Historisch-kritische Methode


 

Was ist die historisch-kritische Methode?

 

Die historisch-kritische Methode ist ein im 18. und 19. Jahrhundert entwickelter Methodenapparat zur Untersuchung von historischen Texten. Bekannt ist sie vor allem aus der biblischen Exegese. Sie hat zum Ziel, einen (biblischen) Text in seinem historischen Kontext zu verstehen und schließlich auszulegen. Dabei spielen die Rekonstruktion der vermuteten Vor- und Entstehungsgeschichte des Textes und seine Einbindung in das damalige Geschehen eine besondere Rolle. Wichtige Teildisziplinen der historisch-kritischen Methode sind die Textkritik, die Textanalyse, die Redaktions-, Literar-, Form- und die Traditionskritik. Die historisch-kritische Methode ist heutzutage als grundlegende Methode der Bibel-auslegung in der evangelischen und in der katholischen Kirche anerkannt, wenn auch nicht unumstritten.

 

https://dewiki.de/Lexikon/Historisch-kritische_Methode

 


 

Hans-Ulrich Weidemann, Historisch-kritische Bibelauslegung

 

An verschiedenen Stellen der Lehrpläne taucht er immer wieder auf, der Begriff „historisch-kritisch“. Benutzt wird er mit einem gewissen understatement, als sei allen klar, was damit gemeint ist. So kann das Missverständnis entstehen,

hier gehe es darum herauszufinden, „wie es wirklich war“, also um die wissenschaftlich erhebbaren „Fakten“ hinter den Texten. Mit dieser Reduzierung der Fragestellung wird man aber weder den Anliegen historisch-kritischer Methoden

noch den von ihnen untersuchten Texten und erst recht nicht den neueren Diskussionen in den Geschichtswissen-schaften gerecht.

 

https://www.uni-siegen.de/phil/kaththeo/mitarbeiter/weidemann/weidemann_hist_krit_(handbuch_bibeldidaktik).pdf

 


 

Jacob Thiessen, Die historisch-kritische Methode der Bibelauslegung kritisch hinterfragt

 

In Bezug auf die so genannte „historisch-kritische Methode“ der Bibelauslegung werde ich mich im folgenden Referat schwerpunktmäßig auf die Evangelien des Neuen Testaments konzentrieren. Sie stellen einen Kern der biblischen Offenbarung dar, indem sie von dem Leben und vom Erlösungswerk des Messias, der das Zentrum der ganzen Schrift ist, berichten. Somit bilden die Evangelien einen zentralen Teil der Bibel.

 

Dr. Jacob Thiessen, Jg. 1964, verh. drei Kinder, ist seit 2004 Rektor der Staatsunabhängigen Theologischen Hochschule in Basel (STH) und Dozent für Neues Testament.

 

https://bibelbund.de/2014/12/die-historisch-kritische-methode-der-bibelauslegung-kritisch-hinterfragt/

 




 

Baruch de Spinoza – Bibelkritik in der Neuzeit | 11.12.1

 

Worthaus Sommercamp – Volkenroda: 14. August 2021 von Prof. Dr. Thorsten Dietz

 

Seit Jahrhunderten wird die Bibel ausgelegt, interpretiert und erklärt. Aber kritisiert? Das wird sie noch nicht lange. Und die Bibelkritik wird ihrerseits kritisiert. Ihr stellt Menschenwort über Gotteswort! rufen die Kritiker der Bibelkritik. Ihr seid antimoderne Fundamentalisten! kritisieren die Bibelkritiker.

 

Thorsten Dietz lässt beide Positionen aufeinanderprallen. In diesem siebten Vortrag der Worthaus-Serie »Geschichte der Bibelauslegung« legt er die Grundlage für das Verständnis der historisch-kritischen Methode. Er erklärt, wie im Huma-nismus erste kritische Arbeiten entstanden, wie die Reformation die historisch-kritische Methode vorantrieb und nun auch die Katholiken der Heiligen Schrift auf den Grund gehen wollten. Und er erzählt, wie ausgerechnet ein jüdischer Brillenglasschleifer quasi als Hobby die Grundlage für die historisch-kritische Methode legte und die Botschaft der Bibel auf drei Punkte zusammenfasste. 

 



 

Gotthold Ephraim Lessing – Bibelkritik in der Aufklärung | 11.13.1

 

Worthaus Sommercamp – Volkenroda: 15. August 2021 von Prof. Dr. Thorsten Dietz

 

Stell dir vor, du lebst in einem Land, in dem du nicht frei sagen kannst, was du denkst. Im schlimmsten Fall kommst du für unerwünschte Aussagen ins Gefängnis, oder du verlierst nur deine Arbeitserlaubnis, wirst gemieden und ausgelacht. Nicht schön.

 

Gotthold Ephraim Lessing lebte im falschen Land zur falschen Zeit, um geradeheraus zu schreiben, was er dachte. Also schrieb er verschlüsselt, schrieb Nathan der Weise und Emilia Galotti. Er war clever, versteckte, was er wirklich dachte, in Theaterstücken. „So raffiniert, dass er manchmal wahrscheinlich selber nicht wusste, was er dachte“, sagt Thorsten Dietz.

 

In seinem Schlüsselvortrag über die Bibelkritik in der Aufklärung, erklärt er zentrale Weichenstellungen im 18. Jahr-hundert, die uns bis heute betreffen. Anschaulich, aber anspruchsvoll beschreibt er das Leben Lessings, seine Lehren und den großen Streit unter Gelehrten, in dem Lessing die Hauptrolle spielte. Denn er war nicht nur Theaterautor. Er war auch Bibliothekar. Und eines Tages, irgendwann um das Jahr 1777 herum, fand Lessing Texte von Hermann Samuel Reimarus.

 

Echtes Dynamit, das merkte Lessing schnell. Texte, die den gesamten christlichen Glauben infrage stellten. Echtes Plutonium in einer Zeit, in der ohnehin noch Glaubenskriege tobten. Lessing veröffentlichte die Texte. Und entfesselte damit einen Streit, der unser Verständnis von Glaube und Geschichte bis heute prägt.

 

Dieser Vortrag gehört zur Reihe »Hermeneutik: Geschichte von Schriftverständnis und Bibelauslegung«.