selbstmord begehen. Der von Romantikern idealisierten "Mutter Natur" (die indische Göttin Kali trägt nicht nur zufälligerweise eine Halskette aus Totenköpfen) bzw. das lebensfeindliche Universum ist keine göttliche Person und deswegen sozusagen grausam gleichgültig, ob die Menschheit ihre derzeitigen Krisen (Bevölkerungswachstum, Erderwärmung, Corona-epidemie, Wassermangel, etc.) überleben wird oder nicht. Naturromantiker beschwören jedoch allzu häufig eine zynische und darwinistische Ideologie der “natürlichen Auslese” und Dezimierung der Bevölkerung auf der Erde durch ihre verehrte “Mutter Natur”.

 

 

3. Soziale und kulturelle Konventionen, Institutionen und Traditionen sind keine Behinderung des romantischen Ideals der Entfaltung des eigenen unmittelbaren Lebensdranges und der eigenen persönlichen Willkür, sondern vielmehr eine notwendige Bedingung des Erhaltes des eigenen unmittelbaren Lebensdranges und der eigenen persönlichen Willkür von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Denn die jeweilige Entfaltung des eigenen unmittelbaren Lebensdranges und der eigenen persönlichen Willkür können, dürfen und müssen an der ähnlichen und gleichberechtigten Entfaltung des unmittelbaren Lebensdranges und der persönlichen Willkür anderer Kinder, Jugendlicher und Erwachsener ihre zwar nicht natürlichen, wohl aber sozialen und kulturellen Grenzen finden. Diese Grenzen können, dürfen und müssen ihnen bei Nichtbeachtung von außen durch elterliche oder rechtstaatliche Autorität auferlegt werden. Dies geschieht nicht nur durch andere Personen, sondern gerade auch durch soziale und kulturelle Konventionen, Institutionen und Traditionen.

 

C. Hegels Wiederentdeckung von Aristoteles

 

 

Sowohl die Neukantianer, die logischen Positivisten und die frühen Analytischen Philosophen, aber auch die Existenzialisten und einige Phänomenologen und Lebensphilosophen haben anders als der Neo-Aristoteliker Franz Brentano drei frühere philosophische Einsichten der Aristoteliker vernach-lässigt. Obwohl Hegel in seiner Vorlesung über die Geschichte der Philosophie den dualistischen Anti-Aristoteliker Rene Descartes als "Vater der Neuzeit" feierte, versuchte er auch das aristotelische Verständnis der organischen Natur (physis) als einen natürlichen Zusammenhang des Lebendigen deutlicher als der newtonianische Kant der Teleologiekritik wiederzuentdecken. Aber Franz Brentano hat diese aristotelischen Einsichten besser aufgenommen und bewahrt als Hegel – und vor allem ohne den irrationalen Ballast der Hegelschen oder Marx'schen Dialektik: 

 

 

1. Alle psychischen Pänomene und Fähigkeiten sind intentional, d.h. psychologisch oder mental auf interne oder externe Objekte gerichtet.

 

 

Physische Pänomene (physikalische Prozesse, chemische Reaktionen und biologische Funktionen) und Fähigkeiten sind hingegen nicht intentional. Ein physikalischer Thermostat empfindet keine Wärme und er bezieht sich nicht intentional oder gar bewusst oder gar absichtlich auf die Raumtemperatur, die er nur mechanisch kontrolliert. Ein chemischer Lackmusteststreifen reagiert auf den PH-Wert der Flüssigkeit, aber er schmeckt sie nicht wie ein gesunder Mensch und weiß nichts von ihr. Mein Blutkreislauf reagiert nicht nur auf einen physischen Aderlass bei der Blutspende, sondern auch auf psychosomatischen Dauerstress, aber er empfindet diesen Sress nicht so wie ich ihn als ein lebendiger Mensch mit meiner leiblichen Selbstwahrnehmung empfinden kann.

 

 

2. Lebendige Organismen, wie Pflanzen und Tiere sind teleonom, d.h. sie enthalten interne Kausal-strukturen und vitale Mechanismen, die sie natürliche Ziele der Selbsterhaltung, des Wachstums und der Entfaltung verfolgen lassen.

 

 

So streben alle Pflanzen über ihre Wurzeln nach Wasser und Mineralien im Boden, um sich zu ernähren, und über ihre Blätter nach Sauerstoff und Stickstoff, um diese Stoffe aufzunehmen und nach Licht, um es in der Photosynthese zu verarbeiten. So streben alle Tiere über ihr jeweiliges Such-, Jagd- und Fressverhalten nach Trinkwasser und pflanzlicher oder tierischer Nahrung, um sich zu ernähren, sich selbst zu erhalten und fortpflanzen zu können. Nicht die mikro-biologischen Gene streben nach Selbsterhaltung und Fortpflanzung, wie der darwinistische Biologe Richard Dawkins irrtümlich meinte, sondern die meso-biologischen Organismen selbst. Diese Teleonomie wird ihnen von der Mehrheit der zeitgenössischen Naturwissenschaftler immer noch abgesprochen, weil sie in Nachahmung der kausal-analytischen und reduktionistischen Methoden der Physiker vorwiegend nach genetischen und mikro-biologischen Ursachen des Verhaltens forschen. Aber die eigentlich dem Menschen nahe liegende, aus dem Verhalten der Tiere mimetisch erschließbaren psychologischen Zuschreibungen von Affekten (Schmerzen und Todesfurcht), von Bedürfnissen, (nach artgerechter Tierhaltung mit hinreichend Bewegungs- und Lebensraum), und von instinktiven Absichten (im Geselligkeits-, Nahrungs- oder Spieltrieb) vernachlässigen sie.

 

 

3. Menschen haben von Natur aus eine vitale und psychologische Anlage zur Selbsterhaltung und Selbstverwirklichung, d.h. sie sind biophil und nicht nekrophil veranlagt, sie begehren instinktiv das Leben und nicht den Tod.

 

 

Den Tod begehren nur schwer Depressive, Selbstmörder, Selbstmordattentäter oder Soldaten, die es für “süß und ehrenwert" halten, "für das Vaterland zu sterben”. Die platonische "Flucht in die Ideen" und die neuplatonische und heideggerische Sehnsucht nach dem reinen Sein jenseits des konkreten Seienden, das nach Hegel mit dem Nichts zusammenfällt, sind auch weltflüchtige Idolatrien, die Juden und Christen fremd sein sollten.

 

 

Aber es gibt nicht nur bestimmte Ideologien und Mentalitäten, problematische Weltanschauungen und Religionen, sondern auch soziale und kulturelle sowie moralische und rechtliche Konventionen, Institutionen und Traditionen, die nicht dem Schutz und der Entfaltung des menschlichen Lebens und der nützlichen Ausbildung, der humanen Bildung und der freien Entwicklung menschlicher Persönlichkeiten dienen, sondern der inhumanen und sinnlosen Einengung und der schädlichen Unterdrückung des menschlichen Lebens.

 

 

Aber gerade an der Biophilie (Albert Schweitzer und Erich Fromm) und Humanität (Kant, Goethe, Herder, Lessing und Schiller) entscheidet sich, ob und welche sozialen und kulturellen sowie moralischen und rechtlichen Konventionen, Institutionen und Traditionen für Mensch und Natur gut sind und welche nicht. Der gesunde Menschenverstand mit seiner Liebe zur Sachlichkeit und allgemeinen menschlichen Vernunft gehört dazu. Die Vorliebe für Widersprüche und Pathologien und andere seltsame Verstiegenheiten des menschlichen Geistes ist weder biophil noch produktiv. Goethe hatte daher in Bezug auf den morbiden Charakter der Deutschen Romatik weitgehend recht. Dazu gehörte für den reifen Goethe auch sein eigenes, zum "Sturm und Drang" gehörendes Jugendwerk "Werthers Leiden". 

 

 

Daher sind “die herrlichen Ideen” von Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit noch lange nicht an sich und bloß für sich genommen gut. Sie können nur allzu leicht zu verbalen Idolatrien mutieren und den gesunden Menschenverstand benebeln. Das politische Schlagwort der Freiheit triggert bei manchen liberal gesinnten Menschen einen Verlust des gesunden Menschenverstandes. Das politische Schlagwort der sozialen Gerechtigkeit lässt zwar das Herz von Sozial-demokraten höher schlagen, aber schwächt dafür die intellektuelle Fähigkeit zur begrifflichen Unterscheidung der verschiedenen Facetten ihres politischen Leitgedankens der Gerechtigkeit. Ähnlich ist es mit dem politischen Schlagwort der Gleichheit bei vielen Sozialisten. Dabei haben alle diese politischen Schlagwörter ihre relative Berechtigung, wenn sie nur ausgewogen zusammen gedacht und begrifflich verarbeitet werden: Das aber bedarf einer anstrengenden Denkarbeit. Für diese Arbeit an den Begriffen sind immer noch Philosophen zuständig und selten Journalisten im Feuilleton oder die Bestseller produzierenden Lieferanten des Zeitgeistes (Precht, Sloterdijk, Zizek und Konsorten).

 

 

Die zurecht geliebte Freiheit der Bürger und Menschen muss jedoch leider immer auch in gewissen Grenzen mit rechtsstaatlichen Mitteln vernünftig gesteuert werden und begrenzt sein, weil sie sonst zu Anarchie und Gewalt, zu Bürgerkrieg und Lynchjustiz, zu Mord und Totschlag führen kann. Freiheit braucht Grenzen, da meine Freiheit mit der Freiheit der Anderen kollidieren kann. Die politische Ideologie der unbegrenzten Freiheit erzeugt einen manischen Rausch und vernebelt den gesunden Menschenverstand. Die Gleichheit der Bürger und Menschen (vor dem Gesetz) im Sinne von rechtsstaatlicher und politischer Gleichbehandlung muss ebenso wie die Ungleichheit im Sinne von sachlich begründeter rechtsstaatlicher und politischer Ungleichbehandlung angemessen sein, weil sie sonst ungerechte Einschränkungen der Freiheit anderer Menschen hervorrufen kann. Es gibt nämlich auch eine gerechte Ungleich-behandlung, denn sonst dürften Unschuldige ins Gefängnis geworfen und Schuldige verschont werden, wie in Autokratien und Diktaturen ohne einen funktionierenden Rechtsstaat. Die Gerechtigkeit der Aktionen, Beziehungen und Verhältnisse muss daher immer differenziert werden, um zumindest zwischen einer ökonomischen Tausch- und Preisgerechtigkeit, einer rechtsstaatlichen Leistungs-, Verteilungs- und Steuergerechtigkeit und einer rechtsstaatlichen Strafgerechtigkeit der Bußgelder, des Freiheitsentzuges und der Verhaltens-korrektur zu unterscheiden.

 

 

Eine meistens nur gedankenlose, unreflektierte und undifferenzierte emotionale Begeisterung für jeweils nur eines dieser politischen Schlagworte von Freiheit, Gleichheit oder Gerechtigkeit, wie man sie bei vielen Liberalen, Sozialisten und Sozialdemokraten oder den Anhängern ihrer politischen Gesinnung findet, ist nur allzu oft emotional aufgeladen und ideologisch verblendet, aber noch lange nicht klug und vernünftig.

 

D. Hegel als "Philosoph der Freiheit"?

 

 

Klaus Viewegs Buchtitel: Hegel. Der Philosoph der Freiheit klingt nach cleverem Marketing, da solche Buchtitel seit den neoliberalen 90er Jahren en vogue sind. Zu viele Bürger und Menschen im sog. Westen stimmen ohne Nachzudenken in den Chor der Freiheit ein: der ADAC, wenn es um ein Tempolimit auf Autobahnen geht, ein Alt-Bundespräsident, der durch die schlimmen Erfahrungen der Freiheitsberaubung in der DDR geprägt wurde, und natürlich auch die EKD im Lutherjahr, als ob Luther schon ein freiheitlich gesinnter Aufklärer gewesen wäre. Zu Hegels Zeiten konnte man dafür mit seinem Leben bezahlen oder musste wie Heine oder Hecker sein Land verlassen. Aber heute kosten solche Frei-heitsschwüre zum Glück ziemlich wenig oder gar nichts mehr. Im Gegenteil erntet man dafür sogar meistens viel Applaus und kann damit sogar gutes Geld verdienen. Denn das Wörtchen 'Freiheit' ohne jegliche Differenzierungen triggert nur ein manisches Freiheitsgefühl und spricht nicht nur Liberale an, sondern sehr viele Bürger und Menschen. Aber leider geht das allzuoft auf Kosten ökologischer und solidarischer Rücksichten und Maßnahmen. Daher müssen kritisch denkende Philosophen zurückfragen: Welche Freiheit?

 

 

Der unreflektierte Liberalismus ist oft nur noch die bequeme politische Ideologie derer, die nicht gründlicher und differenzierter nachdenken. Meistens entstammt er einem amerikanisch geprägten Lebensgefühl, das sich in Europa erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert ausgebreitet hat. Dieses Lebensgefühl passt jedoch schon seit ca. drei Jahrzehnten nicht mehr zu den sachlichen Notwendigkeiten ökologischer und solidarischer Einschränkungen. Die politische Ideologie einer von moralischen und rechtlichen Hinsichten unbegrenzten Freiheit gefällt zwar spontan sehr vielen Bürgern und Menschen, weil sie die Sehnsucht nach Entlastung von persönlicher Verantwortung der Gewissen und nach Befreiung von moralischen und rechtlichen Einschränkungen weckt. Aber diese moderne Sehnsucht nach einer unbegrenzten Freiheit ist weder moralisch zu rechtfertigen noch rechtlich zu realisieren noch fördert sie das Gemeinwohl. Sie schadet sogar nicht selten dem kommunitären Schutz der Daseinsvorsorge, der Gesundheit und des Lebens, wenn einige wenige Bürger und Menschen sich bestimmte Freiheiten auf Kosten Anderer oder der des Gemeinwesens nehmen. Die Freiheit, sich der notwendigen Bedingungen seiner eigenen Gesundheit und seines eigenen Lebens zu berauben, ist zwar spezifisch menschlich, weil Pflanzen und Tiere so etwas nicht tun können. Aber von dieser spezifisch menschlichen Freiheit auf Kosten der Gesundheit und des Lebens Gebrauch zu machen, ist sicher nicht klug, wenn nicht gar pathologisch.

 

 

Hegel war sicher kein Liberaler im Sinne von Wilhelm von Humboldt oder John Stuart Mill oder auch John Rawls. Zwar war er auch nicht bloß der autoritäre preußische Staatsphilosoph, der von Sir Karl Popper allzu einseitig als ein zwie-lichtiger Vorläufer des nationalen Totalitarismus und damit der Nationalsozialisten interpretiert und kritisiert wurde. Aber der historische und wirkliche Hegel (den einzigen Hegel, der nicht nur die Ausgeburt unserer eigenen Fantasie ist), war in unserem heutigen Sinne weder ein Liberaler noch ein Sozialist noch ein Sozialdemokrat. Zwar war er schon ein überzeugter Republikaner und kein Monarchist mehr, aber das sind heute auch die meisten rechtspopulistischen Nationalisten in ganz Europa. In Wahrheit ist der historische Hegel den meisten Zeitgenossen mindestens ebenso fremd und unbekannt geworden wie der historische Kant.

 

 

Hegels Werke sind komplizierte Ruinen seines philosophischen Denkens, in denen scheinbar Unvereinbares zusammen gehalten werden soll – mit seiner seltsamen Vorliebe für dialektische Widersprüche. Aber wie Kant glaubte Hegel jedenfalls nicht, dass die von unbewußten Emotionen und Intuitionen gesteuerte spontane Willkürfreiheit schon die höchste Stufe der Freiheit erwachsener Menschen ist, sondern nur eine jugendliche Vorstufe der vernünftigen Freiheit als einem selbstbewussten Vollzug von rationalem Denken, Fühlen und Handeln. Das ist eher ein neo-stoisches als ein christliches Freiheitsverständnis, da die authentische christliche Freiheit von einer übernatürlichen Gnade herrührt, die "höher ist als alle Vernunft". Aber es handelt sich auch um ein anderes Freiheitsverständnis als es Heinrich von Kleist in seinem Marionettentheater oder als es Friedrich Schiller in Anmut und Würde oder in seinen Briefen Über die ästhetische Erziehung des Menschen vertreten haben.

 

 

Ein Weltanschauungliberalismus, der das jeweils eigene Freiheitsverständnis (sein christliches, romantisches, neoklassisches, naturalistisches oder emanzipatorisches Freiheitsverständnis, etc.) zum absoluten Maßstab für alle Bürger und Menschen machen will, kann umkippen in einen totalitären Tugendterror der Political Correctness ohne Toleranz für andere Weltanschauungen, Lebensentwürfe und Freiheitsverständnisse. Dieser allzu gut gemeinte links-liberale Tugendterror provoziert dann wiederum im Namen der Freiheit den politischen Widerstand der Rechts-populisten. Beide politische Lager reklamieren für sich, “die Freiheit” zu verteidigen, aber sie reflektieren und differenzieren nicht hinreichend, welche verschiedenen Bedeutungen das politische Schlagwort der Freiheit hat. Jeder hält sich heute selbst für einen Freiheitskämpfer und glaubt im Namen der Freiheit Andersdenkende und Anders-gläubige als Feinde der Freiheit schickanieren und bekämpfen zu dürfen. Das führt zu einer pharisäischen Selbst-gerechtigkeit bis hin zu einem gewaltbereiten Jakobinertum der Lynchjustiz gegen politische Gegner (RAF, NSU). Aber dieser unreflektierte und unkritische Weltanschauungsliberalismus des berauschenden Schlagwortes der Freiheit bleibt meistens in der Verabsolutierung der eigenen Position stecken und denkt damit weder hinreichend differenziert noch wirklich politisch. Denn genuin politisches Denken beginnt erst mit dem öffentlichen Diskurs über das mutmaßliche Gemeinwohl in den institutionalisierten Grenzen der Kommune, des Landes, der Nation, der internationalen Föde-rationen.

 

 

Darüber haben Kant und Hegel im Anschluß an die politischen Denker der Frühen Neuzeit und Aufklärung, wie Spinoza, Hobbes, Locke, Montesquieu, Rousseau, u.a. immer noch am gründlichsten nachgedacht. Ihr philososophischer Diskurs über Freiheit in den verschiedenen begrifflichen Facetten dieses politischen Schlagwortes führte dann auch erst zu einer modernen, rechsstaatlichen Demokratie auf einer höheren Ebene. Erst auf dieser höheren Ebene geht es dann auch um die sozialen, kulturellen und politischen Konventionen, Institutionen und Traditionen, die als historisch gewachsene und demokratisch legitimierte rechtsstaatliche Schutzstrukturen das Leben, die Freiheit und die Würde der meisten Bürger und Menschen mit ihren verschiedenen Weltanschauungen, Lebensentwürfen und Freiheitsverständnissen vergleichs-weise am besten schützen und damit eine möglicht friedliche, gerechte und nachhaltige Koexistenz einer Vielfalt von Bürgern und Menschen in einer gemeinsamen Nation und Föderation gewähren. 

 

 

Wie kann es jedoch vernünftig sein, Widersprüche zu akzeptieren? In konkreten Situationen des sozialen und politischen Alltagslebens, z.B. um einen unnötigen Streit zu vermeiden oder um einen Anderen mit seiner gegenläufigen Über-zeugung anzuerkennen und zu respektieren. In konkreten Situationen einer seriösen wissenschaftlichen Diskussion, z.B. weil es momentan noch keine vielversprechende Art und Weise zu geben scheint, einen an sich nicht akzeptablen Widerspruch methodisch und rational aufzulösen. In konkreten Situationen einer seriösen philosophischen Diskussion, weil man es anscheinend mit einer echten Aporie, einer echten Antinomie oder einer echten Paradoxie zu tun hat, die sich anscheinend (noch) nicht logisch, methodisch und rational aufheben, auflösen oder überwinden lässt.

 

 

So gibt es in der formalen Logik und in der Mathematik seit dem 20. Jahrhundert nach Frege und Gödel, Russell und Smullyan .u.a. seriöse Diskussionen über echte und nicht nur scheinbare Aporien, Paradoxien und Antinomien. Aber diese Diskussionen sind nur möglich, weil man dabei schon die Geltung der formalen, zweiwertigen und wahrheits-funktionalen Logik voraussetzt. Anders wäre es nämlich gar nicht möglich, eventuelle Kandidaten für Aporien, Paradoxien und Antinomien zu identifizieren.

 

 

Aber auch in der philosophischen Kosmologie führte die leibnizianische Frage, warum es überhaupt etwas gibt und nicht vielmehr gar nichts, die aristotelische Frage, wie das Universum ursprünglich entstanden ist, und die kantische Frage nach der Möglichkeit für endliche Menschen, zu erkennen und zu wissen, ob es einen echten Anfang in der kosmischen Zeit und Grenzen des kosmischen Raumes geben kann, zunächst in echte und nicht nur scheinbare philosophische Aporien.

 

 

So führt in der philosophischen Psychologie die kantische Fragen nach der Möglichkeit für endliche Menschen zu erkennen und zu wissen, ob es eine unsterbliche Seele geben kann, zunächst in eine echte und nicht nur scheinbare philosophische Aporie. Daher führt in der philosophischen Psychologie die kantische Fragen nach der Möglichkeit für endliche Menschen zu erkennen und zu wissen, ob es auch eine nicht durch irgendwelche psychologische Bedingungen bestimmten freien Willen geben kann, zunächst in eine echte und nicht nur scheinbare philosophische Antinomie. Immer erst, wenn solche Kandidaten für echte Aporien, Paradoxien und Antinomien identifiziert werden konnten, kann die weitere Denkarbeit an einer eventuell doch möglichen rationalen Auflösung beginnen.

 

 

Insofern könnte uns Hegel gerade mit seinen kühnen Versuchen von komplexen Synthesen zwischen aristotelischen, leibnizianischen und kantischen Lehrstücken immer noch mehr zu sagen haben, als sich Brentano, Moore, Russell und Popper zu ihrer Zeit vorstellen konnten. Sie reagierten allesamt mehr auf die englischen Neuhegelianer ihrer Zeit, wie Bradley und Green, oder wie Popper auf die posthum publizierten Mitschriften von Hegels Schülern, und studierten Hegel noch nicht mit einer offenen und lernbereiten hermeneutischen Einstellung.

 

 

Die Identifikation von echten und nicht nur scheinbaren Aporien, Paradoxien und Antinomien setzt jedoch gerade die Geltung der formalen, zweiwertigen und wahrheitsfunktionalen Logik voraus. Die Hegelsche Dialektik der angeblich möglichen Synthetisierung von logischen Widersprüchen darf und kann also nicht generalisiert werden, indem die Geltung der formalen Logik grundsätzlich in Frage gestellt oder durch eine willkürliche Dezision aufgehoben wird. Ein solcher Sprung in die bewusst gewollte Irrationalität wäre der Ausstieg aus jedem rationalen philosophischen Diskurs und auch aus jeder wissenschaftlichen, rechtlichen oder politischen Diskussion.

 

 

Dialektik kann und darf daher immer nur differenziert, dosiert und zielgenau eingesetzt werden. Aber dazu braucht es eben einer gut geschulten und gut informierten philosophischen Urteilskraft, um einen gangbaren, tragfähigen, nachhaltigen und in die Zukunft weisenden Weg zu finden. Wir müssen also schon genug von Kant und der nach-kantischen Philosophie bis heute verstanden haben, um von Hegel etwas lernen zu können, was uns in bestimmten Diskussionen weiterbringen kann.

 

Philosophieprofessor Klaus Vieweg über Hegel: "Keine Freiheit ohne Vernunft"

 

https://www.deutschlandfunkkultur.de/philosoph-klaus-vieweg-ueber-hegel-keine-freiheit-ohne.1322.de.html?dram:article_id=461358

 


Philosophieprofessor Klaus Vieweg über Hegel: „Bei Hegel sind Freiheit und Vernunft immer verknüpft“

 

https://www.deutschlandfunk.de/philosoph-vieweg-ueber-hegel-bei-hegel-sind-freiheit-und.694.de.html?dram:article_id=467170

 

 


 

Walter Kaufmann,  The Hegel Myth and Its Method (1959)

 

Walter Kaufmann, From Shakespeare to Existentialism: Studies in Poetry, Religion, and Philosophy,

Boston: Beacon Press 1959, page 88-119, Chapter 7: The Hegel Myth and Its Method

 

https://www.marxists.org/reference/subject/philosophy/works/us/kaufmann.htm

 


Download
Walter Kaufmann, Hegel: Legende und Wirklichkeit
The Philosophical Review, Volume LX, Nr. 4, Oktober 1951
Kaufmann, Hegel.pdf
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Statt der Hegelschen Dialektik von These, Antithese und Synthese eine

rationale Diskussion zwischen Proponent, Opponent und Moderator!