Neoliberale Perversion

 

 

Rente de luxe

 

Daimler-Chef Dieter Zetsche

 

Daimler-Chef Zetsche erhält 4000 Euro Ruhegeld - pro Tag. Das befeuert erneut die Debatte um Managergehälter.

 

Max Hägler - 28.01.2019 - Süddeutsche Zeitung

 

Jetzt, wo die Debatte mal wieder losgeht um die hohen Gehälter und finanziellen Absicherungen von Spitzenmanagern und insbesondere jenes von Dieter Zetsche, da fällt einem auf: Was der Daimler-Chef vor wenigen Wochen einspielte, gedacht als kleines Späßle, das ist von der Realität gar nicht so weit weg. Zetsche, der Bühnen jeder Art nicht abgeneigt ist und um den Wert von Humor weiß und diesen auch beherrscht, wenn er nicht gerade übellaunig ist, hat zu Weihnachten ein kleines Video drehen lassen.

 

Wie man ihn seit einigen Jahren kennt - blaues Jacket, natürlich ohne Krawatte, Schnauzbart, schwarze Turnschuhe - sitzt der 65-Jährige da, bei einem fiktiven Bewerbungsgespräch - aber vor dem Schreibtisch, als Bittsteller. Weihnachtsmann will er werden, ein nettes Kokettieren mit seiner Anschlussverwendung, wenn er im Mai als Vorstandschef abtreten wird. Ein paar Möglichkeiten diskutiert er also an dem Tisch, man sinniert, wie schwer es ist loszulassen, und über neue Jobs. Der zu Rate gezogene Jogi Löw bescheinigt ihm "starke Physis und starke Präsenz", aber für einen Platz als Nationalspieler - da sei er doch zu langsam. Fabrikarbeiter? Zu ungeschickt. Formel-1-Fahrer? Zu ungelenk.

 

Gute Bilanz

 

Insofern bleibt tatsächlich: Weihnachtsmann! Für zwei Jahre erst einmal, sagt der Oberweihnachtsmann, eine Anspielung darauf, dass Zetsche danach in den Aufsichtsrat des Autobauers wechseln wird. Und der neue Arbeitgeber drückt dem Nachwuchsmann gleich noch mal ein großes Paket Wünsche in die Hand. "Es gibt einen guten Grund, wieso wir uns um die Zukunft nicht sorgen müssen", sagt der dann und schaut in die Kamera. "Sie."

 

Ein nettes Lob an die Mitarbeiter. Aber auch eines an sich selbst, der sich als erster Mitarbeiter versteht, auch wegen der 43 Jahre Betriebszugehörigkeit. Und der zugleich wohl keine großen, unerfüllten, materiellen Wünsche mehr haben dürfte in seinem Leben. Die Bild am Sonntag hat aus den Daimler-Geschäftsberichten Zetsches Rente errechnet, die auf sein jahrelanges Millionengehalt folgen wird. Vom Jahr 2020 an wird er gut 4200 Euro erhalten - pro Tag. Diese Summe ergebe sich aus einem jährlichen Ruhegehalt von einer Million Euro und einem Betrag aus dem Altersvorsorgesystem.

 

Es ist angeblich die höchste Betriebsrente, die ein Firmenchef je bekommen hat. Nun ist Zetsches Bilanz für den Laden vorbehaltlich der Dieselaffäre, die noch unaufgeklärt im Raum steht, sehr gut. Er brachte in den 13 Jahren seiner Amtszeit die Qualität wieder in Ordnung, versteht die Notwendigkeit neuer Arbeitsweisen, schuf Jobs und ist kundiger Ingenieur.

 

Dennoch reden die Leute nun: Hat der denn kein Gespür, was anständig ist? Die Frage stellt sich insofern, weil die Rente der 16 Millionen anderen Ruheständler in Deutschland 828 Euro beträgt. Pro Monat.

 

Dass Zetsche selbst um die Debatte weiß, ist anzunehmen. Er ist zwar gern gedrucktes Objekt der Wartezimmer-Medien ("Der Mann der die Frauen liebt"). Doch wenige andere Manager diskutieren so offen und gescheit über die kleinen und großen Weltläufte wie er. Die Notwendigkeit, Flüchtlinge auszubilden, die Sorge vor rechtsextremen Umtrieben und Nationalismus, die Situation von Lehrlingen, die Faszination über neueste Social-Media-Spielereien - Zetsche ist allein wegen seiner Gesprächsthemen schon noch irgendwie Teil der Bürgergesellschaft, im Gegensatz zu anderen Großverdienern.

 

Er selbst hat sich in seine Gehaltsdiskussion indes noch nicht eingemischt. Aber vielleicht wird er - zur Einleitung - auf das Filmchen von Weihnachten zu sprechen kommen, im Sinne der Selbstironie. Das ist noch keine Antwort, aber eine Haltung, die ihm zuzutrauen wäre.

 

https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/zetsche-rente-million-euro-1.4306129

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zetsche - lustig


 

Konzernchef Dieter Zetsche Daimler plant Stellenabbau bei Verbrennungsmotoren

 

Anne Guhlich, 04.02.2017 - Stuttgarter Nachrichten - StN.de

 

Für den Bau eines Antriebs wird beim E-Auto nur ein Siebtel der Beschäftigten benötigt wie beim E-Auto. Aussagen von Daimler-Chef Zetsche zum Übergang sorgen nun für Verunsicherung

 

Stuttgart - Die Beschäftigten des Stuttgarter Autobauers Daimler haben verständnislos auf Äußerungen von Konzernchef Dieter Zetsche reagiert, wonach beim Umschwung zur Elektromobilität die Beschäftigung bei den Verbrennern schnellstmöglich reduziert werden soll. „Diese Frage betrifft nicht nur Untertürkheim“, sagte Wolfgang Nieke, Betriebsratsvorsitzender des Werks Untertürkheim, sondern auch die Zukunft der Werke in Berlin, Hamburg

und Kölleda.

 

Zetsche hatte am Freitag vor Finanzanalysten erklärt, Daimler werde „beim Antrieb so früh wie möglich reduzieren“. Man habe „zwar die Verantwortung, das Personal, das am Bord ist, zu sichern – aber wir sehen keine Verantwortung, die Stellen zu sichern.“ Auch wenn die Stückzahlen steigen, werde die Pkw-Sparte keine neuen Mitarbeiter einstellen.

Abfuhr für die die Beschäftigten: „Wir tun das Gegenteil“

 

Gegenüber den Analysten erteilte Zetsche auch der Forderung der Arbeitnehmervertreter eine Absage, einen möglichst großen Anteil der Komponenten fürs E-Auto in den eigenen Werken zu fertigen. „Wir werden nicht die vertikale Integration erhöhen, was die Arbeitnehmervertreter präferieren – wir tun das Gegenteil“, sagte Zetsche. Bei der Jahrespressekonferenz am Tag zuvor hatte er noch erklärt, man spreche mit den Arbeitnehmern intensiv über die Thematik.

 

Erst vor wenigen Wochen hatte IG-Metall-Chef Jörg Hofmann die Branche vor großen Auslagerungen gewarnt. Dieser Traum könne „schnell zum Albtraum werden“, erklärte er unserer Zeitung. „Wenn ein Rädchen ausfällt, kommt das gesamte Getriebe zum Stillstand.“

 

Daimler-Betriebsratschef Michael Brecht bekräftigte das Ziel, die Komponenten der E-Autos weitgehend in die eigenen Standorten zu holen. „Wir bleiben dabei.“

 

https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.konzernchef-dieter-zetsche-daimler-plant-stellenabbau-bei-verbrennungsmotoren.8c49dd76-f2ae-4557-8094-5352a5f41d37.html

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zetsche - grimmig