Zeitenwende in Deutschland?

 

Was ist Deutschland?

Wohin geht es?

Was bedeutet es, Deutsche/r zu sein?

Welchen Weg soll Deutschland gehen?

Was will Deutschland sein?

 

Ich bin keine Kartoffel.

 

Ich bin ein Deutscher ohne Scham- oder Schuldgefühle, ein Deutscher zu sein.

 

Ich liebe deutsche Musik, Dichtung, Philosophie, Literatur und Kunst sowie deutsche Städte und Landschaften.

 

Ich mag jedoch keine Regierungsbeauftragte, die mich von Amts wegen verspotten.

 

Ich mag auch keine Identitätspolitiker, die mir und Anderen vorschreiben wollen,

wer ich bin und wie ich mich zu fühlen habe.

 

Ich mag auch keine kleingeistigen Politiker, Oberlehrer oder Vorgesetzte,

die mir vorschreiben wollen, wie ich zu denken, zu sprechen und zu schreiben habe.

 

Es reicht! Ich kann nur empfehlen, Widerstand zu leisten,

weil ich so denken und fühlen, reden und schreiben will,

wie mir zumute ist und wie ich es selbst für richtig halte.

 

Aus Selbstachtung, aus Freude an der Freiheit, ohne Furcht vor Blockwarten und Demagogen

und aus Mitleid mit denen, die sich noch nicht trauen, Widerstand zu leisten.

 

Wir laufen Gefahr, wie Traumwandler in einem neuen Totalitarismus aufzuwachen.

Nein, er droht nicht nur von "rechts außen", sondern auch von "links".

 

Manche meinen, lechts und rinks kann man nicht velwechsern.

Werch ein Illtum! (Erich Fried)

 

Einigkeit und Recht und Freiheit!

 

UWD

 


 

WILLIAM TOEL. Der Fürsprecher der Deutschen

 

Seit 75 Jahren haben die Deutschen mit ihrem Selbstbild zu kämpfen. Viele fühlen sich in ihrer eigenen Haut unwohl, jedoch hat die Gesellschaft sie sorgfältig darauf trainiert, nicht darüber zu sprechen - nicht die Art von Fragen zu stellen, die Deutsche stellen, wenn sie wahrhaft Deutsche sind.

 

Wir leben in einer Zeit großen historischen Wandels und immer mehr Menschen spüren das. Es ist wichtig, den Deutschen Gehör zu schenken und dass sie geliebt werden, so wie sie wirklich sind.

 

Die Deutschen wurden erschaffen, um eine besondere Rolle in der Welt zu erfüllen. Wenn die Deutschen wieder Deutsche sind, wird die Welt geheilt sein.

 

Liebe ist die einzige Antwort.

 

https://www.williamtoel.de/

 

Dieser Text stammt von der deutschen Homepage von William Tole

 

Weitere Verbindungen zu William Tole:

 

https://www.youtube.com/c/WilliamToel/featured

 

https://www.youtube.com/watch?v=y7XtSvmz2b8

 

https://www.bradley.edu/academic/departments/mtg/faculty/profile.dot?id=c2c33b48-4bbd-43f0-9fc8-1cd67e2c1edc

 



 

William Toel und seine prophetische Mission zur Erweckung der Deutschen

 

William Toels prophetisches Selbstverständnis ist etwas amerikanisch und uns Deutschen vor allem im Bereich des Politischen ziemlich fremd. Mehr noch: wir fürchten uns davor und geraten schnell in Panik, weil wir das reflexartig sofort mit dem "Dritten Reich" verbinden. Aber, was die historisch bedingten Ängste und Befürchtungen sowie Scham- und Schuldgefühle vieler Deutscher angeht, die uns nicht nur von Amerikanern und Briten, sondernauch von Russen und Anderen eingeimpft wurden, hat er auf jeden Fall einen wunden Punkt getroffen.

 

Hier haben viele von uns Deutschen eine historisch bedingte Erblast zu tragen, die es uns immer noch schwer macht, die Verantwortung für uns selbst und für unser Land mitten in Europa zu tragen, die sowohl unserer wirtschaftlichen Stärke und politischem Gewicht als auch unserer geopolitischen Lage gerecht wird. Zu viele Deutsche möchten sich gar nicht mehr als solche verstehen und begnügen sich daher mit einer regionalen Identität als Bayern oder Schwaben,

als Berliner oder Hamburger, Sachsen oder Thüringer oder aber sie wollen nur noch gute Europäer oder gleich ortlose Kosmopoliten und Weltbürger in einem Niemandsland ihrer Fantasie sein.

 

Nicht wenige identifizieren sich mit fremden Ländern, Kulturen, Religionen und Mentalitäten, vorwiegend aus Asien. Aber das ist eine Flucht vor sich selbst, weil sie sich nicht mehr in ihrer Haut wohlfühlen. Und es ist außerdem eine

Flucht vor dem griechisch-römischen und jüdisch-christlichen Erbe unserer deutschen und europäischen Kultur. Oft handelt es sich um östlichen Mystizismus oder um gnostische Esoterik, deren Vorläufer schon im antiken Kleinasien zuhause waren. Unsere europäischen Nachbarn, wie vor allem die Franzosen, kennen unsere deutschen Komplexe

und warten nur darauf, dass wir sie endlich überwinden.

 

Keine Nation, kein Land und kein Volk kann bestehen, wenn seine Menschen nicht in der Lage und bereit sind, ihre eigenen Interessen nach Innen und nach Außen mutig zu vertreten und zu verteidigen. Das gilt sowohl für die innere Sicherheit durch eine konsequente und faire Durchsetzung der legitimen Gesetze des Rechtsstaates als auch für die äußere Sicherheit durch wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und durch militärische Verteidigungsfähigkeit in Zeiten wiederkehrender Angriffskriege und anderer ökonomisch-politischer Krisen in Europa.

 

In diesen Hinsichten können wir Deutsche vor allem viel von den selbstbewussteren Franzosen und klugen Balten, von den realistischeren Osteuropäern und von den patriotischen Ukrainern sowie von den wehrhaften Israelis lernen. Denn Israel, die einzige Demokratie im Nahen Osten, ist anders als Deutschland von äußeren Feinden umzingelt (mit Aus-nahme Jordaniens) und wird ständig von seinen Feinden angegriffen, die wie die iranischen Mullahs sein Existenzrecht infrage stellen und es vernichten wollen. Ausgerechnet viele Deutsche zeigen jedoch oft zu wenig Verständnis für die anhaltend schwierige Lage Israels und identifizieren sich nur allzu gerne mit den Palästinensern als den angeblichen Opfern israelischer Politik. Aber die Palästinenser sind nicht nur arme Opfer, sondern auch Täter.

 

Noch tun sich sehr viele Deutsche schwer damit, ihre gewohnten Bequemlichkeiten aufzugeben, aus ihren Komfort-zonen herauszufinden und sich den großen Herausforderungen der aktuellen "Zeitenwende" zu stellen. Daher lohnt

es sich trotz des etwas ungewohnten Pathos mit den direkten und klaren Botschaften von William Toel auseinander

zu setzen. Wir sollten uns unseren eingeimpften Ängsten sowie unseren anerzogenen Scham- und Schuldgefühlen in Bezg auf das Deutschsein stellen. Vor allem sollten wir uns nicht von den selbsternannten, identitäts-politischen Polit-funktionären der "political correctness" einschüchtern lassen, die uns ständig vorschreiben wollen, wie wir uns zu

fühlen und zu verstehen haben und wie wir zu denken, zu reden und zu schreiben haben.

 

Die momentane Entstehung einer freiheitsfeindlichen und verfassungswidrigen Diktatur von ethnischen und sexuellen Minderheiten, die der schweigenden großen Mehrheit der Deutschen auf der Nase herumtanzen, ist real und keine bloße Einbildung. Sie versuchen uns nur mit ihrem inflationären Gebrauch von pseudo-moralischen Schlagwörtern

wie Ausgrenzung, Diskriminierung, Rassismus, Patriarchat, etc. einzuschüchtern. Dabein nutzen sie die Scham- und Schuldgefühle vieler Deutscher aus, um mehr Macht zu gewinnen. Moralische Schlagwörter als Waffen sind jedoch

kein Ausdruck eines echten moralischen Bewußtseins, sondern nur einer politischen Kampfrhetorik. Es handelt sich daher vorwiegend um selbstgerechte Oberlehrer, die sich über Andere erheben und ihnen ein schlechtes Gewissen machen wollen, damit sie mehr Macht gewinnen.

 

Die besten Wege, tatsächliche Ausgrenzung, Diskriminierung und Rassismus zu überwinden sind gelebte Integration

im Schul- und Bildungswesen, in einem sozialen Dienstjahr bei der Bundeswehr und diversen zivilen Diensten, in Sport und Spiel, im Film und Fernsehen, in den verschiedenen Künsten und in alle Bereichen von Kultur und Gesellschaft.

Aber ohne die aggressive, laute und schrille Propaganda, die doch nur chauvinistische Reaktionen provozieren. Der

DFB und sein verschiedenen Fußball-Ligen sind vermutlich die besten öffentlichen Integrationsprojekte, die wir haben. Lautstarke DemonstratIonen und der notorische "Kampf gegen rechts" sind selbstbezogen und wertlos.

 

Als Ökonomieprofessor, der trotz seines amerikanischen Patriotismus die soziale Marktwirtschaft bzw. den "rheinischen Kapitalismus" der Deutschen mehr bewundert als den neoliberalen Raubtierkapitalismus der Amerikaner und Briten, weiß er, was wir zu verlieren haben, wenn wir uns weiterhin den angelsächsischen Vorstellungen anpassen anstatt

unser bewährtes "Deutsches Modell" einer Balance zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern zu verteidigen. Es ist schon ziemlich seltsam, dass erst ein Amerikaner kommen muss, um uns daran zu erinnern.

 

Die IT- und High-Tech-Giganten aus Kalifornien (Apple, Amazone, Google, Microsoft, Tesla & Co.) wollen keine Gewerk-schaften zulassen und möchten, dass sie am liebsten weltweit verschwinden, damit ihr neoliberaler Sozialdarwinismus freie Bahn hat. Ihr Freiheitsverständnis einer eigennützigen und verantwortungslosen Willkürfreiheit entspricht dem Gesetz des Dschungels, also dem Recht des Stärkeren. Unser deutsches Freiheitsverständnis stammt hingegen vom Judentum und Christentum. Ihm zufolge endet meine persönliche Freiheit da, wo die meines Mitmenschen beginnt, auch und gerade da, wo der Andere sich in einer etwas schwächeren Position befindet. Das nennt man "verantwortliche Freiheit" oder ganz einfach Humanität.

 

William Toel erinnert uns daran, dass wir trotz vieler Neider gerade für unseren wirtschaftlichen Erfolg sowie für unsere ökonomisch-politische Trias von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und sozialer Marktwirtschaft in aller Welt bewundert werden. Viele Flüchtlinge wollen doch gerade aufgrund ihrer Bewunderung Deutschlands, der deutschen Wirtschaft

und Technik sowie des deutschen Sozialstaates und politischer Stabilität zu uns nach Deutschland kommen, um an unserem Leben teilzuhaben. Aber William Toel ermahnt uns auch, dass wir diese besondere ökonomisch-politische

Trias nicht leichtfertig aufgeben und verspielen dürfen.

 

Da die Sozialdemokratie als "Dritter Weg" zwischen marxistischem Sozialismus und unregulierten Kapitalismus eine deutsche Erfindung ist und da auch die deutschen Christdemokraten einen "Dritten Weg" in Form der sozialen oder humanen Marktwirtschaft von Ludwig Erhard und Wilhelm Röpke adoptiert hatten, spricht William Tole ganz zurecht

vom exzellenten "Deutschen Modell". Er glaubt sogar daran, dass Deutschland mit dieser besonderen ökonomisch-politischen Trias ein exemplarisches Modell für die ganze Welt ist, das den anderen ökonomisch-politischen Modellen

z. B. von China, Russland und den USA vorzuziehen ist. Daher glaubt er, dass wir mit dem Erhalt des "Deutschen Modells" sogar eine besondere welthistorische Verantwortung zu tragen haben.

 

In diesem Punkt geht William Toel vielleicht ein wenig zu weit und erwartet aufgrund seiner leidenschaftlichen Liebe

zu Deutschland etwas zu viel von den Deutschen. Soziale Marktwirtschaften gibt es z. B. auch in den skandinavischen Ländern. Wenn er meint, dass die Deutschen die ganze Welt heilen könnten, wenn sie sich nur wieder auf sich selbst und die "deutschen Tugenden" besinnen und "wahrhaft Deutsche" sind, dann klingt das etwas zu sehr nach der alten romantischen Selbstüberschätzung, dass "am deutschen Wesen die Welt genesen" könnte.

 

Anders als William Toel glaube ich auch nicht, dass es ein überzeitliches "Deutschtum" (Germanness), eine zeitlose "deutsche Seele" oder ein übergeschichtliches "deutsches Wesen" gibt. Das sind platonisierende Projektionen bzw. essentialistische Wortungetüme aus dem 19. Jahrhundert, die wir im 20. Jahrhundert zurecht hinter und gelassen haben. Was es gibt, sind nur gewisse landestypische kulturelle Mentalitäten, die zwar über viele Generationen hinweg tradiert wurden, die sich jedoch langfristig auch wieder ändern können.

 

Dies zeigt auch der folgende Witz von Himmel und Hölle im Hotel Europa: Wie entsteht der Himmel im Hotel Europa? Wenn die Engländer den Empfang machen, die Franzosen kochen, die Deutschen für die Organisation und die Italiener für die Unter-haltung zuständig sind. Wie entsteht die Hölle im Hotel Europa? Wenn die Franzosen den Empfang machen, die Engländer kochen, die Italiener für die Organisation und die Deutschen für die Unterhaltung zuständig sind.

 

Das Problem der Ängste sowie der Scham- und Schuldgefühle vieler Deutscher für ihr Deutschsein hingegen betrifft immer noch viele der Deutschen, die zwischen 1945 und 1990 geboren wurden. Diejenigen, die jedoch wirklich schuldig wurden, falls sie überhaupt noch leben, wurden jedoch früher, zwischen 1920 und 1930 geboren und sind heute über

90 Jahre alt. Mir scheint, dass die später Geborenen (etwa ab 1990) davon viel weniger betroffen sind. Denjenigen, die noch darunter leiden, denen ist zu wünschen, dass William und Lisa Toel ihnen etwas Befreiendes zu sagen haben.

 

Aber wenn Liberale und Liberalkonservative, Sozial- und Christdemokraten jedoch keinen selbstbewussten Patriotismus entwickeln. der unseren faktischen Leistungen, Fähigkeiten und Zuständigkeiten angemessen ist, dann kann wieder ein übersteigerter Nationalismus entstehen wie bei der AfD und anderen Rechtspopulisten und Rechtsradikalen. Die AfD ist in Deutschland vor allem dadurch entstanden, dass die CDU unter der Führung Merkels und die Sozialdemokraten nach der Kanzlerschaft von Gerhard Schröder zu viel Verantwortung nach Brüssel abgegeben haben und sich nicht mehr primär um das Gemeinwohl Deutschlands und um die berechtigten Interessen der Deutschen gekümmert haben. Damit haben sie selbst die Leidtragenden und Unzufriedenen in die Arme der protestierenden AfD getrieben.

 

Mit den Deutschen meint William Toel zwar alle, die sich als Deutsche fühlen. Aber nicht alle, die sich als Deutsche fühlen, besitzen dann auch schon automatisch "die sieben Stärken der Deutschen", die die deutsche Kultur vor dem Reeducation Program der Alliierten ausgemacht hat. So wie niemand ein Mann oder eine Frau ist, weil er oder sie sich

als Mann oder Frau fühlt, so ist auch niemand ein Deutscher oder eine Deutsche und besitzt automatisch "die deutschen Stärken oder Tugenden" nur, weil er sich als Deutscher oder weil sie sich als Deutsche fühlt.

 

Dieser emotivistische Fehlschluss wird heute jedoch ständig in der Popkultur und vielen Medien verbreitet: Ich fühle mich so gescheit, also bin ich es auch. Ich fühle mich so genial, also bin ich es auch. Ich fühle mich so gesund, also bin ich es auch. Ich fühle mich so jung, also bin ich es auch. Ich fühle mich als Superstar, also bin ich auch einer. Ich fühle mich als Frau, also bin ich auch eine Frau. Ich fühle mich als Mann, also bin ich auch ein Mann. Ich fühle mich weder als Frau noch als Mann, also bin ich auch weder Mann noch Frau, sondern gehöre einem dritten Geschlecht an. etc. pp. Dieser emotivistische Fehlschluss entspringt einer Selbstverliebtheit, die den gesunden Menschenverstand vernebelt und eine gesunde Selbstdistanz verhindert.

 

Hier liegt m.E. jedoch ein Problem von Toels gut gemeinter amerikanischer Mission der Stärkung des Selbstbewußtseins der Deutschen und der Befreiung von überkommenen Scham- und Schuldgefühlen. Wer sind hier die Deutschen, die zum Deutschsein ermutigt und erweckt werden sollen? Sind es etwa alle deutschen Staatsbürger oder nur eingesessene Deutsche aus Familien mit einem tiefen und weit verzweigten Stammbaum? Sind es nur "indigene Deutsche" oder auch neuere Deutsche mit einem Migrationshintergrund, die ursprünglich aus Süd- oder Osteuropa oder aus dem Mittleren oder Nahen Osten oder aus ganz anderen Ländern stammen.

 

Sind damit auch alle deutschen Juden und Muslime gemeint? Sind damit auch Afro-Deutsche, Asia-Deutsche, Deutsch-türken, Sinti-Deutsche und Roma-Deutsche gemeint? Solange ziemlich viele Deutsche ihr Deutschsein nur exklusiv als genetisches Erbe und nicht inklusiv als politische Staatsbürgerschaft verstehen und nicht verstehen, dass es deutsche Juden und deutsche Muslime, Deutschtürken, deutsche Sinti und Roma sowie Afro-Deutsche und Asia-Deutsche gibt, könnte William Toels gut gemeinte Mission Wasser auf die Mühlen der AfD sein sowie von Rechtspopulisten und Rechtsradikalen missverstanden und ausgenutzt werden. Seine Fans sollten daher auf der Hut sein und sich fragen, wohin die Reise geht.

 

Die Gegenüberstellung von Deutschen und Juden hat etwas typisch Amerikanisches, weil dort beide Gruppen in der Bevölkerung Amerikaner sind. Aber dabei werden dort zwei ungleiche Gruppen von Einwanderen verglichen, nämlich Deutsche nach ihrer ethnischen Herkunft und Juden nach ihrer Religionszugehörigkeit. In Deutschland können wir diese Gegenüberstellung jedoch so nicht übernehmen, weil sie aus dem 19. und frühen 20 Jahrhundert vor dem Zivilisations-bruch der Shoa stammt. Es gab schon damals und es gibt auch heute immer noch deutsche Juden, die deutsche Staats-bürger jüdischen Glaubens sind. Wer zwar jüdischer Herkunft ist, aber den jüdischen Glauben nicht teilen kann, der hat jedoch oft ein Problem mit seiner persönlichen Identität. (Siehe dazu: Björn Krondorfer, Remembrance and Reconsiliation. Encounters between Young Jews and Germans. New Haven/London: Yale UP 1995) 

 

William Toel, der amerikanische Patriot und leidenschaftliche Liebhaber der Deutschen wendet sich zwar weder explizit an die AfD noch an den "rechten Flügel", sondern vorwiegend an friedliche, tolerante und wohlwollende Deutsche. Aber er zieht auch einige schräge Vögel an, die auch auf Telegram unterwegs sind. Auch ermutigt er seine Zuhörer zwar auch immer wieder Fragen zu stellen. Aber wie viele Amerikaner ist er auch ein eingefleischter Zweckoptimist mit einem  missionarischen Drang, einem anderen Land zu helfen. Wenn es ihm nur um das ökonomisch-politische "Deutsche Modell" gehen würde, dann hätte er in den USA genug zu tun, um dort wie Bernie Sanders oder Michael Moore für eine soziale Marktwirtschaft nach deutschen Standards zu kämpfen.

 

Aber statt Bernie Sanders hat er Donald Trump unterstützt. Donald Trump ist bekanntlich kein überzeugter Demokrat, sondern jemand, der eine demokratische Wahl, die er 2020 eindeutig verloren hat, bis heute nicht akzeptiert. Donald Trump hat auch keinen Respekt vor rechtsstaatlichen Institutionen, sondern benutzt sie nur für seine Zwecke und die seiner Republikanischen Partei. Am 6. Januar 2021 hat er einen wilden Mob von Anhängern zum gewalttätigen Sturm aufs Kapitol in Washington aufgefordert, obwohl sie seinen eigenen Parteifreund und Vizepräsidenten Mike Pence und die Sprecherin des Repräsentantenhauses Nancy Pelosi lynchen wollten. Donald Trump hat sich auch niemals für eine soziale Marktwirtschaft ausgesprochen und eingesetzt. Vielmehr gehört er zu den marktradikalen Republikanern, die nicht nur einen libertären und minimalen "Nachtwächterstaat" befürworten, sondern auch eine autoritäre Oligarchie der Superreichen und den unregulierten Zugang zu Maschinengewehren und ähnlichen Kriegswaffen.

 

William Toels Patriotismus mag echt sein, aber das macht seine politischen Überzeugungen nicht unanfechtbar. Seine leidenschaftliche Liebe zu Deutschland und den Deutschen mag auch echt sein, aber das heißt noch lange nicht, dass

er auch schon besser weiß, was für das heutige Deutschland mitten in Europa und als Mitglied der Europäischen Union wirklich gut ist. Wenn er seinen Zuhörern mit geschickten Fragen suggeriert, dass die meisten Deutschen doch gar keinen Krieg gegen Russland und "die Russen" führen wollen, mag er recht haben. Aber daraus folgt nicht, dass wir die Ukraine nicht gegen den illegitimen Überfall des Putin-Regimes mit Waffenlieferungen unterstützen sollten.

 

Auch wenn William Toel mit weiteren Fragen suggeriert, dass die Mitgliedschaft in der EU und die EU uns Deutsche unserer Souveränität berauben würden, appelliert er auf eine ähnliche Weise an nationalistische Gefühle wie die AfD. Auch die Erinnerung an die Rheinwiesenlager und die geheimen Reeducation-Pläne der Alliierten von Bletchley Park könnten zu einer passiven Aggressivität, zu revanchistischen Ressentiments und zu einem neuen Chauvinismus führen, der nur allzu oft aus einer Opferidentität resultiert. Ähnliche Motive treiben auch die Rechtspopulisten und Rechts-radikalen in Frankreich und Italien sowie anderen Ländern an. Vielleicht sollten die "sieben Ungerechtigkeiten", weder angerechnet noch vergolten, sondern ganz einfach verstanden und vergeben werden? Diese Art vom Umgang mit alten schlimmen Geschichten ist nicht selten die beste.

 

Wenn sich William Toel schließlich auch gegen die alte monopolare Weltordnung der US-amerikanischen Hegemonie der letzten 75 Jahre und für eine neue multipolare Weltordnung ausspricht, dann könnten sich die Machthaber in Moskau und Beijing freuen. Denn wenn er nur die quantitative Überlegenheit der USA beklagt, lässt er völlig außer Acht, dass diese drei Mächte qualitätiv nicht gleichwertig sind. Denn die USA stehen zumindest ihren besten Intentionen, Traditionen und Institutionen nach immer noch für Demokratien und Rechtsstaaten mit Bürger- und Menschenrechten, während die autoritären Machthaber in Moskau und Beijing für Autokratien oder Diktaturen ohne Rechtstaatlichkeit stehen. Daher sind die USA immer noch ein beliebtes Einwanderungsland, China und Russland jedoch nicht.

 

Für uns Deutsche sollte klar sein, dass wir den USA immer noch politisch näher stehen als China und Russland und dass unsere Mitgliedschaft in der EU und in der NATO trotz aller vorhandenen Mängel und berechtigten Unzufriedenheiten richtig und wichtig ist. Eine bündnispolitische Neutralität ist bis auf Weiteres weder möglich noch wünschenswert. Denn solange es auch noch keinen eigenen atomaren Schutzschirm in und für ganz Europa gibt, ist die atomare und militä-rische Präsenz amerikanischer Truppen und Luftwaffenstützpunkte in Deutschland kein Beleg dafür, dass wir angeblich immer noch kein souveränes, sondern vielmehr ein "von den Amis" besetztes Land wären, wie auch Rechtspopulisten und Rechtsradikale meinen. Es ist vielmehr Ausdruck eines gesunden politischen Realismus in einer komplizierten Welt von mindestens drei großen miteinander rivalisierenden, hegemonialen Atommächten.

 

Manchmal sagen Bilder mehr als tausend Worte. Was hat es mit den melacholischen Bildern von friedlichen deutschen Ebenen und Wäldern auf sich, über denen im Morgentau sanft die Nebel schweben? Weit und breit sind da keine Städte und Siedlungen, keine Menschen und kein urbanes Leben zu sehen. Diese Bilder sprechen zwar das alte romantische Lebensgefühl vieler Deutscher an, die sich nach der Einsamkeit in der Natur und in deutschen Wäldern sehnen. Aber darin drückt sich nicht selten eine heimliche Todessehnsucht aus, wie sie auch schon in Schopenhauers Philosophie und in Wagners Opern zum Ausdruck gekommen war. Diese friedliche Waldesruhe hat etwas von der Stille eines Waldfried-hofes. 

 

Am Ende der Botschaften von William Toel heißt es zwar immer: Nur die Liebe zählt! Aber auch das klingt ein wenig zu schön um wahr zu sein. Vor allem in der Politik kommt es nicht nur auf ein gutes Herz an, sondern auch auf einen kühlen Kopf, auf geschichtliche Kenntnisse, auf praktische Erfahrung und auf eine zuverlässige Urteilskraft!

 

Außerdem ist die Liebe zur eigenen Kultur und Nation nicht das höchste der Gefühle und kann bei Verabsolutierung einen großen Schaden anrichten. Als Christ sollte William Toel wohl wissen, dass er der Bibel zufolge gehalten ist, Gott über alles zu lieben und seinen Nächsten wie sich selbst. Aber damit tun sich auch die meisten konservativen Christen

in den USA schwer. Sie neigen nämlich dazu, ihre eigene Nation wichtiger als Gott zu nehmen. Aber Gott ist weit und unbegrenzt wie der Himmel und reicht weit über die Horizonte hinaus. Außerdem lässt er seine Sonne nicht nur über der eigenen Nation, sondern auch über alle anderen Nationen scheinen. Weder die deutsche Kultur und Nation noch

die amerikanische Kultur und Nation verdienen über alles geliebt zu werden.

 

Das heißt nicht, dass sie gar nicht geliebt werden dürfen, denn es gibt durchaus einen gesunden Patriotismus. Ein gesunder Patriotismus entspringt aber der Demut und ist frei von einem falschen und hochmütigen Nationalismus eingebildeter Überlegenheitsgefühle. Demut bedeutet aber nicht, sich demütigen zu lassen oder sich kleiner zu machen als man ist. Demut bedeutet vielmehr, sich immer und überall, in allen Angelegenheiten und unter allen Umständen der Wirklichkeit zu stellen und sich selbst so anzunehmen, wie man ist. Das gilt auch dann, wenn man aufgrund seiner Talente fähig und bereit ist, Großes und Außerordentliches zu leisten.

 

Zeitenwende? Wären wir Deutsche überhaupt noch bereit und fähig, unser Land, unsere ökonomisch-politische Ord-nung, unsere bürgerlichen Freiheiten und unsere politische Souveränität wie die Ukrainer gegen einen äußeren Ag-gressor wie Putins Regime und seine durch Propaganda verführte Armee politisch ahnungsloser, nationalistisch indoktrinierter und durch einen erniedrigenden Drill scharf gemachter Soldaten zu verteidigen? Ich fürchte: Nein!

 

Sind wir Deutsche überhaupt noch bereit und fähig, uns gegen die inneren Gegner in unserem eigenen Land zu wehren, die diese legitime Bereitschaft und Fähigkeit mit Hilfe einer anti-patriotischen Einstellung zu untergraben versuchen? Hier liegt der Hund begraben. Es ist der eigene "innere Schweinhund" unserer allzu lieb gewordenen Gewohnheiten,

der uns daran hindert, die Zeitenwende wirklich zu vollziehen. UWD

 









 

Reaktionen auf die Aktivitäten und die Mission von William und Lisa Toel

 

William und Lisa Toel sind weder Verschwörungserzähler noch Holocaustleugner. Sie sind auch keine Hassprediger gegen Ausländer oder Minderheiten. Sie sind vielmehr Liebesprediger, Motivations- und Tachelesredner mit einer guten Mischung aus deutschem Tiefsinn und amerikanischen Pragmatismus.

 

Aus Liebe zu Deutschland, den Deutschen und ihrer gefährdeten Kultur weigern sie sich ganz einfach, die Deutschen immer noch ständig mit den Nazis und mit dem Holocaust in Verbindung zu bringen. Sie finden, dass wir Deutsche das auch nur allzu oft uns selbst antun und dass das weder richtig noch gesund noch liebevoll ist. Falls sie überhaupt eine Verschwörung angezettelt haben, dann handelt es sich um eine Verschwörung der Liebe, a conspiracy of love.

 

Viele Menschen in Deutschland, die William und Lisa Toel bisher noch nicht persönlich begegnet sind oder zumindest sich einige seiner Vorträge auf YouTube angehört haben, reagieren auf seine bewegenden Vorträge und auf den gefühl-vollen Tonfall seiner tiefen Stimme oft tief berührt, aber entweder ängstlich und erschrocken oder aber angetan und begeistert. Denn William Toel hat die Stimme eines lebenssatten Country- und Bluessängers aus den USA. die unter die Haut geht. Seine Stimme erinnert ein wenig an Johnny Cash, der gerne in die Gefängnisse ging, um vor "schweren Jungs" aufzutreten.

 

Dann folgen jedoch oft schematische Feinbildprojektionen, die wenig über William und Lisa Toel, aber viel über die

Leute selbst aussagen. Mitglieder der Antifa sahen in in William Toel nur einen "rechten Demagogen und Nazi", den

sie in ihrer üblichen stumpfsinnigen Art und Weise mit einem Aufruhr stoppen und notfalls mit physischer Gewalt

daran hindern wollten, seine heilsame Trauer- und Versöhnungsarbeit fortzusetzen.

 

Ein junger Mann in Berlin verschaffte sich mutwillig Zugang zu ihm in seinem Taxi, um ihn ganz aufgeregt davor zu warnen, so positiv von den Deutschen zu denken, weil er in der Schule gelernt habe, wozu sie in der Nazizeit fähig

waren und Millionen von Menschen angetan haben. William Toel fragte gelassen nach, woraufhin nur alte Feindbilder und ein vergiftetes Bild von seinem Großvater ans Licht kamen, den er noch nicht einmal gekannt hatte.

 

Ein Verschwörungstheoretiker und Holocaustleugner hielt anscheinend für einen verkappten Vertreter des globalen Great-Reset-Projektes von Klaus Schwab und seines Davoser Weltwirtschafts-Forums. Dabei lehnt er es doch auf überzeugende Weise mit guten Gründen ab. Seine empathielose "Hermeneutik des Verdachtes" generierte ganz mechanisch das glatte Gegenteil von dem, was William Tole ausstrahlt und im Grunde seines Herzens ist: Ein engagierter und passionierter, kenntnisreicher und empathievoller Liebhaber der Deutschen, der Deutschland und

seine zutiefst gefährdete deutsche Kultur eben gerade so gut kennt und versteht, weil er sie aufrichtig liebt.

 

Allein die Liebe (empathy) ermöglicht Erkenntnis. Nur Verliebtheit (infatuation) macht blind. Aber weil wir uns allzu sehr an den Liebeskitsch aus Hollywood und Bollywood gewöhnt haben, können wir oft echte und tiefe Liebe nicht mehr von

der oberflächlichen und kitischigen Verliebtheit deutscher und amerikanischer Schnulzen unterscheiden. Daher lassen wir uns auch von den kitschigen Phrasen mancher Spitzenpolitiker täuschen, die die ganze Menschheit zu umarmen versuchen und die ganze Welt alleine vorm "Klimawandel" retten wollen, aber ihr eigenes Volk nicht mehr lieben und schützen, sondern sich vor ihm fürchten und es daher gängeln und kontrollieren wollen, anstatt sich um es kümmern.

 

UWD

 


 

Über lange Zeit hinweg war das jüdische Leben in Deutschland eine Erfolgsgeschichte

 

Mit wissenschaftlichen Durchbrüchen und kultureller wie geistiger Kreativität haben Juden die deutsche Ge-schichte entscheidend mitgestaltet. Die israelische Historikerin Shulamit Volkov beschreibt «Deutschland aus jüdischer Sicht» – ihr Buch öffnet neue Perspektiven auf die jüngere Geschichte.

 

Cord Aschenbrenner - NZZ - 02.08.2022

 

Moses Mendelssohn, Rahel Varnhagen, Heinrich Heine, Albert Ballin, Walther Rathenau, Bertha Pappenheim, Albert Einstein, Hannah Arendt, Leo Baeck. Verknüpft man diese Namen berühmter jüdischer Deutscher mit Begriffen wie Emanzipation und Assimilation, mit Ressentiment, Zurückweisung und Integration, mit Preussen, dem Kaiserreich, der Weimarer Republik, der Shoah, so entsteht ein Umriss der Geschichte der Juden in Deutschland. Diese könnte, schreibt die israelische Historikerin Shulamit Volkov, sowohl als «ein Kapitel der jüdischen Geschichte als auch als eines der deutschen Geschichte geschrieben werden». Jedenfalls bis zum Holocaust.

 

Mit der Ermordung von sechs Millionen europäischen Juden sind die jüdische Geschichte und die Geschichte der Deutschen nicht mehr voneinander zu trennen. Diese Erkenntnis brauchte Zeit. Noch Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg erschienen Bücher über den Nationalsozialismus, die die «Endlösung» nur am Rande behandelten – etwa 1969 das viel gerühmte Buch von Karl Dietrich Bracher über «Die deutsche Diktatur».

 

Auch später, in den achtziger Jahren, die emeritierte Geschichtsprofessorin Volkov erwähnt es, verlief die Geschichts-schreibung zum Nationalsozialismus noch in «nationalen» Bahnen. Jüdische Historiker, die «Intentionalisten», versuc-hten den Holocaust mit den ideologischen Absichten Hitlers zu erklären, während die «Funktionalisten», meistens deutsche Geschichtswissenschafter, nach den Strukturen des NS-Regimes fragten und dessen darin angelegte Radi-kalisierung beschrieben.

 

Mittlerweile ist dies selbst Vergangenheit und wird von der Verfasserin in die lange deutsch-jüdische Geschichte ein-geordnet. Diese führe «keineswegs gradlinig oder unabwendbar zum Nationalsozialismus und zum Holocaust». Viel-mehr habe «über lange Zeitabschnitte» die jüdische Geschichte in Deutschland als «Erfolgsgeschichte» verstanden werden können, trotz Diskriminierung und Antisemitismus.

 

Hass hat paradoxe Wirkung

 

Wer etwa die kulturelle Kreativität der Juden in der Weimarer Republik sieht, ihren Anteil an der geistigen Modernisie-rung Deutschlands, ihre wissenschaftlichen Leistungen schon seit der Kaiserzeit, die sich an der hohen Zahl jüdischer deutscher Nobelpreisträger messen lassen, wer die Schar bemerkenswerter Historiker, Philosophen, Literatur- und Theaterkritiker betrachtet, wird Volkov recht geben. Und wird sich umso mehr fragen, warum das alles für sehr viele Deutsche wenige Jahre später nicht genügte, um die jüdischen Deutschen als Deutsche wie sich selbst auch zu be-trachten. Was unter anderen Verhältnissen und mit minder schweren Folgen schon lange vor der NS-Zeit so war.

 

Volkov führt einige Beispiele aus dem 19. Jahrhundert an, als zumindest teilweise liberal gesinnte Männer wie Fichte

sich zwar für die rechtliche «Verbesserung» (worin durchaus auch etwas von charakterlicher Verbesserung mitschwang) der Juden aussprachen. Oder, mehr noch, wie Wilhelm von Humboldt, die sofortige Umsetzung der jüdischen Emanzi-pation als Rechtsprinzip forderten (wie es Jahrzehnte vorher auch schon der Philosoph Moses Mendelssohn getan hatte), jedoch privat wie öffentlich Abneigung, zumindest Vorbehalte gegen Juden und ihr «Jüdischsein» (Humboldt) formulierten. «En masse» schätze er die Juden, zitiert Volkov aus einem Brief Humboldts, «en détail» gehe er ihnen

lieber aus dem Weg.

 

Die Nationalsozialisten machten die Juden ungeachtet der deutsch-jüdischen Geschichte zu Fremden, gaben sie der Verachtung preis, erklärten sie schliesslich zu «Untermenschen» und bemühten sich, sie zusammen mit ihren euro-päischen Glaubensbrüdern und -schwestern zu vernichten. «Paradoxerweise», wie Volkov feststellt, bewirkte dies, dass die Juden aus der deutschen Geschichte nicht mehr auszublenden sind. Ohne den Blick auf die Shoah ist die Geschichte der Juden nicht zu haben, was kein Widerspruch zu Shulamit Volkovs Gesamtblick auf die deutsch-jüdische Geschichte ist.

 

Ein langer Zickzackkurs

 

Die Historikerin behandelt ihr Thema aus zwei Blickwinkeln. Einmal ist es jener der allmählichen Integration der Juden in die sich bildende bürgerliche Gesellschaft Deutschlands seit dem 18. Jahrhundert. Als typisch beschreibt sie ein Hin und Her zwischen Fortschritt und Rückschritt, einen Zickzackkurs, der dabei der Reform des «zutiefst autoritären» Deutsch-land insgesamt entsprach.

 

Als die Revolution von 1848/49, an der viele Juden aktiv und hoffnungsfroh teilgenommen hatten, scheiterte, war dies für sie noch schlimmer als für die nichtjüdischen Revolutionäre – die Folge waren rechtliche und praktische Rückschritte. Volkov geht auch auf den hässlichen, oft unterschlagenen Makel der frühen Revolutionstage ein, der lange Zeit auch von jüdischen Publizisten und Historikern verschwiegen oder kleingeredet wurde: die antisemitische Raserei ländlicher Mobs im deutschen Südwesten gegen die «geldverleihenden Juden», das ewige Stereotyp.

 

Die andere Seite in Volkovs Buch ist die jüdische Perspektive auf die jüngere deutsche Geschichte bis zur Jahrtausend-wende, die sie auch an Beispielen schildert. Wie erlebte die Familie Liebermann die Kaiserzeit, wie der mutige hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, dem die Auschwitz-Prozesse zu verdanken waren, die frühen Jahre der Bundesrepublik? Wie wirkte das vereinigte Land nach 1990 auf einen Mann wie Ignatz Bubis, den Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland?

 

Shulamit Volkov erzählt all dies mit grosser Klarheit und bemerkenswerter Kenntnis. Ihre von Ulla Höber sorgsam ins Deutsche übertragene «andere Geschichte» ist eine Bereicherung und wichtige Ergänzung der Geschichtsschreibung über Deutschland.

 

Shulamit Volkov: Deutschland aus jüdischer Sicht. Eine andere Geschichte. Vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Aus dem Englischen von Ulla Höber. Verlag C. H. Beck, München 2022. 336 S., Fr. 42.90.

 

https://www.nzz.ch/feuilleton/geschichte-aus-juedischer-sicht-ein-anderer-blick-auf-deutschland-ld.1696002?mktcid=nled&mktcval=127&kid=nl127_2022-8-7&ga=1