Immer noch: America first!

 

America first! Kolloteralschäden in Deutschland und Europa

 

Am Anfang stehen die Entscheidungen von deutschen und anderen europäischen Politikern, die Vernachlässi-gung der Interessen der eigenen Bevölkerung (Ansteigen der Preise für Benzin, Gas, Erdöl, Strom, Lebensmittel, Mieten, Kleidung, etc.), am Ende könnte der Niedergang Deutschlands, die Schwächung Europas, die neue Domi-nanz Chinas, Russlands und der USA und vielleicht sogar der ökologische Kollaps des Klimas und der Lebens-grundlagen auf der ganzen Erde stehen.

 

15 Thesen zur Lage der Nation und ihren Folgen:

 

1. Wer Deutschlands Mittelstand zerstört, der bricht das Rückgrat der deutschen Wirtschaft.

2. Wer das Rückgrat der deutschen Wirtschaft bricht, der beschädigt die Vitalität Deutschlands.

3. Wer die Vitalität Deutschlands beschädigt, der zerbricht die deutsch-französische Achse der EU.

4. Wer die deutsch-französische Achse der EU zerbricht, der verstärkt die nationalistische Spaltung Europas.

 

5. Wer die nationalistische Spaltung Europas verstärkt, der gefährdet das Friedens- und Wohlstandsprojekt der Europäische Union.

6. Wer das Friedens- und Wohlstandsprojekt der Europäischen Union gefährdet, der stärkt nicht nur die neuen Hegemonialmächte China und Russland, sondern auch die alte Hegemonialmacht USA.
 
7. Wer nicht nur die neuen Hegemonialmächte China und Russland stärkt, sondern auch die alte Hegemonialmacht USA, der schwächt die rechtstaatlich verfassten Demokratien in Ost und West, die Bürger- und Menschenrechte, die sozial und ökologisch regulierte Marktwirtschaft und gefährdet damit die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen auf der ganzen Erde.
 
8. Wer die rechtstaatlich verfassten Demokratien in Ost und West, die Bürger- und Menschenrechte, die sozial

und ökologisch regulierte Marktwirtschaft schwächt und damit die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen

auf der Erde gefährdet, der bahnt dem eventuellen Untergang der Menschheit und allen Lebens auf der Erde den Weg. Aber es ist zu befürchten, dass das den drei großen Hegemonialmächten ziemlich egal ist, solange sie miteinander um die Bodenschätze und Ressourcen rivalisieren.
 
9. Die internationalen Verflechtungen mit ihren komplizierten militärischen, politischen und wirtschaftlichen Kon-flikten und Kooperationen sind jedoch keine anonym und mechanisch ablaufenden Dominoeffekte, sondern es handelt sich vielmehr um komplizierte soziale Ereignisse und Prozesse, Entwicklungen und Tendenzen, die von menschlichen Akteuren und ihren jeweiligen intentionalen Aktionen und Interaktionen abhängen, und daher auch aufgehalten und gestaltet, geplant und gesteuert werden können.

 

10. Die Bürger Deutschlands sollten nur diejenigen politischen Akteure, Bewegungen und Parteien unterstützen, die umsichtig und weitsichtig genug den aufgeklärten Interessen Deutschlands und ganz Europas dienen und weder nur den Interessen der Hegemonialmächte China, Russland und USA, die primär ihre eigenen Interessen verfolgen..

 

11. Die derzeitige Rezession in Deutschland und Europa mit der Inflation und den Preiserhöhungen im Bereich aller Lebenshaltungskosten, mit der enormen Schwächung des Mittelstandes und der exportorientierten Autoindustrie mit ihren zahlreichen Zulieferern ist nicht nur eine Folge der seit Jahren verfehlten Energiepolitik und der Sanktionen des Westens gegen Russland, die zur Zeit Deutschland und Europa selbst härter treffen als Russland, sondern auch des kontinuierlichen Auseinanderdriftens US-amerikanischer und europäischer Interessen.

 

12. Von der derzeitigen Rezession in Deutschland und Europa profitiert momentan am meisten die Wirtschaft der USA, weil deren Energiekosten viel niedriger sind und weil sie viel stärker von der Digitalisierung fast aller Wirtschafts-zweige und von der Elektrisierung der Autoindustrie profitieren.

 

13. Die ständigen Provokationen Putins durch die anbedrohten NATO-Osterweiterungen in Georgien und in der Ukraine sowie der reaktive Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine in Europa ist zwar offiziell nur ein Kampf zwischen dem "freien Westen" und dem unfreien Russland, aber dass dadurch als Nebenwirkung nicht zuletzt auch Europa in eine Rezession rutscht, das kann den USA nur ganz recht sein, weil sie davon am Meisten profitieren.

 

14. Die USA versuchen mit diesem Stellvertreterkrieg und den Sanktionen gegen Russland zwar offiziell nur Russland

bis zum erwünschten Regimewechsel zu schwächen, aber das tun sie vor allem, weil sie langfristig durch ihren größeren Rivalen China herausgefordert werden und dazu alle ihre Kräfte bündeln müssen. Dabei nehmen sie jedoch in Kauf, dass ihre Verbündeten in Europa heftig in Mitleidenschaft gezogen werden, denn sie profitieren davon.

 

15. Die Ukraine, die diesen Stellvertreterkrieg gegen Russland gar nicht ohne massive finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung gewinnen können, müssen diesen Krieg letzten Endes nicht nur für sich, sondern auch für die USA und für den sog. Westen ausbaden. Statt diesen Krieg so schnell wie möglich zu beenden, werden die tapferen Ukrainer geopfert. Denn nicht nur für Donald Trump, sondern auch schon für Barrack Obama galt und auch für Joe Biden gilt immer noch: America first!
 


 

P.S. Die US-amerikanischen Präsidenten und Regierungen haben irgendwann in den 90er Jahren des letzten Jahrhun-derts, die Kissinger-Doktrin aufgegeben, dass die Ukraine um des Friedens willen zwischen Russland und der EU und der NATO neutral bleiben müssen und als eine bündnisfreie Pufferzone fungieren sollte.

 

Die sog. "orangene Revolution" auf dem Maidan wurde bereits von amerikanischen Geheimdiensten gesteuert und danach wurden die militärischen Führungskräfte der Ukraine von Amerikanern und Briten ausgebildet. Dank Angela Merkels diplomatischem Geschick kam es 2014 nach der Annexion der Krim durch das Putin-Regime nicht zu einem bewaffneten  Konflikt und zu einer kriegerischen Konfrontation zwischen Russland und der Ukraine.

 

Aber die amerikanischen Regierungen verfolgten trotz der deutlichen Verstimmung Putins und trotz der eindringlichen Warnungen Putins vor einer weiteren NATO-Osterweiterung auf der 43. Münchener Sicherheitskonferenz im Jahr 2007 weiterhin ihr langfristiges Ziel der Eingliederung der Ukraine in die NATO.*

 

"In seiner Rede unterstellte Putin den USA das Streben zu „monopolarer Weltherrschaft“, sie hätten „ihre Grenzen in fast allen Bereichen überschritten“. In den „militärischen Abenteuern“ kämen Tausende von friedlichen Menschen ums Leben. Anderen Staaten würden „Regeln aufgedrängt, die sie nicht wollen“. Wem könne das schon gefallen, fragte Putin.

 

Eine monopolare Welt, das heißt: ein Machtzentrum, ein Kraftzentrum, ein Entscheidungszentrum. Dieses Modell ist für die

Welt unannehmbar. Es ist vernichtend, am Ende auch für den Hegemon selbst.“

 

Das „monopolare Modell“ habe in dieser Welt keinen Bestand, weil es keinen moralischen und ethischen Bestand hat, argumentierte Putin. Putin warnt EU und Nato davor, allein als Konfliktlöser auftreten zu wollen. Es gebe eine fast un-gezügelte Anwendung von Gewalt, das Völkerrecht werde zunehmend missachtet. Niemand fühle sich sicher. Grund-lage für den Einsatz von Waffen könnten jedoch nur die Statuten der Vereinten Nationen sein. Man solle die Vereinten Nationen nicht durch EU oder Nato ersetzen." *

 

Offensichtlich interessierten sich die amerikanischen Regierungen auch ziemlich wenig für die Vorbehalte und Sicher-heitsinteressen ihrer verbündeten Regierungen in Berlin und Paris. Sie schenkten lieber der polnischen Regierung in Warschau und deren historisch bedingter Furcht vor Russland Gehör. Denn das passte viel besser zu ihrem gewohnten Feindbild Russland. Von daher ist anzunehmen, dass die amerikanische Administrationen vor und nach Donald Trump absichtlich Putin zu einer militärischen Intervention provozieren wollten, um ihn dann als Diktator und Kriegs-treiber hinstellen zu können, der das Völkerrecht gebrochen hat.

 

Ihr Ziel ist es, dass das Putin-Regime im Kreml geschwächt und vielleicht sogar gestürzt wird, damit dann Russland insgesamt geschwächt wird und damit sich die USA dann voll und ganz ihrem größeren und wirtschaftlich stärkeren Rivalen China zuwenden können. Dabei nehmen die Schwächung der vitalen Interessen Deutschlands, Frankreichs

und anderer Länder Europas bewusst in Kauf.

 

Amerikanische Präsidenten und ihre Regierungen hatten selbst selten ein Problem damit, irgendwelche Diktatoren (wie Pinochet in Chile) zu unterstützen oder das Völkerrecht (wie in Irak und in Libyen) zu brechen, wenn es für sie nütz-lich gewesen ist. Aber wenn es für sie nützlich ist, dann hissen sie die Flagge der Demokratie und trommeln kräftig für Freiheit und Menschenrechte. Und die deutschen Liberalen und Grünen verbreiten diese Ideologie der Freiheit für die Amerikaner in Deutschland, anstatt sich primär für die vitalen Interessen der Bevölkerung in Deutschland einzusetzen.

 

Amerikanische Präsidenten und ihre Regierungen sollten jedoch erst einmal vor ihrer eigenen Haustür kehren und erst einmal ihre eigene angeschlagene Demokratie reformieren (z.B. das Wahlrecht und das Waffenrecht) und auch die Bürger- und Menschenrechte in ihrem eigenen Land realisieren (Bildungs- und Gesundheitswesen, Todesstrafe, etc.).

Da hätten sie nun wirklich schon genug zu tun.

 

Die Europäer jedoch müssen sich gegen die Bevormundung durch die Amerikaner wehren sowie politisch selbststän-diger, wirtschaftlich unabhängiger und militärisch stärker werden. Das geht jedoch nur europäisch vereint und nicht nationalistisch gespalten. Daher ist und bleibt auch die weitgehend europakritische und prorussische Partei der AfD

auf dem Holzweg.

 

* Die 43. Münchner Sicherheitskonferenz fand vom 9. bis zum 11. Februar 2007 statt. Themen der Konferenz waren die NATO-Osterweiterung und das iranische Atomprogramm. Historische Bedeutung gewann die Konferenz durch die Brandrede des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/43._M%C3%BCnchner_Sicherheitskonferenz

 


 

America first

 

Vor dem Hintergrund des Ukrainekriegs zeigt sich, dass Wladimir Putin die Weltlage völlig falsch eingeschätzt hat. Weder haben die Vereinigten Staaten das Interesse an Europa verloren, noch hat sich China an der Seite Russlands auf einen Machtkampf gegen Amerika eingelassen. Im Gegenteil: Peking setzt auf Wiederannäherung mit Washington. Die Hegemonie der USA bleibt deshalb vorerst bestehen.

 

GEORGE FRIEDMAN am 20. Oktober 2022 in CICERO ONLINE

 

In den zurückliegenden Wochen hat der russische Präsident Wladimir Putin immer wieder behauptet, die Vereinigten Staaten würden versuchen, eine neue Weltordnung durchzusetzen. Eine Weltordnung, bei der Russland, China und Europa sowie die kleineren Mächte von Amerika kontrolliert werden sollen. Es ist verlockend, dies als die Tiraden eines Führers im Krieg abzutun, aber es steckt mehr dahinter. Sollte Washington tatsächlich eine unipolare Welt anstreben, würde dies allerdings eine Planung voraussetzen, die der amerikanischen Realität zuwiderläuft. Vielmehr versucht Putin ganz offenbar, sich damit abzufinden, dass Moskau bei der Planung des Krieges in der Ukraine die Verfasstheit der Welt völlig missverstanden hat.

 

Insbesondere hat Russland die amerikanische Raffinesse missverstanden. Die Vereinigten Staaten setzten weder größere eigene militärische Kräfte ein, um Russlands Vormarsch zu blockieren, noch leisteten sie der Preisgabe eines Teils der Ukraine Vorschub. Die Vereinigten Staaten realisierten die Bedrohung, die von Russland an der Grenze zur

Nato ausging – das heißt, einen neuen Kalten Krieg –, und sie verstanden die Ukraine besser als Russland. Also

schickten sie große Mengen an Waffen ins Kriegsgebiet, die in ihrer Wucht und Ausgeklügeltheit nicht zu übertreffen sind. Amerika führte einen indirekten Schlag nach dem anderen aus.

 

Moskaus fatale Fehleinschätzung

 

Moskau verstand auch nicht die Beziehungen der USA zu Europa. Immer wieder beklagten die Europäer, Washington habe seine europäischen Verpflichtungen aufgegeben. Dass dies nie der Fall war, hielt weder amerikanische Thinktanks davon ab, diese Legende zu bestätigen. Noch brachte es Russland davon ab, an sie zu glauben. In Friedenszeiten konnten die USA auf die Bindekraft der früheren Beziehungen zu Europa verzichten, sie konnten das Gezänk um Handelsregeln und um die russische Energieabhängigkeit weitgehend ignorieren. Doch als der Krieg ausbrach, wandelte sich das Verhältnis schnell. Deutschland zum Beispiel wusste den russischen Treibstoff offenbar doch nicht

so sehr zu schätzen wie die amerikanischen Sicherheitsgarantien. 

 

Den Europäern war klar, dass Russland ihnen schaden könnte, und sie vertrauten den Russen nicht wirklich. Aber wenn es hart auf hart kam, wussten sie, dass die amerikanischen Interessen in Europa liegen. Putin war, glaube ich, fassungs-los, als er erfuhr, dass die Deutschen auf der Seite der Amerikaner standen. Ihm fehlte ein differenziertes Verständnis dafür, dass es verschiedene Arten von Macht gibt – und dass die von Russland projizierte Macht zu stumpf war, um zu funktionieren. Putin verstand nicht, wie wichtig es ist, unsicher zu erscheinen.

 

Der größte Fehler Putins betrifft jedoch die Beziehungen der USA zu China, einem Land in einer tiefen Wirtschaftskrise. Moskau konnte China weder schaden noch helfen. Die Vereinigten Staaten können beides tun: helfen, indem sie die Investitionen erhöhen und mehr Waren kaufen. Und schaden, indem sie beispielsweise den Verkauf bestimmter Mikrochips blockieren. Peking glaubte, dass es die Amerikaner nicht brauchte, um sich zu erholen, und es war davon überzeugt, dass Washington durch die chinesische Seemacht und die damit verbundene Stärke eingeschüchtert werden könnte. Stattdessen musste Peking zur Kenntnis nehmen, dass seine Drohungen rund um Taiwan und in anderen Gebieten einfach nur noch mehr Schiffe und Waffen auf den Plan riefen, die gegen es eingesetzt werden konnten.

Und die Nützlichkeit eines Bündnisses mit Russland wurde durch die Erkenntnis erschüttert, dass die USA gleichzeitig

in der Ukraine und im Südchinesischen Meer militärisch reagieren können.

 

Xi JInping wusste seine Verluste zu begrenzen

 

All dies hätte auf der Hand liegen müssen, und ich denke, China war sich der Fähigkeiten der USA besser bewusst als Russland. Der chinesische Präsident Xi Jinping wusste, wann er seine Verluste begrenzen musste. Putin dagegen hat immer wieder nachgelegt. Mein Eindruck scheint am Wochenende von einem Sprecher des 20. Nationalkongresses

der Kommunistischen Partei Chinas bestätigt worden zu sein, dessen Aussagen von der chinesischen Zeitung Global Times wie folgt wiedergegeben wurden: 

 

„Wenn eines der wichtigsten Ereignisse in den internationalen Beziehungen der vergangenen 50 Jahre die Wiederher-stellung und die Weiterentwicklung der Beziehungen zwischen China und den USA sind, die beiden Ländern und der Welt zugutekamen, dann ist das Wichtigste in den internationalen Beziehungen der nächsten 50 Jahre, dass China und die USA den richtigen Weg finden, miteinander auszukommen. Der Schlüssel zum richtigen Umgang zwischen China und den USA sind gegenseitiger Respekt, friedliche Koexistenz und die von Generalsekretär Xi Jinping vorgeschlagene Win-Win-Kooperation. Die gemeinsamen Interessen zwischen China und den USA überwiegen bei weitem die Unter-schiede, und eine solide und stabile Beziehung zwischen China und den USA dient den gemeinsamen Interessen der beiden Völker.“

 

Wir sind daran gewöhnt, dass China den Vereinigten Staaten Drohungen entgegenschleudert. Jetzt sucht es nach Wegen, den USA entgegenzukommen. Peking hat das ebenso subtile wie brutale Verhalten der USA in der Ukraine

zur Kenntnis genommen und beschlossen, dass ein Bündnis mit den USA, wie locker oder zeitlich begrenzt auch immer es sein mag, viel attraktiver ist.

 

Es ist also keine Überraschung, dass Putin die USA als eine Kraft sieht, die versucht, eine unipolare Welt zu schaffen, denn in mancher Hinsicht ist die Welt bereits unipolar. Die Vereinigten Staaten sind die größte Volkswirtschaft der Welt, ungeachtet ihrer aktuellen Probleme. Sie verfügen auch über ein hochentwickeltes Militär, das in der Lage ist, überwälti-gende Kräfte einzusetzen, eine Armee im Krieg mit neuen Waffen auszubilden und die Welt mit subtiler Gewalt zu ge-stalten. Die amerikanische Macht ist nicht absolut, und sie kann überflügelt werden. Aber sie ist beweglich genug, um nacheinander zu handeln, wenn zeitgleiches Handeln unmöglich ist. Einfach ausgedrückt: Die Vereinigten Staaten sind die mächtigste wirtschaftliche und militärische Kraft in der Welt – wenn sie sich entscheiden zu handeln. Untätigkeit kann von Männern wie Putin als Schwäche ausgelegt werden. Die USA haben gelernt, dass sie mit der ihnen inne-wohnenden Macht genug Zeit haben, um zu reagieren.

 

Amerikas Verachtung gegenüber seinen Präsidenten

 

Die amerikanische Öffentlichkeit sieht die Vereinigten Staaten oft als schwach und schlecht geführt an. Es besteht die Tendenz, Joe Biden, Donald Trump, Barack Obama, Bill Clinton und George W. Bush als Kriminelle oder Idioten oder beides abzustempeln. Die gleichen Vorwürfe wurden auch gegen Andrew Jackson, Abraham Lincoln und Franklin Roosevelt erhoben. Die Verachtung gegenüber den Oberbefehlshabern ist eine Voraussetzung, um eine Tyrannei zu verhindern, auch wenn sie ihre Nachteile hat. Die America-First-Bewegung, die sich gegen eine Beteiligung der USA

am Zweiten Weltkrieg aussprach, beeinträchtigte Roosevelts Entscheidungsfähigkeit. Sie hatte unmittelbare Auswir-kungen auf Pearl Harbor und verursachte einen schmerzhaften Kriegseintritt der USA, der für die Japaner natürlich

in einer Katastrophe endete.

 

Die Wahrnehmung der amerikanischen Schwäche ist weltweit verbreitet, auch unter den Amerikanern. Unterschätzt

zu werden hat seine Vorteile, ebenso wie eine Öffentlichkeit, die ihrem Präsidenten nicht traut. Aber nur enorm mächtige Nationen können sich dieses Misstrauen gegenüber einem Regierungschef leisten. Die zurückliegenden Monate waren kein Beweis dafür, dass die Vereinigten Staaten eine neue Weltordnung aushecken. Sie haben uns vielmehr gelehrt, dass Russland schwächer wird, dass China seine Beziehungen zu den USA vorsichtig gestaltet.

Und dass die nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffene internationale Architektur zwar komplexer geworden ist,

aber im Wesentlichen bestehen bleibt. Es ist eine unipolare Welt.

 

AUTORENINFO

 

George Friedman, 73, ist einer der bekanntesten geopolitischen Analysten der Vereinigten Staaten. Er leitet die von ihm gegründete Denkfabrik Geopolitical Futures und ist Autor zahlreicher Bücher. Zuletzt erschien „Der Sturm vor der Ruhe: Amerikas Spaltung, die heraufziehende Krise und der folgende Triumph“ im Plassen-Verlag.

 

Neue Weltordnung - America first | Cicero Online