Corona-Krise

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Herkules kämpft mit der Lernäischen Hydra,

Attische Vase um 540/30 v. Chr., Musée du Louvre, Paris

 

 

 

Hilfe, die Welt geht unter!

Die Virusvarianten kommen und gehen, nur die Hysterie bleibt.

Auf die Omikron-Welle reagieren die Medien mit düsteren Szenarien.

Die Politik greift das begierig auf.

Die Debatte um die Impfpflicht ist das beste Beispiel

für Aktionismus, der zum Selbstzweck wird.

 

Eric Guyer, NZZ

 

 


 

Corona-Krise – Was muss die Demokratie aus der Pandemie lernen?

 

Agieren statt reagieren

 

Wir dürfen Krisen nicht nur hinterlaufen und reagieren. Sondern wir benötigen ein Risikomanagement, das Krisen antizipiert und Strategien entwirft, um sie zu meistern.

 

Das gilt z.B. auch für die Folgen des Klimawandels. Um die sollten wir uns nicht erst sorgen, wenn sie vollends da sind. Erstens ist es dann zu spät, und zweitens sind die Auswirkungen der Erderwärmung bereits jetzt beobachtbar.

 

Die Politik braucht also dringend einen weiteren, einen größeren Aufmerksamkeitshorizont, ein Gegenprogramm zum "short-termism", das bloße "Fahren auf Sicht".

 

Experten-Wissen nutzen

 

Das, wir was uns in der Corona-Krise geholfen hat, sollten wir auch im Falle anderer Krisen, etwa der der Klima-Krise, anwenden: ein regelmäßiges, diskursives update durch Expertinnen und Experten, in dem die Unsicherheiten offen benannt, aber die wissenschaftliche Validität zugleich klar verteidigt wird.

 

Von einem Klima-Update parallel zum Corona-Update würde unsere demokratische Debatte über den richtigen Weg in der Klimafrage enorm profitieren.

 

Welche Maßnahmen für die Einhegung des Klimawandels zu empfehlen sind, wo die Herausforderungen liegen, wie sich neue wissenschaftliche Erkenntnisse in Politik umsetzen lassen: All diese interdisziplinär oder transdiziplinär zu bearbeitenden Fragen stellen sich nämlich bezüglich der Klima-Krise in analoger Weise zur Corona-Krise.

 

Wir sollten uns folglich auf die Suche machen nach Personen, die für die Klimadebatte das leisten können, was Sandra Ciesek und Christian Drosten paradigmatisch für die Corona-Krise geleistet haben.

 

Krisenbewältigung durch Fantasie

 

Diese dritte Lektion ist vielleicht die wichtigste Lehre nach einem Jahr Corona-Krise: Wenn wir weg vom „Fahren auf Sicht“ kommen wollen, müssen wir Mechanismen entwickeln, die den Aufmerksamkeitshorizont der Politik erweitern und einen „Sinn für das Mögliche“ eröffnen.

 

Denn Demokratie braucht auch Fantasie. Das ist keine romantische Schwärmerei, sondern schlicht die Einsicht in eine Notwendigkeit in der Risikogesellschaft.

 

Dr. Felix Heidenreich ist Politikwissenschaftler an der Universität Stuttgart

 

https://www.swr.de/swr2/wissen/corona-krise-hat-die-pandemie-die-demokratie-beschaedigt-swr2-wissen-aula-2021-03-14-100.html

 

Manuskript:

 

https://www.swr.de/swr2/wissen/210314-corona-krise-100.pdf

 


 

Mehr Schaden als Nutzen

 

Daniel Gräber am 27. April 2021 in CICERO ONLINE

 

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie setzen viele Länder auf strikte Freiheitsbeschränkungen. Ein kanadischer Ökonom hat 80 Studien zum Nutzen dieser Lockdown-Politik ausgewertet – und kommt zu einem vernichtenden Ergebnis.

 

Ausgangssperren, Kontaktverbote, geschlossene Schulen, Läden und Restaurants: Um die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen, setzen westliche Regierungen Freiheitsbeschränkungen durch, wie sie vor Beginn der Pandemie unvor-stellbar schienen.

 

Der kanadische Ökonom Douglas Allen zählt zu den Kritikern der Lockdown-Strategie. Er schätzt den Schaden, den diese strikten Maßnahmen anrichten, deutlich höher ein als deren Nutzen.

 

80 Studien zu Covid-19 ausgewertet

 

Zu diesem vernichtenden Ergebnis kommt der Wirtschaftswissenschaftler in einer aktuellen Studie, die Allen auf seiner Professoren-Homepage der Simon Fraser University veröffentlicht hat.

 

„Covid Lockdown Kosten/Nutzen: Eine kritische Bewertung der Literatur“ lautet deren Titel ins Deutsche übersetzt. Es ist eine Meta-Studie. Allen wertet darin 80 andere wissenschaftliche Studien zur Corona-Pandemie aus und kommt zu einem vernichtenden Ergebnis.

 

Viele Vorhersagen wurden hinterher widerlegt

 

Sein Befund: Viele Forschungsarbeiten zu Covid-19 stützten sich auf falsche Annahmen, mit denen der Nutzen des Lockdowns überschätzt und die Kosten unterschätzt würden. „Infolgedessen kam die meisten frühen Kosten-Nutzen-Studien zu Ergebnissen, die durch spätere Daten widerlegt worden sind“, stellt der Ökonom fest.

 

„In den vergangenen sechs Monaten durchgeführte Untersuchungen haben gezeigt, dass Lockdowns bestenfalls einen geringfügigen Einfluss auf die Anzahl der Covid-19-Todesfälle hatten.“

 

Modelle übersehen menschliches Verhalten

 

Warum flächendeckende Freiheitsbeschränkungen bei der Pandemiebekämpfung ineffektiv seien, begründet Allen mit einem entscheidenden Faktor, der in den Modellrechnungen von Medizinern, Naturwissenschaftlern oder anderen Ökonomen übersehen werde: dem menschlichen Verhalten.

 

Strenge Lockdown-Regeln könnten nicht verhindern, dass einige Menschen sich nicht daran halten, argumentiert der Wirtschaftswissenschaftler. Umgekehrt würden viele ihr Verhalten während einer Pandemie freiwillig anpassen, auch wenn kein Lockdown verordnet worden sei.

 

„Größter politischer Fehler in Friedenszeiten“

 

Die geringe Effektivität von Lockdowns erkläre, warum nach einem Jahr kein Zusammenhang zwischen der Anzahl der Todesfälle und der Strenge der Corona-Beschränkungen in unterschiedlichen Ländern zu erkennen sei.

 

In Bezug auf sein Heimatland mahnt Allen: Angesichts der enormen Kosten sei es möglich, „dass der Lockdown als einer der größten politischen Fehler in Friedenszeiten“ in die Geschichte Kanadas eingehen wird.

 

Die vollständige Studie in englischer Sprache finden Sie hier:  LockdownReport.pdf (sfu.ca)

 

Neue Lockdown-Studie - Mehr Schaden als Nutzen | Cicero Online

 


 

Wer die Pandemiepolitik ablehnt, bekommt die Moralkeule zu spüren

 

Eric Gujer, Chefredaktor der «Neuen Zürcher Zeitung»; 30.04.2021

 

Es ist leicht, eine Meinung zu haben, aber mühsam, sich mit Fakten auseinanderzusetzen. Wer zu Beginn der Corona-Krise dafür plädierte, nicht nur auf die Ansteckungszahlen zu starren, sondern genauso wirtschaftliche oder psycho-soziale Faktoren zu berücksichtigen, der sah sich rasch mit einem ungeheuerlichen Vorwurf konfrontiert. Er sei schuld am Tod von Menschen, weil er dem Leichtsinn das Wort rede.

 

Durch moralische Disqualifikation sollten die Kritiker der Regierungspolitik zum Schweigen gebracht werden. Ein Jahr später kann man das billige Argument gegen seine Urheber wenden. Deutschland und die Schweiz haben bei der Impfkampagne bisher keine gute Figur gemacht, selbst Länder wie Serbien sind schneller.

 

Die Retourkutsche ist also einfach: Gesundheitsminister Jens Spahn und Bundesrat Alain Berset sind schuld am Tod von vielen Menschen, die sich bei einer professionelleren Beschaffungsaktion nicht angesteckt hätten.

 

Doch ist die eine wie die andere Behauptung unsinnig. Weder die Gegner einer Selbstermächtigung des Staates im Namen der Gesundheit noch die zuständigen Minister in Berlin und Bern wollen Menschen schaden. Im Gegenteil, sie alle sind davon überzeugt, für die bestmögliche Politik einzutreten.

 

Plötzlich geht es um Gut und Böse

 

Die Fakten allerdings sind komplex, sie lassen sich auf die eine wie die andere Weise interpretieren. Gewissheit, das Beste nicht nur zu wollen, sondern es auch zu tun, gibt es in der Pandemie nicht. Es ist wie in einer griechischen Tragödie: Gleichgültig, welche Entscheidung man trifft, sie hat unkalkulierbare und potenziell fatale Nebenfolgen.

 

In diesem Zwielicht bietet eine klare Meinung Halt. Wer von vorneherein weiss, was richtig ist, muss sich nicht mit wider-sprüchlichen Details auseinandersetzen. Was eine sachliche Diskussion über die bei einer neuartigen Krankheit natur-gemäss unsichere Faktenlage sein müsste, wird so moralisch aufgeladen. Plötzlich geht es nicht mehr um Hypothesen, die sich als unrichtig herausstellen können, sondern um Gut und Böse und ewige Wahrheiten.

 

Es ist ein simpler Taschenspielertrick. Statt über die Ausbreitung von Aerosolen im Freien und in geschlossenen Räumen streiten zu müssen, kann man alle Kritiker moralisch ins Abseits stellen, die den Lauterbach-Test nicht bestehen, die also nicht allen alles und dies möglichst lange verbieten möchten.

 

Ralph Brinkhaus, der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, beherrscht den Trick perfekt. Er verteidigte die «Bundesnotbremse» mit den Worten: «Dieses Gesetz ist ein Gesetz fürs Leben. Wenn es keine Notstandsregeln geben wird, dann werden Menschen krank und sterben.» Wer die Ausgangssperre ablehnt, nimmt menschliches Leid billigend in Kauf.

 

Die Behauptung der Kanzlerin, ihre Politik zur Rettung des Euro sei «alternativlos», wird so ins Zynische gesteigert. Wer an der Weisheit von Angela Merkel und Ralph Brinkhaus zweifelt, ist böse und leistet der Seuche Vorschub. Gegen eine solche Moralkeule lässt sich rational nicht argumentieren.

 

Corona ist weder rechts noch links

 

Eine subtilere Variante der Keule schwingt das ZDF-Magazin «Frontal 21». In einem Beitrag über die Parlamentsdebatte zur «Bundesnotbremse» porträtierte es einen jungen Familienvater, der zwar Covid-19 überlebt hat, aber seither unter schwersten Langzeitfolgen leidet. Die Botschaft war unüberhörbar: Die Opposition handelt leichtsinnig und macht sich so schuldig.

 

Niemand möchte, dass ein Familienvater keine Treppen erklimmen kann, weil der Grossteil seiner Lunge geschädigt ist. Also ist die Zustimmung zum Infektionsschutzgesetz Pflicht. Und die, die wie der FDP-Vorsitzende Christian Lindner vor den verfassungsrechtlichen Risiken des Gesetzes warnen, sind böse. Für die Begriffsstutzigen unter seinen Zuschauern fuhr das ZDF noch einen Arzt auf, der sein Unverständnis bekundete, weshalb Lindner ständig mit dem Grundgesetz unter dem Arm herumlaufe.

 

Es wäre unfair, zu behaupten, die Befürworter weitreichender Zwangsmassnahmen würden den Mangel an Argumen-ten durch die saloppe Verwendung der Moralkeule kompensieren. Sie können sich wie ihre Gegner auf Fakten berufen. Doch die Debatte darüber ist mühsam, und so erscheint eine intellektuelle Abkürzung manchmal verlockend.

 

Die platteste Form der Abkürzung ist der Versuch, jede Kritik an der offiziellen Corona-Politik als rechts, rechtsradikal oder mindestens schwer verwirrt abzutun. Gewiss, die AfD lehnt die Einschränkungen vehement ab. Auch laufen bei den Demonstrationen gegen die Zwangsmassnahmen Reichsbürger und Rechtsradikale mit. Aber längst nicht alle Demon-stranten sind rechtsradikal. Gegen die «Bundesnotbremse» macht nicht nur die AfD Front, sondern ebenso die Links-partei.

 

Die breite Ablehnung des Infektionsschutzgesetzes zeigt, wie unsinnig es ist, die Auseinandersetzung um die Seuchen-politik in ein Rechts-links-Schema zu pressen. Aber die Prämie für solch kurzschlüssiges Denken wirkt verführerisch: Linke sind für das Leben, Rechte für den Tod.

 

Um jemand zu diskreditieren, gibt es in Deutschland kein probateres Mittel als den Vorwurf, er sei rechts. Unter diesem Etikett lassen sich konservative CDU-Vertreter wie der frühere Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maassen ebenso sub-sumieren wie sämtliche Spielarten von Corona-Leugnern, Querdenkern, Verschwörungstheoretikern und Aluhüten.

 

 

Die Kategorien sind herrlich unpräzis, so dass sie im Zweifelsfall auf alle passen, die einem nicht passen. Wie lautete die Devise in Hollywoods Westernfilmen? «Kill them all and let God sort them out.» Es geht längst nicht mehr um die besten Lösungen in der Pandemie. Das Ziel ist die Vernichtung des Gegners – natürlich nicht physisch, wohl aber reputationsmässig.

 

An Päpsten und Päpstinnen herrscht kein Mangel

 

Wissenschaftliche Erkenntnisse sind ihrer Natur nach keine ewigen Wahrheiten, sondern nur bis zu ihrer Widerlegung gültige vorläufige Aussagen. Sie lassen sich auch nicht in Gut und Böse einteilen. Moralisch qualifiziert werden können nur die politischen Schlussfolgerungen, die aus ihnen gezogen werden.

 

Kein Wissenschafter, kein Politiker, aber auch kein Mitglied der allzeit schussbereiten Twitter-Gemeinde sollte einen Unfehlbarkeitsanspruch erheben. Wer wie der Corona-Papst Christian Drosten mit manchem seiner Auftritte dennoch den Eindruck erweckt, er halte sich für unfehlbar, droht im Shitstorm umzukommen.

 

Der Cocktail aus scheinbarer wissenschaftlicher Objektivität und moralischer Überlegenheit dürfte in der Klimadebatte erneut serviert werden. Die Erderwärmung ist wie die globale Pandemie buchstäblich eine Überlebensfrage. An Päpsten wie Päpstinnen herrscht ebenfalls kein Mangel. Auch die Wortwahl ähnelt sich. Beim Klima-Leugner handelt es sich um ein ähnlich fragwürdiges Subjekt wie bei seinem nahen Verwandten, dem Corona-Leugner.

 

Auch nach der Seuche wird ein unstillbares Bedürfnis nach Gewissheit herrschen – kombiniert mit der Neigung, die Welt in Gut und Böse einzuteilen. Die Menschheit will manchmal eben nicht wissen, sondern glauben.

 

Die dazu passenden Argumentationsmuster existierten schon vor Corona, die Pandemie hat sie indes verstärkt. Und es ist mehr als nur eine Vermutung, dass sie in der Klimadebatte wiederkehren werden. Während sich Corona aber mit Impfungen eindämmen lässt, wird das Thema Erderwärmung nicht so rasch verschwinden. Die Aussicht auf einen ähnlichen Glaubenskrieg wie in der Pandemie ist beängstigend.

 


 

Corona - auf der Suche nach der Wahrheit

 

Corona - auf der Suche nach der Wahrheit1. Teil: Servus TV 05.05.2021

 

https://www.servustv.com/aktuelles/v/aa-28a3dbyxh1w11/ - 2. Teil: Servus TV 14.07.2021

 

https://www.servustv.com/aktuelles/v/aa-28zh3u3dn2111/ - 3. Teil: Servus TV 22.12.2021

 

 


 

Corona: Szientismus oder Freiheit

 

Die Wissenschaft lässt sich in der Corona-Pandemie zur technokratischen Steuerung der Gesellschaft miss-brauchen, sagt der Wissenschaftsphilosoph Michael Esfeld. Wissenschaft als politisches Programm führt jedoch zum Kollektivismus und lässt sich mit den Grundrechten nicht vereinbaren.

 

EIN FUNDSTÜCK DER CICERO-REDAKTION am 10. Februar 2022

 

Der Wissenschaftsphilosoph Michael Esfeld ist seit 2002 Professor an der Universität Lausanne und seit 2009 Mitglied der Leopoldina, der Nationalen Akademie der Wissenschaften. Sein Schwerpunkt ist die Philosophie der Physik und des Geistes. Auf einer Veranstaltung des liberalen Freiblickinstituts unter dem Titel „Wissenschaft und Pandemie: Wie geht es weiter?“ stellte er seine Überlegungen zur Rolle der Wissenschaft in der Corona-Pandemie zur Diskussion.

 

Esfelds These: Wissenschaft, die sich in der Coronapolitik für die technokratische Steuerung der Bevölkerung miss-brauchen lässt, schadet sich und der Gesellschaft.

 

Nach fast zwei Jahren Corona-Politik gehe es nicht mehr um einen Ausnahmezustand („epidemische Notlage“), in dem Grundrechte zeitweise ausgesetzt werden, um eine Notlage zu bewältigen, meint Esfeld. Es gehe vielmehr darum, eine „neue Normalität“ zu schaffen, die in einer umfassenden sozialen Kontrolle besteht. „Diese soziale Kontrolle erfolgt (zunächst?) durch Gesundheitspässe, die den Zugang zum Berufsleben und zum sozialen Leben generell regeln (3G, 2G, zumindest faktischer Zwang zu regelmäßigen Booster-Impfungen). Diese Situation wirft grundsätzliche Fragen zur Rolle des Staates und zur Rolle von Wissenschaft auf.“ Wissenschaft sei aber kein politisches Programm, das man zur Steuerung der Gesellschaft einsetzen könne. „Als politisches Programm – ,follow the science‘ – zerstört die Wissenschaft sich selbst und die Gesellschaft gleichermaßen.“

 

Wissenschaft will vorgeben, was moralisch geboten ist

 

Esfeld weiter: „Wissenschaft als politisches Programm wird in der Fachsprache als ,Szientismus‘ bezeichnet und führt, politisch umgesetzt, zum Kollektivismus. Szientismus ist die Idee, dass der Gegenstandsbereich der Wissenschaft un-begrenzt ist und auch alle Aspekte unserer Existenz umfasst. So zum Beispiel auch die Moral: Wissenschaft gibt vor, was moralisch geboten ist. Diese Idee führt daher zu dem politischen Programm, die Gesellschaft gemäß wissenschaftlichen Vorgaben zu steuern. Dieses politische Programm ist ein Kollektivismus, weil eine wissenschaftliche Vorgabe für das allgemein Gute und seine Umsetzung über die Würde und die Rechte der einzelnen Menschen und ihrer sozialen Gemeinschaften wie der Familien gestellt wird.“

 

Für den Wissenschaftsphilosophen Esfeld ist die Corona-Politik der bisherige Höhepunkt eines neuen Szientismus und Kollektivismus, der wesentliche Merkmale mit früheren Kollektivismen gemeinsam habe: „(i) der Anspruch in einer Elite von Wissenschaftlern, das Wissen über ein allgemein Gutes zu haben; (ii) in Verbindung mit diesem Wissensanspruch ein technokratisches Menschenbild, das die Menschen als Objekte ansieht, deren Lebenswege auf dieses angebliche allgemeine Gute hin gelenkt werden können und sollen; (iii) die Aufnahme dieses Wissensanspruchs und dieses Menschenbildes in Politik und Medien mit dem Machtanspruch, die Gesellschaft entsprechend zu steuern.“

 

Freiheitsrechte unter Vorbehalt der Genehmigung durch Autoritäten

 

Man suggeriere, so Esfeld dass die Menschen Vernunft gar nicht selbst einsetzen könnten, weil sie die Verantwortung nicht tragen könnten, die mit Selbstbestimmung verbunden sei. Auf diese Weise solle es akzeptabel erscheinen, die Ausübung von Freiheitsrechten unter den Vorbehalt der Genehmigung durch staatliche oder supranationale Autoritäten zu stellen.

 

Der Philosoph warnt schließlich: „Man beruft sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse, aus denen sich angeblich politi-sche Handlungsanweisungen ergeben, die über den Grundrechten stehen. Wissenschaftliche Erkenntnisse haben so nicht mehr den Status von Hypothesen, die man einer kritischen Prüfung durch Argument und Experiment unterzieht. Stattdessen erhalten sie den Status quasi-religiöser Wahrheiten, die man nicht in Frage stellen darf und die sogleich politisch umgesetzt werden sollen.“ Wer etwa sein Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit in Anspruch nehme, indem er sich nicht impfen lassen, werde ausgegrenzt, weil er sich gegen „die Wissenschaft“ stelle.

 

Der gesamte Beitrag von Michael Esfeld findet sich auf der Website von „Novo Argumente“

 

https://www.novo-argumente.com/artikel/pandemischer_szientismus

 


 

Servus-TV: Talk im Hangar 7 - Spezial mit Prof. John Ioannidis

Seit 18 Monaten hat Corona die Welt fest im Griff. Ein Wissenschaftler hat schon früh vor Panikmache gewarnt: John Ioannidis, einer der weltweit führenden Epidemiologen und eine Ikone der Maßnahmen-Skeptiker. Jetzt zieht Ioannidis in einem exklusiven Talk Spezial mit ServusTV-Moderator Michael Fleischhacker Bilanz – und spricht über die größten Fehler in der Pandemie, warum sich Politik und Wissenschaft in vielen Punkten irrten und welche Schritte nun zur Beendigung der Krise nötig sind.
John Ioannidis gehört zu den einflussreichsten und meistzitierten Wissenschaftlern der Welt. Schon 2005 löste der Stanford-Professor mit seiner harschen Kritik an den oft fehlerhaften Studienergebnissen seiner Kollegen eine Schockwelle aus, erntete dafür aber auch größten Respekt. Zu Beginn der Corona-Krise dann der große Bruch:
Während die Wissenschaftswelt das Virus als globale Gefahr einstuft und härteste Maßnahmen fordert, mahnt Ioannidis zur Mäßigung, warnt vor Panikmache und kritisiert die fehlende wissenschaftliche Basis der Maßnahmen. Im Jänner legt Ioannidis dann die heiß diskutierte Stanford-Studie vor. Kritisch blicken er und seine Mit-Autoren darin auf die global eingesetzten Lockdowns und die daraus entstandenen Kollateralschäden. Dafür steht er seither weltweit im Kreuzfeuer von Wissenschaft, Medien und Politik.
Prof. John P.A. Ioannidis talk on COVID-19 epidemiology: "risks, measures, and ending the pandemic"
with Prof. Manuel Schabus: https://www.youtube.com/watch?v=B_ehq...